Ich glaube, ich ich weiß was du meinst und geb dir da durchaus Recht. Allein, es hilft wenig, wenn sich Aktive stets den Schuh anziehen wollen, für "unbedarfte" Besucher irgendeiner Veranstaltung immer wieder die Verantwortung übernehmen zu wollen. Das funktioniert nicht und führt meiner Meinung nach zu sehr verkrampftem Umgang sowohl mit dem wunderschönen Hobby "Geschichte" als auch mit anderen Aktiven - gleich welcher Gesinnung.
Und so ist es weiter unten schon korrekt gesagt worden: Zu viel Krampf tut nicht gut. Man darf, ja, man sollte dem Publikum ruhig genug Verstand zutrauen. Es sieht, was es sehen will. Und es zählt, was es nach einem Event mitnimmt. Oder wie Haduwollf ebenfalls richtig bemerkte: Den Bildungsauftrag bloß nicht über alles heben. Ich kann als Museumschef - oder als Theaterchef - meinem Publikum auch nicht vorschreiben, wie es mein Angebot wahrnimmt, und ob es auch das "Echte" vom "Falschen" unterscheiden kann.
@Haduwolff
KOmmt Zeit, kommt Rat kann ich nur sagen. Irgendwann wird es irgendwelchen Leuten so Leid sein, immer wieder die gleiche Leier zu hören, dass etwas aus dem Boden gestampft wird. Ich glaube, etliche Bemühungen hat es schon gegeben. Aber es gehört ein wirklich gutes Konzept und vor allem ein langer Atem und viel Geduld sowie ein guter Schuss Gelassenheit dazu.
Dann wird es dieses "Label" oder wie immer man es nennen will, auch geben. Bisher haben sich noch nicht genug Menschen damit zielgerichtet befasst.
Marcel Schwarzenberger
Marcel Schwarzenberger schrieb:
"Der Name "Mittelaltermarkt" ist seit Jahrzehnten eingeführt und man kann den Besuchern getrost zutrauen, dass sie wissen, was sie dort erwartet. Das hat selten etwas mit Wissensvermittlung zu tun"
Wenn ich den Satz richtig verstehe, wissen deiner Meinung nach die Besucher eines sog. "Mittelaltermarkts", dass das ihnen Gebotene mit der historischen Epoche des Mittelalters, wie sie nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge hätte sein können, nichts zu tun hat.
Nun, du magst andere Erfahrungen gemacht haben als ich.
Ich jedoch bekomme immer wieder mit, dass viele Besucher dies eben nicht tun, dass sie wirklich glauben: "So war das Mittelalter".
Wir als "Insider" wissen, dass es eben jene zwei unterschiedlichen Schienen im Hobby gibt (Marktmittelalter und Rekonstruktionsversuch anhand div. Quellenmaterials), aber der "normale" Besucher, der nicht so im Thema steht, wie wir es tun, weiß dies nicht. Er macht i.d.R. keinen Unterschied zwischen Veranstaltungen wie bspw. Gerresheim, Werla und Oerlinghausen und auf der anderen Seite Hillermarkt, Kaltenberg etc. Für ihn ist beides eben "das Mittelalter".
Deshalb muss ich dir, Marcel, in der oben zitierten Aussage widersprechen.
Ansonsten, um auf das Thema nochmal allgemein zurück zu kommen, sehe ich das änlich wie Roland: Jeder soll machen, wozu er Lust hat, aber er soll es auch nach dem benennen, was es ist.
Viele Grüße, Olli
...ein gemeinsames "Label"? Hier in Deutschland? Im Land der Zweifler, Bedenkenträger und Paragraphenreiter? Daran glaube ich nicht. Jeder Versuch in dieser Richtung scheiterte bisher und wurde totgelabert. Wie hier alles totgelabert wird von den Vertretern verschiedener Interessensgruppen zu Gunsten der diversen Geldbeutel und Machtsphären.
Bildungsauftrag? Um Himmels willen, hört doch endlich mit dieser heuchlerischen Lügerei auf! Es gibt KEINEN Bildungsauftrag, das ist ein selbstgemachtes Argument, um sich besser definieren und in Szene setzen zu können.
Das ist angeblich ein Hobby und kein von Kultusministerien vergebener Lehr- bzw. Bildungsauftrag.
Seid dochendlich mal so ehrlich, und bekennt Euch dazu, daß es hier um Eigennutz geht, daß die gewaltige Qualitätssteigerung in den letzten Jahren dazu dient, voreinander bestehen zu können und sich selbst einen gewissen Rang zu erarbeiten, das ist doch nichts schlimmes, das geschieht in allen möglichen Bereichen, vom Sport über die Musik bis zur Wirtschaft.
Daß das zu einem gewissen Selbstläufer geworden ist, macht die Sache umso schöner, aber einen mystischen Bildungs"auftrag" gibt es nicht. Den baut sich ein Teil der Szene selbst zusammen, was zwar löblich ist, aber nichts mit einem hehren Ziel zu tun hat, eher ein netter Nebeneffekt.
