Durch reinen Zufall stieß ich heute auf den Artikel über die Swastika in der Wikipedia und fiel fast vom Stuhl: de.wikipedia.org/wiki/Swastika
Da wimmelte es nur so von bronzezeitlichen Urgermanen, germanischen Heilszeichen etc. Auf die Schnelle habe ich versucht, die allerschlimmsten Schnitzer zu bereinigen und auszukommentieren, aber leider fehlt mir im Moment die Zeit zur Überarbeitung, da eine Dienstreise an den schönen Ilmensee und Ladogasee ansteht.
Ich würde euch bitten, bei Interesse und Gelegenheit an dem Wikipedia-Artikel mitzuarbeiten und entweder gleich im Text zu verbessern oder auf der Diskussionsseite de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Swastika einige Funde aus den verschiedensten Kulturen zu nennen, am besten gleich mit Literaturangaben und einer Einordnung wie häufig, ungewöhnlich, "wird interpretiert als" oder ähnlich.
Ein besserer Artikel zur Swastika in der Wikipedia könnte dann auch bei ähnlichen Anfragen als Verweis dienen.
Lebhafte Auseinandersetzung über Germanendarstellung
Paderborn bringt Diskussion voran
Paderborn (IP). "Ich werde das Thema in unsere Museumsfachverbände bringen", versprach Dr. Ellen Schwinzer. Die Leiterin des Gustav-Lübke-Museums Hamm zog damit ihr Fazit aus einer lebhaften Diskussion im Neuhäuser Bürgerhaus. Fast 200 Teilnehmer, davon ein Großteil Ausstellungsmacher und Archäologen, diskutierten zum Thema "Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda? Germanendarstellung zwischen experimenteller Geschichtsforschung und völkischem Gedankengut". Brisanz hatte die im Rahmen der Ausstellung "Eine Welt in Bewegung" geplante Podiumsdiskussion durch einen Vorfall am Eröffnungswochenende der Ausstellung bekommen. Dort war bei einem Akteur der Mittelaltergruppe "Ulfhednar" während der Aufführung im Innenhof des Marstalls auf dem Bauch eine Sütterlin-Schrift-Tätowierung mit dem SS-Leitspruch "Meine Ehre heißt Treue" zu lesen. Der Akteur, der nicht Mitglied der Gruppe "Ulfhednar" ist, hat sich inzwischen öffentlich dafür entschuldigt.
"Der Akteur tritt nicht weiter für uns auf. Wir haben sicher Fehler gemacht, aber mit uns kann man reden" versicherte Arian Ziliox, Leiter der Gruppe, und bestritt jegliche Nähe zu Rechtsradikalismus und Rassismus. Dem widersprachen Karl Banghard, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen und Prof. Dr. Uta Halle, Landesarchäologin aus Bremen. Banghard kritisierte die fehlende historische Präzision der Gruppe und machte diese anhand von mehreren Beispielen deutlich. So unter anderem Hakenkreuzabbildungen, die nicht der frühmittelalterlichen Wirklichkeit entsprechen. Prof. Halle erinnerte daran, dass solche Gruppen, die vor einem breiten Publikum auftreten, ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung genügen müssen. Es sei wichtig, dass man darüber öffentlich diskutiere und deshalb sei diese Veranstaltung auch wichtig, so Prof. Halle, der Prof. Dr. Wilfried Menghin, ehemaliger Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, in dieser Aussage beipflichtete. Prof. Menghin unterstrich, dass Enthusiasten dieser Art (gemeint war die Gruppe Ulfhednar - der Red.) für eine lebendige und anschauliche Präsentation von Geschichte sehr wichtig sind. Als "hoch brisant" wertete Harald Baer von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm das, was mit der Symbolik transportiert werden kann. Das Hakenkreuz sei immer auch mit Verbrechen verbunden, es könne nicht ohne diese Inhalte, beispielsweise als Sonnenrad oder Glückssymbol verwendet werden.
Auf die von Moderatorin Christiane Poertgen zum Abschluss gestellte Frage, wie das so genannte Reenactment (Neuinszenierung der Geschichte durch Gruppen) ideologiefrei gestaltet werden kann, gab es keine schlüssigen Antworten. Klar war nur, dass dies weiter öffentlich diskutiert werden muss. Paderborn war mit dieser Veranstaltung ein wichtiger Schritt in dieser Richtung.
