Diese Schlaufe, der sogenannte “reenactor’s knot” tritt sogar nur auf sehr wenigen Darstellungen auf. Es gab ihn, aber bei weitem nicht so häufig wie er heute von Darstellern verwendet wird (deswegen auch “reenactor’s knot”).
Wie die Gürtel ohne die Knoten halten können? Ganz einfach, wie andere Gürtel auch, durch die Schnalle. Und die meisten der Jungfrauen sind auch als sehr schlanke Mädchen dargestellt, wo der Gürtel recht locker sitzen kann.
Gürtel können dann so elegant herunterhängen, wenn sie aus einem recht dünnen, flexiblen Material sind. Das kann Textil sein (und Textil muß nicht immer brettchengewebt heißen, obwohl das eine Möglichkeit ist), muß aber nicht. Es wurden auch sehr dünne, flexible Leder verwendet.
Bei manchen der Magdeburger Jungfrauen haben die Gürtel rhombische Muster, was meiner Meinung nach eher auf Textil hinweist (gerade bei Brettchengewebe lassen sich Rhomben gut weben).
Manche der Verzierungen könnten auch Kerbschnittmuster in Leder sein oder Ziernähte. Genau kann man das bei Statuen wohl nicht bestimmen.
Es gibt auch einen weiteren Thread in der Taverne, wo das Problem schon einmal diskutiert wurde.
Heute war ich mal wieder in zwei Bibliotheken und mir sind ein paar Dinge aufgefallen bezüglich Gürtel des 13. Jahrhunderts- beide Hälften.
- Ich habe ein Bild des Grabmals des Grafenpaars Otto von Botenlauben (gest. 1245) und seiner Gattin, Beatrix de Courtenay, gesehen, und er- der Herr- trug eindeutig einen kurzen Gürtel, der nicht nach unten hing. War das üblich oder handelt es sich um eine Ausnahme?
- Dann die Statuen der klugen/törichten Jungfrauen und der Synagoga (Letzterer Daten/ Ort ich nicht mehr weiß, müsste aber etwa 1235 gewesen sein; Jungfrauen: Magdeburger Dom, 1240/50 bzw. Freiburger Münster, 1300, diese zeitl. Differenz, um die Dauerhaftigkeit zu zeigen) tragen ßberlängegürtel, die aber eindeutig nicht mit Schlaufe etc. gebunden sind, sondern frei hängen. Wie geht das? Brettchengewebt? Wenn ich mir die Dame ganz rechts anschaue- Beschläge auf Textilmaterial?
Ich versuche gerade leidlich einen Augustiner Eremiten aus der Anfangszeit des Ordens sprich 2. Hälfte des 13. Jhd. darzustellen.
Und ich lese in den Beschreibungen der Ordenstracht etwas von einem “schwarzen Lederriemen” anstatt eines Seil wie bei anderen Orden.
Wie sieht sowas aus? Ich bin zuerst von einem geteilten Leibriemen ausgegangen der durch zwei Löcher im Riemen selber gesteckt wird und dann verknotet wird, wie bei den Schwertriemen.
Es gibt natürlich (heute) auch noch die Gürtel die von sich aus eine “Y”-Form haben, bei denen es ein senkrecht herunterhängendes Stück extra gibt, also der Gürtel nicht aus einem Riemen besteht (ofmals aus Stoff oder Metallteilen, meist als Frauengürtel).
Weiß jemand auf welchen historischen Vorbildern die beruhen, oer ist das eher “Fantasy”
Aus gegebenem Anlass habe ich mich mal auf die Suche nach Knoten in Frauengürteln zwischen 1400 und 1500 gemacht. Einige Abbildungen habe ich gefunden - siehe oben - aber lange nicht jeder Kürtel ist geknotet.
Das Bild hab ich dieses Jahr, in der Normandie, in der Abbbay Saint-Vigor aufgenommen.
Laut Austellung (dort war gerade eine “Sonderaustellung ” über die Romanik, waren nur ein paar Stellwände) der Abtei, ist die Darstellung aus der Erbauungszeit, um 1032.
Es scheint kein Gürtel im herkömmlichen Sinne zu sein, keine Schnalle ist zu erkennen. (muß nichts bedeuten), es scheint als wären die Enden einfach nur verknotet…
Ich habe mal den kompletten “Liber ad honorem Augusti” durchgesehen, dort sind die Zeichnungen außer in Einzelfällen aber nicht so detailliert, als dass sie Gürtelenden zeigen würden.
Bei hochgestellten und detaillierten Personen ist es aber so, dass das Gürtelende nach unten herabhängt, und zwar direkt aus der Schnalle. Die Schnalle ist als Rechteck bzw Quadrat abgebildet. Aber auch hier sind keine Details auszumachen.
ich denke, die Länge der Gürtel war eher ein Modemerkmal. Gugeln hatten ja zeitweilig auch sehr lange Zipfel, die über die Jahre ihre Länge variierten, aber keinen echten Nutzen (abgesehen als Halstuch) hatten.
Beim Knoten vermute ich auch, dass es praktikable Gründe hatte, das Gürtelende also kontrolliert nach unten ausgerichtet wurde.
Wann war das Knoten denn generell üblich? wurde dies um 1200 ebenfalls gemacht?
Der Hauptvorteil des Knotens ist nach meiner Erfahrung einfach, dass das Gürtelende nicht unkontrolliert herumbaumelt, sondern geordnet und stabil nach unten hängt.
Grundsätzlich schließe ich mich den anderen an: Wer? Was? Wann? Wo? (Epoche?, Stand?, Gegend?).
Ich selbst knote meinen (etwa 1,60 m langen) Gürtel (1250, reicher Bürger, Deutsches reich) wie folgt: zuerst schließe ich den gürtel mit der Gürtelschnalle. (der knoten dient also nur der optischen verschönerung) dann stecke ich das herunterhängende Gürtelende unter der gürtelschnalle hindurch nach oben und dann durch die entstandene schlaufe wieder nach unten. ob diese technik a ist oder nicht, weiß ich nicht. :-( ich habe sie von einem Gürtelverkäufer auf einem Ma- Markt. sie hat sich aber schon über ein Jahr bewährt!