Und was Sunja da schreibt, ist bitter, aber schlichtweg ein Teil der Wahrheit. Ebenso wie in anderen Hobbies und Berufen....
Weiter in der Endlosschleife...
Ars Militia - Euer Haduwolff
Mich erstaunt, dass Diskussionen zum Thema "A" (und verwandte) immer wieder so viele Leute anziehen und Räume in Foren füllen, obwohl sich doch das Gesagte meist um die gleichen Fragen, Antworten und Reaktionen dreht. Nunja, ich bin ja jetzt auch hier - irgendwas reizt mich dann doch dabei.
Und wenn es die Tatsache ist, dass die Frage - egal wie sie gestellt wird - immer sofort die gleiche Wendung bekommt: Es wird grundsätzlich nur aufs Aussehen abgestellt. Also die äußere Erscheinung der Akteure. HIer lässt sich vermutlich sogar schnell eine Messlatte anlegen, anhand der man fix ein Urteil wie "echt" oder "Mist" abgeben kann. Ich bezweifle das sehr. Aber dahin will ich gar nicht.
Sondern:
Jeder Akteur, mit welchem Anspruch auch immer, hat seine ganz persönlichen Gründe, sich mit "alten Dingen" zu befassen. Handwerk vielleicht, gemeinsame Erlebnisse mit Gleichgesinnten vielleicht, das Thema Geschichte, das Reisen von Event zu Event...
Die Liste lässt sich locker fortsetzen. Eine Art Verpflichtung, dass jeder Akteur auf Biegen und Brechen wissenschaftlich arbeiten muss, sobald er sich eine Art Gewandung zurechtmacht, lese ich nicht daraus. Vielmehr ist die "GEschichtsvermittlung" EIN Teil dieser Liste, warum sich jemand mit Geschichte beschäftigen will.
Heißt: Wer Geschichte vermitteln will (und dafür womöglich noch Geld nimmt), der hat sich gefälligts intensiv mit seinem Thema zu befassen - was auch das Äußere mit einschließt, wenn das denn Teil des Konzeptes ist.
Wer jetzt daherkommt, und den moralischen Zeigefinger wieder auf die "Mittelaltermärkte" legt, hat die Entwicklung echt verschlafen. Der Name "Mittelaltermarkt" ist seit Jahrzehnten eingeführt und man kann den Besuchern getrost zutrauen, dass sie wissen, was sie dort erwartet. Das hat selten etwas mit Wissensvermittlung zu tun (dennoch kommt es vor...)
Es geht um Events wie Schulveranstaltungen durch Akteure, um Events wie Kaiserpfalz Werla und um solche, die sich ganz deutlich das Etikett "authentisch" verpassen. Da ist besonderes Augenmerk wichtig.
Irgendwelche Zahlen spielen hier überhaupt keine Rolle. Denn wie immer wieder richtig behauptet wird: "DIE" einheitliche Szene gibt es nicht.
Für mich läuft die Frage eigentlich immer wieder auf das hinaus: Schafft es die deutsche Akteurslandschaft, ähnlich wie in England - ein übergeordnetes Gremium, Label oder Ähnliches zu kreieren, das in der Lage ist, nach festgelegten Standards qualitativ hochwertige VEranstaltungen auf die Beine zu stellen. Wer dann mitmacht, hat eben gewisse Anforderungen zu erfüllen. Und dann wird es auch fürs Publikum nachvollziehbar.
Ich wage noch gar nicht daran zu denken, was das eventuell für eine Sogwirkung auch im Bereich "Mittelaltermarkt" entwickeln kann.
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Zum Abschluss ein kleiner persönlicher Hinweis, um meine Position deutlich zu machen: Ich gehe heute mit Vergnügen auf einen Mittelaltermarkt und schaue mir morgen wahnsinnig gerne ein historisch hochwertiges Event wie Kaiserpfalz Werla an.
Marcel Schwarzenberger
also ich finde die Diskusion wieviele Personen in ihrer Darstellung "A" sind sinnlos. Fakt ist doch es wird immer diejenigen geben die gut sind und immer diejenigen die es noch nicht sind. Wichtig ist doch viel mehr wieviele versuchen sich in ihrer Darstellung immer wieder zu verbessern und weiter zu entwickeln.
Ich bin erst seit einem Jahr dabei und auch wenn es arrogant klingt aber ich finde ich verbessere mich mit jedem Schritt den ich mache. Die Personen die sich stehtig verbessern oder es zumindest versuchen und die sich weiter entwickeln sind doch die Personen die zählen nicht wer der beste ist.
viel wichtiger ist doch die frage : wieviele misbrauchen das hobby als hebebühne für ihr kümmerliches selbstvertrauen und fühlen sich erst dann bestätigt wenn sie andere runterputzen können, weil sie ja nicht soooo ne tolle ausrüstung haben? das ist kein hobby mehr, das ist ein krampf!
oder anders: die diskusion stinkt zum himmel!
Sunja
Egal kann mir das nicht sein, wenn ich quasi weiß, dass noch soviel unentdeckt im Boden liegt oder in der Vergangenheit z.B. bei Ausgrabungen (auch Raubgrabungen) durch Unachtsamkeit, Dummheit und/oder Profitstreben zerstört wurde - gerade dabei bekomme ich sooo einen Hals ...
