Morgen, Dietrich!
Deine Einträge vollständig zu lesen, ist eindeutig zu viel verlangt. Aber gut, streich einfach den ersten Teil meines Eintrages und speichere die Informationen des unteren Teils in einem Winkel Deines unergründlichen Schädels ab.
da läßt Du dir schon so lange Zeit, und dann liest Du den Eintrag trotzdem nicht richtig.
Ich schrieb "solche Stationen mit diesem Service", sprich ständig bereit gehaltenen, gesattelten Pferden. Die ganze Diskussion ging ja von der Frage aus, ob durch das Ab- und wieder Aufsatteln nicht mehr Zeit verlorenginge, als durch den Wechsel gewonnen werden kann.
Trotzdem Respekt; das war die längste Anlaufzeit für einen Griff in´s Klo, die ich jemals erlebt habe :-)
Dietrich
Dietrich, Du weißt, ich widerspreche Dir nur ungern (*gr.), habe mir damit nun auch fast 2 Jahre Zeit gelassen, bis ich mich traute. Aber für die Mark Brandenburg fanden wir heraus, daß hier im MA die Verantwortlichen in den Dörfern Pferde für Botenritte zur Verfügung bereithalten mußten. Na ja, Pony-Express ist das noch nicht gerade.
Die Post wurde hier übrigens mit den Fuhrleuten befördert, was wohl einigermaßen organisiert war.
Hallo Christoph. Beim Pony- Express, wie meines Wissens auch bei den mongolischgen Stafettenreitern, wurden die Pferde an bestimmten Stationen, die jeweils eine "Pferdestärke" auseinander lagen, gesattelt bereit gehalten, so daß der Reiter nur ab- und wieder aufsteigen mußte. Aber solche Stationen mit diesem Service hat es in Europa nicht gegeben, nicht einmal später zu Zeiten, als es bereits einen regulären Post- und Kutschendienst gab. Also muß jeder Bote oder Reiter seine Ersatzpferde wohl mitgeführt haben.
Dietrich
Hi Dietrich! Darüber müßten die Leutchen vom Western-Hobby besser bescheid wissen. In deren Zeit fällt ja der Pony-Express, der auf die Art strukturiert war. Las mal Deine Beziehungen spielen. Bin gespannt, was rauskommt. Gruß v. Arlen
Also das kann ich jetzt ausdrücklich bestätigen; Hartmut hat kein "th" hinten, sondern, wie die meisten von uns, einen "A...". Aber eine Frage zum Thema von einem überzeugten Nichtreiter: Wenn ich während so einer Etappe das Pferd wechsel- geht da nicht durch Ab- und wieder Aufsatteln mehr Zeit verloren, als durch das "neue" und somit relativ frische Pferd wieder aufgeholt werden kann? Und- wenn das Wechselpferd leer nebenherläuft, aber doch mit der gleichen Geschwindigkeit, ist es dann wirklich soviel frischer?
