Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Diskussionen um Ulfhednar in der archäologischen Fachwissenschaft

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Eintrag #25 vom 09. Jun. 2008 13:56 Uhr Kai Schirmer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kai Schirmer eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Hakenkreuz im germanischen Kontext

Hallo,
ich bin neu hier bei Tempus vivit und möchte also erst einmal alle “Alteingesessenen” grüßen. Ich bin Archäologe und als “Feldarchäologe” hauptsächlich in der Region Berlin-Brandenburg“ tätig. Roman bat mich, hier mal reinzuschauen. Das Ulfhednar-Thema wird ja auch in der Mailing-List arch-de heftig diskutiert. Meiner persönlichen Meinung ist die Diskussion bisweilen etwas hysterisch (aber das hat gute Tradition bei Archäologen, da wird gern gestritten) und das Problem ein wenig überbewertet. Natürlich ist das Hakenkreuz nicht urgermanisch - es kommt in vielen Kulturkreisen durch die Zeiten hinweg vor. Aber die Nazis haben schon recht schlau ein Symbol genutzt, welches erstens sehr einprägsam ist, und zweitens (entgegen anderer Auffassungen) doch nicht einmal so selten im germanischen Kontext auftaucht. Die Lanzenspitze von Müncheberg wurde hier schon angesprochen. Auf elbgermanischer Keramik des 1. und 2. Jhs. ist es auch eine Verzierungsform, welche recht geläufig ist. Neben Hakenkreuzmäandern finden sich bisweilen auch Hakenkreuze auf Gefäßböden. Ich habe unter den Funden von der Siedlungsgrabung Berlin-Biesdorf, welche ich über einige Kampagnen geleitet habe) einen solchen Pokalfuß, auf dessen Standseite sich ein mit dem Rollrädchen eingeritztes Hakenkreuz befindet. Vergleichbare Funde gibt es von Gräberfeldern im elbgermanischen Raum der älteren Kaiserzeit. Wir (die Ausgräber) halten diesen Pokal mit der für den Benutzer nicht sichtbaren Verzierung (da auf dem Standboden!) entweder für ein Sakralgefäß oder vielleicht hatte das Symbol schlicht für den Besitzer/Benutzer eine Bedeutung, welche sich nicht mehr entschlüsseln lässt. Der Fund stammt aus einem Grubenhaus, welches eine Menge an qualitätvoller Keramik enthielt, darunter auch die Reste dieses und anderer Trinkgefäße. Also wohl so eine Art Tafelkeramik, welche sich hinsichtlich der Güte stark von der einfachen Gebrauchskeramik unterscheidet.
Die gar nicht so seltene Verwendung von Hakenkreuzen/Haklenkreuzmotiven auf der Keramik ist vielleicht ein Indiz dafür, dass dieses Symbol auch auf anderen Materialien zu finden wäre, hätten sie sich denn erhalten. Auf die Fibeln (im späteren Zusammenhängen) ist ja auch schon hingewiese worden. Ich möchte noch auf das Grabmal des Stilicho mit seinem Hakenkreuzfries verweisen.
Das ist das eine. Das andere ist die ”übermäßige" verwendung der Symbole durch Ulfhednar. Ich denke, wenn man ein Replikat herstellt, wo Originale ein Hakenkreuz zeigen, so sollte das kein Grund zum Anstoß sein. Sollte damit aber irgendwelche rechtsradikale Propaganda versucht werden, ist das eine andere Geschichte. Das müsste jedoch erst einmal zweifelsohne geklärt werden. Hier hilft nur die Konfrontation, das Gespräch mit den Beteiligten. Und ggf. eine Anzeige. Dann sollte eine offizielle Untersuchung wohl Klarheit bringen oder die Beschuldigten von allen Vorwürfen befreien.
Kai Schirmer

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Eintrag #24 vom 08. Jun. 2008 17:38 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Es bleibt unsere Sache!!!

Hallo Georg,
ich muss Dich leider in einigen Punkten korrigieren.
Die Verwendung der Swastika durch die Reenactment-Gruppe und mit ihr verbundene Pagan-Metal-Bands ist durch § 86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen) und § 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ), speziell durch Verweis auf Absatz (3), legal:
“Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.”
Die Gruppe sich nennt sich nicht “Werwolf”, so wie die von Himmler 1944 gegründete NS-Freischärlerbewegung, sondern “Ulfhednar”, “Wolfskrieger”. Utz Anhalt, der seine Magisterarbeit über “Der Werwolf - Ausgewählte Aspekte einer Figur der europäischen Mythengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Tollwut” geschrieben hat, übersetzt es mit “Wolfsgewandeter”. www.dhm.de/pipermail/demuseum/2008-May/008205.html
Des weiteren finden sich die ßbersetzungen “Wolfshäuter” und “Wolfshäupter”, die aber wohl weniger treffend sind.
Bei der Wikipedia wird dazu gesagt: Das Wort “Ulfheðnar” tritt zum ersten Mal in einem Preisgedicht des Skalden ßórbjörn hornklofi (um 872) über die Entscheidungsschlacht Harald Hårfagres am Hafrsfjord auf. Es ist bislang unbestritten, dass hier ekstatisch schreiende Krieger in Wolfsfellen erwähnt werden. de.wikipedia.org/wiki/Berserker
Damit ist es kein Fall für den Staatsanwalt und wohl auch nicht unbedingt für den Verfassungsschutz. “Die Hauptaufgaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz sind das Sammeln und Auswerten von Informationen über verfassungsfeindliche und extremistische Bestrebungen. Dazu gehören unter anderem politische Aktivitäten, die aufgrund ihrer antidemokratischen Einstellungen Ansehen oder Sicherheit bzw. Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährden … .”
de.wikipedia.org/wiki/Bundesamt_für_Verfassungsschutz
Das Präsentieren einer SS-Losung auf dem Bauch eines Mitarbeiters bei einer Museumsveranstaltung in Paderborn, eine nicht geringe Zahl von großen und kleinen Hakenkreuzen und eine diskussionswürdige Auffassung von germanischer Geschichte und Religion gefährden nun sicherlich nicht die Sicherheit bzw. den Bestand der Bundesrepublik Deutschland.
Aber unter Umständen und im Wiederholungsfalle möglicherweise das Ansehen der archäologischen Museen und der Reenactment-/Living-History-Szene. Also sollte die Debatte jetzt nicht an die Staatsanwaltschaft oder Verfassungsschutz wegdelegiert, sondern von Archäolog_innen, Museumsmitarbeiter_innen und historischen Darsteller_innen geführt werden.
Ich zitiere noch einmal aus zwei Aufrufen von weiter unten:
Erklärung zu “Facharchäologie und Reenactment” von Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel:
Ich fordere jede Wissenschaftlerin und jeden Wissenschaftler sowie jede Institution eindringlich auf, aus diesem Sachverhalt die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.
Stellungnahme von EXARC:
EXARC is greatly worried and calls for a discussion within the international living history scene about such themes “ what should be allowed and what not.
Also, es bleibt doch weiter an der ”Szene" hängen. Jede_r einzelne Darsteller_in sollte sich überlegen, wie er/sie mit dem Problem umgeht und welche entsprechenden Konsequenzen er/sie zieht. Eine mögliche wäre, die eigene Darstellung noch einmal zu überprüfen und deutlich auf die Unterschiede in der Arbeitsweise hinzuweisen.
An der Stelle ein herzliches Dank an das Team von Tempus Vivit!, das für diese leider notwendige Diskussion ein Podium zur Verfügung stellt.

