Ich kenne bisher nur die Kombination, daß der Schleier auf dem Gebende befestigt ist (Manesse), dann sieht man sehr häufig Haarnetz und Gebende (Gebende = ein oder mehrmals vertikal um den Kopf geschlungene “Kinnbinde” und dann ein horizontal um den Kopf getragener “Reif” - damit meine ich aber nicht diese komischen dicken Wülste, sondern sowas wie einen steilen (Pillbox-)Hut ohne Deckel) - oder halt verschiedene Trageweisen von Kopftüchern. Oder bei jungen Frauen halt Schapel und offenes Haar. Für 1180 kenne ich noch Kombinationen aus einem langen rechteckigen Schleier und einem “Schapel”. Aber für 1250? Naja, da bin ich ja mal auf die Quelle gespannt. Man soll ja nie von sich behaupten, schon alles zu wissen…
Der Codex Manesse - zugegebenermaßen ca. 50-70 Jahre später entstanden, also um 1300 und später - ist reich an Bildbelegen für Schapel in Kombination mit dem Schleier, einfach mal die Manesse-Suchmaschine anwerfen. Ob der Ansatz, daß unverheiratete Frauen das Schapel ohne weitere Kopfbedeckung trugen (durften) stimmt, weiß ich nicht, evtl. hat jemand auch dafür Belege.
Belege für Schapel und Schleier für die Zeit um 1250 reiche ich nach.
Welche Länge, aus welchen Stoff besteht es und welche Farbe? Ich interessier mich für die Zeit um 1250, stelle eine junge unverheiratete Frau des niederen Adels dar.
Naja, Tatsache ist doch, daß wir aus dem 13. Jahrhundert hauptsächlich einen Kleidertyp kennen, der eben diesen engen Unterarm und den weiten Oberarm hat. Das ist sozusagen unser Basisschnittmuster, welches wir in den Kleidern der Hl. Klara und Elisabeth wiederfinden. Wir können dann nur Unterschiede, die wir anhand von Abbildungen ersehen können, feststellen und dazu Spekulationen betreiben. Z.B. daß eine Adlige wohl mehr Keile eingesetzt hatte und einen anderen Stoff, z.B. Seidensamit mit Mustern, verwendet hatte. Oder daß dann noch Borten/Applikationen an Armbündchen und Halsausschnitt der Surcote angebracht waren. Was wir ja über in jedem Fall über feudale Gewänder wissen ist, daß man für diesen Kleidertyp Knöpfe am Unterarm getragen hat. Na, und wir können eben anhand der Bußgewänder ersehen, daß “einfachere Modelle” - nach denen hier nebenbei bemerkt gefragt war - dann wohl weniger Keile hatten, nicht ganz so lang waren, einfachere (Woll-)Stoffe verwendet wurden, evtl. Schlitze am Unterarm zum Umschlagen, etc…
Oder bin ich da jetzt ganz falsch dran mit meinen ßberlegungen? Ich meine, gibt es jemanden, der seine Cotte fürs 13. Jahrhundert nach anderen Kriterien schneidert?
Also meiner Ansicht nach kann man die Bußgewänder nicht 100% verallgemeinern. Selbst heute gibt es noch einen deutlichen Unterschied zwischen asketisch-sittsam und prunksüchtig-sexy. ;)
Also, das würde ich auch sagen. Auf den Schnitt aus einer “Mittelalterzeitschrift” kannst Du nicht immer vertrauen. Schau Dir doch Quellen aus dieser Zeit an. Z.B. die Kreuzfahrerbibel. Im 13. Jahrhundert waren die ßrmel am Unterarm ganz enganliegend und am Oberarm weit (ähnlich wie heute Fledermausärmel geschnitten sind). Das hat man erreicht, indem man einen Keil hinten am Oberarm eingesetzt hat. Dann hast Du entweder einen ganz langen oder zwei ca. schulterbreite Stoffbahnen für Vorder- und Hinterteil (evtl. mit Verschluß oben auf der Schulter) und Keile auf jeder Seite, die den Umfang dann ausmachen. Es gibt von diesem Schnitt noch zwei erhaltene Kleidungsstücke: Das der Hl. Klara und das der Hl. Elisabeth. Schau mal unter diesen Stichpunkten hier in der TV nach!
was ich noch zu bedenken geben möchte: Du sagst, Dein Kleid hat Tütenärmel. Diese sind hauptsächlich im ausgehenden 12. Jahrhundert (so 1180 bis 1200 zu finden.) Ich habe zwar schon gehört, es gäbe irgendeine Quelle um 1230, wo auch mal Tütenärmel abgebildet sind, gesehen habe ich sie aber noch nicht und bin mir deshalb nicht sicher, ob das stimmt. Kleider mit Tütenärmeln sind haufenweise im Hortus Deliciarum abgebildet. Ich denke, das ist DIE Quelle für diese (französische) Modeerscheinung.
Du schreibst, daß Du eine Bürgersfrau um 1250 darstellen möchtest. Das passt dann Dein Kleid überhaupt nicht. Näh Dir doch einfach ein Neues. Es käme ja auch nicht mehr darauf an wenn Du eh am werkeln bist. Und einen Surcot kannst Du dann auch tragen. Bei Kopfbedeckungen hast Du mehrere Möglichkeiten: Gebende oder Schleier (siehe entsprechenden Thread). Schau doch z.B. mal unter www.hochmittelalter.net auf den Klamottenzettel. Und sich Dir Farben heraus, die damals auch färbbar waren. Das nur so als Tipp…
Da hast du mir jetzt schon sehr geholfen, dann weiß ich jetzt zumindest dass ich nich völlig falsch liege. Dann muss ich mich wohl jetzt auf die Suche begeben.Mal sehen ob ich fündig werde.
ich würde persönlich sagen wollen, daß du damit zumindest nicht auf jeden Fall falsch liegst.
Zumindest geben dir diverse Abbildungen beispielsweise dahingehend recht.
Fragen nach Ausstattung, Kleidung und Ausrüstung sind als Pauschalaussagen meist schwer zu beantworten. So irrwitzig es klingen mag, aber am einfachsten wird es dann zu beantworten (und auch darzustellen), wenn du dich an konkrete Personen oder mindestens Regionen und/oder einen bestimmten Stand hältst.
Beispiel:
Wenn jemand den Gottfried von Arnsberg (gest. 1371) in seinem Rüstzeug versuchen will darzustellen, dann kann er sich beispielsweise relativ gut an dessen Grabmal im Kölner Dom orientieren, denn da liegt der Mensch in seinem vollen Gerödel.
Man muss dann eigentlich “nur” noch die dort gezeigte Montur anfertigen/beschaffen und prüfen, ob etwaige “Regiefehler” an der Grabplatte vorliegen. Es könnte sein, daß einzelne Teile nicht der Mode in G.´s Sterbejahr entsprechen, da Grabmäler meist eben erst NACH, und zum Teil um einiges nach dem Tod entstanden sind.
Mal so als Beispiel, Kirsten. Wenn du so eine junge, unverbrauchte Edeldame aus deiner Region und Zeit festmachen kannst, dann wäre dir schon sehr geholfen. ;-)
TV hat eine hervorragende Suchfunktion. Einfach mal ausprobieren, habs auch grad mal probiert. Und siehe da, es geht immer noch! :-)
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Kombination von Surkotte und Cotte mit Tütenärmeln? Irgendwie bringst Du grade die Jahrhunderte durcheinander glaub ich. Und als Bürgerin würde ich auch kein Schapel tragen sondern eine normale Kopfbedeckung wie sie zu der zeit getragen wurde.