Foto (Stadt Paderborn/Reinhardt): Diskutierten im Neuhäuser Bürgerhaus: (v.l.) Moderatorin Christiane Poertgen, Harald Baer, Karl Banghard, Prof. Dr. Uta Halle und Prof. Dr.Wilfried Menghin.
marcus.kaiser
Der Beitrag wurde am Dienstag, dem 01. Juli 2008 um 17:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales abgelegt.
Der Eklat in Paderborn markiert den Absturz der Gruppe Ulfhednar. Ein Forum stellt die Frage: "Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda?" Die Debatte könnte weitere Konsequenzen haben. Aber welche?
auch unter der schönen ßberschrift
"Archäologen-Papst erteilt Hakenkreuz-Kritik eine Fünf"
Debatte um Seriosität von Mittelaltergruppen
Bei der Eröffnung der Ausstellung »Eine Welt in Bewegung« in Schloß Neuhaus zeigten Mitglieder der Gruppe »Ulfhednar« unter anderem nachgebautes Rüstzeug aus dem frühen Mittelalter. Foto: Pistorius
Von Manfred Stienecke
Paderborn (WV). Für einen zurückhaltende und historisch saubere Verwendung des Hakenkreuz-Symbols haben sich Museumsfachleute und Archäologen aus ganz Deutschland am Sonntag in Paderborn ausgesprochen.
Zwar von langer Hand geplant, aber durch einen Vorfall Ende April im Neuhäuser Marstall mit ungewollter Aktualität versehen, hatte die Stadt Paderborn zu einer Podiumsdiskussion über das Thema »Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda? - Germanendarstellung zwischen Experimenteller Geschichtsforschung und völkischem Gedankengut« eingeladen. Rund 120 Interessenten verfolgten im Neuhäuser Bürgerhaus die Debatte, in der die Wogen bisweilen hochgingen.
Gut, dass mit der Dortmunder Rundfunk-Journalistin Christiane Poertgen ein ausgewiesener Interview-Profi das Gespräch moderierte, sonst wäre die Veranstaltung vermutlich aus dem Ruder gelaufen. Sie behielt die ßbersicht im Kreuzverhör, erteilte das Rederecht und schnitt auch schon mal das Wort ab, wenn der Diskussionsbeitrag ausuferte.
Zunächst bekam der Kurator der Paderborner Mittelalter-Ausstellung »Eine Welt in Bewegung«, Dr. Georg Eggenstein, die Gelegenheit, seine Reaktion auf einen Zwischenfall bei der Ausstellungseröffnung zu schildern, bei dem ein Mitglied der Germanengruppe »Ulfhednar« eine NS-Tätowierung entblößt hatte. »Ich habe veranlasst, dass er sein Wams wieder anzieht. Dadurch schien mir die Gefahr gebannt.«
Auf die schon inflationäre Verbreitung des Hakenkreuz-Symbols insbesondere bei der Gruppe »Ulfhednar« wies der Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums, Karl Banghard, in einem kurzen Diavortrag hin, der vom ehemaligen Chef des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Prof. Dr. Wilfried Menghin - er war als Ritter verkleidet auf einem Pferd mit Hakenkreuz-Borte an der Satteldecke fotografiert worden -mit einer »glatten Fünf« zensiert wurde.
Er selbst sehe keinen Grund, die germanischen Brauchtumsgruppen mit Argwohn zu beobachten. »Wir sind darauf angewiesen, dass Enthusiasten wirklichkeitsnah das frühere Leben nachspielen.« Die historische Genauigkeit habe sich dank der Reenactment-Gruppen verbessert.
Der Chef von »Ulfhednar«, Arian Ziliox (40), sieht seine Gruppe zu Unrecht an den Pranger gestellt. »Wir sind regelrecht hingerichtet worden. Wir bekommen nur noch Absagen und sind wirtschaftlich erledigt.«
Hallo Kai,
ich habe - als Archäotechnikerin für Textiles und in Verbindung mit dem Thema - nochmals detailiert mit den Textilfunden auseinandergesetzt.