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Eintrag #23 vom 08. Jun. 2008 17:16 Uhr Robert Knieling   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Jetzt ist es zumindest klar

Ich denke auch, dass die Sache jetzt geklärt ist.
Es wurde und wird ja leider immer wieder behauptet, dass Hakenkreuz sei ein urgermanisches Zeichen, welches von einem gewissen Adolf H. nur missbraucht wurde. Die germanische Swastika ist ein Mythos der völkischen Bewegung. (Und winzige hakenkreuz-ähnliche Motive im Fundgut können kein Argument für Reichsparteitag-ßsthetik sein.)
Es wäre wirkich schön, wenn Darsteller gegen Swastika-Schildzier und ähnlichen an den Haaren herbeigezogenen völkischen Blödsinn mindestens genauso vehement argumentieren wie gegen Hörnerhelme, Steckstühle etc.

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Eintrag #22 vom 08. Jun. 2008 14:19 Uhr Georg (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Georg eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ein Fall für den Staatsanwalt

Meines Erachtens erübrigt sich hier eigentlich jede Diskussion. Die Gruppe hat als Fahne eine nur unwesentlich veränderte NS-Hakenkreuzfahne, auf den Schilden der Kriegerdarsteller finden sich mehrheitlich verkappte oder unverkappte Hakenkreuze, das Motiv findet sich überrepräsentiert auf weiteren Gegenständen, zudem nennt die Gruppe sich “Werwolf”, so wie die von Himmler 1944 gegründete NS-Freischärlerbewegung.
Das ist IMHO kein Fall für ein Mittelalter- und Reenactment-Forum, das ist ein Fall für den Staatsanwalt und den Verfassungsschutz.
Allerdings wird mir übel, wenn ich daran denke, dass den diversen TV-Anstalten diese Dinge offenbar völlig schnuppe sind. :-(

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Eintrag #21 vom 08. Jun. 2008 13:23 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht "Ulfhednar"-Schwertscheide ist der Schlüssel

Danke an Robert Knieling für die interessanten Ausführungen und Hinweise. Nun stellen sich mir trotzdem noch einige Fragen. Auf einer bestimmten Website finde ich folgende Erklärung:
“Die Inhalte der folgenden Seiten dienen der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Wissenschaft, der Forschung und Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnliche Zwecken. Die §§ 86(3) StGB i.V.m. §86(1) StGB und § 86a StGB gelten entsprechend.
Ursprünge, Verbreitung und Bedeutung von zeitgenössischen Symbolen, wie Runen oder Swastiken, werden ledigklich im Zuge der staatsbürgerlichen Aufklärung, frei von weltanschaulichen wie esotherischen Thesen, vorgestellt.”
Kurz darunter der Gruppenname und der Zusatz “neue Maßstäbe in geschichtlicher Darstellung”.
Dient das Weglassen gänzlich unwichtiger Elemente wie etwa des Kopfes, der Füße und des Schwanzes bei einer Tierdarstellung nun “der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Wissenschaft, der Forschung und Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte” oder setzt das einfach nur “neue Maßstäbe in geschichtlicher Darstellung”
Zu dem Lanzenblatt von Müncheberg-Dahmsdorf gibt es in einem Forum, das nun nicht unbedingt verlinkt werden muss und das jede_r selbst finden kann, den Link auf eine Abbildung (
img252.imageshack.us/img252/1248/image534hw7.jpg ) und neuere Literatur: www.runenprojekt.uni-kiel.de/abfragen/[…]/deutung2[…]?[…]
ßltere Literatur wird im besagten Forum genannt.

