Ich würde eher sagen, wer 3 Schlachten NICHT überlebte, hatte entweder sehr viel Pech oder war mindestens einmal auf der falschen Seite.
Bei einer Schlacht waren die Verluste für den Sieger in der Regel unter 5 %. Der Verlierer konnte hingegen völlig aufgerieben werden. Wer also mit einer siegreichen und gut geführten Armee durch die Lande zog, hatte die besten Chancen und starb vermutlich eher an einer Krankheit als in der Schlacht.
Daß Plünderungen dem Anführer einer Armee nicht gerade gelegen kommen, liegt auf der Hand.
Aber der Anführer mußte sich erst mal durchsetzen. Und dann riskierte er u.U., daß sich die Armee auflöste. In der Reconquista zogen viele der Kreuzfahrer enttäuscht ab, als sie Cordoba nicht plündern durften! SO hatten die sich den Kampf gegen gegen die Heiden nicht vorgestellt...
Und was die Begegnung mit fremdländischen Ausrüstungen angeht, dazu mußte der Rittersmann nicht erst nach Jerusalem reisen. Es gab einen regelrechten Kreuzzug-Tourismus, gerade zu den regelmäßigen Veranstaltungen des Deutschen Ordens.
Zu den Plünderungen gibt es viele Quellen
Die Tapete von Bordeaux, dort sind Leute zu sehen, die Gefallenen die Kettenhemden ausziehen (11 Jahrhundet).
Im Strategikon aus dem 6.Jahrhundert wird oft davor gewarnt, dass nicht planlos geplündert werden soll und damit die eigenen Reihen nicht auflockern und angreifbar macht, statt dessen, sollen nur ausgesuchte Soldaten unter dem Schutz und in der Reichweite der eigenen Schlachtreihe sammeln gehen.
In der Nähe von Haltern hat man ein Grab gefunden, das eine fränkische Spartha ( 8 Jahrhundert?) aufweist, allerdings, umgeschmiedet zu einem einschneidigen Sax.. Man nimmt an, dass es sich um eine Beutestück handelt und dies nach dem Geschmack des neuen Besitzers umgearbeitet wurde ( zu der Zeit gibt es keine Schwertfunde bei den Sachsen). Soviel zu den dt. Fußsoldaten mit Säbel...
Des weiteren denke ich, man darf so was nicht mit einem DSA Rollespiel verwechseln.
Ein Vagabund besiegt einen Gegner nimmt dessen Waffe und kann damit einen größeren Gegner besiegen und steigt auf um den Endgegner...
Damals wie heute sind Kämpfe eher die Ausnahme und wer mehr als zwei drei Schlachten überlebt hat großes Glück.
Die Beute bestand nicht nur aus Waffen und Rüstung, sondern zunächst einmal Nahrung.
Ohne Nahrung ist jede Armee verloren und jeder großer Feldherr hat dieses als erstes im Sinn.
Dann kommen Sachen, die der Sieger zu Geld machen kann, Wertgegenstände wie silberne Platten, Schüsseln etc...Am ende findet man vielleicht noch den einen oder anderem Gegenstand mit dem man seine Ausrüstung verbessern kann...
Krieg kostet nicht nur Leben, sondern auch massiv viel Geld.
Nicht nur für Waffen und Ausrüstung, sondern auch für Essen, im Falle von Aufgeboten müssen die Produktionsausfälle durch Importe gedeckt werden, uva.
Allein das ist bereits ein Grund, die Beute erstmal zentral zu sammeln, und dann nur den Überschuß - wenn denn vorhanden - auszuteilen.
Gruß, Ivain
In der Regel kämpft man in kommandierten Verbänden mit Leuten an seiner Seite, die man schon länger kennt.
Die Verbandsführer (nenne es jetzt neutral, um mich auf keine bestimmte Armee zu fixieren) kennen ihre Kollegen, die Fahnen (Herolde gabs ja auch noch) und Hauptleute.
Sprich, wenn nicht alles vollkommen ins Getümmel ausartet - was dokumentierter Weise aber auch geschah - weiß man in der Regel schon durch die Position einer Gruppe, zu wem sie gehört.
