Im Briefroman "Gefährliche Liebschaften" von Choderlos de Laclos von 1782 schreibt der Vicomte de Valmont an seinen Jäger Azolan und redet ihn einfach mit "Sie" an (102. Brief). Ebenso Madame de Rosemonde in einem Brief an einen Monsieur Bertrand (165. Brief; Bertrand dürfte Bürger und kein Dienstbote sein). Eine Anrede (Lieber ...) am Anfang des Briefes fehlt in beiden Fällen.
Wann genau soll denn der Brief geschrieben werden? In der frühen Neuzeit jedenfalls gab es da Lehrbücher ("Ars dictandi") vor allem für Kanzleischreiber, die detailliertest aufdröselten, wie Anreden und weitere Formulierungen zu lauten hatten, je nachdem, welchen Stand/Beruf/sonstige Eigenschaft der Schreiber sowie der Empfänger hat.
Ein Bekannter von mir hat dazu mal geforscht - allerdings nur zu Artes dictandi aus dem 15. Jahrhundert. Es kann sogar sein, daß ich dazu noch Kopien irgendwo rumliegen habe; dann könnte ich zumindest Literaturangaben machen. Ich befüchte aber - da Du es hier unter "Neuzeit" gepostet hast - daß Du zu einer wesentlich späteren Zeit etwas suchst. Dann hilft Dir aber vielleicht zumindest das Stichwort "Ars dictaminis" oder "ars dictandi" weiter.
Wie hätte ein Adliger wohl in einem Brief an eine/n Angestellte/n diesen angeredet.
(Ich weiß, viele der Angestellten konnten damals nicht lesen, aber das setzte ich für meine Frage jetzt einfach mal voraus, dass der Empfänger den Brief dann auch lesen kann.)
Also ich meine etwas analog zu heute "Sehr geehrte/ Herr/ Frau xyz", "Liebe/r xyz" oder so. Diese Eröffnungsfloskel eben ...
Angenommen, die Empfängerin hieße Anne Boité.
Eigentlich denke ich dann immer, es müsste etwas nur mit "Anne" sein und ohne Nachname, aber ich bin echt ratlos.
Ich hoffe, Ihr könnt mir weiterhelfen. Ich brauche das dringend als Recherche für einen Roman, den ich schreibe.