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Eintrag #20 vom 08. Jun. 2008 12:19 Uhr Robert Knieling   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht "Ulfhednar"-Schwertscheide ist der Schlüssel

Ich denke mal die “Ulfhednar”-Schwertscheide von Sigmaringen-Gutenstein ist der Schlüssel zum Verständnis. Oben befindet sich dort der sogenannte Wolfskrieger/Ulfhednar und unten eine Ornament mit Swastika. Beides verwendet die Gruppe quasi als Markenzeichen, unter anderem auf Schilden und Fahnen. (Wohlgemerkt ist natürlich auch ein Ulfhednar keine belegte Schildzier, dafür aber nicht nach Strafgesetzbuch verboten!)
Das Banner entspricht ziemlich ungenau dem Motiv von der Schwertscheide oder auch einem Geschirrteil aus Niederstotzingen.
www.uni-klu.ac.at/kultdoku/kataloge/28/html/2352.htm
Die merowingerzeitlichen Motive hat die Gruppe wohl absichtlich reduziert und zur Swastika/Hakenkreuz stilisiert. Die Originale sind wie gesagt deutlich kleiner und haben auch ein paar überzählige “Haken”.
Der einzige mir bekante Beleg für eine eindeutiges Hakenkreuz im germanischen Kontext ist die Runenlanze von Müncheberg-Dahmsdorf aus dem 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert, seit 1945 verschollen. Hier finden sich ein eckiges, eindeutiges Hakenkreuz, eine runde Triskele sowie eine Runeninschrift, wie geschaffen für esoterische Interpretationen. ;-)
Etwas interessantes habe ich vielleicht noch zur Pferdedecke gefunden. Es gibt eine Mosaik aus dem 6. Jahrhundert aus Nordafrika, abgebildet ist ein Reiter, vielleicht ein Vandale. Interessanterweise befindet sich auf HInterteil des Pferde ein entfernt hakenkreuz-ähnlichen Motiv, das schon bekannte Wiederkreuz.
images.google.de/imgres?[…]

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Eintrag #19 vom 07. Jun. 2008 23:59 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Merowingerzeit

Ich habe vorhin mal in den Schrank gegriffen und zwei Bücher rausgeholt, von denen das zweite sicherlich in jeder gut sortierten Heimbibliothek für den Merowinger heute steht oder doch stehen sollte.
Doch beginnen wir hiermit:
Harald Meller (Hrsg.), Schönheit, Macht und Tod. 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Begleitband zur Sonderausstellung vom 11. Dezember 2001 bis 28. April 2002 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle / Landesamt für Archäologie (Halle/Saale 2001)
ISBN: 3-910010-64-4*Gb.
www.vml.de/d/inhalt.php?ISBN=978-3-910010-64-2
Ziemlich weit vorn, S. 46 f. Fund Nr. 3: Eine große Zierscheibe aus Kölleda. Jüngere Merowingerzeit, 7. Jh. n. Chr. Was heißt groß: Durchmesser 8,3 cm, Stärke 0,19 “ 0,25 cm.
Als Bedeutung des Fundes führt Berthold Schmidt an: ”Die Unheil abwehrende Funktion von Zierscheiben wird im 7. Jh., einer Zeit des Synkretismus, durch heidnische und christliche Symbole zugleich erreicht.“ ßber diese Interpretation ließe sich trefflich streiten, doch hier ist dies nicht das Thema.
Weiter im Text heißt es: ”Die bekannten Zierscheiben lassen sich in verschiedene Typen unterteilen. Das Kölledaer Exemplar zählt zu den Zierscheiben mit Tierkopfwirbeln im Zentralkreis. Um einen inneren Ring sind vier Tierköpfe mit großem offenem Schnabel wirbelförmig angeordnet und von einem großen äußeren Ring eingefaßt. Von dieser Variante sind bis jetzt 21 Exemplare bekannt geworden: bei den Alamannen zwischen oberem Neckar und oberer Donau, bei den Franken am Mittel- und Niederrhein sowie zwei Exemplare auf der Insel Gotland. Die besten Parallelen zur Kölledaer Zierscheibe “ und wohl in der gleichen alamannischen oder fränkischen Werkstatt hergestellt ” stammen von Freinsheim, Kr. Neustadt/Bergstraße, Rheinsheim, Kr. Bruchsal und Seligenstadt, Kr. Offenbach. Der Dekor des Kölledaer Stückes ist im sog. germanischen Tierstil II gehalten ….“
Leider verrät uns Berthold Schmidt in dem Zusammenhang nicht, welche anderen Motive es gibt und wie viele insgesamt, aber das ist ja nicht sein Thema. Dann könnten wir zumindest schon mal überschlagen, wie häufig hakenkreuzartige Motive auf Zierscheiben sind. Wer die Dissertation von
Dorothee Renner, Die durchbrochenen Zierscheiben der Merowingerzeit. RGZM Kataloge vor- und frühgeschichtlicher Altertümer 18 (Mainz 1970)
zufällig zur Hand hat, könnte uns ja schon mal einen Hinweis geben. Parallel können wir ja mal neueren zusammenfassenden Arbeiten suchen.
Soweit ich weiß, werden solche Zierscheiben aber vor allem als Schmuck und Amulett bei Frauen angesehen:
Herrmann Dannheimer, Zur Tragweise der durchbrochenen Bronzezierscheiben der Merowingerzeit. Archäologisches Korrespondenzblatt 6, 1976, 49-53.
Ob die Vergrößerung um das 10-fache und die ßbertragung auf ein Schild dann noch im Bereich des Vertretbaren liegt, möge jede_r selbst entscheiden.
Ich fand nur noch ein weiteres Stück mit Hakenkreuzen in dem Band, ein Goldbrakteat des 6. Jh. aus Obermöllern (Ulf Dräger, ebd. S. 128 f.). Das Stück hat einen Gesamtdurchmesser von 2,5 cm, d.h. die vier Hakenkreuze sind etwa jeweils nicht einmal einen halben Zentimeter groß. Wesentlich bestimmender für das Gesamtbild ist das zentrale Balkenkreuz mit gekreuzten Enden, in das die vier Hakenkreuze eingepasst sind. Das Motiv kommt immer mal wieder auf Brakteaten vor, zum Beispiel aus Berlin-Neuköln, Ortsteil Britz (Merowingerzeit 107 Taf. 94). Aber habt ihr schon mal ein Balkenkreuz bzw. Wiederkreuz ( de.wikipedia.org/wiki/Wiederkreuz ) auf Rekonstruktionen von Schilden oder anderen Objekten gesehen? Interessanter als die Swastika finde ich sowieso die anderen Motive mit stilisierten Menschen und Tieren.
Durchgeblättert habe ich außerdem:
Merowingerzeit. Die Altertümer im Museum für Vor- und Frühgeschichte. Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Zaberns Bildbände zur Archäologie 28 (Mainz am Rhein 1995).
ISBN: 3-8053-1709-3, 3-8053-1701-8
und dabei fünf Objekte gefunden, die mehr oder weniger hakenkreuzähnlich sind:
- das untere Ende der silbernen Schwertscheide von Gutenstein (ebd. 10 Abb. 6), wozu man allerdings dann noch einige Elemente wie Kopf und Beine weglassen muss, die an den Enden ”dranhängen". Hier noch ein Bild: de.wikipedia.org/wiki/Sigmaringen-Gutenstein
- zwei durchbrochene Zierscheiben von Fort St. Vincent (Dm. 8,2 cm) und Aachen (Dm. 9 cm), beide 7. Jh. (ebd. 81 f. Taf. 63-64)
- ebenfalls mit sehr gutem Willen und unter Weglassen aller wichtigen Elemente wie den Beinen und dem Kopf die Verzierung auf einem Riemenschieber einer Spathagarnitur aus ßtlingen, Stadt Kirchheim u.T., zweite Hälfte des 7. Jh. (ebd. 97 Taf. 80)
- Wapno, Goldbrakteat, erste Hälfte 6. Jh. (ebd. 106 Taf. 92), winzige Swastika zwischen einem menschlichen Haupt und einem Huftier. Der Brakteat hat einen Durchmesser von 2,6 cm, das Hakenkreuz damit etwa 2 x 2 mm.
Falls ich eins übersehen habe, sagt mir bitte Bescheid. Ich habe jetzt nicht alle verzierten Metallgüter und erst recht nicht alle Motive durchgezählt. Aber es sind 106 Tafeln mit bis zu 20 Objekten, darunter nur wenige unverzierte Waffen, Keramik und Glas (etwa 20 Tafeln). Es wäre mal eine verdienstvolle Beschäftigung, die einzelnen Motive durchzuzählen, zu sortieren und zusammenzustellen. Aber dass das Hakenkreuz selbst in der großzügigen Auslegung wie oben einen sehr geringen Anteil ausmacht, dürfte schon jetzt klar sein. Man könnte sich mal den Spaß machen und die Zahl der Kreuzmotive gegenübersetzen. Ansonsten: Flechtbänder, Dreierwirbel, Vogelköpfe, alle möglichen anderen Tiere, Lebensbaum-Motive, von einem Zentralkreis ausgehende Winkelgabeln bzw. Kombinationen getreppter Gabeln und gerader Speichen, verschiedene andere radiale Gliederungen mit Kreisaugenverzierung und so weiter und so fort.

