Schlunz bleibt Schlunz, egal wie gut man es kaschieren kann oder nicht.
Und man muss auch nicht reich sein, um gute handgemachte Ware zu bekommen. Prioritäten setzen - und weniger ist manchmal mehr.
OK, aber ich habe noch KEIN zelt aus handgewebten stoffen gesehen!
Auch bei Leuten die behaupten "A" zu sein!
Über ein Link oder Bild wäre ich dankbar.
Man kan ja ruhig Fertige sachen einkaufen, aber bitte nur Handgefertigtes, dieses geht aber dermaßen ins Geld, das es KAUM machbar ist ( ich sage extra kaum, da es auch reiche Renacments gibt :) ).
...weil nämlich auch um (setze hier beliebige Jahreszahl ein) JEDER IMMER ALLES selber gemacht hat..der Bauer hat sich seine Messerklinge selbst geschmiedet, der Schuhmacher seine Kleidung selbst gefärbt, die Färber ihre Gürtel selbst gefertigt, der Bäcker seinen Dinkel selbst gepflanzt und der Ritter hat sich seinen Ringpanzer selbst gehäkelt.
Oder doch nicht? Gab es etwa bereits (setze hier wieder beliebige Jahreszahl ein) einen regelrechten Versorgungskreislauf? Eine spezialisierte Güterproduktion?
Und wenn uns das jetzt so neu wäre, welche eklatanten Lücken im Grundwissen über (setze hier noch einmal beliebige Jahreszahl ein) haben wir dann eigentlich? ;-)
Nimms mir nicht übel, verehrter Namensvetter, aber den haste dir verdient. *g*
Nichts für ungut.
"A" kann kaum einer sein, außer er webt seine stoffe selber, näht alles von Hand ( auch die Zelte ) dreht draht zu ringen und pflicht sein kettenmhemd selber, ... usw. ich bin nur "Gnie" Geschichtsnah Intepretiert, und das reicht meiner meinung nach völlig, nur mag ich das hochglanzblech nicht, ;) brüniert finde ich besser,
Oliver Schulz
Ich stimme dem Beitrag Nr. 36 aus vollen Herzen zu.
David gehört ja mittlerweile auch zur "alten Garde" und hat dem entsprechend genau so viele unsinnige "A" Diskussionen hinter sich wie ich auch.
Auch viele Moderatoren haben dieses schon erlebt, also ich glaube das sollten wir uns alles nicht noch einmal reinziehen.... oder?????
"Was ich jedem empfehle ist mehr geistige Flexibilität mit einem gehörigen Schuss Toleranz...
Jemand anderer Meinung?"
Diese Diskussion hatten wir hier schon bis zur Hautrötung...
Ich weiß nicht ob das schon wieder sein muß.
In diesem Zusammenhang kann ich "Toleranz" nicht mehr hören. Oft ein Totschlagargument der "Möchtegernfraktion", wenn sie mit leicht vermeidbaren (!!!) Fehlern in ihrer sooo authentischen Ausrüstung konfrontiert werden.
Ich kann mich meinem "Vorredner" nur anschließen, möchte aber anmerken, dass es
a)zu viele gibt die "A" sind und
b) zu wenige gibt die "A" sind...
Jeder kennt doch die Kameraden die naserümpfend an einem vorbeigehen, nur weil man seine Schuhe nicht selbst zusammengeschustert hat (obwohl: welcher Sasse, Ritter, Graf, Herzog, König oder Kaiser hat sich seine Schuhe damals selbst gemacht?????)...
Und jeder kennt die "Kostümsäufer", mit Kettenhemd über nem Band-T-Shirt, Horn am Gürtel und Kampfstiefel, die sich aufführen als wären sie die Profis und alle anderen nur Trottel...
Ich mach "Mittelalter" mehr HDG (Historisch DetailGetreu), wobei ich immer die Kosten-Nutzen-Relation im Auge hab, also auf den reinen Kommerz-Märkten doch lieber die "B-Garnitur" hernehm *g*;
bei internen Veranstaltungen kann ich dafür mehr zeigen was ich dann hab/kann/bin, und mir dafür auch Lob/Kritik holen mit der ich was anfangen kann.
