offenbar reden wir nicht über _ein_ Hobby, sonst hätten wir doch alle die gleiche Herangehensweise. Ich kenne Deine Ausrüstung nicht, aber ein bißchen Seide hier, ein bißchen Zelt dort stellt für mich (und ich bin sicher auch für viele ander Poster in diesem Thread) noch gar nichts dar.
Von “niedergepostet” kann hier wohl überhaupt keine Rede sein, im Gegenteil, hier wurde versucht, jemandem im Vorfeld Hilfe zukommen zu lassen, um Sichtweisen und Entscheidungen ggf. revidieren zu können.
Leider wurden alle Argumente von der Fragestellerin so gut wie völlig ignoriert mit der letztendlichen Kernaussage “Ich will das aber und ich bekomme das auch preiswert”.
Fein, prima, da freuen wir uns doch alle für Sonja und für Dich, daß ihr eure Adelsausstattung preiswert bekommt und alle anderen, die deutlich mehr Geld dafür ausgeben, offenbar nur zu doof sind, die richtigen Bezugsquellen zu finden.
Auch wenn hier ein Männername drüber steht, steckt, nur zur Info, eine Frau dahinter.
Erst einmal redet ihr hier alle über ein Hobby. Ein HOBBY, das Spaß bringen soll. Wenn ich dann lese, dass es jemand “zu locker” nimmt….also, ich weiß ja nicht, was diese totalitäre Einstellung soll….
Jemand bittet um Anregungen und wird niedergepostet. Eine Frau gegen fast ausschließlich Männer, die mit völlig falschen Vorstellungen an dieses Thema heran gegangen sind.
Ich habe auch mit viel Zeit und Herzblut eine Ausstattung für eine Adlige zusammengearbeitet (!), die mich keine 50.000 Euro gekostet hat. Ich besitze ein besticktes Wappenkleid aus Seide, ein eigenes Zelt mit Doppelbett und viel Platz, mehrere Alltags- und Repräsentationskleider und so weiter: für definitiv UNTER 50.000 Euro. Um ein weiteres Tabu-Thema anzusprechen: da war sogar noch ein schaukampftaugliches Schwert im Etat, das ich auch benutze.
Darum auch mal zurück zur eigentlichen Frage von Sonja:
Surcot mit Höllenfenstern geht. Trage ich auch. Die Kopfbedeckungen sahen etwas anders aus als in Deutschland, ist schwer zu beschreiben. Ein gutes und detailreiches Buch dazu(nicht nur zur Kleidung, sondern auch zur Kunst und vielem mehr), allerdings auf Englisch: Herbert Norris: Medieval Costume and Fashion. Kann ich nur empfehlen.
Das ist ungefähr so, wie wenn jemand ein 500 Jahren eine Mulimillionärin darstellen möchte, und dazu sich Dior-Kleid, Prada-Tasche, Manolos, entsprechenden Schmuck zulegt, und somit eine schöne Kleidung für “den roten Teppich” hat. Aber da war’s halt auch.
An dieser Stelle könnte man eine Diskussion über Darstellungsformen beginnen, aber sowas gibt es ja schon ;)
Kurz: Wenn Du nur “Kleiderständer” (was abfällig klingt, aber eine Hobbyausübungsform ist) wirst Du vermutlich mit vlt. 2500-5000 Euro (je nach Ausführung) für eine Adelskleidung für festliche Anlässe hinkommen.
Wenn Du allerdings etwas darüber hinaus machen willst, oder auch mal was im passenden Rahmen Essen, Trinken oder Werkeln willst, kommt noch einiges dazu.
Und für eine wirklich gut recherchierte Kleidung musst Du in jedem Fall Literaturstudium rechnen, was allerdings nicht zwangsweise teuer sein muss, wenn Du konsequent nur Dich durch die Bibliotheken frässt- das kostet halt einfach viel Zeit.
Insofern: das soll keine Abschreckung sein, aber ein realistisches Bild wecken, augenblicklich habe ich das Gefühl, Du siehst das noch etwas zu locker ;) Aber vlt. hast Du ja doch, wie Claus es sagte, genügend Geld, darüber hinaus auch Zeit, dann freue ich mich darauf, eines Tages eine neue, gute Adelsreko zu sehen.
Dazu kommt dann, wie Jens schon so schön sagte, eine etwas “einfachere” Gaderobe.
