ich will mir nicht die stiefel von der hp bestellen.
sondern wollte nur wissen ob es solche stiefel (sh. oben)gab.
desswegen frag ich ja nach funden. du sagtest ja, dass du allgeimein funde zu stiefeln hast, aber nicht für genau solche. ich möcht doch nur wissen, was für stiefel es gab. mein freund möchte gerne stiefel tragen (weil er stiefel schön findet) wenn es sowas aber in keiner form “niemalsnicht” gab, wird er weiterhin halbschuhe tragen…
Die gleiche Vorgehensweise wie beschrieben für Frauen, gilt auch für Männer ;)
Lass die Schuhe Schuhe sein, egal ob dein Männe oder Du die toll, schön stabil-trittfest oder so findet, und guckt euch Bilder und entsprechende nahe Fundkomplexe an.
Onlineshops nach gefälligen Modellen zu wälzen, und dann zu fragen “gabs sowas” ist def. die falsche Vorgehensweise, wenn ihr’s gescheit anstellen wollt.
Abgesehen davon:
Was soll ein Bürger, in einer Stadt lebend, nicht im Feld stehend, nicht reitend mit fetten, hohen Stiefeln?
SELBSTVERSTÄNDLICH such ich nach Belegen für Schuhe mit folgen Kriterien:
- Bayern um 1475
- für einen MANN
- wendegenäht!!!!!
- dicke Leder-Sohle
- möglichst hoher Schaft
- evtl. mit Schnallen (oder zum reimschlüpfen)
- für Bürger die in einer Stadt leben
Jetzt bleibt noch folgende Fragen:
dass es sogenannte Reitstiefel gab, wurde hier an anderer Stelle geklärt. Gab es aber auch Stiefel die nicht nur zu Pferde getragen wurden? Wenn ja, von wem, wann und wo?
Ob Frauen auch Reitstiefel trugen (wenn sie denn ritten) war nur als Frage am Rande gedacht.
Um es kurz zu machen: diese Schuhe sind unhistorisch. Christian schreibt das- was ja aus geschäftlichen Interesse verständlich ist- vorsichtig, aber dennoch eigentlich deutlich.
Sind nicht wendegenäht, ergo völlig unmittelalterlich, Modell hin oder her.
Taugen nicht für eine gescheite historische Darstellung.
Und nein, bei Frauen kenne ich weder ein solches noch ähnliches Modell, stabile knöchelhohe Schuhe bei körperlich hart arbeitenden Frauen (das heisst Bäuerinnen auf dem Feld, nicht spülend im Lager) sind das Maximum.
Belege für genagelte Schuhe sind gleich mehrfach rar- dazu gibt es hier nen Thread- es gibt 3-4 Bilder, seit einiger Zeit einen entsprechenden Fund, und Erwähungen in Textquellen-
aber alles bei Männern bzw. Soldaten (beim Fund kann man das freilich nicht sagen, es gibt aber keinen Anlaß dafür, anzunehmen, es wäre ein Schuh, den eine Frau getragen hat).
Ansonsten kenne ich hohe Schuhe schon ein paar Funde, und Darstellungen von Reitstiefeln- Lersen- das was gerne “Lederbeinling” oder “Lederhosen” genannt wird- sowie Erwähnungen ab dem 14ten- ebenso bei Männern.
Und um es als Fazit kurz zu machen: diese Schuhe, sowie alle Schuhe dieser Reihe sind für historische Darstellung hoher Qualität, sowie im Modell und Ausführung für die Darstellung einer Frau wie beschrieben absolut ungeeignet.
Zum Schluss noch eine dringende Empfehlung: guck dir doch einfach mal Abbildungen an, welche Schuhe getragen wurde, und wähle dann ein entsprechendes Modell eines dir nahegelegenen Fundkomplexes und mach es/lass es machen, genau nach Vorlage.
Das, was Du da jetzt machst, geht mal wieder in Richtung “Wunsch Vater des Gedanken”.
“Diese Schuhe sind ”Durchgenagelt“, […] im Aussehen einem wendegenähtem Schuh entspricht.