Aber genug abgeschweift!
Was ich jedem empfehle ist mehr geistige Flexibilität mit einem gehörigen Schuss Toleranz...
Jemand anderer Meinung?
So wirklich "A" sind wohl eher weniger als ein Prozent.
Jedoch - um wieviel schwerer hat es der heutige Reenactor, wenn er sich mit dem Thema beschäftigt?
Man soll nicht nur versuchen, zu leben wie damals, sondern sich auch noch um Authentizität der verfügbaren Materialien fürs Leben kümmern.
Ein einfacher Söldner hat damals seine Rüstung beim nächsbesten Schmied besorgt, ohne erst hunderte Bücher wälzen zu müssen.
Ein Reenactor muß also gleichzeitig Geschichtsforschung, Handarbeit, Werkskunde, Metallurgie, Schmiedekunst, Seilmachen, Sarwürken, Kürschnern, Färben und alles gleichzeitig können weil er sonst verraten und verkauft ist.
Und ... ein Adeliger müßte dann auch noch Latein SPRECHEN können oder ein Wikinger zumindest eine nordische Sprache und dazu sollte man noch wissen, was einen "zu seiner Zeit so bewegt". Also ... die direkt eine Person und Zeit betreffenden geschichtlichen Hintergründe.
Das ist wohl nur möglich, wenn man in diesem Bereich arbeitet oder sich 100% dem Reenactment verschrieben hat. (Hmmm... Berufsreenactor wär doch was ... wer stellt solche Leute ein ??)
Irgendwo hapert´s doch immer.
Ein "Geschichtsprofessor" der mal auf einem Mittelaltermarkt in maschinell gefärbter Baumwolltunika als Geschichtenerzähler fundierte geschichtliche Hintergründe vorträgt ist meiner meinung nach "lehrreicher" als jeder in Originalklamotten auftretender Reenactor, der nicht mal weiß, was die Schlacht von Manzikert für die Kreuzzüge bedeutete (na ? Wer weiß es ??).
Und ... die meisten Mittelaltermärkte sind vom Anspruch her sowieso nicht soooo authentisch.
Wenn hier jemand ein Projekt mit einem Mittelalterlichen Holzfort mit Hafen, Wikischiffen , Marktplatz und Hadwerkergebäuden aufbauen würde
(Anregung an das Technikmuseum Speyer in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum), dann wäre eigentlich "A" und 100% Reenactment sinnvoll.
Man sollte also schon deutlich zwischen der "Szene" und echtem "Museumsreenactment" unterscheiden.
Jedoch ... wer in der Ausstellung "Piraten" hier in Speyer im "historischen Museum" war und sich die ausgestellten Faschingskostüme angeschaut hat wird wieder die "normalen" Mittelaltermärkte zu schätzen lernen.
Und ... meiner Meinung nach ist immer noch jeder Reenactor, der stetig versucht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu verbessern auf dem richtigen weg.
Mal ganz im Ernst, der Thread geht über mehrere Seiten und - ausser in den ersten 4-5 Antworten - geht er voll an der Frage vorbei...
Wieviele Akteure schätzt Ihr denn nun tatsächlich auf "a"? Und "a" ist keine Definitionsfrage, es ist 100%iges Reenactment.
Was ich seit 1998 so erlebt habe, läßt mich schließen, daß es weit unter 5% sind, die tatsächlich ernst und mit dem nötigen wissenschaftlichen Hintergrund auf dem Gebiet der "a"-Darstellung arbeiten. Und selbst dabei muß man aus Zeitgründen oftmals auf Details verzichten. Wenn man das offen und dokumentiert tut, dann ist es akzeptabel, aber das ist eben der Punkt, den die nmeisten sogenannten "a"-Darsteller nicht hinbekommen.-)
Alles, was sich MA-Markt nennt bietet kaum mehr als den Geruch nach Mittelalter, der Rest ist aktualisierter Kommerz. Und alles, was lautstark als Reenactment eingestuft wird, ist es noch lange nicht. Echtes "a" habe ich bisher nur in längerfristigen Projekten wie in Dänemark, im Ukranenland oder in Groß Raden (ja, es gibt sicher noch mehr davon;-) kennengelernt. Dann dauert ein größerer Hüttenbau eben mal 2 Jahre und muß ständig repariert und instandgesetzt werden - aber DAS ist dann tatsächlich "a" ausgeführt.
