Der Unterschied zwischen Steinzeug, Faststeinzeug und Kochkeramik liegt in der Sinterung. Steinzeug ist “dichtgesintert”, das heißt, beim Brennen war die Temperatur so hoch, daß die Tonkörnchen angeschmolzen sind und die bereits weichen Bestandteile die kleinen Zwischenräume zwischen den Körnchen nun ausfüllen. Danach sind diese Zwischenräume weg und für etwas ungleichmäßige Ausdehnungen beim Erhitzen ist kein Platz mehr, so daß große Spannungen entstehen, und das Geschirr beim Kochen im Feuer leicht platzt. Dafür ist es prima Schankgeschirr, weil dicht und kann sogar in einer Spülmaschine gereinigt werden. Bei Faststeinzeug ist die Temperatur nicht so hoch, aber die Sinterung hat bereits begonnen, so daß auch hier große Spannungen entstehen und nicht gut ausgeglichen werden können.
Irdenware (die kann schon klingend hart gebrannt sein, darf halt nur nicht in den Sinterbereich kommen) kann die Spannungen leichter ausgleichen, weil die Körnchen sich in die noch vorhandenen Zwischenräume ausdehnen können. Und ja, man kann solche Gefäße direkt ins Feuer stellen und sofort loskochen. Sie sollten nur möglichst hoch (so 3/4) gefüllt sein.
Ich habe da nochmal eine Frage. Und zwar bin ich auf der Suche nach einem Keramiktopf der nicht so hitzempfindlich ist. Die Grapen die wir bislang haben (Faststeinzeug) muss man vor der Verwendung immer, wie ich finde recht aufwändig, langsam mit Wasser drinne vorwärmen und ständig drehen, bis man sie endlich ins Feuer stellen kann. Jetzt hat man ja früher eben statt das Faststeinzeug zu nehmen, die Kochkeramik noch aus wasserdurchlässiger Irdenware hergestellt, soweit ich das gelesen habe. Ich denke, eben weil die unempfindlicher ist. Hat da jemand Erfahrungen mit weich gebrannter Kochkeramik?
Kann man die sozusagen als Schnellkochtopf ;-) ab in die Glut stellen, ohne vorher großartig vorzuwärmen?
Nicht alle Tone sind dazu geeignet, Steinzeug und Faststeinzeug herzustellen. Deshalb wurden diese Warenarten auch nur in ganz bestimmten Töpfereizentren hergestellt, die in unmittelbarer Nähe zu den geeigneten Tonlagerstätten lagen. Ob der Ton für die “normale” Irdenware über größere Distanzen transportiert wurde weiß ich jetzt nicht, kann es mir aber nicht gut vorstellen, außer im Falle von Töpfereien, die in größeren Städten angesiedelt waren und dadurch Zugriff auf ein größeres wirtschaftliches Netzwerk hatten. Ansonsten war es meines Wissens eher die Regel, die Töpfereibetriebe in der Nähe der Rohstoffvorkommen anzusiedeln.
Luitgard Löw: Keramik des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit aus dem westlichen Oberfranken, Diss, Fakultät Geschichts- und Geowissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2001
Annarita Martini: Die mittelalterliche Keramik aus Ingelheim am Rhein, Diss, Fakultät Geschichts- und Geowissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2002
…oder Protosteinzeug wird bei etwas niedrigen Temperaturen (1150-1200°C) gebrannt. Das Material ist Ton. Ob das ganze in einem Brennvorgang erreicht werden kann, ist mir leider nicht bekannt.
Der verwendete Ton muss nicht lokal unterschiedlich sein, und kann in einem größeren Gebiet aus einer Bezugsquelle stammen- da für gibt es verschiedene Beispiele.
Aber die resultierende Keramik ist vorrangig ein lokales Produkt, ausser eben bei Exportware, aber auch von der gibt es wiederrum Kopien, die man auf den ersten Blick nicht als solche erkennt- und in Pubklikationen auch schonmal dann als Exportware bezeichnet werden.
Grauware ist eine Teilmenge von Irdenware. Andere Irdenware ist z.B. Pingsdorfer Ware.
Der Unterschied zwischen Irdenware und Steinzeug besteht tatsächlich in der Brenntemperatur und den Brennschritten. Irdenware wird einmal gebrannt, Steinzeug zweimal. Einmal bei ca. 1000°C der Rohbrand und bei ca 1200°C der Glasurbrand. Dadurch wird Steinzeug wasserundurchlässig.
