Ich weiß ja nicht, ob du einen langen Kinnbart hast. Viele haben ja nur einen Kinnbart mit nicht mehr als 7 bis 10 mm Haarlänge. Ich selbst trage normal einen Vollbart, dessen Länge ich ca. auf 7 mm halte. Wenn ich an einer Mittelalterveranstaltung teilnehme, rasier ich mich einfach schnell. 4 Wochen später ist der Bart ja wieder in alter Schönheit zurück.
Die Nebenbemerkung zum Thema lange Haaren und Vor-/Nachteile im Beruf glaub ich, ist immernoch nicht für alle Branchen gültig. Ich habe durchaus den Eindruck, dass das leider immernoch manchmal ein Nachteil darstellt. Immerhin gibt es mittlerweile in Deutschland auch Firmen die kein Bewerbungsfoto in den Bewerbungsunterlagen haben wollen. Aber das führt nun am Thema vorbei.
wenn es einen Mann unter 100 aus dieser Zeit mit langen Haaren gibt ist das ja ok, immerhin ein Beleg dafür da es so etwas überhaupt zu dieser Zeit gegeben hat, es sagt ja niemand das ich einen von den 100 anderen darstellen muß.
Bisher habe ich die Haare bei Veranstaltungen immer offen getragen..was für historisch korrekte Tragweisen gäbe es noch…den herkömmlichen Zopf soll es ja so nicht gegeben haben (also den ungeflochtenen)
Mit dem Bart werde ich mir noch mal was überlegen müssen.
Ds mit den kurzen Haaren und greschäftsschädingend ist sicher übertrieben und war von mir auch eher ironisch gemeint, als Reaktion auf die Leute die immer meinen sagen zu müssen das sie keine langen Haare hätten nur weil das im Beruf Nachteile bringen würde (Die Zeiten sind ja nun doch zum Glück seit vielen Jahrzehnten vorbei)
Kopfbedeckungen für Männer sind im 9. Jhr. eher selten, es gibt im Stuttgarter Psalter Abbildungen von Phrygischen Mützen, allerdings auch nur ca 10 mal. Der überwiegende Teil der Männer trägt keine Kopfbedeckung.
Thorsten (Dagobert, Ministrie et Miles Karls des Großen)
Die Frage ist 9. Jhr wo?. Wenn man nach den Handschriften des Karolingischen Reiches oder später der Teilreiche ausgeht(Stuttgarter Psalter, Vivian Bibel…..)so werden Männer fast ausschliesslich mit einer recht kurzen Haartracht gezeigt (im Stuttgarter gibt es einen langhaarigen Mann ). Zu den Bärten entweder keinen, einen dünnen Schnauzbart oder (oft bei älteren) einen kurzgeschnittenen Vollbart. Reine Kienbärte sind mir aus Abbildungen überhaupt nicht bekannt.
Thorsten (Dagobert, Ministrie et Miles Karls des Großen)
das klingt so ein bißchen nach “Wasch mich, aber mach mich nicht nass!” ;o)
Was möchtest du jetzt hören? Das deine Haar so ganz o.k. sind, oder geht es darum, ob du sie offen oder als Zopf tragen solltest? Beim Kinnbart würden mir auch nur die Varianten offen und Zopf einfallen, wobei ich gezwirbelt quasi zu Zopf zählen würde.
Wie sieht es eigentlich mit längeren Haaren (als schulterlang)bei Männern im Mittelalter aus?
Gemeit sind so 50-60 cm…trug das damals auch jemand oder war das eher verpöhnt..und wie sieht es mit Kinnbärten aus?
Auf MA-Märkten sieht man ja immer sehr viele Männer mit (sehr) kurzen haaren, die dann aber längst nicht immer Mönche oder ähnliches darstellen.
Ich möchte zwar schon irgendwann mein Ausehen und Gewandung möglichst authentisch haben, allerdings möchte ich aus persönichen Gründen weder eine halblange noch eine Kurzhaarfrisur tragen, da dies bei mir einfach total unvorteilhaft (will nicht sagen albern) aussieht und mir im Beruf (Architekt) bestimmt nicht von Vorteil sondern gewiss zum Nachteil wäre.
Wenn ich jemanden aus dem 9. Jahrhundert darstellen will, wie kann ich dann (Kinn)bart und lange haare am besten und am passensten tragen?