LG und ein **kopfschüttel**
Roman
PS: Ich vergleiche das gern mit Effekten wie z.B., daß zig hunderttausend Leute Autozeitschriften lesen, bei D&W einkaufen...aber wieviele davon sind tatsächlich Kfz-Schlosser?!
ohne hier wieder in die endlose A-Debatte abgleiten zu wollen: es gibt für einige Veranstaltungen Vorgaben, die den dargestellten Zeitrahmen und die Ausrüstung betreffen. Meist wird dann ein bekanntes Ereignis dargestellt oder zum Anlaß der Veranstaltung genommen.
Diese Vorgaben halte ich für sehr wichtig und richtig!
So hat auch der Einsteiger die Möglichkeit, sich zu orientieren und mitzuspielen - oder eben nicht, wenn es für ihn zu große persönliche Hindernisse gibt.
@Alle:
Zurück zur Ausgangsfrage: wieviele sind "A"? Weiß ich nicht, ist mir auch egal! Jeder muß für sich entscheiden, wie weit er in der historischen Genauigkeit seiner Darstellung gehen will - und dazu stehen! Dann muß jeder für sich abwägen, zu welchen Veranstaltungen er gehen möchte, ob als Besucher oder Teilnehmer.
Und die Beweggründe sind auch wieder individuell und unterschiedlich (mag ich das Niveau der VA? Fühle ich mich beim Veranstalter gut aufgehoben und versorgt? sagt mir das Konzept zu? habe ich diese VA von Anfang an begleitet und fühle mich einfach "dazugehörig" usw. usw.)
Was nichts bringt und was ich nicht mag ist die ewige Diskussion "ich bin doch erst Einsteiger, also muß man mich auf alle VA lassen - egal was die Vorgaben sind".
*seufz* eigentlich ist es müßig, weiterzuschreiben... Die Diskussion hatten wir in dieser oder ähnlicher Form so oft.
ich schließe mich Dir vollkommen an. Es geht mir auch lediglich um die Sache, dass man sich da darüber aufregen kann, wenn jmd. nicht so ganz "A" ist. Es ist halt so, dass es Einsteiger gibt, die einfach noch nicht so sicher in der Darstellung sind. Mich stört es überhaupt nicht, denn ich bin selber auch noch nicht lange dabei. Was ich meine ist, dass ich es irgendwie komisch fände, wenn es Standarts für mittelalterliche Darstellung gäbe. Somit würde einem ja die Chance genommen werden sich an der ganzen Sache zu beteiligen, es sei denn man ist "Touri" oder endspricht den Standarts. Ich hoffe das ich es etwas deutlicher machen konnte. Auf jeden Fall wünsche ich noch eine schöne Woche.
vielleicht ist es eine gedankliche Hilfe sich von diesem "Wie weit sein"-Gedanken zu lösen. Für den einen ist eine Handnahnt eine Überwindung, für den anderen nicht. Manche sind Arbeitstiere - andere nicht. Außerdem ist Living-History keine Bergsteigen mit einem definierten Ziel. Zwar ist eine große Nähe zum historischen Vorbild von den meißten Darstellern angestrebt, ohne Vorbild bleibt es schwierig.
Außerdem verändert jede neue Info - jedes erreichbare Material die Vorgaben .....
Hallo zusammen, auch wenn der letzte Eintrag ein wenig her ist, möchte ich mich dennoch der Aussage von Lars anschliessen.