Achtung! Nicht original Wendegenäht!
Dafür aber sehr stabil und trotzdem optisch korrekt!!!”
“optisch korrekt” im Sinne von “mittelalterlich” oder “A” ????
Mich würde einfach interessieren, wann diese hohe Variante sich entwickelte. Die meisten Schuhe waren ja niedrig, oder bis leicht über den Knöchel…
damit es klar ist. Ich suche KEINEN Beleg für Carbone-Stiefel mit Gummisohle, sondern möchte nur wissen, wann es allgemein (hohe)Stiefel im mittelalter gab.
wenn jemand einen Beleg für Bayern um 1475 hätte wär das natürlich ideal ^_^
Wenn es sie gab, waren sie nur als Reitstiefel gedacht? Würden sie evtl. auch von Frauen (Bei viel Regen z.B. bis kniehöhe) getragen?
nach den mir bekannten fundkomplexen, bzw. deren auswertungen, findet sich ein solcher stiefel in keiner epoche des mittelalters.
bei diesem modell liegen gleich mehrere eklatante patzer vor, die es meiner ansicht nach nicht einmal möglich machen, dass so etwas in 1000 jahren MA existiert hat.
1. der stiefel ist von der machart nicht wendegenäht, von handgenäht schon ganz zu schweigen.
die überwiegende masse der bekannten funde weist aber genau dieses kriterium auf, links genäht und dann auf rechts gewendet, damit die nähte INNEN und somit geschützt liegen.
2. das hier verwendete leder sieht zumindest aus wie wildleder, aber auch velourleder scheidet als historisch verwendete variante aus. mir bekannte mittelalterliche schuhe waren vegetabil grubengegerbt.
3. krepp- oder kunststoffsohlen scheiden ebenso aus, da für die sohle in der regel dickeres leder verwendet wurde - aber halt kein kunststoff.
4. schnürungen auf der ferse bzw. beinrückseite gibt es zwar gelegentlich, allerdings höchst selten.
in der gesamtkomposition dieser deiner ausführung liegt der hase im pfeffer.
für eine glaubwürdige MA Darstellung (egal welcher epoche!), rate ich dir von diesen schuhen komplett ab.
gutes, historisch korrektes schuhwerk bekommst du (zum gleichen oder geringeren preis übrigens) z.b. hier:
Ich bin neu hier. Ich hab mir wegen LARP vor nicht allzu langer Zeit ein wenig Kleidung gekauft und unter anderem auch diese Stiefel hier. www.ritterladen.de/shop/product_info.php?[ ]
Inzwischen würde mich auch ein mittelalterlicher Char interessieren. Da die Stiefel bis jetzt das teurste waren würde ich den Char gerne daran ausrichten. Mein Problem ist nun daß alle Shops die diese Stiefel anbieten nur schreiben “nach historischem mittelalterlichem Vorbild”. Mich würde nun aber doch der Zeitraum interessiern wo diese gebräuchlich waren. Wäre verdammt nett wenn die Kundigen hier mir da weiterhelfen könnten. THX schon mal im voraus.
Die gezeigten Belege stammen aus dem westfälischen Landesmuseum in Münster; beide Bilder stammen aus der 1. Hälfte des 15. Jhd. und zeigen Soldaten, die einigen Herren zu ewigem Ruhm als Märtyrer verhelfen.
Ein weiterer Bildbeleg hängt im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und zeigt einen Schäfer, der bei einer Notunterkunft (Stall) herumlungert.
Und zwei Schriftbelege kenne ich; der erste ist französisch, aus der zweiten Hälfte des 15ten, eine militärische Einkaufsliste. Und der zweite deutsch, aus “De laude antiquae Saxoniae nunc Westphaliae dictae” von Rolevinck.
Realien sind mir leider nicht bekannt; es gibt die Theorie, daß genagelte Schuhe von der Landbevölkerung, Soldaten und “fahrendem Volk” getragen wurden und deshalb in den meist städtischen Fundstätten nicht auftauchen. Was ja durch die vorhandenen Belege zumindest gestützt würde…..
