ich kenne Herrn Masbergs nicht. genauso wenig die andern schreiber. aber aus den beiträgen liest sich eine gewisse unsicherheit über die begriffe:
handwerk und handarbeit heraus.
ich weiß, daß es hier um löffelschnitzer geht. ich selber bin buchbinder. vieleicht kann ich über diesen beruf etwas klarheit in das thema bringen. im frühen mittelalter gab es die buchbinderei nur in den klöstern. dort galt diese arbeit nicht als handwerk. erst als die sogenannten bürgerlichen buchbinder in der öffendlichkeit ihre arbeit begannen und die zünfte aufkamen, mußte auch dieses handwerk erlernt werden. und wurde in eine handwerksrolle eingetragen. erst dann konnte von einem handwerk gesprochen werden.
ich hoffe einen nützlichen beitrag geleistet zu haben. es soll nicht als belehrung gelten
bitte lassen sie sich von Herrn Masbergs Beitrag nicht irritieren. Natürlich hat weder die moderne Definition von Handwerk, noch ein Wikipedia-Artikel über Heimarbeit irgend etwas mit der hier diskutierten Frage zu tun, aber dem Schreiber der Zeilen geht es wohl eher um ein wenig Beachtung. Wenn Sie ihm nicht weiter Aufmerksamkeit zollen, geht es ganz von alleine vorbei.
Das Gewerbe wird handwerksmäßig bzw. handwerksähnlich betrieben. Das heißt: Eine Dienstleistung oder ein Produkt wird individuell und unmittelbar für den Verbraucher hergestellt. (und an diesen gegen Entgelt abgegeben)
In diesem Fall gab es nach den Quellen hier im Text scheinbar an einigen Orten zu bestimmten Zeiten Löffelschnitzer als Handwerker ob im Haupt- oder Nebenerwerb ist noch fraglich.
Es gibt viele konkrete Beispiele für qualitätvolle Hausarbeit, die nicht von spezialisierten Handwerkern ausgeführt wurde. Wobei ja schon die Abgrenzung zwischen Hausarbeit und Handwerk oft problematisch ist, da beides fließend ineinander übergeht. Bis einigen Jahrzehnten war es auf dem Land üblich, viele Dinge selbst herzustellen, und der Besitz einer einfachen Drechselbank war nichts außergewöhnliches. Jedenfalls macht der Besitz einer Drechselbank jemanden nicht zum Handwerker. Dazu gehören auch soziale und wirtschaftliche Komponenten, die man für die einzelnen Orte und Zeiten ergründen sollte, bevor man sich festlegt.
Schau morgen noch mal in das Buch rein ;-) Das Beispiel haben sie wiegesagt an nehm einfachen Schöpfer und einem gedrechselten Gefäss gemacht. Und da is es auf jedenfall so das man für das Drechselgefäss eben ne Drechselbank brauch.
Wobei ich die These meiner Meinung nach auch Ausweiten kann. Da es für unterschiedliche aufwendige Arbeiten auhc ein gewisses Maß an Erfahrung brauch. Und ich frage mich einfach in wie weit man die aufbauen kann wenn ich da nur wenn man im Winter nichts anderes zu tun hat dran arbeiten kann.
Jetzt wo ich mir deinen Post nochmal durchlese sehe ich, dass da gar nicht von Löffelschnitzern die Rede war, sondern von qualifizierten Handwerkern, da habe ich schlecht gelesen. Es stellt sich jedoch die Frage, was die Autoren des Buches unter einem qualifizierten Handwerker verstehen. Wenn sagen wir mal ein Fischer gerne schnitzt und so begabt ist, dass er sehr schöne Löffel für sich und seine Familie herstellt, macht ihn das zu einem Handwerker? Ich finde den Ansatz, dass die Qualität des Objektes darüber entscheidet, ob etwas als Handwerk oder als Hausarbeit anzusprechen ist, etwas problematisch.
Was das angeht habe ich mich eventuell ungünstig ausgedrückt. Meine Aussage habe ich speziel für Haithabu (also Frühmi) nach dem Buch zu der Ausstellung gemacht. In Haithabu wird es keinen eigenständigen Löffelschniter gegeben haben, da werden die besseren/ reich verzierteren vorraussichtlich eher von Holzschnitzern aus anderen Bereichen gemacht worden sein.