Das Mäanderband habe ich in keinen einzigen merowingerzeitlichen Textil-Kontext gefunden.
Nach genauer Durchsicht des publizierten Materials scheint dieses Dekor auch nicht in die Formensprache für die hochwertigen Textilen zu passen.
Ich weise nochmals deutlich darauf hin, daß sich im Reliquienkomples von Chelles nur ein einziges, völlig unscheinbar in einer Randzier angebrachtes Hakenkreuz findet. Ein zweites könnte auf einen fragmentierten Stück vorhanden sein. Die Funde sind bekannt und seit 1991 publiziert.
Andere prominente Funde z.B. Aschheim zeigen verschlungene gemetrische Motive - eine Art doppeltes Kreuz, bei genauer Betrachtung ließen sich Hakenkreuze erahnen - aber das Design entspricht in keinster Weise diesem Mäanderband.
Importierte Textilen sind mehrfach nachgewiesen - Damastseiden und Musterwirkerein. Alle samt mit Kreuzen, floralen Medaillions, christlichen Motiven, Arkantusranken etc.
Der Fundkomplex Hochdorf datiert 1200 früher und ist wohl kaum als Beleg heranzuziehen. Ebenso Vergleiche, die nach Manfredonia weisen.
Die hallstattzeitliche Formensprache wird in Sachen Design eindeutig belegbar von der La Tene Kunst abgelöst - was mit Sicherheit auch für das Textile spricht.
Die später datierten Fundkomplexe wurden bereits ausgeführt.
Die Auswahl an merowingerzeitlichen Design--ymbolen ist vielfältig: Florale Motive, Vögel und vieles anderes.
In jedem Entwurf eines Lebensbildes spielen Zeitgeist (auch heute ...) und die persönlichen Bild-Vorstellung eine Rolle. Das ist ein vielfachvertretener Allgemeinplatz in der Rekonstruktion von Kleidung, Sachkultur, 1:1 Rekonstruktion von Hausmodellen.
Bestimmt sind meine Arbeiten von meinen persönlichen Vorstellung geprägt, die garantiert nicht jeder mag. (zu bunt, zu sauber, zu nett)
Aber umgekehrt mußt es auch legitim sein sich agumentativ von geschaffenen plakativen Bildern zu distanzieren.
Eine Aussage "es ist alles erlaubt, weil es ja irgendwann irgendwo vorhanden ist" hilft nicht weiter.
In jüngster Zeit wird die Auffassung mehr und mehr vertreten von Kleidungsrekonstruktionen im Gesamtbild wieder völlig abzusehen, weil die Beleglage nicht ausreicht! Allerdings wird der Vermittlungsbetrieb weiter - und auch vermehrt auf Anschaulichkeit setzen. Deshalb ist es doppelt notwenig zumindet den Versuch zu unternehmen Symbolbilder - ganz von der Bedeutung in der Neuzeit abgesehen - umgrenzter einzusetzen.
nun ja, sicher ist die Lanzenspitze von Müncheberg singulär - aber eben ein bekannter Fund. Ansonsten bin ich mächtig erstaunt, wieviel Swastika-Darstellungen so zusammen kommen, wenn man die Ergebnisse hier mal durchgeht.
Was Hakenkreuzmäander angeht, so muss man nicht unbedingt geübte Augen haben - das erkennt wohl jeder.
Ich will hier nicht Eulen nach Athen tragen, aber was das Mengenverhältnis bestimmter Verzierungen, Muster etc angeht, so muss man sich vor Augen halten, dass unser Quellenmaterial nur einen winzigen Ausschnitt aus der einst vorhandenen materiellen Kultur darstellt. Man muss doch aber sehr wohl konstatieren, das Swastiken auf Funden aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit auftreten. Um es pointierter darzustellen, es ist schlicht kein Antifaschismus, diesen Umstand abzustreiten. Etwas völlig anderes ist der Bedeutungkontext, den das Hakenkreuz durch die Nationalsozialisten erhalten hat. Und da liegt - nach meiner persönlichen Meinung - der Knackpunkt. Wenn jemand das Symbol der Swastika nutzt, um damit in der ßffentlichkeit seine politischen und weltanschaulichen Sympathien für den Nationalsozialismus zu illustrieren, dann bewirbt er damit millionenfachen Mord, Terror, Krieg und unendliches Leid. Dagegen kann man rechtlich vorgehen. Dagegen kann man (und sollte man) persönlich einschreiten. Aber alles, was bislang über die Leute von Ulfhednar zu lesen und zu hören war, macht für mich eher einen skurilen Eindruck, denn einen umstürzlerischen oder gar faschistischen.