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Eintrag #17 vom 07. Jun. 2008 02:24 Uhr Thomas Klee  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Klee eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Hakenkreuz

Aus der Spätantike kenne ich min. zwei Hakenkreuz Abbildungen auf Kleidungsstücke.
Zum einem auf einer Tunika eines römischen Soldaten an der Piazza Villa Armerina auf Sizilien und in Rom, auf dem Mantel eines Soldaten mit Pillbox und zwei Speeren aus der Via Latina.

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Eintrag #16 vom 06. Jun. 2008 23:48 Uhr Rainer (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Rainer eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Feldzeichen

@Roman
Es gibt keine römischen Feldzeichen mit Swastika oder ähnlichem. (Dieses Symbol taucht aber auf Verzierungen von Dolchgriffen auf.)
Es gibt zahlreiche Abbildungen von Feldzeichen wie diese:
www.romancoins.info/leg-clodmacer IIIAVC rev.jpg
www.romanarmy.com/cms/[…]/lg_unkSigniferBudapestI.[…]
www.romancoins.info/c-2005 (64).JPG
www.romanarmy.com/[…]/imagebase_FirstnameEI_lg_GVa[…]
www.romanarmy.com/[…]/imagebase_FirstnameL_lg_LSer[…]
www.romanarmy.com/cms/images/stories/[…]/lg_Oclati[…]
es.geocities.com/orgenomescos/archivos2/vexillum.jpg
www.legioxi.ch/bilder/bi_uu/b_uufeldz7.jpg
Und einige Fragmente:
www.romancoins.info/a-2005-phalera (6).JPG
www.romancoins.info/a-2005-phalera (5).JPG
Am bekanntesten ist natürlich der Adler als wichtigste Standarte einer Legion.
Daneben gibt es noch das Vexillum, ein Fahnentuch dass quer an einer Stange hängt. Diese Form wurde öfters kopiert. Nicht zuletzt in den 20er Jahren in Italien und bald darauf auch in Deutschland.
Aber das einzige erhaltene römische Vexillum zeigt ein zierliche Victoria, die eher an einen Weihnachtsengel als an den Reichsparteitag gemahnt. ;-)
i20.photobucket.com/albums/b242/[…]/vexillumegypt.[…]

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Eintrag #15 vom 06. Jun. 2008 21:11 Uhr Robert Knieling   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Nazis beerbten Buddhismus auf Umwegen

Von römischen Feldzeichen habe ich nicht so die Ahnung. Die Grundidee der Standarten ist sicherlich römisch.
Das Hakenkreuzmotiv tauchte im 19. Jahrhundert erstmals im Bereich der theosophischen Esoterik auf. So findet sich im Siegel der Theospophischen Gesellschaft ein Hakenkreuz. de.wikipedia.org/wiki/Theosophische_Gesellschaft#Siegel
Die Idee war, dass alle Religion den gleichen Ursprung haben etc… Darum vereint das Siegel Davidsstein, Ankh und eben auch die buddhistische Swastistaka.
In Anlehnung an diese synkretische Lehre mit starken indischen Anleihen entstanden einige Ableger in Deutschland. Neben der Anthroposophie von Waldorf-Vater Rudolf Steiner, entstand die Ariosophie des Guido (von) List.
de.wikipedia.org/wiki/Guido_von_List
Guido (von) List behauptete eine Reinkarnation (buddhistisch-hinduistischen Vorbild) eines germanischen Hohepriester zu sein. Auf mirakulöseweise erfand/entdeckte er das Armanenfuthark. So ernannte er auch das Hakenkreuz zum Zeichen urarische Weisheit.
de.wikipedia.org/[…]/Hakenkreuz#V.C3.B6lkische_Bew[…]
In Anlehnung an seine Verbindung von Antisemitismus und Esoterik gründete sich bald zahlreiche Vereine, Bünde, Orden…
Schließlich die Thule-Gesellschaft, in der sich bereits zahllreiche Nazi-Größen finden. Von dieser erbt die NSDAP Rudolf Heß, Alfred Rosenberg und auch das Hakenkreuz.
de.wikipedia.org/[…]/Thule-Gesellschaft#Die_Thule-[…]
Zu diesen Themen finden sich auch Kapitel in
Maier “Die Religion der Germanen”
Simek “Religion und Mythologie der Germanen”