(wie geschrieben, abschneiden käme für mich nicht infrage)
Inzwischen habe ich auch den angekündigten Artikel von Jan Kláp^st^e zu den Langzinkenkämmen wiedergefunden:
ders., P^rísp^evek k povaze sv^edectví st^redov^ekých artefakt°u: úzký kost^ený h^reben a mo^znosti jeho výpov^edi. Ein Beitrag zum Zeugnis mittelalterlicher Artefakte: der Langzinkenkamm und seine Interpretationsmöglichkeiten. In: Alexander Avenarius / Zuzana ^Sev^cíková (Hrsg.), Slovensko a európsky juhovýchod. Medzikultúrne vzt-ahy a kontexty. Zborník k ^zivotnému jubileu Tatiany ^Stefanovi^covej. Studia archaeologica et medievalia 5 (Bratislava 1999) 364-384.
Auch Kláp^st^e spricht sich dafür aus, daß die Langzinkenkämme weder zur Textilverarbeitung (Weben) noch zum Kämmen, sondern als Steckkämme zum Zusammenhalten anspruchsvoller Frisurformen dienten. Dafür spricht insbesondere das Auftreten in einem engen zeitlichen Rahmen (11.?/12.-14. Jh.) und die Konzentration auf Städte und verschiedenartige “Sitze der Mächtigen”, wohingegen sie im bäuerlichen Milieu so gut wie nicht vorkommen.
Hier auch eine Verbreitungskarte der Langzinkenkämme in Mitteleuropa (ca. Weser bis Wisla, Ostsee bis Donau), die aber gerade in Deutschland wesentlich ergänzt werden kann.
Vgl. auch Uwe Kamm-Richter, Der mittelalterliche Langzinkenkamm. Zur Verbreitung und Funktion eines speziellen Knochenkammes. Schriftenreihe des Stadt- und Bergbaumuseums Freiberg 11, 1994, 55-89.
Und noch ein neuer Fund:
Detlef Wulf, Zur Nutzungsgeschichte eines städtischen Randgebietes. Ergebnisse der Ausgrabungen Trommsdorffstraße und Meyfartstraße. In: Mark Escherich / Christian Misch, Rainer Müller (Hrsg.), Erfurt im Mittelalter. Neue Beiträge aus Archäologie, Bauforschung und Kunstgeschichte. Erfurter Studien zur Kunst- und Baugeschichte 1 (Berlin 2003).
Versucht es mal mit Langzinkenkämmen unter der Haube (12.-14. Jh.). Zwar gibt es dafür noch keine einhellige Meinung, aber die meisten ArchäologInnen nehmen inzwischen an, dass diese zum Hochstecken der Haare verwendet wurden. Leider sind mir bisher keine Abbildungen bekannt, die das auch belegen würden.
Einer der jüngeren, grundlegenden Aufsätze:
Uwe Richter, Mittelalterliche Knochenkämme aus Freiberg. Ausgrabungen und Funde 35, 1990, 37-40.
Es gibt auch noch was von Jan Klapste zu den Funden aus Tschechien, das reiche ich nach, wenn ich es bei mir gefunden habe.
Zwei Abbildungen von Langzinkenkämmen aus Camburg (Thüringen) hoffe ich in nächster Zeit (Ende April?) hier einstellen zu können:
www.nine7.com/ufg/index1.php?[ ]
Ich spiele im Sommer beim Theaterstück “Robin Hood” die Marian, und suche jetzt nach Info´s wie die edlen Damen denn damals ihre Haare trugen.
Durfte man als unverheiratete, aber doch nicht mehr ganz so junge Frau, die Haare offen tragen? Oder musste man eine Kopfbedeckung tragen? Vielleicht hat jemand Frisuren-Vorschläge?
Es wäre wirklich toll, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, denn im Internet habe ich bis jetzt noch keine eindeutigen Angaben gefunden.
durch die Sitte die Haare bedeckt zu tragen ist über Details der Haartracht wenig bekannt. Dazu kommt, dass die Erhaltung von Nadeln, Bänder etc. im Hinterkopf besonders schlecht ist. Für das Hochmittelalter sind genaue Befunde absolute Ausnahmen. Für den deutschen Raum im 12. Jahrhundert kenne ich nur die Haarbänder aus dem Sarg der Frau von Paiting (Schreibweise?) bei München. Leider ist der Schädel größtenteils skelettiert, so konnte die genaue Fechtweise nicht ermittelt werden. Die Bänder sind aus Wolle in Brettchenwebtechnik hergestellt. Die Bestattungsform und Kleidung ist sehr ungewöhnlich.
Abbildungen für das 12. Jahrhundert gibt es einige. Hier lassen sich Haarbänder in schlichten Zöpfen erkennen.
Schriftquellen erwähnen Seide als Material.
