Eintrag #3 vom 12. Jan. 2006 16:28 UhrVolker Bach 
nach oben / Zur ÜbersichtDie Garde Karls des Grossen
Ein Problem hierzu ist, dass wir selbst für die Zeit Karls des Grossen nur relativ spärliche Quellen haben. Ich habe vor etlichen Jahren mal eine militäerische Anaölyse der sachsenkriege schreiben m,üpssen und es ist wirklich zum heulen, wie sich die Autoren widersprechen und auf wie schmaler Basis die Schätzungen und Annahmen stehen (eine Schätzung der Heeresstärke beruht auf einem spätottonischen (!) Register, eine andere auf einer Hochrechnung von verfügbarer Weidefläche). Ich neige swelbst eher dazu, Karl in der kontinuitärt fdrüherer Generatzionen zu sehen als als Begründer der ottonischen Monarchie, folglich empfehle ich:
Bachrach, B: Early Carolingian Warfare; Prelude to Empire (auch und gerade die Bibliographie)
Der Mann hat sich Jahrzehnte mit diesen Fragestellungen auseinander gesetzt und weiÃ, was er schreibt.
Desweiteren gibt es glaube ich noch keine Ãbereinstimmung darüber, wer oder was die scarae eigentlich waren, aber die MMN wahrscheinlichste Annahme, die ich gehört habe, ist, dass es sich um die nicht mit Landgeschenken versehenen 'vassi non casati' des Königs selbst handelte, die in seiner Hofhaltung lebten und ihm zu militärischen und anderen Diensten zur Verfügung standen. Solche Gefolgschaften waren damals auch bei anderen Magnaten verbreitet. Bachrach geht davon aus, dass sie noch lange den Kern des Heeres bildeten, während andere den Wandel zu einem feudalen, auf Lehensbesitz gegründeten Heer bereits um 80 abgeschlossen sehen (ich tendiere wie gesagt zu ersterer Annahme, und was das Feudalsystem angeht, war Susan Reynolds: Fiefs and Vassals ein Augenöffner).
Wenn diese Annahme so stimmt, dann ist davon auszugehen, dass das königliche Prestiuge erforderte, die scarae gut auszurüsten. Glücklicherweise ist ein Text erhalten, der beschreibt, was der König von seinen heerfolgepflichtigen Magnaten erwartete. Ich würde also von Helm und Körperpanzerung (die Debatte hier ist noch nicht zu Ende, aber ich stehe auf der Seite derer, die Ketten/Ringelpanzer als vorherrschend annehmen) Rundschild, Lanze, Schwert und Pferd ausgehen. Möglich wäre auch eine über den Torso hinaus gehende Panzerung (es gibt ein Gedicht, das so interpretiert werden kann), aber sicher ist das wahrhaftig nicht. Schon diese Ausstattung muss man ja als 'Luxusversion' betrachten.
Was die Funde angeht, ist die karolingische Epoche etwas dürftig, weil die früher üblichen Grabbeigaben weitgehend fehlen.
Ansonsten:
Ganshof, F.L.: LâArmee sous les Carolingiens in: Settimane XV (1967), pp. 109-130
Reuter, T.: Plunder and Tribute in the Carolingian Empire in Transactions of the Royal Historical Society, fifth series, 35 (1985), pp. 75-95 and ibid. The End of Carolingian Military Expansion in: Godman, P. and Collins, C.: Charlemagneâs Heir. New Perspectives on the Reign of Louis the Pious (814-840), Oxford 1990, pp. 391-405.
Verbruggen, J.-F.: LâArmee et la Strategie de Charlemagne in: Beumann, H. (ed.): Karl der Grosse, Lebenswerk und Nachleben vol. I Persoenlichkeit und Geschichte Duesseldorf 1965, pp. 420-437 (teilweise arg problematisch)
Werner, K.F.: Heeresorganisation und Kriegfuehrung im Deutschen Koenigreich des X. und XI. Jahrhunderts in: Settimane XV (1967) pp. 791-843, p. 820 ff
Bachrach, B.S.: Merovingian Military Organisation 481-751, Minneapolis 1972
Ianus