BTW: Warum diskutiert eigentlich niemand über ein anderes Symbol, welches in variabler Gestaltung wenigstens seit römischer Zeit in Gebrauch ist, immer als Machtsysmbol verstanden wurde, von den Nazis ebenso verwendet wurde wie von der Bundesrepublik? Natürlich ist der Adler (Reichsadler,Bundesadler) gemeint.de.wikipedia.org/wiki/Reichsadler#Reichsadler
Auf der angeführten wiki-Seite auch hübsche Beispiele für "entnazifizierte" Reichsadler.
Auch wenn es jetzt etwas von der Gruppe abschweift, um die es hier eigentlich geht...
Wie räumt ihr Vorurteile aus, die sich selbst schüren?!
Bsp.: Ein älteres Pärchen kommt am Lager vorbei und bleibt kurz in kurzer Entfernung stehen, geht dann aber sofort weiter. Das Pärchen hat ein - in ihren Augen sogenanntes - Hakenkreuz gesehen. Sie haben die Lagernden nicht gefragt, was es damit auf sich hat... Sie kennen das Symbol nur zu gut aus ihrer Jugend und verbinden Rechtsradikalismus mit dem Sysmbol und somit mit der Gruppe.
Eine Aufklärung hat hier nie stattgefunden. Man kann schließlich nicht jedem, der dieses Symbol im Lager sieht von selbst ansprechen: "Es ist nicht so, wie man zuerst denken mag!"
Ich denke, man kann nicht voraussetzen, dass die Besucher wissen, dass man das Symbol trägt, weil es zur Darstellung "gehört". Es gibt etliche Völker und Länder (ich denke gerade u.a. an Japan), für die dieses Zeichen alltäglich ist. Dennoch sollte man hier wirklich vorsichtig sein, was den Gebrauch solcher Zeichen angeht. Die Menschheit, gerade Europa, hat noch nicht vergessen, in welchen Dreck es gezogen wurde. Da ist noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten.
Gefühlt sträubt sich in mir alles, auf ein historisches Symbol zu verzichten, nur weil es innerhalb der Geschichte aus seinem Kontext gerissen und mißbraucht wurde (auch wenn es meine Darstellung nicht direkt berührt).
Andererseits kann ich mich lebhaft an die Diskussionen mit meinen Eltern erinnern, als ich mit dem Hobby so langsam anfing.. Schon damals (und das ist schon gute 10 Jahre her), hatten meine Eltern Sorge, ich könnte mit dem Hobby in eine rechts- infiltrierte Szene kommen.
Deswegen habe ich für mich entschieden, solchen Ressentiments gegen unser Hobby keinen Vorschub zu leisten. Da leider auch Aufklärung zu wenig an den Stellen ankommt, wo es nötig wäre. :(
"Aber die Nazis haben schon recht schlau ein Symbol genutzt, welches erstens sehr einprägsam ist, und zweitens (entgegen anderer Auffassungen) doch nicht einmal so selten im germanischen Kontext auftaucht. Die Lanzenspitze von Müncheberg wurde hier schon angesprochen. Auf elbgermanischer Keramik des 1. und 2. Jhs. ist es auch eine Verzierungsform, welche recht geläufig ist."
Der quasi einzigartigen Runenlanze von Müncheberg stehen hunderte von Lanzenspitzen ohne Hakenkreuz gegenüber. Wenn das nicht selten ist, dann weiß ich es auch nicht.
Von Keramik habe ich nicht sonderlich viel Ahnung, aber die Herren Archäologen sicherlich schon.
