als Grundlage für die weitere Bearbeitung des Themas habe ich von befreundeten Wikingern ;) das folgende Buch empfohlen bekommen.
Birgit Scholz: Von der Chronistik zur modernen Geschichtswissenschaft. Die Warägerfrage in der russischen, deutschen und schwedischen Historiographie. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04342-3
Wichtig für Dich wäre noch zu wissen, wo Deine Figur denn eigentlich herkommen soll. Waräger ist ja ein weiter Begriff und in der Garde dienten seit ihrem offiziellen Beginn 988 Slawen, Rus, Schweden, Norweger und Angelsachsen (Dänen weiss ich jetzt nicht, kann es mir aber durchaus vorstellen). Auch der Zeitpunkt, wann Du Waräger bist ist sicher interessant - offiziell endet die Waräger-Garde mit dem IV. Kreuzzug 1204, bei dem Byzanz eingenommen wurde.
Dementsprechend sind natürlich die Moden - wenn Du denn als Ex-Gardist wieder die heimische Mode pflegst. Bei den Angelsachsen und Norwegern waren z.B. meines Wissens nach die bei modernen Wikidarstellern inflationär verwendeten Pluderhosen nicht verwendet worden. Zwischen den Regionen gibt es ja doch einiges an Unterschieden. In den späteren Zeiten - also ab etwa 1050 - wirst Du mit Sicherheit auch in die Nähe der hochmittelalterlichen Mode kommen.
Eines der Hauptprobleme in der Waräger-Darstellung ist für mich, dass es wenig Bildquellen oder direkte Fundbelege gibt. Die einzigen Abbildungen, die ich jetzt aus der byzantinischen Ikonographie im Kopf habe zeigen die Waräger in weitestgehend byzantinisch geprägter Ausrüstung. Unterschied in einer Abbildung, die ich aus dem 11. Jhdt. kenne, waren Stangenäxte, bei denen es sich aber meiner Meinung nach auch um vom Zeichner mißverstandenen Dänenäxte handeln könnte, die ein gewisses ethnisches Element in die Abbildung bringen.
Insofern würde ich auch neben den Quellen zu Warägern auch zu Quellen zur byzantinischen Armee gucken (leider so überhaupt nicht mein Thema). Gerade englischsprachige Literatur sollte es zu diesem Thema en masse geben. Ich denke, dass die Waräger als Garde-Regiment mit Sicherheit entsprechend der Elite-Regimenter der jeweils gewählten Zeitstellung ausgestattet worden sind. Glücklicherweise gibt es wohl jede Menge überkommener Assissen der jeweiligen Herrscher, so dass es möglich sein sollte die Darstellung zeitlich ziemlich exakt auf den Punkt zu bringen. Die meisten müssten wohl auch zumindest englisch veröffentlicht worden sein. Einen Einstieg findest Du in Nicolles “Companion to medieval arms and armour”, in dem es einen interessanten Essay zu dem Thema und der Rekonstruktion der Ausrüstung gibt. Aber da würde ich auf jeden Fall noch mal nachsehen, ob es da weiterführende Dinge gibt.
Darstellungstechnisch ist es imho etwas schwierig einen Ex-Waräger erkenntlich darzustellen, da vermutlich bis auf das eine oder andere “exotische” Ausrüstungsstück er sich wohl in den Kontext seiner Umgebung einfügen würde.
Weil du dir die Figur selbst ausgedacht hast. Die Figur ist Ergebnis deiner Fantasie.
Würdest du eine konkrete historische Person mit diesem Background darstellen, wäre es historische Darstellung, ebenso in gewissem Maße, wenn du eine Idealfigur aus einem Personenkreis mir entsprechendem belegten Background darstelltest.
Dies ist jedoch so wie ich das sehe, nicht der Fall.
Bitte bachte: “Fantasiedarstellung” ist keinesfalls abwertend gemeint, es ist nur etwas anderes als eine historische Darstellung.
edit: danke, Timm, du hast das wesentlich besser ausgedrückt.
ich glaube, du hast hier einfach (zumindest bei mir) einen Reflex ausgelöst. ;o)
Die Erfahrung hat gelehrt, dass wenn jemand sich eine Story strickt oder böser formuliert ‘was zurechtbiegt’ da hinterher meist Murks bei rauskommt, weils halt doch eher um den wildromantischen Aspekt und um ein alternatives Lebensgefühl geht.
Nun kann man aber nicht einfach pauschalisieren und das im eigenen Kopf zu einer Regel machen.
‘Wilde’ Story ist also nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Darstellungsmurks.
Ich entnehme deinen ßusserungen, dass es dir sehr wohl um eine fundierte Darstellung geht, also bist du hier schon durchaus richtig gelandet ;o)
Nimm die vorangegangene Diskussion vielleicht einfach als Denkanstoß, denn ich fürchte mal, diesen Refelx wirst du nicht nur hier auslösen.
Was ist daran so verdammt unlogisch, wenn jemand aus der Garde austritt??
Wo bitte erfinde ich eine Geschichte? WO?
Was ist wenn in einem Grab kein Essbesteck gefunden wurde? Hat derjenige dann mit den Fingern gegessen?