Bitte beachte, dass Steinzeug in Europa erst ab ca. 1300 verfügbar ist.
Ich hätte da nochmal ne allgemeine Frage zu dem Unterschied zwischen Steinzeug und Grauware (Sufu hat auf den ersten Blick nichts ausgespuckt). Der Hauptunterschied zwischen den beiden Arten ist die Brenntemperatur, wenn ich das richtig verstanden habe. Ist denn auch der Ton ein Unterschiedlicher? Okay, der verwendete Ton war natürlich immer unterschiedlich nehm ich mal an, weil der wohl kaum von A nach B transportiert wurde, sondern der lokal verfügbare benutzt wurde. Aber braucht es denn um die verschiedenen Sorten wie Steinzeug oder Grauware zu brennen auch eine andere Tonzusammensetzung oder kommt es da nur auf die Brenntemperatur an?
Und noch ne Frage, ist Grauware und Irdenware das selbe, oder gibts da auch wieder Unterschiede?
Früher arbeitete die Werkstatt des Töpfereimuseums Langerwehe www.toepfereimuseum.de auch nach Vorlage. Ich habe jetzt aber längere Zeit mit denen nichts mehr zu tun gehabt, deshalb die Vergangenheitsform. Der Vorteil ist, dass Langerwehe von Köln aus um die Ecke ist was den Transport etwas sicherer macht ;)Und sie machen natürlich auch Irdenware und nicht nur Siegburger Zeug. Die können Dir aber sicher auch bei lokaler Recherche weiterhelfen.
Wenn Du Vorlagen Fundumzeichnung, Angaben über Maße, Magerung, Farben etc.) hast geh einfach zu einer Töpferin, die Erfahrung mit der Anfertigung von historischen Replikaten nach solchen hat, z.B. www.die-hafnerin.de
Du wirst allerdings eher weniger perfekt für deine Zeit und Region passende Ware fertig gekommen,wobei Ilja Frenzel meines Wissens nach vieles aus der Region macht: www.mittelalterkeramik.de
Keramik steht im Kölner Stadtmuseum ja Tonnen. Kataloge hat es da auch, z.B.
Ich würde auch gerne weg vom Eisenkessel, hin zu Tontöpfen. Allerdings hab ich bislang noch keine Bezugsquelle gefunden, die Kugeltöpfe herstellt, die eben kein Steinzeug sind. Wobei es ja vermutlich nicht nur auf die Richtige Brenntemperatur ankommt bei Grauware, sondern auch auf den richtigen Ton, oder?
Darstellungstechnisch suche ich Keramik fürs späte 13. Jhd im Kölner Raum. Weiß jemand wo man sowas beziehen kann?
ich wollte nur meinen Beitrag nicht noch mehr aufplustern.
Ergänzend ist noch zu sagen, dass Sumpfschachtelhalmstiele einen höheren Kieselsäureanteil hat als Ackerschachtelhalm und sich daher gut zur Holzbearbeitung eignet. Daher ist er bei Spielern von Rohrblattinstrumenten recht gefragt, weil man damit die Blättchen zurichten, d.h. “leichter” machen kann. Schachtelhalm ist allerdings seit einigen Jahren kaum mehr in Musikgeschäften zu finden. Ich könnte mir denken, das er wegen des Verdachts auch für den Menschen giftig zu sein nicht mehr angeboten wird.
Ackerschachtelhalm hat weniger Kieselsäure. Die getrockneten Stiele sind weniger hart und robust als beim Sumpfschachtelhalm. Die in der Apotheke zu bekommenden Tees sind meist schon gerebelt und daher nicht mehr für alle Polier- und Putzanwendungen geignet. Zum Topfputzen könnte es noch reichen, habe ich aber bisher noch nicht getestet. Nur Ackerschachtelhalm wird zu medizinischen ZWecken eingesetzt, Sumpfschachtelhalm scheint dafür nicht geeignet zu sein.
