ich denke der Spiegel hat seine "Stärken" ehr in der Betrachtung zeitlich aktueller Themen wie beispielsweise Politik. Natürlich gehen die Meinungen hier bestimmt auch auseinander.
Mir ist allerdings aufgefallen, und nicht nur in Artikeln über das Mittelalter, dass viele Berichte zu denen tiefer gehende Recherchen nötig sind, anscheinend irgentwann am Frust des Schreibers gescheitert sind, und dann einen ehr zynischen oder auch arroganten Ton bekommen. Geschweige denn inhaltlich korrekt sind.
Ich habe den Eindruck viele Artikel sind keine kritische Betrachtung eines Themas, sondern die persönliche Abrechnung eines Autors mit der Sache.
Ich finde, es paßt schon zum Thema.
Es ziegt nämlich sehr deutlich, daß die miserable Qualität der Artikel beim Spiegel üblich zu sein scheint, und man egal für welcehn Bereich nicht mehr erwarten sollte.
Gruß, Ivain
Passt zwar nicht direkt zum Thema, aber ich möchte gerne aud die Aussage
"Wenn auf einem Gebiet, wo ich ein bißchen Ahnung habe, immer wieder solch Stuß verzapft wird, was wird mir dann wohl auf den Gebieten untergejubelt, wo ich keine Ahnung habe?"
bezug nehmen.
Vor einiger Zeit war ein äusserst unseriöser Artikel über Linux im Spiegel, in dem Linuxuser übel ausgerichtet wurden. Der Artikel bestand nur aus klischees oder der Unfähigkeit des Linuxtesters (der Artikel war ein "Erfahrungsbericht" eines von-Windows-auf-Linux-umsteige-Experiment).
Und nachdem der Wutanfall, den die Lektüre ausgelöst hat, abgeklungen ist, habe ich mir die oben erwähnte Frage auch gestellt.
ich habe den Spiegel abbestellt, seit vor 9 Jahren selbiges Dreckblatt in einer "Reportage" über Mittelaltermärkte u.a. behauptete, daß die Frauen der tschechischen Schaukampf-Leute nach der Vorstellung an der Autobahn nach Prag stehen und um Freier werben.
In einem anderen Beitrag wurden die MA-Leute als verkappte SM-Fans (Kettenhemd und Leder) mit sexuellen Defiziten bezeichnet.
Dazu war ein pseudowissenschaftlicher Beitrag über die Staufer so grottenschlecht, daß er nichtmal unterstes Robin-Hood-Niveau hatte.
Abgesehen von einigen unsäglichen Schwachsinnigkeiten des "Spiegel" in anderen Thematiken habe ich höfliche und sachliche Leserbriefe verfasst und auch an die Autoren geschreiben. Ich -und die mit mir gleichsam schreibenden- erhielten NIE irgendeine Antwort. Auf telefonische Nachfrage wurde ich auf das unhöflichste abgewimmelt. Der damals zuständige Redakteur, den ich dann tatsächlich ereichte, wusste nichtmal, was im Artikel seiner Redaktion stand und legte mitten im Gespräch auf, für sowas habe er keine Zeit.
Soviel zum "Spiegel".
Übrigens habe ich beste Erfahrungen mit der "Zeit", dem "PM" und dem "Focus" gehabt, ebenso mit diversen Redaktionen z.B. Deutschlandfunk und WDR - nicht alle Medien sind so!
Verbrenn er das Geschreybsel, bring er mir den Schreyberling lebend. Wir wollen Ihn einer peinlichen Befragung unterziehen ob sein Gewissen rein sei.
roderich
Magdalena, das liegt daran, daß der Autor des Mittelalter-Artikels Matthias Schulz ist, der Autor des referenzierten guten Artikels aber ein anderer. Artikel von Matthias Schulz sind regelmäßig von dieser (Un-)Qualität. Daß der Mann seit Jahren beim Spiegel arbeitet und immer wieder Artikel von solch unterirdischer Qualität verfaßt, hat mir inzwischen den ganzen Spiegel suspekt gemacht. Wenn auf einem Gebiet, wo ich ein bißchen Ahnung habe, immer wieder solch Stuß verzapft wird, was wird mir dann wohl auf den Gebieten untergejubelt, wo ich keine Ahnung habe?
