Was hauptsächlich in den Inventarkammern schlummert, sind schlecht oder garnicht ausgewertete Funde. Ob Publikumswirksamkeit werden dann die “schönsten”, aber vlt. nicht mal relevantesten oder gar repräsentativsten Stücke ausgestellt. Fakt ist, in den Inventaren vergammeln Tonnen um Tonnen wichtigster Gegenstände, und selbst wenn dann Leute mit echtem Interesse daran nachhaken, wird oft gemauert.
Und dann jammern, weil auf E-Bay Keramiken und co. verscherbelt werden? Sorry, aber da stellt sich bei mir kein Mitgleid ein.
Es mag solche und solche geben, aber wie immer liegt die Wahrheit zwischen solchen Extremen.
In diesem Moment stehen 470 Artikel aus der mitteleuropäischen Vor-und Frühgeschichte bei E-Bay zum Verkauf! Was glaubst du, wieviele dieser Artikel ausgewertet worden sind?
Meine Intention war keineswegs, hier über irgendwelche Folgen der Verkäufe zu reden.
Meine Antwort bezog sich rein auf deine Aussage »Selbstverständlich stammen die aus Raubgrabungen« die so, in dieser absoluten Form, schlicht falsch ist.
Und selbst wenn du mit deiner Argumentation auf der moralisch richtigen Seite stehst, tust du deiner Sache keinen Dienst, wenn du nicht bei der Wahrheit bleibst.
Du hast den Kernpunkt des ganzen Problems mit zwei Worten erkannt:
"nach Auswertung"
Der Fund ansich dient uns in erster Linie nur zur Datierung und Interpretation des Befundes, aber für diesen Zweck ist auch die tausendste Fibel des gleichen Typs, die schlechterhaltenste Münze aber auch eine fingernagelgroße verzierte Scherbe unerläßlich! Und glaub mir, der Krempel der bei Internetauktionen in Massen angeboten wird ist nicht Ausgewertet worden! Solange es Käufer gibt die diesen Markt unterstützen, wird es immer wider vorkommen das wir Montag morgens auf die Grabung kommen und dreißig kleine Spatenlöcher auf unseren Grabungsflächen haben.
Das die Magazine in den Denkmalämtern überquellen ist klar, doch auch wenn dieses Material nach der Auswertung nicht mehr benötigt wird, so kann man diese Funde leider nicht unters Volk bringen! Das Resultat kennen wir aus zahlreichen Altsammlungen die von den nichtsahnenden Erben auf dem nächsten Acker gekippt wurden, mit dem Ergebnis das Fundstellen entstehen die es eigentlich gar nicht gibt! Und die machen viel Arbeit und bringen nur Verwirrung. Selbst Bauaushub aus Innenstädten (durchsetzt mit Funden div. Epochen) werden heutezutage auf die ßcker gefahren um der Erosion entgegenzuwirken! Mit fatalen Folgen für die Archäologie!
Laßt doch einfach die Finger davon und füllt euch mit gutem Gewissen die Vitrinen mit funktionsfähigen Repliken oder Kopien von Originalfunden.
Es soll auch voprkommen, daß Stücke “minderer archäologischer Wichtigkeit” (So z.B. die 100ste Fibel selben Typs, 500 von 2.000 Silbermünzen, etc.) nach Auswertung des Fundes zwecks Finanzspritze des Museums legal verkauft werden.
Daß darunter eher weniger Einzelstücke wie komplette Helme fallen, ist klar.
Aber es gibt ohne weiteres Möglichkeiten, daß auch mittelaltrerliche Fundstücke legal gehandelt werden.
Woher sind den diese Originale, die bei “namenhaften Auktionshäusern” verkauft werden? Selbstverständlich stammen die aus Raubgrabungen oder nicht gemeldeten Zufallsfunden! Ist es als Sammler den moralischer einen Bodenfund zu erwerben bei dem man glaubt das er vor 100 oder 200 Jahren aus dem Boden gewühlt wurde? Und diese wunderschöne Bezeichnung “Dachbodenfund” ist doch mit verlaub zum totlachen! Bei manchen Händlern möchte ich gerne mal als Mäuschen den Dachboden durchstöbern!
Na ja, wollen wir mal hoffen das sich die Gesetzeslage zum Besitz und Weiterverkauf von Bodenfunden bald ändert, die Chancen dafür stehen ja gut!
Das mit den künstlich gealterten Repliken finde ich eigentlich ganz lustig, da gibt es doch tatsächlich Sammler die drauf reinfallen und ganz viel Geld für Repliken ausgeben die ein bisschen grün angemalt sind! Besser so als das sie tatsächlich Originale erwerben!