Ansonsten sehe ich es so, dass ein Mäander erstmal ein Mäander ist. de.wikipedia.org/w/index.php?[ ]
Das geübte Auge mag hier erkennen, dass da geometrisch Hakenkreuze enthalten sind, aber das kann ja kein Argument für auffällige Hakenkreuze sein. (So würde ja ein lediglich hakenkreuz-ähnliches Motiv zum Hakenkreuz stilisiert und das ist Geschichtsverfälschung erster Güte!) ßhnliche Hakenkreuzmäander tauchen auch in den germanischen Schnitzereien der Zeit auf, etwa auch diesen Runen-Fußbänkchen mit Hirschmotiv oder dem runden, thronartigen Sessel.
Die Frage ist an der Stelle auch die Häufigkeit eindeutiger Hakenkreuze auf der Keramik.
Selbst 40% oder gar 80% der elbgermanische Trinkgefäße ein Hakenkreuz haben, ist da noch lange nicht für Merowingerzeit als relevant gelten.
(Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass die seltenen Hakenkreuze nicht rekonstruiert werden dürfen, sondern nur, dass sie in ihrem Kontext bleiben sollen und nicht einfach ohne Sinn und Verstand auf Ausrüstungsgegenständen auftauchen.)
Ich bin nicht der Meinung, dass ein Symbol verteufelt werden soll, weil es im Nationalsozialismus missbraucht worden ist.
Im angemessenen historischen Kontext kann man es sehr wohl dosiert einsetzten.
Wenn man sich z.B. mit der Hallstattzeit beschäftigt und die meisten Textilfunde nun mal aus dem Grab des Fürsten von Hochdorf kommen, dann hat man zig Varianten des Hakenkreuzes.
Ich mache auch eine Darstellung in dierser Zeit, die textilmäßig auf dieses Grab basiert. Meine Kleidung habe ich nicht mit den Hakenkreuzen verziert, aber einen Gürtel gewebt (Das Bild findest du auf meiner HP). Nach Rücksprache mit dem Veranstalter, trage ich ihn, lege ihn in die Textilausstellung oder lasse ihn verschwinden - letzteres ist aber noch nie gewünscht worden.
Denn man kann sich nicht kritisch mit der Vergangenheit auseinandersetzen, wenn man sie tot schweigt.
Roman, Du fragtest nach HK-Belegen im 1. Jahrtausend.
Hätte ich, aber NICHT für Merowinger und NICHT für Mitteleuropa, sondern ganz eingegrenzt aus dem livischen und latgalischen Bereich, ca. bis zum 11.Jhdt.. Dort findet sich Saule (lett., die Sonne) als Schutzsymbol auf Manteltüchern (Frauenkleidung) und Klapperanhängern (Frauenschmuck). Eingeprägt auch noch in einer Waagschale aus dem Laukskola-Fundkomplex an der Daugava.
Allerdings ist Saule nur eines neben vielen anderen Schutzsymbolen und tritt nicht in besonders gehäufter Form auf sondern eher beiläufig. Weitaus häufiger sind abstrakt-geometrische Formen.
Das nur zur Vervollständigung der Quellen.
Gruß
Ameli
Edit: PS, mir gefällt der Ausdruck "Saule" im Kontext der regionalen Darstellung einfach besser Swastika/HK oder ähnliches ;-) - rein persönliche Sache
Nachdem nun erneut - durchaus mit vielen mir neuen interessanten Belegen - klar ist, dass das Hakenkreuz in seinen verschiedenen Varianten zwar kein seltenes, aber für wohl keine Darstellung eines bestimmten Raums in bestimmter Zeit "essentielles" Symbol ist:
Die Nutzung dieses widerwärtigen Symbols ist nicht nötig, und wer es benutzt (ob einfach oder n-fach) muss sich Fragen hinsichtlich seiner politischen Einstellung, seiner Ignoranz oder seiner Respektlosigkeit gegenüber den Opfern des Faschismus gefallen lassen.
Warum es also nicht einfach *gar nicht* benutzten? Und wer es doch benutzt, hat sich einsprechend eindeutig ausgegrenzt.
es sollte aber auch noch darauf hingewiesen werden, dass viele HK-Funde, vor allem Fibeln und Kleidung aus römischen Kontext kommen...z.B. Stilicho. Koptische Tuniken mit FrotteeHK im Bereich der Oberschenkel in 25cm Göße sind für mich keine Legitimation, ein HK auf eine Satteldecke zu sticken, vor allem, wenn man dann einen Germanen der Merowingerzeit darstellt.