In dem Buch wird die Aussage an einfachen grob gehauenen Teilen im vergleich zu den aufwendig gedrehten (gedrechselten) gemacht.
Wobei ich aus anderen Fundlagen des Frühmittelalters deutlich unterschiedlich aufwendige Löffel kenne.
@Patrick Artner & Andreas Betz
Muß morgen noch mal meine Quellen durchgehen die würden dann grob den Ostseeraum im Frühmi abdecken.
Was vielleicht interessant wäre ist ob die verwendeten Holzarten “lokaler” Natur waren - abgesehen von der Import-Tanne scheint genommen worden zu sein was es gab? Gibt es weitere Holzfunde die auf eine durchgehende Verwendung dieses Holzes in dieser Region belegt (für andere Dinge, zB im Bergbau, Bauholz, …) oder sind es speziell für Löffel verwendete Hölzer? Liegt die Häufung von Ahorn an der damaligen Verbreitung, der guten Schnitzbarkeit oder hat es andere Gründe?
Eintrag #49 vom 30. Okt. 2010 18:48 Uhr
Andreas
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Mittelalterliche und frühneuzeitliche Löffelfunde in Deutschland - die verwendeten Holzarten
Ich habe in den letzten Tagen meine Quellen durchforstet, und mir Notizen gemacht welches Holz in welchen Gegenden Deutschlands für die Herstellung von Löffeln verwendet wurde.
Aus den Notizen wurde etwas mehr, so daß ich dann hier im Forum eine kurze Zusammenfassung meiner Ergebnisse schreiben wollte. Als ich dann aber immer mehr Informationen zusammengetragen hatte, habe ich letztendlich einen kleinen Aufsatz daraus gemacht.
Er kann bei Interesse auf meiner Internetseite www.anno1347.de im Bereich “Wissenswertes” eingesehen werden. Der Titel des Aufsatzes lautet “Mittelalterliche und frühneuzeitliche Löffelfunde in Deutschland - die verwendeten Holzarten.”
Man muss bei Fragen des Handwerks immer zwischen städtischem und ländlichen Umfeld unterscheiden, und dann wiederum zwischen den einzelnen Städten. In Städten wurden generell mehr Gegenstände von spezialisierten Handwerkern produziert, und es kann durchaus sein, dass es in bestimmten Städten für ein Produkt spezialisierte Handwerker gab, in anderen hingegen nicht. Allein die Schwierigkeit der Herstellung scheint mir bei dieser Frage nicht ausschlaggebend zu sein. Bevor man also die z.B. in Freiburg gewonnenen Erkenntnisse auf andere, weiter entfernte Orte anwendet sollte man jedenfalls versuchen, lokale Belege zu finden.
Was du da schreibst erinnert mich an was aus dem Buch zur neuen Haithabu Ausstellung.
Dort wird die These geäussert, das es bei Gebrauchsgegenständen aus Holz zwei Gruppen gab. Zum einem die Einfachen die jeder machen konnte und zum anderem die feingearbeiteten die vorraussichtlich von einem qualifizierterem Handwerker gemacht wurden.
Was die Sache mit den vielen Löffeln pro Tag angeht, stammt die Aussage aus der TV Aufnahme auch von dem einem Drechselmuseum.