Und Sachen die im Haushalt einer Dame so zu finden waren. Glas, Messer, Nadeln zum Nähen und für die Kleidung, Löffel, Kochgefäße der gehobenen Ausstattung, was zum sitzen, schlafen. Dinge der persönlichen Körperpflege.
Und mal abgesehen davon haben die meisten Darsteller auch noch eine kleine Bibliothek im Wert eines Kleinwagens zu Hause :-)
Ich glaube ja: nur weil die Damen keinen Gürtel _über_ dem Surcot tragen, heisst das ja nicht, dass sie _keinen_ tragen ;)
Da fällt dann auch der goldbroschierte Gürtel mit vergoldeten Beschlägen und Schnalle an, dazu ein passender goldbestickter Seidenalmosenbeutel. Natürlich entsprechende Strümpfe, Kniebänder.
Schapel. Mantel mit Fehpelzfutter.
Und dann hast Du nur deine Protzkleidung, nicht mal wirklich aufwändig und vollständig, kannst gerade mal rumstehen. Nix zum draus trinken, zum draus essen.
Kommt halt drauf an, was Du willst, einfach nur Klamotte zum Posen, oder eine komplette Darstellung. Da fallen dann noch ein paar Dinger mehr an….
Hi, ich hab jetzt mal genauer nach Stoffen und so geschaut und mal grob zusammengerechnet was ich an Ausgaben so hab. Ich muss sagen an die 50.000 komme ich nicht mal wenn ich mich anstrengen würde.
Das Leinenunterhend kostet mich ca. 30 Euro ; die Cotte aus Seide ungefärh 300 Euro , aber nicht wegen des Stoffes sondern wegen der Silberknöpfe. Seide ist gar nicht mal soooo teuer.
Beim Surcot habe ich einen goldfarbenen, pflanzengefärbten, handgewebten Stoff gefunden der relativ teuer ist (45 Euro pro Meter) plus Futterseide sind das dann auch ca. 300 Euro .
Dazu kommen Schuhe die 480 Euro kosten.
Damit wäre ich insgesamt so bei 1100 Euro .
Dazu kommt natürlich noch die Kopfbedeckung und Borten für die Kleider. Einen Gürtel brauche ich nicht, da im Codex Manesse auch niemand mit ärmellosem Surcot einen Gürtel trägt. Dazu kommen vielleicht noch 2-3 Ringe und eventuell noch einen Mantel. Das sind dann insgesamt vielleicht 1500 Euro .
Wegen des Schmuckes mache ich mir weniger Gedanken, da ich zwei Goldschmiede in der Familie hab und ich den bestimmt etwas günstiger bekomme. Ich muss mich nur auf die Suche nach geeigneten Bildern aus der passenden Zeit machen… Es wäre nett wenn ihr ein paar Vorschläge hättet wo ich welche finden kann.
Ich durchwühle im Moment sämtliche Museen in der Umgebung auf der Suche nach dem Adel aus meinem Heimatstädtchen, aber alles was ich finde ist zeitlich zu spät. Naja ich werde auf jeden Fall weiter suchen, vielleicht werde ich ja doch noch fündig..
1. Eine gute Darstellung kostet ( je nach eigenem Anspruch )Geld. Und gerade eine Adelsdarstellung. Ich denke da nur mal an die ganzen Kinkerlitzchen wie Ringe, Reifen, Schapel, Gürtelzierat, Pelzchen hier und da, feine Woll oder Seidenstoffe, Goldlahn, Brokat und für die Herren der Schöpfung das ganze militärische Geraffel.
Ich halte Claus Einschätzung für 50.000 Euro für eine gute Adelsdarstellung für nicht unrealistisch.
Und jeder der “A” Fraktion mag mal ehrlich zusammenrechnen was der ganze “Kleinkram” so über die Jahre gekostet hat, wer das mal ehrlich überschlägt sollte das besser im sitzen machen :-)
2. Was hat das “damals” gekostet. Gerade für England gibt es da ja eine ganze Menge Listen und Bücher über das ungefähre Verhältnis zu Preis und Einkommen.
Klar ist das schwer, weil das Verhältnis zu Preisen ud Löhnen regional unterschiedlich ist und auch in den Zeiten stark differiert aber nur mal zur Verdeutlichung.
(Zahlen so Pi mal Daumen aus dem Kopf )
Ein gutes Pferd für den Kriegsseinsatz liegt bei 20 Pfund.