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Eintrag #14 vom 06. Jun. 2008 21:10 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Elisabeth Weeber: Das Hakenkreuz

Kennt jemand:
Elisabeth Weeber: Das Hakenkreuz. Geschichte und Bedeutungswandel eines Symbols,
Peter Lang, Frankfurt am Main “ Berlin ” Bern “ Wien 2007 (ISBN 978-3-631-56363-2)
www.peterlang.com/index.cfm?[…]
Stilisierter Geschlechtsakt, Sonnenrad oder bloß ein Töpferzeichen
Bruchstücke zu einer Geschichte des Hakenkreuzes
von Josef Tutsch
www.scienzz.de/magazin/art9336.html
Bernd Buchner: Rezension zu: Weeber, Elisabeth: Das Hakenkreuz. Geschichte und Bedeutungswandel eines Symbols. Frankfurt am Main 2007. In: H-Soz-u-Kult, 29.11.2007, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-4-170
Zu unserer Frage nach dem Hakenkreuz im 1. Jahrtausend in Europa scheint das Buch leider nicht viel beitragen zu können. ”Anhand von archäologischen Quellen untersucht sie das Auftreten des Hakenkreuzes im Vorderen Orient, im indischen und asiatischen Kulturraum sowie im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. Neben symboltheoretischen ßberlegungen steht die Frage nach möglichen Bedeutungsinhalten oder einem Bedeutungswandel im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen."

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Eintrag #13 vom 06. Jun. 2008 20:15 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Feldzeichen

Noch mal zur Standarte: Bei den ganzen Germanen habe ich jetzt auf die Schnelle gar nicht an die römischen Feldzeichen gedacht.
de.wikipedia.org/wiki/Feldzeichen
Die Nationalsozialisten haben ja auch andere Symbole über den Umweg der italienischen Faschisten und Benito Mussolini dem Römischen Reich entlehnt, so etwa den “Römischen Gruß” (
de.wikipedia.org/wiki/Saluto_romano ).
Daher die Frage: Gibt es römische Feldzeichen mit Swastika oder vergleichbaren Motiven? Wer außer den Römern verwendete überhaupt solche Feldzeichen?

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Eintrag #12 vom 06. Jun. 2008 19:58 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Auf der Suche nach den historischen Vorbildern

Wir können ja auch mal das 6. Jh. verlassen und zeitlich und räumlich etwas breiter schauen, ob und wo es im 1. Jahrtausend n. Chr. Hakenkreuze auf Schilden gibt bzw. was da normalerweise so alles drauf ist. Ja, ich weiß, das Thema ist hier bereits mehrfach diskutiert worden:
Wappen für Rundschild
[Taverne, Thread: Wappen für Rundschild]
Swastikas im FrüMi
[Taverne, Thread: Swastikas im FrüMi]
Aber der Aspekt wurde meines Wissens noch nicht in der Form ausdiskutiert. Zu den von
Robert Knieling genannten Vorbildern kommen noch:
Fürstengrab von Gommern, 3. Jh. n. Chr.
warpsix.komedia.de/sixcms/detail.php?id=97197
www2.archlsa.de/ausstellungsarchiv/[…]/gomm-rahm.h[…]
Nydam-Schiff, ca. 320 n. Chr.
de.wikipedia.org/wiki/Nydam-Schiff
Notitia dignitatum, 1. Hälfte 5. Jh. n. Chr.
de.wikipedia.org/wiki/Notitia_dignitatum
Reiterstein von Hornhausen, Mitte des 7. bis Anfang 8. Jahrhunderts / um 700 n. Chr.
www.lda-lsa.de/de/[…]/sammlung
de.wikipedia.org/wiki/Hornhäuser_Reiterstein
Stuttgarter Psalter, 820/830 n. Chr.
de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Psalter
Schiffsgrab von Oseberg, 834 n. Chr.
de.wikipedia.org/wiki/Oseberg
Psalter von St. Gallen, um 860 bis um 900 n. Chr.
www.cesg.unifr.ch/cesg-cgi/kleioc/g0010/exec/[…]/"[…]
Schiffsgrab von Gokstad, 64 Schilde, um/kurz nach 900 n. Chr.
de.wikipedia.org/wiki/Gokstadschiff
Ballateare, Ilse of Man, 10. Jh.
Beatson, ‘Viking Shield’ Abb. 9.
Grimstrup, 10. Jh.
Beatson, ‘Viking Shield’ Abb. 10.
Birka, 14 Schildfunde, u.a. Grab Bj628, 736, 842, 886, 1089, 396A, 501, 644, 725, etc., 10. Jh.
The ‘Viking Shield’ from Archaeology
Peter Beatson - NVG Miklagard
members.ozemail.com.au/~chrisandpeter/[…]/shield.h[…]
Dank an Grimar für seinen Beitrag im alten Vikingnet, der noch die Gräber von Välsgarde und die Einzelfunde von Lindholm Hoye und Rends (DK), Myklebost (NOR), Krimylda und dem Tirskom Moor (LIT) sowie den Orkney Inseln (UK) nennt: www.fma-portal.de/forum3/viewtopic.php?f=15&t=47
Literaturliste von schildschlag.de
www.schildschlag.de/Quellen.htm
Mit sehr viel gutem Willen ließe sich einzig ein silberner Anhänger des 10. Jh. in Schildform aus Birka noch als Variation eines Hakenkreuzes interpretieren (Beatson, ‘Viking Shield’ Abb. 11 c).
Vermutlich habe ich noch einige Funde vergessen bzw. kenne sie nicht. Für weitere Hinweise für potentielle Vorlagen für Rundschilde im 1. Jahrtausend nach Chr. und besonders für die mit Swastiken und ähnlichen Motiven wäre ich dankbar.
Außerdem bin ich weiterhin auf der Suche nach den Vorbildern für die mittlerweile berühmte Hakenkreuz-Pferdedecke und die zahlreichen Hakenkreuz-Borten an der Kleidung. Das muss nicht unbedingt 6. Jh. sein; 1. Jahrtausend n. Chr. reicht auch hier völlig zu. Aber bitte hier nun nicht die Borte aus dem späthallstattzeitlichen Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf anführen, die ist mir in dem Zusammenhang dann doch etwas zu alt.
[Bibliothek: Die Geschichte des Brettchenwebens in Europa]
Nun die Königsdisziplin, die Standarte! www.ulfhednar.org/Mitglieder/Gruppemarle.jpg
Die schwarz-weiß-rote Gruppenfahne mit einem abgewandelten Hakenkreuz-Motiv wurde ja bereits von Prof. Alfred Jockenhövel angesprochen. Ich weiß leider nicht, auf welchem Fund diese Rekonstruktion einer frühmittelalterlichen Standarte beruhen soll und wäre für Hinweise (seitens Ulfhednar) sehr dankbar. Das einzige “Original”, das ich spontan mit der Gruppenfahne verbinde, ist etwas jünger als Frühmittelalter und sieht so aus: de.wikipedia.org/wiki/Bild:LSSAH_Standarte2.jpg
Aber das wollen wir natürlich niemanden als Vorbild unterstellen!
Also: Ich freue mich über Hinweise auf die Vorlagen für die Standarte.
Nicht zuletzt bin auch auf der Suche nach neueren Arbeiten, die das Hakenkreuz im 1. Jahrtausend in Europa zum Thema haben bzw. derartige Funde zusammenstellen, um einschätzen zu können, viele und welche es da tatsächlich gibt. Leider kenne ich nur diesbezügliche Arbeiten von Jörg Lechler, die ich hier ungern als Literaturhinweis einstellen möchte. Wer will, findet die auch so.
Und weil wir einmal dabei sind, für Schwarze Sonne, Triskele und Sig- und Tyrrune sowie Wolfsangel auf Schilden, Standarten und gewebten Borten würde ich ebenfalls gern die historischen Vorbilder kennenlernen. Hinweise nehme ich auch per PM oder eMail entgegen.