Dietrich
jaja, alles richtig: Pferde gewechselt. Es bleibt aber der gleiche Ars.. im Sattel. Und es waren, trotz Pferdewechsel (wobei die Pferdewechsel sicher nicht immer und nicht so gut wie im 18.Jht. organisiert waren), die gleichen Wege/Straßen/Wildnisse. Und dem gilt schlicht und einfach mein Respekt. Ich kann und will die Daten nicht in Frage stellen, da ich nur ein "moderner Wanderreiter" bin. Es gibt ein bischen Erfahrung (Wanderreiten in unwegsamen Gelände) durch Sternritte in Südchile, einen Dreitageritt in den Anden/Venezuela und Tagesritte in Namibia. Ein "richtiges" Experiment wäre allerdings ne reizvolle Idee.Man braucht halt noch Träume. Hü, Hartmut (ohne "th" hinten)
Hallo Hartmuth! Die waren damals aber nicht an ein einziges Pferd gebunden, sondern wechselten die Pferde öfters, wodurch 60 Km nicht sehr viel gewesen währe. (siehe Reise der Abgesandten des Papstes zum Großkahn). Und jetzt bitte nicht: Das war nur bei den Mongolen! Gruß v. Arlen
noch was zum reiterischen Reisetempo: nicht der Galopp ist die schnellste und wirksamste Gangart. Dafür ist Trab und/oder Tölt die geeignetere weil effizientere Gangart (Verhältnis von Weg/Zeit und Energieverbrauch des Pferdes). Gallop ist die natürliche Fluchtgangart und versetzt ein Pferd auch häufig in den "Fluchtmodus" (Kurzeitleistung/Streß/"Aufheizung"). Trab wird auch im "natürlichen" Lebensbereich (menschfrei) für schnelles Zurücklegen größerer Strecken von den Tierchen gewählt. Ich bin drei Tage (vom 24.9.-26.9.) auf Wanderritt in Mittelfranken unterwegs gewesen. Auf Feldwegen, quer durch den Wald, zwei Tage Dauerregen(moderne,gute Kleidung), sehr fitte Tiere, gutes Kartenmaterial und in der Kulturlandschaft/incl. Logistik des 20.Jahrhunderts. Mein Fazit: ich halte 60 KM Tagesleistung durch einen mittelalterlichen, mittelschnellen Boten für eine sehr,sehr respektable Leistung! Hut ab!! Hussa, Hartmut
Aus derselben Quelle gibt es noch andere "lustige" Anweisungen für das Zusammenspiel zwischen Roß und Reiter: "Roß so untreu, treü zu machen, daß es dir nichts thue: Laß das durstig werden, darnach laß trincken, wenn es auff hört, so laßß in deine Handt ein wenig des waßers das aus seinem Maul heraus läufft : schling ein wenig in dich, solches Roß wird dich weder beißen noch schmeißen : prob. unbendig pferden : Hängt man auch kieselstein oder bley kugeln ins ohr od. in beyde ohren, und hält sie bey den ohren." "Einen pferd so beist und schmeist zugeben: Laß Deinen Urin über das Futter, laß ein wenig steh und gibs ihm zu freßen." Und nicht vergessen: DON´T TRY THIS IN YOUR LOCAL STABLE!!! Mit Grüßen, Ruth
... und Roß und Reiter waren so voll, daß sie die Strapazen der Verirrung nicht mehr merkten. Einfach herrlich, aber es scheint ja geklappt zu haben. Was wohl der Tierschutzbund dau sagen würde? schädelkratzend
Thomas off tha eighk
Damit das mit den weiten Reisen zu Pferde klappt, habe ich in einer anonymen Roßarzneihandschrift (17 Jhd., aber auf mittelalterlichen Quellen basierend) folgendes gefunden: "Ein Pferdt in der noth 20 Meilen zur reiten: Ein Hauß Backen brodt : schneide daraus schnitten wie viel du haben wilt, lege solche 3 tag und Nacht in einen ammeißhauffen : giebs den pferdt zu eßen : du magst auch etliche schnitt bey dir behalten, und ihm unterwegs davon geben, so lauft es den weg ohn allen schaden: Viltu weit reiden, so gieb dem pferdt Haßelwurtz zu eßen, so wird nicht müde. ein amders Rp Bibernell und Beyfueß wurtzel : thues in das pferdt gebüß : laß ihn darüber fesßen, so schdet ihn denselben tag kein rennen : ob du schon 10 od. mehr meilen reitest. Ein Pferdt ein ganzen tag zu reiten daß nicht müde wird: Rp drey schnitt brodt, in Brandewein gelegt, und zu eßen geben, wen du reiten wilt, so sprütze den pferd etwas Brandewein mit anderen wein vermischt in die Nasen. So laufts davon und wird der kopf gereiniget, gewindt guten Athem und wird frisch und muthig : die eingestuckte schnittlein brodt kan auch der reuter brauch, so kan er mit den pferdte fasten, den pferdt aber muß man Mittags 13 Stücklein Brodt zu eßen geben." Na dann Prost und gute Reise, Ruth
Moin zusammen. Mit 15 bis 25 km Tagesleistung für Marschierer liegt man richtig, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Solange man allein oder zu zweit oder dritt ist, sind auch größere Etappen drin, aber je größer die Gruppe wird, desto langsamer wird sie auch. Grund: Der langsamste Marschierer macht das Tempo, und einer hat IMMER was. Schöne Aussicht, Fuß vertreten, Pinkelpause, Rucksack geraderücken, Eis kaufen, Schnürsenkel offen- die Liste ließe sich beliebig verlängern. Und das war damals sicher nicht anders. Außerdem muß man mit einberechnen, daß alle drei bis fünf Tage ein Ruhetag eingelegt werden muß, zwegens Instandsetzung von Kleidung, Schuhen, Fußsohlen, Ausrüstung, Lebensmut, Durchhaltevermögen und dem gemein aufgeriebenem Schritt.