Ein Yard feiner Wollstoff bei 5 Shilling pro Yard.
Das bedeutet daß das bei einem “Facharbeiter” Lohn von 4 Pence pro Tag und Stoffkosten für eine feine Cotte von 3 Yard das schon das 1,5 fache Montasgehalt eines Arbeiters liegt.
Ein einfaches Reitpferd von 2 Pfund würde selbst einen Handwerksmeister 2 Monatslöhne kosten und das alles ohne sonstige Kosten für den Lebensunterhalt.
Von daher liegt der Vergleich zum heutigen Multimillionär doch Recht nah.
Ich verstehe den Zusammenhang eines Facharbeitergehaltes mit einem Multimillinär nicht. Es gibt Dinge die es damals fast umsaonst gab die man heute entweder auch selber machen muss oder eben wirklich teuer bezahlen muss. Für einen Ritter war es kein großer finanzieller Aufwand ein Kleidungsstück mit Pelz füttern zu lassen, auch das gestickte Wappen war über einen Winter gemacht, wenn nicht von der Frau dann von einem anderen Mitglied des Haushaltes. Ich habe grad am Wochenende gesehen was die damals unter solchen handarbeiten verstanden haben und habe bitterlich geweint weil das weit außerhalb meiner Möglichkeiten liegt.
Das Pferd war da, die nötige Kriegsausrüstung vermutlich auch. Alles nichts worüber sich der Mensch Gedanken machen musste, während es uns heute ein Vermögen kosten würde. Andererseits gibt es Dinge die damals teuer und selten warne für wenig Geld, Seidenstoffe z.B. auch wenn die fast keine ßhnlichkeit mit der Vorlage haben, es heißt ja wenigstens so. Leider macht das alleine keine Darstellung. Man kann sich das sicher schönreden, muß aber damit rechnen das andere das durchschauen und den Finger in die Wunde legen.
Ich bin noch weit von meiner Wunschausrüstung entfernt und würde eher eine einfache Darstellung wählen, nähere mich aber durchaus dem Facharbeitergehalt.
“Sir James ”the Good“ Douglas of Douglas, Baron of Douglasdale” dar (steht ja ein paar Zeilen unter eurem Gruppenchef, der den König von Schottland darstellt, sowie verschiedenen wichtigen Adeligen…)
Ich würde mich zu der Behauptung hinreissen lassen, die Darstellung eines schottischen Barons, der Truppen zur Eroberung einer Burg (vormals seiner eigenen laut eurer Webseite, übrigens interessantes Detail, dass diese sich als Bauern verkleideten, Zitat
“Sie hatten Säcke, die mit dem Gras gefüllt waren, über ihre Pferde gelegt und sahen aus wie Bauern, die -»>Mais«← zum Verkauf zum Markt von Lanark trugen. ”)
aufbringen kann, nicht unbedingt als Bettler rumlief, und auch eine einigermaßen passende Rüstung besaß.
Ich selbst arbeite auch an der Darstellung eines relativ einfachen Ritters, darf aber sagen, dass genannte Summen nicht im mindesten übertrieben sind.
Mich würden wirklich deine Bezugsquellen interessieren, wenn Du eine entsprechende, historische Ausrüstung zusammenbekommst, die unter den genannten Summen kostet.
» nicht jeder Adelige war gleich ein Multimillionär.
Das ist völlig korrekt. Aber wenn ich als Adeliger kein Geld habe (und das gilt natürlich nicht nur für Adelige ;-)), dann trage ich auch keine Klamotte komplett aus Seide - das kann ich mir dann nämlich nicht leisten.
Und wenn ich - im Umkehrschluss - das Geld für eine Komplett-Seiden-Klamotte habe, dann ist da auch der finanzielle Background für das entsprechende Drumherum. Und dieses Drumherum ist das, was es teuer macht…
Ich selbst stelle einen adeligen Schotten um 1300 dar (der in etwa die gleiche Gewandung trug wie seine englischen Nachbarn) und bisher habe ich solche Summen nicht ausgegeben. Außerdem sollte man bedenken, dass es auch Unterschiede im Adel gab… nicht jeder Adelige war gleich ein Multimillionär.
nicht, daß Du Dir falsche Vorstellungen machst. Eine Adelsdarstellung, wie sie zum Beispiel Nicole und Michael Perschau machen, ist mit einem kompletten Jahresgehalt eines Facharbeiters kaum zu machen. Ein kompletter Gürtel darf da schon mal 500-1000 Euro kosten, je nach Material von Beschlägen, der Stoff für eine Klamotte ein paar Hunderter, ein Fehfutter für einen Surcot oder einen Mantel schlägt mit bis zu einigen tausend Euro zu Buche usw. usw.