Oder ein germanisches Kultgefäß kann man sich auch schlecht an an den Ausschnitt fibeln.
Ich wiederhole mich wohl, aber wenn HK dann 1:1 und nicht an allen Sachen, sondern verhältnismäßig.
ich bin neu hier bei Tempus vivit und möchte also erst einmal alle "Alteingesessenen" grüßen. Ich bin Archäologe und als "Feldarchäologe" hauptsächlich in der Region Berlin-Brandenburg" tätig. Roman bat mich, hier mal reinzuschauen. Das Ulfhednar-Thema wird ja auch in der Mailing-List arch-de heftig diskutiert. Meiner persönlichen Meinung ist die Diskussion bisweilen etwas hysterisch (aber das hat gute Tradition bei Archäologen, da wird gern gestritten) und das Problem ein wenig überbewertet. Natürlich ist das Hakenkreuz nicht urgermanisch - es kommt in vielen Kulturkreisen durch die Zeiten hinweg vor. Aber die Nazis haben schon recht schlau ein Symbol genutzt, welches erstens sehr einprägsam ist, und zweitens (entgegen anderer Auffassungen) doch nicht einmal so selten im germanischen Kontext auftaucht. Die Lanzenspitze von Müncheberg wurde hier schon angesprochen. Auf elbgermanischer Keramik des 1. und 2. Jhs. ist es auch eine Verzierungsform, welche recht geläufig ist. Neben Hakenkreuzmäandern finden sich bisweilen auch Hakenkreuze auf Gefäßböden. Ich habe unter den Funden von der Siedlungsgrabung Berlin-Biesdorf, welche ich über einige Kampagnen geleitet habe) einen solchen Pokalfuß, auf dessen Standseite sich ein mit dem Rollrädchen eingeritztes Hakenkreuz befindet. Vergleichbare Funde gibt es von Gräberfeldern im elbgermanischen Raum der älteren Kaiserzeit. Wir (die Ausgräber) halten diesen Pokal mit der für den Benutzer nicht sichtbaren Verzierung (da auf dem Standboden!) entweder für ein Sakralgefäß oder vielleicht hatte das Symbol schlicht für den Besitzer/Benutzer eine Bedeutung, welche sich nicht mehr entschlüsseln lässt. Der Fund stammt aus einem Grubenhaus, welches eine Menge an qualitätvoller Keramik enthielt, darunter auch die Reste dieses und anderer Trinkgefäße. Also wohl so eine Art Tafelkeramik, welche sich hinsichtlich der Güte stark von der einfachen Gebrauchskeramik unterscheidet.
Die gar nicht so seltene Verwendung von Hakenkreuzen/Haklenkreuzmotiven auf der Keramik ist vielleicht ein Indiz dafür, dass dieses Symbol auch auf anderen Materialien zu finden wäre, hätten sie sich denn erhalten. Auf die Fibeln (im späteren Zusammenhängen) ist ja auch schon hingewiese worden. Ich möchte noch auf das Grabmal des Stilicho mit seinem Hakenkreuzfries verweisen.
Das ist das eine. Das andere ist die "übermäßige" verwendung der Symbole durch Ulfhednar. Ich denke, wenn man ein Replikat herstellt, wo Originale ein Hakenkreuz zeigen, so sollte das kein Grund zum Anstoß sein. Sollte damit aber irgendwelche rechtsradikale Propaganda versucht werden, ist das eine andere Geschichte. Das müsste jedoch erst einmal zweifelsohne geklärt werden. Hier hilft nur die Konfrontation, das Gespräch mit den Beteiligten. Und ggf. eine Anzeige. Dann sollte eine offizielle Untersuchung wohl Klarheit bringen oder die Beschuldigten von allen Vorwürfen befreien.
ich muss Dich leider in einigen Punkten korrigieren.
Die Verwendung der Swastika durch die Reenactment-Gruppe und mit ihr verbundene Pagan-Metal-Bands ist durch § 86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen) und § 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ), speziell durch Verweis auf Absatz (3), legal:
"Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient."