Frage: Bevor ihr Käufer und Verkäufer brandmarkt, wie könnt ihr euch sicher sein, ob die angebotenen Stücke ILLEGAL erworben wurden? Ich darf daran erinnern, dass zahlreiche namhafte Auktionshäuser seit Jahrzehnten im Antiquitätenhandel vertreten sind und in dieser Zeit unzählige Originale verkauft wurden. Der Besitz und Weiterverkauf solcher Originale ist NICHT strafbar. Nicht alles Alte, was angeboten wird, muss automatisch aus einer Raubgrabung stammen.
Da war letztens was im amerikanischen Ebay, was ein deutscher Hersteller von Repliken als ein von ihm erworbenes Produkt identifiziert hat, was der Kaeufer kuenstlich gealtert hat und dann offenbar als alt verkaufen wollte.
Also an alle Replikenhersteller: Wenn schon nicht auf die Aussenseite, macht an eine Stelle der Replik eine schwer entfernbare Herstellermarke! Nicht dass Euch da auch so ein “Antikisierer” mit reinreitet…
Nicht entäuscht sein, wenn du keine Antwort mehr bekommen hast, du stellst dir gar nicht vor, wie viel Arbeit es in der Denkmalpflege zu tun gibt und wie wenig Stellen dafür da sind.
Hatte vor zwei Wochen in E-Bay einen Latene Helm in Spitzenerhaltung entdeckt, der allerdings als Fälschung beurteilt wurde (der Verkäufer hatte kurz vorher div. Mittel zur Herstellung künstl. Patina erworben, außerdem war noch eine Koralleneinlage in leuchtendem Rot am Helm, Form der Wangenklappen war nicht ganz korrekt, usw.)
Also wurde der ganzen Sache nicht weiter nachgegangen. Selbst wenn das Stück echt gewesen wäre, die rechtliche Lage ist äußerst schwierig!!!
Trotzdem ruhig weiter am Ball bleiben und den Markt beobachten. (Kann ja nicht immer eine zweite Sternenscheibe draus werden!)
PS: Nicht alles was Grün patiniert ist ist auch ALT!!!
Mitte letzten Jahres fand ich bei ebay eingige sehr seltsame Angebote (u.a. ein Helm, ein paar Kreuze usw.) - angeblich alles Fundstücke aus der “Zeit der Kreuzzüge”, als Standort war glaub ich NRW angegeben. Ich habe aus dem Internet mir die Adresse des zuständigen Landesamtes rausgesucht und dort angerufen, sie dankten mir für die Information (ließen sich per Telefon zu diesem Angebot leiten und versprachen mir, sich darum zu kümmern) - ich beobachtete den Verkauf dieser Objekte und hatte den Eindruck, dass sie von Privatpersonen ersteigert wurden - ob die Behörden da noch eingeschritten sind weiss ich leider nicht, da sie sich (entgegen Ihres eigenen Angebotes) nicht mehr mit einer Nachricht darüber bei mir meldeten.
Davon mal abgesehen, dass der angebotene Helm eher aus den Zeiten der Antike als aus dem Mittelalter stammen könnte (war auch ordentlich rostig, zeigte aber Spuren von Säuberungen), finde ich solche Verkaufsaktionen alles andere als unterstützungswürdig. Ich stimme denen zu, die meinen, dass mit dem Kauf ein Markt für weitere Raubgrabungen geschaffen wird, bedauere doch zugleich, dass sicher auch oftmals Museen “weniger spektakuläre” Funde in Magazinen verstauben lassen (teilweise auch verständlich, dass nicht jeder Platz für die 312. Pfeilspitze oder den 73. Helm hat) - *seufz* es ist und bleibt ein Problem mit vielen Seiten …
Das Problem ist nicht das der “Tolle Fund” verkauft oder gekauft wird, sondern die Schaffung des Marktes für diesen Plunder. Versteht das mit dem “Plunder” nicht verkehrt, aber archäo. Bodenfunde erhalten ihren Wert nur durch Fundort und Lage innerhalb des >Befundes< (der ist nähmlich viel wichtiger als der Fund selbst).
Alle beschweren sich sich das wir so wenig Informationen über Textilien, Tragweise von Fibeln, Aufbau von Schwertscheiden, also von allen organischen Materialien haben, doch wer weiß schon das an fast jedem korrodierten Metallobjekt das mit Organik in Verbindung stand genau diese erhalten ist! Die Lage des Fundstücks z.B. innerhalb einer Bestattung, kann so (nach Restaurierung durch einen ausgebildeten Fachmann!) detailgenaue Informationen zu Material, Webart oder Verzierung der getragenen Kleidung liefern. Selbst Pollenkörner erhalten sich durch die toxischen Metalloxide die liefern uns Informationen ob die Person im März oder Juni bestattet wurden.
Wir, oder unsere Kinder, könnten von diesen Puzzelteilen profitieren, wenn es nicht gewissenlose Raubgräber (die von jedem Käufer gefördert werden) gäbe, die unsere Bodendenkmäler aus Spaß oder Profitgier plündern!