Das Problem ist doch, dass man nicht weiß und auch gar nicht immer wissen kann, wer wie weit ist. Es gibt immer welche, die eine bessere oder fundiertere Darstellung machen. Gerade bei diesem (wissenschaftlichen) Hobby spielt die Erfahrung und der Zeitaufwand eine wichtige Rolle. Jeder fängt mal klein an und ich denke dass die Leute die eh nur neue Anlässe zum saufen brauchen bleiben eh nicht lang dabei.
Schade ist es aber, das man auf manche Märkte gar nicht drauf kommt (hab ich gehört), wenn das Gewand mit der Maschine genäht wurde. Das halte ich für albern und wie soll man dann auch lernen, wenn es einem so verweigert und leidlich gemacht wird.
Wer ein bißchen Verantwortung hat wird interessierten Besuchern auch ncht seine Darstellung als die ultimative verkaufen wollen.
So viel jetzt erst mal von meiner Seite. Wünsche noch schöne Tage und nicht soviel Kopfschmerzen wegen "schlechter" Darstellung
Das ist doch mal eine gute Frage! Das Problem: Jeder versteht die Antwort ein wenig anders. Grundsätzlich steht "A" für "authentisch". Damit ist die Allgemeingültigkeit aber schon beendet, denn damit ist noch längst nicht geklärt, was "authentisch" wiederum heißt. So nah wie möglich am Original (d.h. Grabungsfund, der dann von den Akteuren rekonstruiert wird). Und genau um dieses "so nah wie möglich" scheiden sich oft die Geister.
Marcel Schwarzenberger - chronico - Magazin für Geschichte
"Den Bildungsauftrag bloß nicht über alles heben. Ich kann als Museumschef - oder als Theaterchef - meinem Publikum auch nicht vorschreiben, wie es mein Angebot wahrnimmt, und ob es auch das "Echte" vom "Falschen" unterscheiden kann."
Marcel, das ist nicht der Punkt und auch nicht das, was Hadu schrieb.
Der Punkt ist vielmehr der, daß ich NATÜRLICH keinen Einfluss darauf habe, WIE jemand etwas versteht, da ich ihm nicht ins Hirn schauen kann (und will).
Was ich aber kann, ist, darauf zu achten, daß das, was er sieht, wenigstens nach bestem Wissen und Gewissen so aussieht wie das, was nach wenigstens halbwegs gründlichem Beschäftigen mit verfügbaren Quellen darstellbar ist!
Soll mir doch keiner erzählen der auch nur genug Grips im Kopf hat um das nächste Klo zu finden, daß er aber nicht in der Lage ist in Buchhandlung, Bibliothek, Museum, oder sogar im Internet mal etwas ausfindig zu machen, was Menschen seiner ausgesuchten Zielepoche zeigt.
Und ebensowenig gehts irgendeinem mir bekannten und ernstzunehmenden Darsteller darum, daß er einen Bildungsauftrag erfüllen will.
Wie gesagt, sowas KANN ein Nebenprodukt in einigen, wenigen Teilbereichen sein, wenn es sensibel angegangen wird.
Aber es war, ist und wird niemals mein Ziel sein und vermutlich bin ich damit nicht ganz allein. ;-)
Meine Gründe sind rein egoistischer Natur: Erleben, Ausprobieren und Spaß - Fertig.
Aber das alles kann man eben auch machen, wenn man versucht es fundiert anzugehen, das ewige Geseier des Marktwolpertingers ("die A Päpste haben ja eh keinen Spaß weil die immer alles so genau nehmen..") hat weder Sinn noch Recht.
Aber vielleicht ist es einfach nur ein anderer Spaß, auf einem anderen Niveau und an anderen Dingen.
Vielleicht reicht mir einfach das allabendliche Komasaufen bis Verlust der Muttersprache, das "Kleidung-anlegen-wenn Touri-mit-Besuch-droht" Geschwätz und die Realitätsflucht in den adeligen Mittelalter nach dem Motto: "
"Haste keine Mittel, Alter, machste einfach Mittelalter!"
..vielleicht reicht mir das einfach nicht mehr.
So, und jetzt hab ich schon wieder viel zu viel von dem geschrieben, was ich gar nicht schreiben wollte.