Da ich momentan gerade wieder am Recherchieren und Schnitzen bin mal ein paar (wie ich finde) interessante Auszüge aus dem Buch “Stadtarchäologie in Freiberg - Holzfunde” von Arndt Gühne zu den Themen Löffelschnitzer und der Frage des Glättens der Löffel:
“Für eine Herstellung durch spezialisierte Handwerker sprechen neben der für sich bereits überzeugenden Qualität auch die einheitliche Bemaßung. So gibt es bei 16 Löffeln von Freiberg nur geringe Schwankungen hinsichtlich der Länge der Laffe, der Breite, und der Tiefe. Die Dresdener Stücke ordnen sich hier ein, bis auf einen deutlich größeren Löffel, der mit den eingebrannten Buchstaben TB versehen ist, sicher ein Besitzerkennzeichen” (Seite 50)
“13./14. Jh.: In Jihlava (Iglau, CSFR) sind ”Löffler“ historisch bezeugt (B.Novotný 1982, zit. nach W. Janssen 1986, S. 355)” (S.72)
“Schnitzen (grob und fein): Gegenstände, zu deren Fertigung entweder Feinwerkzeuge (Meser, Schnitzwerkzeuge, Feinsäge) oder grobes Gerät (Axt, Säge) verwendet wuren nehmen im sächsischen Material vom Typenspektrum her den größten Raum ein. Die Skala der Bearbeitung reicht vom fein geschnitzten und sorgfältig geglätteten Löffel bis zum grob gebeilten Toilettensitz und spiegelt damit auch den gesamten Lebensbereich der Menschen vom Eßgerät über Spielzeug, Körperpflege bis zu Möbeln, Haus- und Fahrzeugbau.” (Seite 71/72)
im Frühmittelalter wäre mir auch kein spezialisiert Löffelmacher als Beruf bekannt. Soweit ich es bisher verstanden habe, geht man davon aus in gewissen Bereichen eine zwei Klassen Gesellschaft an Gebrauchtgegenständen gab. Sprich das es einfache Gegenstände aus Holz gab die näherungsweise jeder selbst machen konnte (da fallen auch einfache Löffel drunter) und einige Gegenstände die aufwendiger waren (aufwendigere Verzierung usw.) die darauf schließen lassen das sie von einem besser ausgebildeten Handwerker hergestellt wurden. Jedoch war bei diesem der Löffel wenn man so will ein Nebenprodukt. (Beziehe mich damit auf die Fundlage Haithabu und Begleitbuch der neuen Ausstellung)
Wobei auch andere Fundlagen im Frühmittelalter Löffel haben die unterschiedlicher Güte sind.
Wie schnell ich bin wenn ich einen einfachen Löffel der nicht nach Fundlage ist bin, hab ich aber noch nie ausprobiert.
@Timm
mit Grünholz hab ich auch schon hantiert, geht auf jedenfalls schneller, Wie viel das ausmacht, kann ich aber nicht sagen. Wollte demnächst auch noch mal mit rückbewässerten Holzstücken experimentieren. Bei Löffeln hat man das Verzug / Riss Problem nicht so groß wie du auch geschrieben hast.
Was bei mir noch ein zusätzlicher Zeitposten ist, ist das spekulative Glätten des Holzes mit Schachtelhalm und das Nachbehandeln mit Leinöl.
Birke zählt ansich nicht zu den sehr weichen Hölzer, wenn sie auch sicherlich nicht so hart wie Obsthölzer ist. Der wesentlich wichtigere Punkt dürfte der Trocknungsgrad sein. So wie es in dem Video scheint, verwendet der gute Mann Grünholz. Zum einen schaut der Rohling so aus, vor allem deutet aber der Materialabtrag darauf hin.
Ich nehme mal an, du verwendest trockenes Holz, richtig?
Mach doch mal ein paar Versuche mit Grünholz, dass wird deinen output vermutlich deutlich erhöhen. In den fertigen Abmaßen dürfte es auch keine größeren Probleme mit der Nachtrocknung geben.
Ich bin eh der festen Überzeugung, dass das meiste Holz grün verarbeitet wurde.
Ich denke, das ist ein wesentlicher Punkt: wir sind heute Hobbyisten, die Löffel _nachmachen_.
Damals waren es ausgebildete, erfahrene Profils in ihrem Handwerk, die einfach Löffel gemacht haben. An der Masse der erhaltenen (15/16.) und der Gleichförmigkeit kann man schon ganz gut ablesen, dass die bestimmte Formen einfach “drauf” hatten.
Und das gilt nicht nur für Löffel, freilich.
Für früher halte ich es auch sehr schwierig, explizit einen “Löffelschniter” darzustellen, dafür ist die Fundlage einfach zu mieserabel, und die Informationen, ob und wie es explizite “Löffelschnitzer” gab, zu wenig. Die teils später, obgleich spezialisierter als früher, nicht, vermute ich, auch früher nicht.
Es braucht schon ne bestimmte Bevölkerungsdichte um eine solche Spezialisierung notwendig zu machen, schliesslich gehen die Dinger nicht so arg schnell kaputt, und irgendwann ist der lokale Markt mal gesättigt, wenn es sich um eine kleinere Siedlung handelt.
Was nicht hiessen soll, dass sich jeder seinen Löffel selbermachte, das glaub ich auch eher nicht.