Sowohl der Ackerschachtelhalm als auch der Sumpfschachtelhalm enthalten das Gift Palustrin (“Equisetin”), aber nur in geringer Konzentration - für Pferde kann das Füttern von beiden Arten im Heu über Wochen zur “Taumelkrankheit” führen (kann tödlich enden). Aber der Sumpfschachtelhalm enthält mehr von diesem Gift. Darüber hinaus schädigt er durch ein spezielles Enzym welches zu einem Vitamin-B1-Mangel führt.
Für den Menschen ist bisher keine Giftigkeit nachgewiesen (obwohl auch Nikotin enthalten ist). Trotzdem sollte auf die Verwendung von Sumpfschachtelhalm besser verzichtet werden. Der Ackerschachtelhalm wird sogar als Tee-Aufguss (bei Blasen- und Nierenleiden) und äußerlich als Umschlag bei Verletzungen verwendet.
Wie ich bereits schon vermutet habe, wurde in den Seifenkrautversuchen nur getestet, ob es für Stoffe und Körperpflege geeignet ist. Also: Mutige vor und Erfahrungsbericht abgelegt, ob es auch bei Keramik funktioniert!
Zu den Versuchen mit Seifenkraut siehe:
Thijsse, Saskia M.S.C.: Waschen mit Seifenkraut. Experimentelle Archäologie, Bilanz 1998. Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 24 (1999). S.109-113.
Ich reinige die Keramiktöpfe auf die selbe Art und Weise (statt Grasbüscheln verwende ich halt einen Lappen). Es gäbe noch die Möglichkeit mit einem Ringpanzerflecken zu scheuern. Eventuell leistet auch Ackerschachtelhalm/Zinnkraut (Vorsicht, der verwandte Sumpfschachtelhalm ist giftig) beim Schrubben gute Dienste, der wurde jedenfalls, wie der Name sagt, noch bis ins 20. Jh. zum reinigen und polieren von Zinn verwendet. Habe ich aber bisher noch nicht bei Keramik ausprobiert. Historische Reinigungsmittel dürften nur recht schwer eindeutig belegbar sein, da man sich wie in vielen Bereichen des täglichen Lebens nicht dafür interessierte, es der Nachwelt zu überliefern. In den Bänden “experimentelle Archäologie in Deutschland” und “experimetelle Archäologie in Europa” wurde mal ein Versuch mit Seifenkraut beschrieben. Soweit ich mich erinnere wurde es im Versuch für Wäsche und Körperpflege verwendet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eventuell auch für Keramik zu gebrauchen ist.
Bei Verkrustungen, die sich bisher bei mir sehr in Grenzen gehalten haben, weiche ich die Töpfe über Nacht ein und schrubbe erst am nächsten Tag.
Vor einem neuen Einsatz wässere ich die Töpfe und koche sie dann mit Wasser aus.
Auf Spülmittel würde ich bei Gusseisen und Keramik verzichten, da sich das in die Poren setzen kann und man es dann mit ißt. Ich jedenfalls lege keinen gesteigerten Wert darauf Spülmittel mitzuessen.
Das Wichtigste ist eine trockene Lagerung. Die Deckel sollte man abnehmen und separat lagern oder so auf den Topf legen, dass er gut auslüften kann. Weil ich einen Deckel wieder aufgelegt hatte, hat bei uns mal ein Topf das Schimmeln angefangen. Wir konnten es aber noch im Anfangsstadium unterbinden und haben ihn mehrfach mit Essig gereinigt und mehrfach ausgekocht. Bisher hat er nicht mehr geschimmlt und uns geht es, obwohl wir den Topf noch öfter benutzen, immer noch gut. Wer sich an einige meiner Beiträge erinnert, weiß, dass ich bei Schimmel und Schwermetallen immer sehr vorsichtig bin. Wäre der Topf stärker befallen gewesen hätte ich ihn entsorgt.
Sollte meine Frage im falschen Thread gelandet sein, bitte ich auf einen Verweis wo ich meine Frage schon beantwortet wurde.
Wie putzt ihr die unglasierten Tontöpfe nach dem Essen? Ich habe sie von innen mit einer harten Topfbürste, viel heiß Wasser und in hartnäckigen Fällen mit etwas Vogelsand geschrubbt. Außen habe ich die Töpfe mit Grasbüscheln abgerieben, damit sie nicht so stark abrußen. Hat jemand eine bessere Methode, oder weiß vielleicht sogar, wie im Mittelalter tönerne Kochtöpfe saubergemacht wurden?