Natürlich sollten wir uns in der Darstellung auf belegtes stützen, aber auch dabei bleiben ja oft Interpretationsspielräume und -zwänge (wenn z.B. Gegenstände allein nach bildlichen Abbildungen z.B. der Kreuzfahrerbibel rekonstruiert werden), was aber nicht zur "Erfindung" von nicht belegten Dingen führen sollte - und dies soll ja auch hier keine Grundsatzdisskussion (oder gar ein neuer Grabenkampf) werden.
Für viele bleibt da eine mehr oder weniger deutliche Grauzone, die dann "geschichtsnah interpretiert" genannt wird.
Gruß, Ingo
ist doch aber egal was alles nicht gefunden wurde...
Das macht doch einen genau nach Fund rekonstruierten Gegenstand noch längst nicht weniger korrekt. Oder einen "erfundenen" historisch. Das uns die komplette Vielfalt der Sachkultur verschlossen bleibt ist logischerweise anzunehmen, oder wenigstens zu vermuten. Vielleicht kennen wir aber auch einen großen Teil...
Es liegt eventuell auch am Darsteller selbst, welche Vielfalt er zeigen möchte, oder wie vielfältig seine "Rolle" ausgestattet war. Es ist aber viel bequemer sich auf die drei, vier haüfig nachgebaute Keramiken zu stützen, die ohne große Recherche im Internet zu bestellen sind. Da gibt es regelrechte "Schwemmen" von nicht immer wirklich tollem Zeugs...
Ich find "B" ist eine prima Beschreibung der tatsächlichen Situation vieler Darsteller, warum es ein "A" nicht geben kann? - weil nicht alles, was damals existierte überliefert/gefunden/ausgegraben wurde - somit stellt der Nachbau von belegten Gegenständen (Alltagskleidung, Rüstung, Waffen usw.) eben nur ein Bild eines kleinen (!) Ausschnittes der ehemals tatsächlich real existierenden Welt, nämlich der belegbare, dar.
Im Grunde genommen völlig egal, denn ändern können wir es nicht. Nützt auch nichts, wenn man im Forum drüber spricht, gibt nur ein Hin- und Her.
Wann fängt "A"uthentisch sein eigentlich an? und wo hört es dann wieder auf? Beim Baumwollzelt? Beim Emailletopf, den man für's Färben benutzt?
Am besten man läßt die Leute wie sie sind und pickt sich das beste heraus. Ändern könnte man vielleicht was, in dem man vor Ort die Leute mal anspricht und mal fragt warum sie denn Plastikbbehälter benutzen oder Emailletöpfe (Beispiele).
Ich denke mal in so direkten Gesprächen kommt man viel weiter, als hier im Forum. Meistens stellt sich heraus, daß die Leute super nett sind und das man mit ihnen reden kann.
_Du_ kannst vielleicht darüber reden, aber viele andere können das nicht.
Desweiteren dreht sich der Streit ja selten über den Begriff "a" "authentisch" oder sonstwas an sich.
Sondern daran, wieviel "genug" ist, egal, wie man dieses "genug" auch immer tituliert. "G" wäre also auch ne tolle Idee. Oder GM "genug Mittelalter".
Darum gehts den meisten doch, sie wollen schlicht ihr Zeug abgenickt haben, es soll gut genug sein.
Kritik ist nicht erwünscht, das machen die Begriffe nicht fett.
So drollig ist das nicht... Bisher ging es immer um das Konzept der ganzen Darstellung.
So könnte man über einzelne Ausrüstungsteile reden, denn ganz authentisch wird nie jemand von uns sein.
Ich kann aber gut begründet darüber reden, ob mein Trinkbecher in dieser Form durch Funde / Abbildungen belegbar ist.
Ausserdem ist dieser Thread in der Rubrik Unterhaltung angesiedelt, oder nicht?
Johanna
Sorry, wenn ich jetzt böse klinge, aber dieser Optimismus ist schon fast drollig.
Der "Grabenkrieg" ist etliche Jahre alt, wird von so vielen Leuten geführt...
Ein Begriffswechsel allein soll ihn lösen ?
Gruß, Ivain
Danke für das Kompliment, ist mir bei unserem letzten Event so durch den Kopf gegangen. Damit bekommt die leidige Diskussion eine neue Richtung und der ein oder andere Grabenkrieg kann endlich beendet werden, oder?
Ist doch wursch wieviele es sind. Lieber mehr auf die eigenen Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten gucken, als auf andere, oder sich Gedanken zu machen, wer denn wie gut ist. Find ich.
Andere kann man nicht ändern, sich selber schon.
Gruß, Jens
Wie wäre es, das "A" durch ein "B" für belegt / belegbar zu ersetzen?
Authentisch sind wir alle nicht und werden es nie sein, aber belegbare Kleidungs- / Ausrüstungsgegenstände hat man dann schon.
Frei nach dem Motto: Wer a sagt, muss auch b sagen....
Johanna