Frankfurt ist nicht wirklich meine Baustelle, aber für Köln sind die u. a. im Lexikon des Mittelalters gemachten Aussagen zumindest missverständlich: die Gewandschneider hatten keineswegs das Recht zur Herstellung und zum Zuschnitt der Kleidung. Dieses Recht lag weiterhin ausschliesslich in der Hand der Schneider. Gewandschneider (zu denen 1247 neben Wollengewandschneidern und Leinengewandschneidern auch Schneider, Tuchgrosshändler und Tuchscherer gehörten[1]) waren die Einzigen, die Stoff en detail, d. h. zugeschnitten, nicht nur als ganzen Ballen bzw. Bahn, handeln durften. Schneider (die nicht gleichzeitig Gewandschneider waren) dagegen durften Stoffe nur in der Form der fertigen Kleidung verkaufen. Gewandschneider sind also nicht den Handwerkern zuzurechnen, vielmehr den Handeltreibenden.
Die Gewandschneider gehörten zu den 'betuchtesten' und somit auch einflussreichsten Bruderschaften, denen man sich in Köln anschliessen konnte.
Also lass' mal David ruhig seinen Unwillen ausleben;-)
[1] Loesch, Heinrich von:
Die Kölner Zunfturkunden nebst anderen Gewerbeurkunden bis zum Jahre 1500. -Zwei Bände.
Bonn/Düsseldorf: 1907/1984.
Im MA unterschied man sogar zwischen Schneider (lat. sartor, s. vestium, mhd. sneider, schnider, nd. snidere, schrader) und Gewandschneider ((lat. sartor pannorum). 1355 sind in Frankfurt a.M. gewantmechir und snyder, 1377 snydere, gewantsnydere und gewantscherer (Tuchscherer) jeweils als eigene Zunft nachweisbar. In Köln lag der Tuchhandel während des 14. Jh. in den Händen der Gewandschneider (watmenger) und Schneider (schröder). Beide gehörten dort unterschiedlichen Handwerkskorporationen an.
Wenn es im MA also schon Gewandschneider gab, muß es demnach auch schon Gewandete gegeben haben. Das wirft ein völlig neues Licht auf die von Dir so geliebten Mittelaltermärkte mit ihren vielen Gewandungen, die somit ja viel authentischer daherkommen, als blöde LH-Veranstaltungen. Die gab es nämlich bestimmt noch nicht. Tja David, manchmal möchte man die Wahrheit einfach besser nicht kennen
Und noch dies, David, wenn Dir als Strohwitwer mit Deiner somit errungenen kostbaren "Freizeit" nicht besseres einfällt, als solch einen thread zu starten, bist Du wirklich arm wie ein (Gewand-)Schneider dran. :-)
na ja, bei "Kleidung" muss man heutzutage auch schon aufpassen bzw. differenzieren, da "Kleidung" in der Regel für die Textilien verwendet wird, die der "Moderne Mensch" so im Alltag anzieht - d. h. sehr oft billigster Industriestoff in schlechter Verarbeitung.
Tja, ich sehe da schon einen deutlichen Qualitätsunterschied zum aus ausgesuchten Stoffen handgenähten "Anziehzeug" für's Hobby. :ggg:
Wird man dem mittelalterlichen "Anziehzeug" (mir fällt gerade keine bessere Bezeichnung ein ;-) ) wirklich gerecht, wenn man es schnöde "Kleidung" nennen würde?
Ist wirklich eine schwierige Frage ;-)
Vergesst bitte nicht, das Larper und Mittelalterfuzzies eigentlich dieselben Wurzeln haben. Ich habe den Begriff "Gewandung" von Anfang an von beiden Lagern gehört.
Inzwischen habe ich mich so dran gewöhnt, dass er mich nicht mehr weiter stört. Außerdem: Schlagt doch mal was Besseres vor ;-)
Euer Traumschmied
Gewandung ist so viel ich weis eine aus dem LARP (LiveActionRolePlay)hervorgegangene Bezeichnung für die Fantasyklamotten, die die Leute da tragen.
gruß: der Daniel
Gewand ist klar. Aber Gewandung würde niemand zu seiner "modernen" Kleidung sagen. Selbst wenn er das Wort Gewand benutzt.
Wenn ich also auf den Ursprung "Gewand" zurückgehe, wird es ja noch absurder. Sind die "Gewandeten" ansonsten nackt??
Sowas...;o)
ich mag dieses Wort auch nicht, bei mir sind es Kleider oder Klamotten. Meine Uroma vom Bodensee sagte in ihrem urschwäbischen Dialekt noch zu bestimmten Klamotten "G'wand". Ich denke, das die Bezeichnung zu bestimmten Klamotten einfach ins Grobmittelalter übernommen wurde. Von mir aus weil es so archaisch klingt *gg*
Aber ich hab keine Ahnung von Larp. Klingt ziemlich affig was in der Wikipedia steht. *gg*
Liebe Grüsse, Sanni
verschiebt diesen Eintrag (unten) doch bitte in die Rubrik "Spaß". Denn, obwohl es ein ernstes Thema ist, sollte es eigentlich dorthin.
Hab´s nur übersehen.
manchmal geht es mir so, daß mich bestimmte Begriffe für irgendwelche Dinge tierisch aufregen. Vor allem wenn sie inflationär gebraucht werden, und/ oder von gewissen Personengruppen benutzt werden (schlagwortartig).
Das passiert mir auch im Hobby. Derzeit stolpere ich immer wieder über das Wort "Gewandung". Und das obwohl ich mögliche Quellen so gut als möglich versuche zu umgehen, denn ich hasse dieses Wort!
Treffen der GEWANDETEN, GEWANDETE Marktbesucher, GEWANDUNG anfertigen, GEWANDetenrabatte, etc.
Dieses Wort drückt bezüglich meines Hobbies so ziemlich alles aus was ich nicht will. Ja, es wirkt auf mich sogar sektös (oder so ähnlich)...
Es lauert überall, man kann es fast nicht umgehen, es drängt sich mir auf. Eigentlich habe ich es seit Jahren nicht mehr ausgesprochen.
Aber was heisst "GEWANDUNG" überhaupt? Ist es eigentlich ein Wort? Wenn ja, dann ein widerliches.
Das GEWANDUNG sich irgendwie auf Gewand, das, bezieht ist mir schon klar. Aber GEWANDUNG???
Wie steht ihr zu diesem Wort? Habe ich allein diese Abneigung?
Vielleicht habt ihr auch gar keine Meinung dazu, und denkt euch euren Teil...
Vor allem warum ich das hier schreibe.
Mal sehen.