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Eintrag #11 vom 06. Jun. 2008 17:38 Uhr Robert Knieling   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Hakenkreuz bleibt böse

“Also wer im Stuttgarter Psalter nach merowingerzeitlichem sucht, der trägt auch als Haithabu-Wiki eine Fransiska ;-)”
Gut erkannt. ;-)
Die Schildzier im Stuttgarter Psalter ist im Grunde zu jung. Ich nenne ihn auch nur so gerne, weil die sechsarmigen Wirbel auf den Schilden im Stuttgarter Psalter einer Swastika noch am nächsten kommen.
Zurecht verweist du auf die Spätantike.
Hier ist ein Beispiel für eine Schildzier aus dem 6. Jahrhundert
de.wikipedia.org/[…]/Bild:Meister_von_San_Vitale_i[…]
Solch ein Zeichen würde bestimmt sehr gut zum mediterranen Spangenhelmen passen. :-)
Ansonsten gibt noch andere Belege für Schildmotive: Agilulfstirnplatte (sternförmiges Punktmuster), Reiterscheibe von Pliezhausen (einfacher Kreis um den Buckel) oder geografisch weiter entfernt die Sutton-Hoo-Schildbeschläge (Vögel und merkwürdiges)
Alles nur eben keine Swastika!
Einzige Grundelage bleibt da irgendwie dieser Entwurf Walter Peiners für die Gobelins der “Neuen Reichskanzlei”, die aber auf Grund der Niederlage des Deutschen Reichen nicht mehr vollendet werden konnte.
www.germaniainternational.com/[…]/batofteutfor9ad0[…]

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Eintrag #10 vom 06. Jun. 2008 10:43 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Relativierung?

Thomas, eigentlich bin ich ja auch ein Freund davon, solche Geschichten von beiden Seiten zu betrachten.
Allerdings schießt dein Einwand etwas an dem eigentlichen Vorwurf vorbei.
Es geht ja hier nicht darum, daß Ulfhednar Repliken von Gegenständen, auf denen die Swastika historisch belegt wäre, benutzt.
Es ist meines Erachtens doch recht klar rübergekommen, daß das Problem bei den Realien einmal an der unverhältnismäßigen Häufung dieses Symbols und desweiteren bei der Verwendung an Stellen, wo es eben - der Aussage nach, ich kenne die Quellenlage nicht - keinen Beleg gibt, liegt.
Es ist die eine Sache, korrekte Repliken zu machen, und über die Verwendung dieser Symbole aufzuklären (dazu gibts hier auch Threads). Wenn aber dei Verwendung dieser Symbole überhand nimmt, und dazu dann solche Vorfälle wie das mit dem Tatoo (Ganz ehrlich, ein “Unbekannter”, der sich der Gruppe zu einer Museums-VA anschließt?) passieren, ist es nur verständlich, daß sie die Akteure auch unbequeme Fragen gefallen lassen müssen.
Ich kenne Ulfhednar nicht selbst, ich kann nicht ausschließen, daß es einige Punkte gibt, die auch in dieser Sache für sie sprechen, aber so einfach, wie du die Sache darlegst, ist es ja nun nicht.