Gruss, Claudia
Nicht nur Mittelalter ist immer gut zum Verriss, dachte sich wohl der Schreiber(ling), sondern vor allem, wenn man "der Kirche" was ans Zeug flicken kann (oder es zumindest meint). Das lesen die Leut halt so gern ...
Und was tut es da, wenn man vom Thema nicht einmal ein Halbwissen hat ... schließlich kann man ja einen Kronzeugen (Deschler) zitieren, der für jeden ernsthaften Historiker ungefähr so viel Beweiskraft hat als würde man Däniken als authentische Stimme der Astronomie und prähistorischen Wissenschaft zitieren wollen.
Merke: Unfundierte Gehässigkeiten über die Kirche, auch die des MA, machen noch lange keinen soligen Historiker - aber sie kommen sicher besser an als saubere Recherche und historische Ausgewogenheit!
Das wußte auch "unser" Spiegel-Skribent und ließ sich los ...
Mit freundl. Gruß Nikolaj
Ich habe den Artikel erst jetzt gelesen, weil ich im Moment im Ausland bin. Meine Familie hat mir die Spiegel-Ausgabe netterweise zugeschickt. Und ich habe wirklich einen Wutanfall bekommen.
So was von einem zusammenhanglosen, in sich widersprüchlichen, sinnlos provokante Thesen aneinaderreihenden Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Das ist Bildzeitungsniveau. Und es ist insbesondere deshalb so unverständlich, weil der Spiegel selbst schon ganz andere Artikel zum Thema hatte, z.B.: www.spiegel.de/wissenschaft/[ ]/0,1518,381627,00.h[ ]
Anscheinend hat sich der Autor aber nicht die Mühe gemacht, auch nur im eigenen Verlag zu recherchieren. Ich vermute, sein Auftrag lautete "schreibe einen reißerischen Aufmacher da wir im Moment kein gutes Thema haben, Mittelalter ist ja so in grade".
Wirklich schade für ein Magazin das seriös sein will.
Vermutlich sind die meisten von Euch schon auf das aktuelle SPIEGEL-Titelthema "Die Welt des Mittelalters" aufmerksam geworden. Was der Verfasser Matthias Schulz dort bietet, ist ein Potpourri grauenhafter Klischees vom ach so finsteren Mittelalter aus der Mottenkiste bürgerlich-aufgeklärter Selbstzufriedenheit des 19. Jahrhunderts. Dabei werden nicht nur die Besucher von Mittelalter-Veranstaltungen als Anhänger einer rosaroten Kitschwelt diffamiert. Der selbsternannte Experte produziert auch handwerkliche Fehler und Halbwahrheiten am laufenden Band und läßt seinen Text (eine glatte Themaverfehlung) am Ende gar in seitenlange Ergüsse über die rigidie Sexualmoral der Papstkirche münden. Da wird Martin Luther schon mal als Kronzeuge gegen Bernhard von Clairvaux zitiert und der natürlich aus eigener Anschauung informierte Nietzsche bürgt für den überreichen Alkoholkonsum des schlimmsten aller Zeitalter.
Macht Euch bitte selbst ein Bild und vor allem: Lasst es damit nicht bewenden. Jeder Mittelalter-Interessierte, der sein Hobby oder (wie in meinem Fall) seinen Beruf ernst nimmt, sollte dem Magazin seinen Ärger auch gebührend zu Gehör bringen. Sinnvoll erscheinen mir dabei weniger Leserbriefe mit dem Tenor "Ihr habt mein schönes Mittelalterbild kaputtgehauen" - das wäre ja Wasser auf die Mühlen des Autors. Besser wäre es vermutlich, auf die zahlreichen wissenschaftlich-methodischen Fehler und die schlecht recherchierten Sachinformationen hinzuweisen. An journalistischer Sorgfalt nämlich hat es Herr Schulz an allen Ecken und Enden fehlen lassen und bedroht damit auch den Ruf seines Magazins.