Eintrag #9 vom 16. Okt. 2007 16:07 UhrKaren Thöle 
nach oben / Zur ÜbersichtGauklergewandung 12. - 14. Jhdt.
Hi!
Ja, wir haben durchaus einige ältere Threads mit Inhalten, die Dir weiterhelfen könnten, auch wenn es nicht genau um deine Fragestellung geht. Aus einem dieser Threads kopiere ich eine Bücherliste, die ich früher schon mal gepostet habe, und schreibe die Kommentare dazu ein wenig um. In dem damaligen Thread ging es um Musiker; da aber Musiker und Gaukler und alle Arten von Unterhaltungskünstlern im Mittelalter als Spielleute bezeichnet wurden und unter vergleichbaren Bedingungen lebten, ist das Meiste davon auch wohl für Dich relevant.
Ernst Schubert: Fahrendes Volk im Mittelalter. Bielefeld 1995.
Untersucht Fahrende vom Kesselflicker über den Musiker bis zur Wanderhure und kommt so zu einem sehr umfassenden Verständnis der gesamten Problematik "Fahrende". Bei den Instrumentenbezeichnungen: Vorsicht, die Übersetzungen von lateinischen oder mittelhochdeutschen Begriffen, die er z.T. benutzt, bezeichnen heute oft etwas ganz anderes als im Mittelalter!
Wolfgang Hartung: Die Spielleute im Mittelalter. Gaukler, Dichter, Musikanten. Darmstadt 2003.
Interessante Anregungen, interessante Quellen (vor allem, wenn man sich dann noch seine eigenen Gedanken macht...).
Sabine Zak: Musik als Ehr und Zier im mittelalterlichen Reich. Neuss 1979.
Geht in einem Exkurs auch auf die Spielleute ein, beschäftigt sich sonst mehr mit der Funktion von Musik und Instrumenten im höfischen und städtischen Umfeld.
Walter Salmen: Der fahrende Musiker im europäischen Mittelalter. Kassel 1960.
Inzwischen in den Schlußfolgerungen und der Darstellung etwas veraltet, aber die Quellen, die er anführt, sind immer noch zu gebrauchen. Es gibt von ihm noch ein neueres Buch zu gleichen Thema, aber das ist das gleiche wie dies hier, aber nur wenig erweitert und dafür ohne Fußnoten und darum nicht überprüfbar.
Antonie Schreier-Hornung: Spielleute, Fahrende, Außenseiter: Künstler der mittelalterlichen Welt. Göppingen 1981.
Das Ziel des Buches ist eigentlich, zu untersuchen, ob die sog. "Spielmannsepen" wirklich von Spielleuten geschrieben werden konnten, aber es bringt einige interessante Fragestellungen, mit denen scheinbar klare Annahmen hinterfragt werden können.
Margit Bachfischer: Spielleute, Gaukler und Vaganten: Spielmannskunst im Mittelalter. Augsburg 1998.
Eigentlich kein wissenschaftliches Buch, da Belege durch Fußnoten weitgehend fehlen, dafür das einzige, das auch zahlreiche Abbildungen hat.
Zur Kleidung der Spielleute insgesamt ist zu sagen, daß sie häufig als Lohn für ihre Auftritte getragene Kleidung bekamen. Sie haben also wohl ungefähr das gleiche angehabt wie ihre Zielgruppe. Im Rahmen von großen Festen, oder wenn ein Spielmann für eine längere Zeit zum Gefolge eines Adligen gehörte, wird der sie möglicherweise auch mit neuer Kleidung ausgestattet haben. So könnte es zu den schon angesprochenen "bunten Farben" gekommen sein. In Zeiten, in denen mi-parti-Kleidung vorkam, also Kleidung, bei der die linke Hälfte eine andere Farbe hat als die rechte, sind es oft gerade die Spielleute, die so etwas tragen.
Ich habe mich bisher mehr mit Musikern beschäftigt. Wie es bei Gauklern aussieht, die quasi als Artisten körperlich anstrengende Sachen machen, weiß ich so auf Anhieb auch nicht. Ich bin aber sicher, daß ihre Kleidung, wie auch die der anderen Spielleute, auf der normalen Alltags- bzw. Festkleidung der jeweiligen Zeit basiert, sie dann bei ihrem Auftritt vielleicht nur die Bruche, die Unterhose anhaben. Ich kenne sogar ein Bild von einem Jongleur aus dem 12. Jahrhundert aus dem Legendarium aureum aus den Stiftsbibliotheken der Abtei Heiligenkreuz, auf der genau das zu sehen ist.
Ich rate Dir übrigens auch, Dir ein Jahrhundert zu überlegen, zu dem Du Dich dann passend ausstattest. Wenn Du relativ schlichte Sachen nimmst, kannst Du vielleicht das eine oder andere mitverwenden, wenn Du doch Interesse an mehreren Jahrhunderten findest. Aber Dinge zu kombinieren, die deutlich erkennbar ins 12. UND ins 14. Jahrhundert gehören, ist dann doch nicht so prickelnd.
Ich hoffe, ich habe Dir geholfen.
Bis denn
Karen Thöle