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Eintrag #9 vom 05. Jun. 2008 14:48 Uhr Thomas Klee  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Klee eine Nachricht zu schreiben.

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@ Robert Knieling
Also wer im Stuttgarter Psalter nach merowingerzeitlichem sucht, der trägt auch als Haithabu-Wiki eine Fransiska ;-)
Aber mal im Ernst; Swastiken finden sich einige in der Spätantike und der VWZ. Nicht nur als direkte Schmuckstücke wie Fibeln, sondern auch geritzt in div. Plörren., meist rückseitig.
Und wenn sich nun alle einig sind, das politische Statement nix im Hobby verloren haben und das wir alle gefordert sind sensibel mit der jüngeren deutschen Geschichte umzugehen, dann frage ich mich, hier im Extremfall, ob nicht durch den Verzicht auf das Verwenden von Swastiken einige Darstellungen im Vorfeld durch eine pauschalisierte Zensur unvollständig, bzw. kompromissbereit auf Halde gelegt werden sollten …?
Wie dem auch sei. Die Ausstattung der besagten Gruppe ist wirklich gut, bis ganz großes Kino.
Die Textilen und das Schuhwerk hingegen sind eh etwas, wie sage ichs (?), von schlechterer Natur.
Daher sollte im Vorfeld die Gruppe überlegen, wie zum vorhandenen tollem Blechzeug neue und unmissverständliche Textilien, die halbwegs was mit der Merowingerzeit zu tun haben, gebastelt werden können …
Soviel von mir, dazu …

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Eintrag #8 vom 05. Jun. 2008 09:57 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht 29.06.08 Paderborn Podiumsdiskussion "Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda?"

Neue Westfälische 04.06.2008
www.nw-news.de/nw/lokale_news/paderborn/paderborn/?[…]
PADERBORN
Rechtsradikales aus dem Mittelalter
Ulfhednar-Auftritt hat ein Nachspiel
Originalgetreu? (FOTO: REINHARD ROHLF)
Paderborn-Schloß Neuhaus (rom). Der Auftritt der Germanen-Gruppe “Ulfhednar” bei der Eröffnung der Ausstellung “Eine Welt in Bewegung” Ende April vor dem Neuhäuser Marstall hat ein Nachspiel. Ein Mitglied der Gruppe trug die Tätowierung “Meine Ehre heißt Treue” zur Schau - der Leitspruch der SS, Adolf Hitlers Schutzstaffel. Die Stadt nimmt diesen Vorfall zum Anlass für eine Podiumsdiskussion zum Thema “Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda? - Germanendarstellung zwischen experimenteller Geschichtsforschung und völkischem Gedankengut” am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr im Neuhäuser Bürgerhaus.
Professor Albrecht Jockenhövel von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster warnt schon seit längerem vor Verflechtungen zwischen historischen Gruppen und rechtsextremen Kreisen. Oft werde das Hakenkreuz versteckt, manchmal auch offen in Verzierungen der Kleidung, an Schilden oder Waffen verwendet. Mit der in Schloß Neuhaus gezeigten Tätowierung habe sich die Lage dramatisch verschärft, schreibt Jockenhövel.
Kulturamtsleiter Christoph Gockel-Böhner verweist darauf, dass man im Vorfeld ausgiebig Erkundigungen über die Gruppe eingezogen hat: Es gab zwei Anfragen beim Verfassungsschutz, Erkundigungen in anderen Museen und bei Fernsehredakteuren, bei denen die Ulfhednar aufgetreten waren. Dabei habe es keinerlei Hinweise auf rechtsextreme Verbindungen gegeben. Schließlich tauchte doch noch ein Foto von einem Hakenkreuz auf einem Schwertknauf auf. Dessen Verwendung habe man dann von vornherein untersagt. Auf den Neuhäuser Vorfall angesprochen, habe der Leiter der Gruppe, Arian Ziliox, mitgeteilt, dass der Tätowierte kein festes Mitglied der Gruppe und ihm nicht näher bekannt sei.
Bisher genossen die Ulfhednar einen guten Ruf als besonders originalgetreue Mittelalterdarsteller. Sie wurden gerne für Fernsehproduktionen verpflichtet oder für Auftritte bei Mittelalterschauen von Museen. So zum Beispiel vor kurzem als Abschiedsgeschenk für Professor Wilfried Menghin, als er die Leitung des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin an Professor Matthias Wemhoff übergab.
Menghin wird auch an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Weiter dabei sind Harald Beer von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle Hamm, der Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, Karl Banghard, und die Bremer Landesarchäologin Professor Uta Halle. Die Veranstaltung wird moderiert von Christiane Poertgen. Die Diskussion beschäftigt sich mit der Frage, wie man seriöse lebendige Wissenschaft von billigem Geschichtsklamauk, neuheidnischem Gedankengut und blankem Rechtsradikalismus trennen kann.
Eine Anmeldung ist erforderlich, bis 24. Juni an: Dr. Norbert Börste, Historisches Museum im Marstall, Marstallstraße 9, 33104 Paderborn, E-Mail: n.boerste@paderborn.de, Fax (05251) 881041.
______________
Westfalen-Blatt, 04.06.2008
www.westfalen-blatt.de/nachrichten/[…]/paderborn.p[…]?[…]
Tätowierter Wolfskrieger erhitzt Gemüter
Die Gruppe »Ulfhednar« zeigte Ende April im Marstall-Innenhof Reiterspiele, präsentierte den Waffengebrauch der Germanen und demonstrierte in Kostümen das Leben unserer Vorfahren.
Foto: Andrea Pistorius Von Manfred Stienecke
Paderborn (WV). Die Einladung einer germanischen Brauchtumsgruppe zur Eröffnung der Ausstellung »Eine Welt in Bewegung« in Schloß Neuhaus wird für das Kulturamt nachträglich zu einer ungewollt brisanten Angelegenheit.
Bei der sonntäglichen Vorführung der Gruppe »Ulfhednar« (Wolfskrieger) im Innenhof des Marstalls kam es am 27. April zu einem Zwischenfall, der einen Schatten auf die von vielen Paderborner Bürgern besuchte Freiluftveranstaltung wirft. Wie vom Kulturamtsleiter Christoph Gockel-Böhner bestätigt wird, zog ein Mitglied der germanischen Brauchtumstruppe aufgrund des warmen Wetters sein Wams aus und offenbarte dabei eine Tätowierung auf dem Oberkörper. Diese zeigte in Sütterlin-Schrift den Satz »Meine Ehre heißt Treue«. Dabei handelt es sich um den Leitspruch der SS im Nazi-Deutschland. Wer ihn in der ßffentlichkeit nennt oder trägt, macht sich strafbar.
Obwohl die Entkleidungsaktion des »Wolfskriegers« keinen demonstrativen Charakter gehabt habe, sei sie dem Kurator der Paderborner Mittelalter-Ausstellung, Dr. Georg Eggenstein, aufgefallen. Er habe die Aktion daraufhin sogleich beanstandet und dafür gesorgt, dass der Mann sein Wams wieder anzog.
Aufgrund von zwei konkreten Warnhinweisen vor »Ulfhednar« habe die Stadt Paderborn vor dem Gastspiel der Gruppe Erkundigungen unter anderem beim Bundesamt für Verfassungsschutz eingeholt - mit abschlägigem Ergebnis. Die Ausstellungsmacher Dr. Georg Eggenstein und Dr. Norbert Börste hätten den Leiter der Gruppe, Arian Ziliox, außerdem persönlich in seinem Haus in Bad Laasphe besucht und keinerlei Hinweise auf eine etwaige rechtsradikale Gesinnung gefunden, berichtet Gockel-Böhner.
Dass die Gruppe auch anderen Einrichtungen unverdächtig war, zeige ihre Verpflichtung an vielen renommierten Häusern. So seien die »Wolfskrieger« zum Beispiel bei der Verabschiedung von Prof. Wilfried Menghin am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte dabei gewesen - eben jenes Haus, das seit Anfang Mai vom dem ehemaligen Paderborner Museumsleiter Prof. Dr. Matthias Wemhoff übernommen worden ist.
Die Stadt Paderborn wird auf das Ereignis mit einer Podiumsdiskussion unter dem Thema »Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda?« reagieren, in dem der Germanenkult auf seine mögliche Nähe zum völkischem Gedankengut beleuchtet werden soll. Dazu werden am 29. Juni (Beginn 11 Uhr) im Bürgerhaus Schloß Neuhaus als Experten der ehemalige Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Prof. Dr. Wilfried Menghin, die Bremer Landesarchäologin Prof. Uta Halle, Harald Baer von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm als Fachmann für das Neuheidentum sowie der Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums in Oerlinghausen, Karl Banghard, zur Verfügung stehen.

