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Eintrag #9 vom 20. Dez. 2006 11:30 UhrNiels-Olaf Lüders Profil

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Hallo Alexandra,

die Zugewichtsangabe mit 80 Pfund findet man auch hin und wieder. Aber wie gesagt, letztlich ist da immer viel Spekulation dabei.

Ich persönlich halte die 40 bis 50 Pfund - schon wegen der eigenen praktischen Erfahrung - für realistischer.

Man könnte schon versuchen, sich dem Problem über Beschusstests zu nähern. Aber auch das wäre keine 100 %-Lösung. Immerhin wird ja z.B. auch (nicht unumstritten) behauptet, die Aufstellung der ottonischen Panzerreiterei habe in der Mitte des 10.Jhdt. zum Ende der westeuropäischen Ungarnstreifzüge geführt. Das hieße dann aber, dass das Durchschlagen von Rüstungen wohl gerade nicht das Kriterium zur Bestimmung des Zuggewichts sein kann.

Um Metallplatten geht es dabei zu dieser Zeit wohl ohnhin nicht. Ich würde daher eher ein Kettenhemd für einen Beschusstest nehmen. Außerdem müsste man davon ausgehen, dass Nahdistanzschüsse relevant sind. Dazu war man schließlich als Bogenschütze beritten.

Nunja und wenn ich plausibel sowohl in Richtung 40 bis 50 Pfund als auch in Richtung 80 Pfund spekulieren kann, ohne es genau sagen zu können, würde ich mich immer für die erste Spekulation entscheiden, denn den Bogen kann man schließlich auch noch selbst schießen.

Ich bin übrigens noch nicht darüber gestolpert, dass die Knochen der landnahmezeitlichen Ungarn Indizien für Gesundheitsschäden durch Bogenschießen aufweisen, wie das wohl bei Langbogenschützen mit Zuggewichten um die 100 Pfund der Fall ist. Das spricht vielleicht auch noch für niedrigere Zuggewichte bei Reiterbögen.
Niels

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Eintrag #8 vom 20. Dez. 2006 10:00 UhrChristian Becker Profil

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Würde mich wundern, wenn Du mit einem 40 Pfund Bogen eine getriebene Eisenbrust durchschlagen würdest... Dann würd ich sagen, ist das Material echt Mist ;-)
Zum Vergleich: Selbst eine 130/140 Pfund Armbrust hat meinen Plattenrock (Plattenstärke 1,5mm) aus ca. 6m Entfernung nicht ganz durchschlagen, hat die Platte durchbohrt, ging aber nur 4 bis 5 mm durch und blieb stecken... dahinter wären dann noch eine vernietete Kette und ein dicker Steppwams gewesen...

Und wenn man nen Frosch bei nem Beschusstest trifft, frage ich mich, wo ihr die Tests gemacht habt... Im Tümpel??


Christian

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Eintrag #7 vom 19. Dez. 2006 23:53 UhrBenny Schütte Profil

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@Alexandra: Von welcher Materialstärke und welchem Material gehst du bei den Rüstungen aus?

Wir haben diesen Sommer Beschusstests gemacht und einige sehr schockierende Ergebnisse erzielt.

Ziele:Kettenhemd, Metallplatte 1,2mm und 2mm und Rundschild 1,5cm wurden beschossen.

von 30 bis ca. 70 pfund in verschiedenen Macharten.

Schussentfernung waren aus platzmangel zwar nur ca. 20m aber selbst die moderne Turnierspitze hat mit 40 Pfund Das 1,2Blech durchschlagen.

Den Rest kann man sich denken glaube ich.

Frösche taugen auch nichts als schutz vor Pfeilen, bei den Tests wurde ausversehen einer erschossen. (kein witz)
Tonda der Rote

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Eintrag #6 vom 19. Dez. 2006 21:55 UhrAlexandra Krug Profil

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Hallo Niels,

danke für die Info.

Bei meinem Projekt geht es um die Rekonstruktion eines Bogens - der genau so sein soll, wie er im Kampf wirklich eingesetzt wurde (...wahrscheinlich).

Wir diskutieren darüber, daß der Bogen ca. 70 - 80 Pfund gehabt hätte. Weil er ansonsten nicht in der Lage gewesen wäre, eine Rüstung zu durchschießen. Ich bin der Meinung, daß das nicht sein kann. Da bestätigen mich Deine Aussagen. Und deshalb habe ich auch hier im Forum einmal nachgefragt - um einfach noch ein paar Meinungen zu lesen. Deshalb nochmal vielen Dank.

Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #5 vom 18. Dez. 2006 19:47 UhrNiels-Olaf Lüders Profil

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Zu gefundenen sarmatischen Bögen ist mir nichts bekannt, was aber nichts heißen muss, weil es nicht so ganz meine Baustelle ist. Nach den vorhandenen Abbildungen dürften sie aber den skythischen Bögen sehr ähnlich sein.

Vielleicht hilft Dir diese Literaturliste, über die ich gestolpert bin, etwas weiter.

www.orientarch.uni-halle.de/ca/arms.htm

Zum Zuggewicht:

Die meißten Rekonstruktionen beruhen ohnehin auf Abbildungen und Bogenfragmenten und da sind Rückschlüsse auf das Zuggewicht einfach nicht möglich.

Wenn man dann mal einen vollständigen Bogenfund hat, der auch schußtauglich war, als er beigegeben wurde (was auch nicht alle sind), sind seriöse Rückschlüsse auf das Zuggewicht eigentlich immer noch nicht möglich. Mal abgesehen davon, dass der ursprüngliche Materialmix aus Sehnenbelag, Holzkern und Hornbelag angesichts der Verwitterung sowieso nicht 1:1 rekonstrierbar ist, müsste man wohl auch viele Bogen mit den gleichen Abmessungen, Materialstärken, Holzbesonderheiten bauen, um dann vielleicht einen Mittelwert ermitteln zu können.

Man liest immer wieder von Zuggewichten von 40 bis 50 Pfund für Reiterbögen. Diese Angabe dürfte aber mE aus vorstehend genannten Gründen mehr oder weniger auf Spekulationen beruhen.

Wenn es bei Deinem Projekt um einen Bogen für die eigene Benutzung geht, solltest Du aber natürlich auch immer sein eigenes Leistungsvermögen im Auge haben. Um sauber schießen zu können und keine Gesundheitsschäden zu provozieren, sollte da das Anfangs-Zugewicht erstmal recht niedrig sein. Außerdem hängt das Zuggewicht ja auch von der eigenen Auszugslänge ab. Beim heutigen berittenen Bogenschießen werden bei einer im Vergleich zum jagdlichen Schießen weiteren Auszugstechnik (so ab 30 Zoll) Zugewichte um 35 Pfund geschossen. Das ist mit entsprechendem Training auf dem Pferd dann ganz gut zu handhaben. Diese heutige Erfahrung kann man vielleicht zumindest auch als Indiz dafür heranziehen, dass die Zuggewichte der historischen Reiterbögen nicht so hoch waren, wie die der Bögen, die man am Boden benutzte.


Niels

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Eintrag #4 vom 18. Dez. 2006 18:26 UhrAlexandra Krug Profil

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Ich interessiere mich speziell für samitische Reiterbögen (2. Jhd.)- nur ist das sichrlich schon ganz speziell.
Was mich außerdem interessieren würde ist, ob die Reflexbögen durch alle Zeiten hindurch etwa das gleiche Zuggewicht hatten? Und wieviel das so in etwa war?
Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #3 vom 18. Dez. 2006 17:54 UhrNiels-Olaf Lüders Profil

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Sehr gut erhaltene Reflexbbögen gibt es zum Beispiel hier:

www.tuerkenbeute.de

Aber die sehr stark reflexen türkischen Bögen sind natürlich schon recht speziell.

Was genau suchst du denn in Bezug auf antike Reflexbögen? Mir sind halbwegs erhaltene hunnische Bögen (z.B. der Minfeng-Bogen mit einer Abbildung in Holger Riesch "Pfeil und Bogen der Merowingerzeit")erinnerlich. Vielleicht bringt auch das gerade in der Mongolei in einem Eiskurgan gefundene skythische Kriegergrab bogentechnisch was ans Licht. Dazu gibt es übrigens morgen um 20:15 (ZDF)eine Reportage zur Grabung.
Niels

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Eintrag #2 vom 18. Dez. 2006 15:43 UhrNina Schnittger Profil

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ich mein im ungarischen Nationalmuseum... naja.. was von so einem Teil dann noch übrig ist
Nina

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Eintrag #1 vom 18. Dez. 2006 14:06 UhrAlexandra Krug Profil

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Weiß jemand, in welchem Museum noch erhaltene Reiterbögen zu besichtigen sind?

Hat jemand einen Literaturhinweis für mich, wo ich etwas über Reiterbögen der Antike finde?
Viele Grüsse, Alexandra

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