Die Gruppe sich nennt sich nicht "Werwolf", so wie die von Himmler 1944 gegründete NS-Freischärlerbewegung, sondern "Ulfhednar", "Wolfskrieger". Utz Anhalt, der seine Magisterarbeit über "Der Werwolf - Ausgewählte Aspekte einer Figur der europäischen Mythengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Tollwut" geschrieben hat, übersetzt es mit "Wolfsgewandeter". www.dhm.de/pipermail/demuseum/2008-May/008205.html
Des weiteren finden sich die ßbersetzungen "Wolfshäuter" und "Wolfshäupter", die aber wohl weniger treffend sind.
Bei der Wikipedia wird dazu gesagt: Das Wort "Ulfheðnar" tritt zum ersten Mal in einem Preisgedicht des Skalden ßórbjörn hornklofi (um 872) über die Entscheidungsschlacht Harald Hårfagres am Hafrsfjord auf. Es ist bislang unbestritten, dass hier ekstatisch schreiende Krieger in Wolfsfellen erwähnt werden. de.wikipedia.org/wiki/Berserker
Damit ist es kein Fall für den Staatsanwalt und wohl auch nicht unbedingt für den Verfassungsschutz. "Die Hauptaufgaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind das Sammeln und Auswerten von Informationen über verfassungsfeindliche und extremistische Bestrebungen. Dazu gehören unter anderem politische Aktivitäten, die aufgrund ihrer antidemokratischen Einstellungen Ansehen oder Sicherheit bzw. Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährden ... ." de.wikipedia.org/wiki/Bundesamt_für_Verfassungsschutz
Das Präsentieren einer SS-Losung auf dem Bauch eines Mitarbeiters bei einer Museumsveranstaltung in Paderborn, eine nicht geringe Zahl von großen und kleinen Hakenkreuzen und eine diskussionswürdige Auffassung von germanischer Geschichte und Religion gefährden nun sicherlich nicht die Sicherheit bzw. den Bestand der Bundesrepublik Deutschland.
Aber unter Umständen und im Wiederholungsfalle möglicherweise das Ansehen der archäologischen Museen und der Reenactment-/Living-History-Szene. Also sollte die Debatte jetzt nicht an die Staatsanwaltschaft oder Verfassungsschutz wegdelegiert, sondern von Archäolog_innen, Museumsmitarbeiter_innen und historischen Darsteller_innen geführt werden.
Ich zitiere noch einmal aus zwei Aufrufen von weiter unten:
Erklärung zu "Facharchäologie und Reenactment" von Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel:
Ich fordere jede Wissenschaftlerin und jeden Wissenschaftler sowie jede Institution eindringlich auf, aus diesem Sachverhalt die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.
Stellungnahme von EXARC:
EXARC is greatly worried and calls for a discussion within the international living history scene about such themes " what should be allowed and what not.
Also, es bleibt doch weiter an der "Szene" hängen. Jede_r einzelne Darsteller_in sollte sich überlegen, wie er/sie mit dem Problem umgeht und welche entsprechenden Konsequenzen er/sie zieht. Eine mögliche wäre, die eigene Darstellung noch einmal zu überprüfen und deutlich auf die Unterschiede in der Arbeitsweise hinzuweisen.
An der Stelle ein herzliches Dank an das Team von Tempus Vivit!, das für diese leider notwendige Diskussion ein Podium zur Verfügung stellt.
Ich denke auch, dass die Sache jetzt geklärt ist.
Es wurde und wird ja leider immer wieder behauptet, dass Hakenkreuz sei ein urgermanisches Zeichen, welches von einem gewissen Adolf H. nur missbraucht wurde. Die germanische Swastika ist ein Mythos der völkischen Bewegung. (Und winzige hakenkreuz-ähnliche Motive im Fundgut können kein Argument für Reichsparteitag-ßsthetik sein.)
Es wäre wirkich schön, wenn Darsteller gegen Swastika-Schildzier und ähnlichen an den Haaren herbeigezogenen völkischen Blödsinn mindestens genauso vehement argumentieren wie gegen Hörnerhelme, Steckstühle etc.