Mögen Euch Eure Batterien in den Metallsonden auslaufen! Gruß Pauli
Wenn ein alter Topf zu den 1000 anderen Pötten im Keller eines Museums landet, oder bei einem Interessierten Liebhaber im Wohnzimmer in der Vitrine steht oder sogar als Anschauungstück bei Veranstaltungen dient!”
Das ist nicht das Problem, sondern, dass durch das Kaufen solcher Objekte, egal durch wen, ein Markt geschaffen wird, den Raubgräber und Händler gerne bedienen.
Ohne die Aussicht auf einen lukrativen Verkauf der Funde gäbe es für die Beraubung und Zerstörung archäologischer Befunde keinen Anreiz.
Wenn ein alter Topf zu den 1000 anderen Pötten im Keller eines Museums landet, oder bei einem Interessierten Liebhaber im Wohnzimmer in der Vitrine steht oder sogar als Anschauungstück bei Veranstaltungen dient!
klar hast du recht. Doch ich denke, man kann von Fall zu Fall überprüfen, ob ein Kauf nun bedenklich ist oder nicht, ohne unbedingt pauschal den Käufer von Antiquitäten zu verurteilen. Es gibt ja einen regen Kunst- und Antiquitätenhandel, auf dem es meist rechtens zugeht. Dass Museen und sogar Archäologen Objekte zweifelhafter Herkunft acquirieren, das ist leider traurige Realität.
ich gehe davon aus das sich Museen nicht mit Heelerwaren abgeben. Da mag es schwarze Schafe geben, sicher. “Dachbodenfund” und “Sammlerauflösung” werden von vielen Archäologen als kritisch angesehen. Das haben einfach Gespräche, die ich gefürt habe ergeben. Vielleicht sind diese “Funde” manchmal nachzuvollziehen. Doch bevor ich jemanden ausversehen unterstütze der Funde aus ihrem Kontext reißt und dafür unbrauchbar für die Wissenschaft macht, lasse ich lieber die Finger davon. Ebay wird bei diversen Wissenschaftlern kritisch angesehen. Wobei es da natürlich immer auch andere Meinungen gibt. Mir ist das Risiko zu hoch. Doch vielleicht hast Du recht und auch Mussen sehen das nicht immer eng. Im Zweifel immer die Hände weg von Realien.
ich bin deiner Meinung, dass es immer problematisch ist, antike Realien zu kaufen. Nur verstehe ich nicht, warum es unbedenklich sein sollte, wenn der Käufer ein Museum ist. Ich finde im Gegenteil, dass besonders Museen als öffentliche Einrichtungen diesbezüglich eine gesteigerte Verantwortung haben.
Die Herkunft der “Dachbodenfunde” oder “Sammlerauflösungen” kann jedenfalls meistens überprüft werden, und gerade bei intakten spätmittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Keramikgefäßen ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass es sich um Bodenfunde handelt.
Bei urgeschichtlichen Objekten hingegen gebe ich dir vollkommen recht, da ist das Risiko wirklich sehr groß, dass sie aus Raubgrabungen stammen.
…“Dachbodenfund”, Sammlerauflösungen" können Begriffe sein die genutzt werden um die wahre Herkunft ( Raubgrabung) zu vertuschen. Bei Ebay Realien zu kaufen kann bedeuten, den Raubgräbern neue Nahrung zu geben. Realien zu kaufen ist immer riskant. Manchmal tun das die Museen selber, dann ist es unbedenklich sonst nicht.
Originalgetreue Repliken habe ich schon(Pingsdorfer). Es reizte mich, mal was Echtes in der Hand zu haben. Ich schau mal bei ebay in der entsprechenden Kategorie nach.
Abgesehen von den moralischen Implikationen (Bodenfunde zu kaufen ist immer so eine Sache), sind die Krüge in schlechtem Zustand und miserabel restauriert. Ich würde sie mir jedenfalls nicht ins Wohnzimmer stellen. Beim Suchen auf E-bay habe ich Exemplare in top-Zustand aus Sammlungsauflösungen gesehen, die sehen besser aus und sind rechtlich unbedenklicher (einfach die Kategorie Antiquitäten & Kunst/Porzellan & Keramik/Keramik durchstöbern).
Was die Echtheit angeht, die kann wohl nur ein Experte beurteilen. Ein Bekannter von mir hat schon mehrere Siegburger Steinzeugkrüge bei e-bay ersteigert, und war immer zufrieden. Ich persönlich halte nicht viel davon, archäologische Objekte zu kaufen, die dann sowieso nur zu Hause rumliegen. Da besorge ich mir lieber eine detailgetreue Replik, die ich auch benutzen kann. Aber das kommt wohl von meinem Hobby :)