Man sollte nicht vergessen, daß die Ausstattung eines/einer Adligen im Mittelalter in unserer Zeit vergleichbar mit er Ausstattung eines Multimillionärs ist. Was dem Neureichen der Achtkaräter war dem Adligen der goldbroschierte Stoff, damals wie heute war die Ausstattung Statussymbol.
Wenn Du gut verdienst, rechne mit einem Zeitraum von mehreren Jahren, um diese Darstellung zu finanzieren. Wenn Du zu den weniger gut Verdienenden in diesem Lande zählst (und als Student ist man das wohl zwangsweise), dann kommt am Ende da meist ein Kompromiß heraus, der viel hinausgeworfenes Geld bedeutet.
Wenn aber die Sache mit dem Geld wirklich kein Problem ist, dann beneide ich Dich ;-)
Die Sache mit dem Geld ist, wie gesagt, kein Problem. Und wenn ich ein Jahr oder länger brauche um alles zu finanzieren macht das auch nichts.
Vielen Dank Alexander für das nette Angebot. Falls ich Probleme bei der Verarbeitung bekommen sollte melde ich mich gern. Allerdings kann ich frühstens im März oder April anfangen wenn die schriftlichen Prüfungen rum sind…
Wetterfeste Sachen kann ich mir ja immer noch mal machen, wenn ich der Meinung bin ich brauche sie. Und vorher kann ich mir ja je nach Wetterlage überlegen ob ich dann das anziehe oder was anderes.
In der Woche vor dem Besucherwochenende, war ich um jede Lage Wolle sehr dankbar!
Schneidend scharfer Wind, Nasskalt…
Ich war heilfroh das ich bei längeren VAs immer mit vollständiger Klamottentruhe anreise!
Wenn ich im Juli die Tannenbergausrüstung rausholen muss, das heisst schon was!
Ich rate dann lieber zu ner schicken Ladung Wolle über Leinen.
Ist bei warmen Wetter immer noch angenehm.(Auch wenn man es erst nicht glaubt.)
Und bei Mistwetter rettet es einem die Gesundheit.
Schließlich geht am Montag der Job wieder weiter und Arbeitgeber haben für eine NachVA Erkältung nicht wirklich Verständnis!
Und bedenke du gehst über Wiesen, entweder Staubig oder Schlammig…
Es ist schon Arbeit genug, das Zeug aus den Wollstoffen herauszukriegen.
Aber aus Seide?
Und dann gibt es noch Rus von der Feuerstelle oder den ungeschickten Besoffenen…
(Ok, mein letzter Heidelbeerweinfleck war ein Lachanfall in meinen Becher… Warum fliegen eigentlich die härtesten Sprüche immer dann, wenn ich gerade einen Schluck trinken möchte? Kappi, guter Wollstoff! Fleck ist wieder prima raus!)
“da ich das eh nur im Sommer tragen würde dachte ich die dünne Seide sei vielleicht ganz praktisch. Sonstige wetterfeste Kleidung bräuchte ich dann auch nicht,”
Hier mal das Klimadiagramm von Regensburg ;-) , das dir vielleicht zeigt, wie sehr du dich irrst…
Wenn du Hilfe brauchst mit Seide verarbeiten und Futter einnähen kannst du dich entweder an Silver im Chat wenden oder über E- Mail an mich. Wir haben selber unsere Hochzeit als Adel gemacht mit Seide und allem drum herum.
Aber:
1. Wie gesagt lieber klein anfangen zum üben und Szene kennenlernen. Es gibt viel schlechten Adel und wenige gute Bürger…
2. Ist es wahnsinig teuer Adel darzustellen, rechne mal mit mehreren tausend Euro an Schmuck, Stoff, etc. und dann kommt das Gefolge
Es ist zwar nicht deine Zeit, aber mal ein Anhalt was das alles für ein Aufwand und für eine Arbeit ist. Nebenbei, es ist alles Handgemacht, sowohl das Blieaut wie auch die Cottta sind gefüttert und der Schmuck ist echt.