Eine besondere Haarknotenfrisur ist für die Angelsachen nachgewiesen und wird auch für die Sachsen angenommen.
Literaturangaben oder Bilder gerne per mail!
Sylvia
Projekt Folgari
PS.
Leider habe ich selbst nur ein kleines Stummelzöpfchen und muss in der Darstellung auch auf einen falschen Zopf unter dem Haarnetz zurückgreifen (f. 1. Jahrh. u.Z.)
ich verwende Lederbändchen statt Haargummis (meistens….. jaaaa, Asche auf mein Haupt). Die halten gut, wenn sie entsprechend oft, mindestens 3-5 mal, um das Zopfende gewickelt werden. Und feste zuknoten….
Was benutzte frau, um eine Frisur zu erstellen? In “Dress accessories” aus der Reihe “Medieval finds from excavations in London” gibt es mittelalterliche Haarnadeln; es sind - glaub ich - sogar Haarnetze gefunden worden und - sehr desillusionierend - ein künstliches Haarteil.
Aber: Grundlage all dieser Steckfrisuren ist doch immer der geflochtene Zopf. Nur - wie soll der halten? Haargummi ist un-a, ohne geht der Zopf nach spätestens einer Viertelstunde wieder auf, und bei irgendwelchen Bändchen kann ich mir erstens vorstellen, daß sie schnell abrutschen, und zweitens erinnere ich mich auch nicht, daß mir bei irgendeinem Bild schon mal ne Schleife im Haar aufgefallen wäre.
Zopfträgerinnen vor: Schon erfolgreiche Selbstversuche gemacht?
Nebenschauplatz zum Berufsbild der Barbiere: 1163 fiel im Konzil von Tours “Ecclesia abhorret a sanguine” –> Konsequenz: Die Barbier-Chirurgen alleine praktizierten nach Order oder unter Kontrolle der ärzte die kleine alltägliche Chirurgie… rasierten und schnitten Haare. Die Barbiermeister öffneten “Geschäfte” unter dem Zeichen der drei Becken. Während die ärzte lange, schwarze Roben und eine karierte Mütze trugen, trug der Barbier-Chirurg eine kurze. Die Leute vertrauten ihnen mehr als den ärzten, die Latein sprachen. 1268 reagierten in Paris die Chirurgen mit der Gründung der Confrérie von Saint Côme (Schutzheiliger), sie wollten die “barbifier” loswerden und ihr Zeichen wurden drei Salbentöpfe und zwei Heilige (eben St Côme) in langen Roben. 1311 entschied Phillip der Schöne, dass niemand ohne von dieser Brüderschaft geprüft zu sein, Chirurgie ausüben durfte, bestätigt 1352 und 1355; hingegen ist Barbieren dank des Chefbarbiers von Charles V 1372 erneut die Befugnis, chirurgische Eingriffe vorzunehmen, eingeräumt worden. 1383 wurde sogar hinzugefügt, dass der erste Barbier und Kammerdiener des Königs Chef der Barberie und Chirurgie des gesamten Königreiches sei. Soweit zum Thema gesellschaftliche Stellung, die drei Becken sprechen schon eher für eine Art von Nassrasur und die Verwendung der vielleicht/wahrscheinlich gleichen Messer für die kleine Chirurgie geben eventuell Hinweise auf die Beschaffenheit derselben. übrigens, und das interessiert mich ernsthaft, welchen Zweck hat es, einer Ehebrecherin die Haare abzuschneiden, wenn doch alle (irgendwie verheirateten) Frauen die Haare unter der Haube verborgen hatten? Sah dann ja höchstens der nächste, der gewillt war, mit ihr Ehe zu brechen, es sei denn, sie bekam die Auflage, zur Strafe ebenfalls ohne Kopfbedeckung durch die Gegend zu laufen. Ansonsten frage ich mich, warum ich mir für die Zeit um 1300 die Haare lang züchte. Wenn man die denn eh nicht sieht, oder gibt´s jemanden, der mir sagen kann, welche Frisuren sittenkonform waren? Dank´im voraus
Aussehen: Wie Messerklinge nur ohne Spitze. also eher kastenförmig. Größe die eines heutigen Rasiermessers nur mit geschmiedetem Griff. (alles zusammen natürlich!) Gesehen in: Hohhausmuseum Lauterbach Falls noch Fragen da sind….tut euch keinen Zwang an! Gruß v. Arlen
Tja, Christoph, das ist fein, daß DU es gesehen hast… Willst Du uns vielleicht auch über die Form des Messers usw. aufklären, sonst bringt Dein Eintrag nicht so viel. Joachim