Ich meine das Christian Pohen die mal aufgestöbert hat. Dafü immer noch meinen Dank.
Wobei ich dir aber völlig recht gebe das das mit Sicherheit nicht die Regel war, angesichts der gerinen Menge der Belege im Vergleich zu den unbenagelten Schuhen.
Ich schließe mich aber der einschätzung von Jens an das bei einer Rüstung der Ritterschmiede das Schuhwerk mit Sicherheit das geringste Problem sein wird.
Das Simpelste ist doch meist das günstigste und beste, habe ich festgestellt.
Hier mein Tipp:
Eine 2-geteilte Ledersohle unter der normalen Sohle (siehe Schleswiger Funde) anbringen. Diese evtl. mit Leinölfirnis bearbeiten (macht die Sohle härter). Aufrauhen tun die sich auf Schotter von allein ;o).
Diese schützen auch vor evtl. Landungen auf dem Allerwertesten, da sie vorher mit der Hacke in den meisten Böden verkanten (eigene Erfahrung).
Material: Anständige (“A”-)Schuhe, dickes Leder und keine Gedanken mehr um Gummiprofile, Dockers etc.
Zu den Spikes und “rutschfesten Wendeschuhen” geht es hier lang:
der unterschied hinsichtlich rutschfestigkeit, demnach also sicherheit, zwischen einer dünnen, glatten kunststoffsohle und einer dünnen, glatten ledersohle mag sich mir auch bei längerer betrachtung nicht wirklich erschließen.
meine ersten pseudomittelaltertreter waren solche latschen, die eine glatte hartgummisohle hatten.
im vergleich zu einer ledersohle absolut keine verbesserung, aber vielleicht hast du ja wieder gänzlich andere erfahrungen sammeln können, georg…ganz sicher sogar.
Das mit den Profilsohlen ist keine wirklich nötige Lösung. Als ich selber noch hin und wieder in Rüstung rumlief (allerdings SCA-Rüstung), trug ich anfangs zwar ab und zu Springerstiefel dazu, aber nur wenn ich gerade neben den teuren Gewandschuhen keine Matschtreter dabei hatte. Bis ich mir dann fürs Rumtapern und Kämpfen auf matschigem und steinigem Gelände ein Paar dünnsohlige Stiefeletten zulegte, die optisch von Wendeschuhen kaum unterscheidbar waren. Mit dünner, glatter Sohle und praktisch ohne Absatz. Die sahen korrekt aus und wegen des recht geringen Preises brauchte ich mir keine Sorgen zu machen, ob sie das alles eventuell auch überstehen würden. Was sie übrigens taten, ich habe die nach jetzt 25 Jahren immer noch und werfe die nicht weg (was funktioniert, wird nicht verworfen). ABER - das ist natürlich keine historisch saubere Lösung, wenn auch eine optisch akzeptable.
Wenn deine Ansprüche an die Darstellung also nicht 100%-ig sind, dann wären solche Halbstiefel vielleicht eine Lösung. Die glatte Sohle stört wirklich nicht.
Das mit den Militärstiefeln vergiss am besten ganz schnell wieder, das sieht einfach nur grottig aus.
Habt ihr den letzten Abschnitt von Armin im ersten post nicht gelesen?
Zitat: “Da mein Beinzeug darauf angepasst wird”
Also ich habe es so verstanden, dass er nach Alternativen sucht, _bevor_ ihm sein Schmied die Beinplatten anfertigt…
Wie dem auch sei, Tipps zu anständigen Schuhen für “unten drunter” findet hier man ja zwischen den Zeilen ;o) Wobei auf den meisten Abbildungen kaum Stiefel unter den Rüstungen zu erkennen sind. Ich persönlich würde lieber die Alternative Gummisohle vor einer Bruchlandung auf dem Boden bevorzugen. Man bedenke nur, dass sich damals die Leute ja nicht aus Jux hineingequält haben und vorher den Umgang mit der Rüstung übten.
Armin, wenn du dich wirklich sicher in der Rüstung bewegen kannst, wirst du es auch mit rutschigeren “a”-Schuhen hinbekommen.