Gruß, Ivain
Beute machen war üblich, ja.
Beute zu behalten jedoch so einfach nicht.
Bessere Rüstungen und Waffen, Schmuck uva. sind mit eher nicht an einfache Stände gegangen.
Zum Teil waren die Zusagen, welche Partei einer Allianz wieviel Beute machen durfte, fester Bestandteil eines Bündnisvertrags.
Sich also über Beute hochzurüsten dürfte recht schwer sein, da bei der Aufteilung die Stücke eher im selben Stand verblieben sind.
Ausnahmen mag es vielleicht in den Fällen geben, wo ein Ritterheer einem Bürger und Bauernaufgebot unterlegen ist, also tendentiell mehr hochwertige Beute als hochwertige Krieger anzutreffen waren.
Sarazenenbeute in Europa kann man aber fast ganz vergessn, würde ich sagen.
Schätze einfach mal, wieviel Vermögen jemand, der ohne Arbeit in einem fremden Land unterwegs ist, am Ende noch hat.
Da werden viele Besitztümer schlicht für die Rückreise draufgehen.
Alles in allem halte ich ersichtliche Beutekrieger für eine eher seltene Erscheinung.
Gruß, Ivain
Die Plünderung der Gefallenen nach der Schlacht ist mit Sicherheit anzunehmen, aber die Details sind hier weitgehend unklar (z.B. ob es in irgendeiner Weise organisiert war, ob einzelne Soldaten ihre Beute behalten durften, ob jemandem das Plündern ausdrücklich verboten war etc). wahrscheinlich gilt jegliche Angabe hierzu (es gibt das eine oder andere Zitat) jeweils für die Bedingungen dann und dort, Verallgemeinerungen sind schwer. Ich würde aber gerade bei professionellen Söldnern (z.B. den Brabanzonen im 12 Jh) davon ausgehen, dass die sich nahmen, was sie kriegen konnten, und nicht bereitwillig wieder herausgaben. Sicher gab es aber so etwas wie einen Verteilungsschlüssel unter Angehörigen einer Einheit.
Was die zweite Frage angeht so lautet die Antwort: schwer. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Armeen z.B. im hundertjährigen Krieg oder im Burgunderkrieg bestimmte Kennzeichen (weisses Kreuz, farbige Schärpe o.ä.) tragen mussten, aber das weist letztlich nur darauf hin, wie verbreitet das Problem war. Auch ein einheitliches Feldgeschrei (Shakespeare gibt uns "God and Harry! England and St George!") half. Ausserdem fanden Schlachte ja meist in relativ engen Formationen statt, bei denen man den Feind daran erkante, dass er bei den anderen stand.
Im übrigen ist es ja nicht so, dass sich militärische Ausrüstung oft dramatisch unterschied. Ein Amalfitaner, der einem zeigenössischen Aghlabidischen Soldaten Schwert, Schild und Panzer abnahm würde zu Hause bestenfalls etwas auffallen - das Grundmodell ist nahezu gleich. Und auch ein Franke oder Schwabe, der sich bei einem Mailänder oder Veroneser bedient dürfte nichts wirklich exotisches erbeuten.
Ianus
Ich bin noch recht neu hier und bedanke mich erst mal für die vielen interessanten Beiträge. Nun habe ich mal eine Frage.
Ich stelle mir folgendes Szenario vor: Ein einfacher deutscher Fußsoldat (z.B. im 12. Jh.) der aufgrund von Geldmangel nur eine sehr spärliche Ausrüstung besitzt, überlebt glücklich eine Schlacht. Hätte dann ein solcher Sieger die Gelegenheit zum Beispiel gefallene Gegner auszuplündern, um dann seine eigene Ausrüstung zu verbessern? Jemand wie er würde dann vermutlich mit einer recht bunt zusammen gewürfelten Rüstung (z.B.Sarazene) und vielleicht auch dann einer besseren Waffe rumlaufen. Das führt dann gleich weiter zur nächsten Frage: Wie konnte man dann noch in der Hektik der Schlacht zwischen Freund und Feind unterscheiden?