Dietrich
Zu 18: Hallo Christoph, nein wir sind nicht um 6.00 h aufgestanden und bis 20.00 h durch marschiert. Am Morgen haben wir erst Mal unsere Sachen zusammen gepackt und etwas gegessen. Weitere Pausen für Nahrungs- und Wasseraufnahme waren dabei. Es ging uns auch nur sekundär um die Tages-/Streckenleistung sondern mehr um das Material. Trotzdem bin ich der Meinung, daß die Tagesleistung bei mehrtägigen Fußreisen so um die 15 km aber auf keinen Fall über 20 km gelegen haben dürfte. Diese Rechnung bezieht sich auf Reisende ohne Karren und Tross, also mit zusätzlich ca. 10 Kg Eigengepäck.
Tschüß Olaf
Leute, lest mal richtig. die 40 Km sind doch eindeutig als MAXIMUM angegeben. Drüber gings nicht ! 25-40 steht da. Wenn mehr drin waren, würde da auch mehr stehen.
Ivain der Wanderer
Nach einigen Tagen arbeitsbedingter Tavernenabstinenz darf ich mich erst einmal bei Gabriele wegen der "Sabine" entschuldigen; tut mir leid!In Zukunft soll´s nicht wieder vorkommen. Ansonsten freut mich, dass einige Laufexperten meine (eines notorisch fußfaulen Menschen) Vermutungen doch irgendwie bestätigt haben: Ich bezweifle nicht, dass auf bestimmten Strecken und unter bestimmten Bedingungen auch Spitzenleistungen möglich sind und waren; aber ich hatte - ausgehend von einigen Reisebeschreibungen, besonders vom Geraldus Cambrensis - doch Bedenken im Allgemeinen. Und das wohl nicht ganz zu unrecht ... Die gelten m.E. auch für den Eilkurier, denn eine solche Tagesstrecke setzt zahlreiche Galoppstrecken voraus: in der Prairie oder der Steppe, gut; aber im waldigen Mitteleuropa oder Britannien? Doch können wir wohl davon ausgehen, dass die genannten Werte als Optima durchaus erreichbar sind und waren.