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Eintrag #7 vom 02. Jun. 2008 10:51 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Stellungnahme von EXARC

EXARC, European organisation of Archaeological Open Air Museums and other facilities involved in Experimental Archaeology
www.exarc.net
2008.05.31
In EXARC“s opinion, acting out living history should not involve propagating of or flirting with political ideas, especially if these ideas refer to National Socialistic philosophy. EXARC is worried about examples like the German living history group Ulfhednar, who are internationally active. There are several groups with an almost similar name, but this is not about them. Already for a long time, Ulfhednar has stood out for their heavy use of symbols, which are else known from the Nazi Era of the 3rd Reich.
During a show of the group at a large museum celebration in Paderborn (Germany), 2008.04.26, one member of the group presented himself carrying a tattoo with the phrase: ”Meine Ehre heißt Treue“ (My honour is loyalty) ” the motto of Hitler“s SS. The use of this phrase in Germany is forbidden by law, for obvious reasons. For the same obvious reasons, EXARC is greatly worried and calls for a discussion within the international living history scene about such themes ” what should be allowed and what not.
More information (in German):
www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/Mannheim.html

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Eintrag #6 vom 21. Mai. 2008 17:25 Uhr Robert Knieling   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Warum nur so viele Hakenkreuze?

Ehrlich gesagt, gibt es keinen Beleg für Satisken oder auch Triskelen auf merowingerzeitlichen Schilden. Sowohl im Stuttgarter Psalter als auch auf dem Stein von Hornhausen finden sich sechsarmige Wirbel. Die drei- und vierarmigen sind für Schilde überhaupt nicht belegt.
Angesichts an der ansonsten ziemlich radikalen Grabrekonstruktion der Gruppe, frage ich mich nur, warum sie sich ihre 100%ige Rekonstruktion merowingerzeitlicher Reitergräber durch nicht belegte und politisch konnotierte Symbole schlicht und einfach versauen.
Auch wenn nur merkwürdige “esoterische” Ansichten dahinter stecken, macht das die Sache im Grunde nicht besser, höchstens legaler im Sinne der Strafgesetze.

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Eintrag #5 vom 21. Mai. 2008 11:37 Uhr Michael Müller   Nachricht

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Diese Gruppe war mir auf Fotos ausgestellt im Elwangener Alemannenmuseum und dort käuflich zu erwerbenden Postkarten bekannt.
Wenn ich auf deren Website unter ihrer Alemannendarstellung die Bilder anschaue, fällt schon die komische Borde an der Pferdedecke auf und das Banner. Das dieses Zeichen immer wieder in abgewandelter Form auf Rundschilden auftaucht ist ja ein Leidiges Thema. In dieser geballten Form allerdings auffällig.
Ich besitze einige (teure) Bücher über Alemannen und alemannische Kunst (Bügelfiebeln usw.) und mir ist nur eine Scheibenfiebel (Frauentracht) aus dem Internet bekannt die entfernte ßhnlichkeit hat,gegenüber hunderten Schmukstücken mit komplett anderen Verzierungsmustern.
Das dieses Zeichen bei Ulfhednar in der Alemannendarstellung so häufig auftaucht ist in keinster Weise mit dem alemannischen Kunststil oder anderer Belge zu erklären und hat einen anderen Grund.

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