Ich hab kein problem damit, wenn jemand ein Grab exakt darstellt. Im gegenteil, finde das nicht schlecht. Nur ist es nicht meins. Und ich finde man muss das auch nicht machen, um sagen zu können, dass man Historische Darstellung betreibt.
Ich kapier nicht wo euer problem damit ist.
Aber gut, lassen wir die Diskussion am besten bleiben, da es wohl zu nichts führt.
Ab jetzt mache ich eine Warägerdarstellung, aus basta! (ob ich in meinem kopf für mich entscheide, dass ich nicht mehr in der garde bin, kann euch ja egal sein, wobei ich echt mal gerne nen VERNßNFTIGEN grund für euer problem mit der sache wissen würde.)
Achja nochwas an die leute die sagen es gibt so viele brauchbare Quellen für eine solche darstellung. Ihr würdet mir wirklich weiterhelfen, wenn ihr mir diese auch nennen würdet! Das ist doch soweit ich das sehe auch ein sinn dieses forums, dass man anderen hilft ihre darstellung zu verbessern. Und im speziellen war das eigentlich auch mal der Sinn dieses Threads….
Willst du ‘historische Darstellung’ betreiben, was hier auf Tempus Vivit das Thema ist, dann stelle einen Waräger dar. Quellen gibt es reichlich.
Oder stelle einen ‘reichen Wiki’ oder ‘reichen Rus’ dar. Auch fein, auch gut quellenbelegt. Kannst sogar Grabfunde nachmachen.
Alles andere ist Fantasiedarstellung. Etwa deine Story von ehemaligen Waräger und so. Das wäre eine Fantasiefigur, wie sie prima in ein Rollenspiel oder eine Wiki-Party oder dergleichen passt. Ist nichts Böses, ist nicht unanständig, ist völlig okay. Nur eben keine historische Darstellung. Mach das, wenn dir das Spaß bereitet. Kein Problem! Nur bitte - bezeichne das dann nicht als “Reenactment” oder “historische Darstellung” sondern sei nicht zuletzt dir selbst gegenüber ehrlich und nenne das dann beim Namen: ‘Fantasiedarstellung, mit historisch belegbaren Einzelelementen’.
Katrin, meine momentane Darstellung entspricht wohl zum größten teil diesem Klische, wie die meisten Rus rumlaufen.
Falls es jemand interessiert, ich habe anfang des Jahres angefangen mit meiner Darstellung. ßber die hälfte meiner Klamotten ist selbstgenäht und keine 0815 Tunika aus jedem x-beliebigem Mittelalteronlineshop.
Leider konnte ich das letzte halbe Jahr nicht wirklich viel recherchieren, da ich mit meiner Diplomarbeit sehr beschäftigt war.
Nungut, aber eben genau dies möchte ich ja jetzt nachholen und bitte deswegen hier um etwas hilfe. Die anscheinend heutzutage in der Szene nicht mehr leicht zu finden ist. Da wird lieber ewig an irgendwelchen kleinigkeiten rumgenörgelt.
Nochmals für alle. Im Prinzip entspricht meine gewünschte Darstellung einem Waräger. Nur möchte ich für mich einfach sagen, dass ich nichtmehr in der Garde diene. Das macht aber darstellungstechnisch absolut keinen unterschied. sondern wenn dann nur für mich persönlich. Warum damit nun soviele ein problem haben versteh ich beim besten willen nicht.
Viele hier sind wohl geübt in literarischer Recherche. Tja ich bin das nicht. Ich bin da eher der praktische typ. Habe kleidung selbst genäht, mit ein paar leuten 4 Wiki Zelte gebaut, andere Lagerbestandteile gebaut. Man kann halt nicht alles können. Deswegen hab ich mir erhofft hier meine defizite etwas ausgleichen zu können, indem man mir ein wenig hilft und mir literaturtips gibt, von denen ich dann vielleicht auf tiefergreifende literatur stoße, usw.
@Michaela
der erste link ist mir durchaus bekannt. der zweite sollte wohl ein witz sein….
Es ist einfach so, dass es in der Szene einen Haufen Leute gibt, die sagen “Ich mach Rus / Waräger” weil es ein historisch nicht wirklich unterfütterbares Szene-Klischee gibt: coole Klamotten (Stiefel, Pluderhose, Mßtze, kiloweise Schmuck) und massenhaft Waffen tragen und außerdem weit rumgekommen sein (was die wildesten Ausrüstungsteile rechtfertigt) etc. etc. (von der Gleichsetzung der Bezeichnungen “Rus” und “Waräger” will ich gar nicht erst anfangen).
Also es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man wählt eine solche Darstellung aus den oben genannten Gründen (wild, frei, gefährlich, weitgereist, sieht toll aus….) und vergisst die historische Belegbarkeit.Dann braucht man auch kaum Bücher, sondern kann sich abgucken, wie 90% der Wiki/Warägerszene rumlaufen….