Gruß Nikolaj (Arglwydd Rhisiart)
A propos eigene Erfahrung: Bei meiner Bw-Zeit machte ich Wahnsinniger mal einen 30km-Leistungsmarsch mit 10kg Marschgepäck in 5h! Ich wohne auf dem Land, bin es gewohnt auch längere Strecken (5km-10km) zu Fuß zu gehen, aber das ist mörderisch! Ich habe das 5h-Zeitlimit eingehalten, aber die nächste Woche bin ich gehumpelt. Meine Füße waren so stark angeschwollen, daß ich meine Stiefel nicht ausziehen konnte, ich hatte mehrere offene Blasen und daß ich mir auch einen Wolf gelaufen hatte verschweige ich aus Piétätsgründen. Gut, ich gebe zu, das alles kann man mit viel Training bewerkstelligen, aber selbst ein erfahrener, trainierter Topkurier wird zu Fuß niemals an zwei Tagen hintereinander je 40km zurückgelegt haben. Schon mal gar nicht, wenn es sich um bergiges, waldiges odr gar sumpfiges Terrain handelt. Mein Leistungsmarsch ging einmal rund um den Dümmer-See und dann zurück zur Kaserne in Diepholz (Schaut es Euch auf einer Karte an!), also über plattestes Land und es war wirklich schrecklich. Ihr müßt auch berücksischtigen, daß eine Reise meistens mit der ganzen Familie unternommen wurde, damit es nicht zu "Unfällen" kommt (Hallo Aisling ;-)). Kinder oder Ältere beschleunigen einen Marsch auch nicht gerade. Noch etwas: Auf meinem Marsch habe ich keine einzige Pause gemacht. Es war recht warm (ca. 20 Grad) und ich kam mit einer Feldflasche Wasser aus. Auch am Abend hatte ich kaum Appetit, aber am nächsten Morgen habe ich 6 Brötchen gefrühstückt. Wie verpflegt sich also ein Kurier, der zu Fuß unterwegs ist und einen entsprechend erhöhten Energiebedarf hat? Mitschleppen ist unpraktisch und behindert und in Gasthäusern, sofern vorhanden, war´s wohl auch nicht ganz billig! Wie verbringt ein Kurier die Nächte, wenn er durch dünn besiedeltes Land zieht? Auf Bauernhöfen (-> Scheune) mag´s ja gehen, aber wenn ihn die Dunkelheit zwischen zwei Dörfern einholt? Noch eine Marscherfahrung: Orientierungsmarsch im Harz: Es regnet in Strömen. Selbst die achso regenfeste GoreTex-Bekleidung ist durchnäßt. Da hätte ich kein Leder bei mir haben dürfen, denn sogar meine Stiefel waren aufgequollen (!!!!). Wer sich also bei einem solchen Regen (konstant stark aber nicht mit Platzregencharakter) draußen aufhält, der wird naß und mit ihm seine gesamte Ausrüstung. Alles wird durchnäßt, ob es nun Leder, Holz oder Wachszeug ist. Ein Kurier des Mittelalters wir also wohl Unterschlupf gesucht haben, ergo: Verzögerung! Ich halte die angegebenen Werte für einmalige Spitzenwerte unter Idealbedingungen und nicht für Durchschnittswerte. (40km pro Tag im Durchschnitt würde bedeuten, daß es auch mal 50km oder gar 55km-60km sein können. Das ist illusorisch!) Vielleicht findet ja jemand noch ein paar präzisere Quellen. So long,
Thomas off tha eighk
Hi Olaf! Seit ihr um 6:00h aufgestanden und bis 20.00h marschiert? Mein Beispiel bezog sich auch auf Rolandswerth-Bonn, also den Rhein runter, gerade und nicht vergleichbar mit Deinen Erfahrungen. Gruß v. Arlen
Wie es der Zufall so will haben wir am vergangenden Wochenende im Pfälzer Wald getestet. Über zwei Tage sind wir mit Last und unter ausschliesslicher Verwendung mittelalterlicher Gebrauchsgegenständen gewandert. Am ersten Tag vergleichsweise grade Straßen ( Waldwege, Sandpisten ), und am zweiten Tag Höhenunterschiede bis zweihundert Meter. Am ersten Tag haben wir in drei Stunden 10 km bequem geschafft, und am zweiten Tag, Berg und Tal, ca. 18 km mit zwei längeren Pausen in 6 Stunden. Solche Strecken sind sehr Wetter und Gelände abhängig.
Tschüß Olaf