Oder man möchte wirklich Recherche treiben, was aus deinen Fragen hervorgeht. Dann sollte man sich neben den hier schon genannten Buchtiteln intensiv mit den Verhältnissen und der Sachkultur am Hof von Byzanz gegen Ende des ersten Jahrtausends beschäftigen. Dazu gibt es auf TV auch schon einige Threads. Schau doch dort mal nach Literaturtipps.
Das (und möglicherweise gehen die Warnungen einiger Poster hier in dieselbe Richtung) ist dann aber gar nicht mehr wildromantisch. Und eine irgendwie geartete Begründung, warum ein byzantinischer “Waräger” auf einer beliebigen Dengelveranstaltung in Deutschland aufläuft (Thema arbeitsloser Ex-Gardist…) ist weder plausibel noch ist sie bei diesen Veranstaltungen nötig.
Betreibt ihr eigentlich Reenactement oder kopiert ihr nur blind einen Grabfund 1 zu 1 ??
Was ist daran so dermaßen unvorstellbar, dass jemand aus der Garde austritt? Natürlich verdient er dann weniger Geld, aber er kann entscheiden für wen er arbeitet und wohin er geht und sonst was.
Kaiser stirbt, der neue ist ein Arsch in meinen Augen. Warum sollte ich einem Arsch dienen, wenn ich die wahl hab das nicht zu tun?
Geld war damals, wie heute nicht unbedingt immer alles.
Ich bau mir hier keine Fantasiegeschichte zusammen oder sonstwas. Das ist in meinen Augen total realistisch, dass dies so gewesen sein könnte. Ich weiß echt nicht wo euer problem liegt.
Ich frage hier nach literaturhinweisen, für meine möglichst authentische Darstellung. Hilfe dafür hab ich von einem bekommen. Dafür meckern die anderen (wie so oft hier) nur rum und hängen sich an total sinnlosen sachen auf.
Irgendwie glaub ich, dass man damit eher am Sinn des Forums vorbei schießt, als ich, der sich mal selbst etwas Gedanken macht, statt alles nur Blind zu kopieren, was in den Büchern steht. Und ich bezweifle stark, dass meine Idee nun so abwegig ist.
Und von der Ausrüstung und klamotten möcht ich mich ja weitgehend an belegte Dinge halten. Was aber schwer ist, wenn man an die quellen nicht rankommt (ich bin ingenieur und deswegen nicht so bewandert in geschichtsliteratur recherche). Deshalb bat ich ja hier um Hilfe.
Aber es wird, wie so oft in diesem Forum nur genörgelt, wegen irgendwelcher belanglosigkeiten….
Christian, weil Dir in der modernen Welt der “abhängige” Gardist nicht passt, willst Du ein “freier” Söldner sein, was ziemlich viel Beliebigkeit impliziert.
Die Darstellung entsprechend modernen Vorbehalten hinzubiegen, ist IMHO ein Fehler und das, was die Vorredner m.E. kritisieren.
Auf dieser Grundlage wirst Du IMHO in TV wenig Antworten bekommen, die Dir weiterhelfen.
Außerdem dürfte hier der Wunsch nach “gebt mir all Euer mühsam angeeignetes Spezialwissen”:
- "Ich brauch keine Standart-Wiki Literatur. Ich brauch wirklich brauchbare Literatur als Grundlage meiner Darstellung. Hauptsächlich brauche ich Informationen über Leben, Kleidung, (Kriegs-)Ausrüstung und Ausstattung. Natürlich gerne auch bebildert. -
Ist es so unvorstellbar, dass jemand aus der Garde ausgetreten ist, nachdem er viel Kohle verdient hat und sich nun nebenzu als Söldner noch was verdient?
Ich fang mal damit an:
Heut ist ein buch von Amazon eingetroffen:
Byzantine Armies 886-1118
Scheint auf den ersten Blick nen recht guten eindruck zu machen.
ich schuster mir nix kompliziertes zusammen. keine larp geschichte oder so.
nur möchte ich einen freien mann darstellen, der nicht mehr unter dem kaiser dient.
also hab ich mir das so ausgedacht, dass ich die garde verlassen habe.
find ich jetz nicht so schlimm.
viele andere erstellen sich ganze lebensläufe mit ihrer darstellung. das will und werde ich nicht tun. ich will einfach nur keinen “dienenden” gardiste darstellen ;)
warum kleisterst du dir irgendeine wildromantische Geschichte zusammen?
Wenn du einen Waräger darstellen willst, dann tu das und gut is’. Nach einer Geschichte wird dich eh niemand Fragen. Und einen Waräger in Deutschland darzustellen ist fast genauso passend/unpassend wie einen Wikinger in Bayern.
Naja, ich hab in der Garde gedient, hab also die komplette ausrüstung (schienen, axt, schwert, usw.) (was noch alles, will ich ja noch genau ermitteln) und ziehe dann als söldner durch die Lande, da ich die freiheit dem höherem sold in der garde vorziehe.
Ein austreten aus der Garde ist meines wissens nach dem Tod des Kaisers möglich gewesen.
wenn das sehr unvorstellbar ist, dann bitte bescheid geben ;)
Danke für die literaturangaben. hab mir auch noch 2 bücher bestellt jetzt. wenn ich die durch hab, werd ich mal versuchen die von dir über fernleihe zu bekommen.