Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Augustiner-Eremit, Ende 13. Jahrhundert

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Eintrag #21 vom 17. Jul. 2009 11:06 Uhr Carsten Barwasser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Carsten Barwasser eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Unterschiede der Orden

Vielleicht muss man an dieser Stelle noch einmal kurz betonen, dass Augustiner-Eremiten zu den Bettelorden zählen und damit eben keine Mönche im benediktinischen Sinne sind. Oder anders gesagt: Die Benediktsregel gilt nicht für die Mendikantenorden, sprich Dominikaner, Franziskaner, Augustinereremiten usw. Für Augustinereremiten (OESA) und Dominikaner (OP) gilt stattdessen die Augustinusregel, die jedoch recht allgemein ist und durch entsprechende Konstitutionen ergänzt wird, in denen das konkrete Leben geregelt wird. Soweit ich weiß, hat sich der OESA an den Konstitutionen des OP orientiert, was sich etwa in der ähnlichen Struktur der Orden niederschlägt: Konvete werden von gewählten Prioren geleitet, mehrere Konvente bilden eine Provinz mit dem Prior Provinzialis und der Gesamtorden untersteht dem ebenfalls auf einem Generalkapitel gewählten Magister Ordinis. Später kommen noch andere Unterscheidungen in dazu, vor allem im Zusammenhang der Observanzbewegungen des 14. und 15. Jahrhunderts. Luther ist ja bekanntlich in eine Observanzkongregation des OESA eingetreten. Um auf den Habit im OESA zurückzukommen, so hat man wohl innerhalb des Klosters einen weißen Habit getragen, mit Skapulier, über den dann die weite, schwarze Kukulle kam, wenn man das Kloster verlassen hat. Dieses schwarze Obergewand, das ich in Ermangelung eines besseren Begriffes als Kukulle bezeichnet habe, wurde mit dem Ledergürtel “gegürtet”, der zum Kennzeichen des OESA geworden ist. So jedenfalls auf allen Darstellungen gut erkennbar. Es gibt eine Figur im Landesmuseum in Münster, die angeblich einen Dominikaner darstellt. Spätes 15. Jh, Niederrhein. Aber da man sehr deutlich die schwarzen Ärmel sieht, die gegen eine dominikanische Cappa - die vorne offen und ohne Ärmel ist - sprechen, würde ich die Figur als Augustinereremiten identifizieren, bei dem man dann unter dem gerafften Obergewand den weißen Habit erkennen kann. Eine Darstellung befindet sich im Katalog zur Ausstellung “Monastisches Westfalen” auf der Seite 274.
Grüße aus Düsseldorf, Carsten (P. Dr. Carsten Barwasser OP)

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Eintrag #20 vom 17. Jul. 2009 09:59 Uhr Helmut F. Frank  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Helmut F. Frank eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kleidung der Mönche nach der Regula

Kapitel 55: Kleidung und Schuhe der Brüder
Die Kleidung, welche die Brüder erhalten, soll der Lage und dem Klima ihres Wohnortes entsprechen; denn in kalten Gegenden braucht man mehr, in warmen weniger. Darauf zu achten ist Aufgabe des Abtes.
Unserer Meinung nach genügen in Gegenden mit gemäßigtem Klima für jeden Mönch Kukulle und Tunika, die Kukulle im Winter wollig, im Sommer leicht oder abgetragen, für die Arbeit ein Überwurf und als Fußbekleidung Socken und Schuhe.
Über Farbe oder groben Stoff dieser Kleidungsstücke sollen sich die Mönche nicht beschweren; man nehme alles so, wie es sich in der Gegend, wo sie wohnen, findet, oder was man billiger kaufen kann.
Der Abt sorge aber für das rechte Maß, dass die Kleider nicht zu kurz sind, sondern denen, die sie tragen, passen.
Bekommen sie etwas Neues, geben sie das Alte immer gleich ab; es wird in der Kleiderkammer für die Armen aufbewahrt.
Für einen Mönch genügen zwei Tuniken und zwei Kukullen; so kann er zur Nacht und zum Waschen die Kleider wechseln.
Was darüber hinausgeht, ist überflüssig und muss entfernt werden.
Ebenso gibt man die Socken und alles Abgetragene ab, wenn man Neues bekommt.
Wer auf Reisen geschickt wird, erhält Hosen aus der Kleiderkammer; nach der Rückkehr gibt er sie gewaschen wieder ab.
Kukulle und Tunika, die er für die Reise aus der Kleiderkammer erhält und nach der Rückkehr zurückzugeben hat, seien ein wenig besser, als man sie für gewöhnlich trägt.
Als Bettzeug genügen Matte, Tuch, Decke und Kopfkissen.
Der Abt durchsuche häufig die Betten, ob sich dort nicht Eigenbesitz finde.
Wenn sich bei einem etwas findet, das er nicht vom Abt bekommen hat, treffe ihn strengste Strafe.
Um dieses Laster des Eigenbesitzes mit der Wurzel auszurotten, muss der Abt alles Notwendige geben:
Kukulle, Tunika, Socken, Schuhe, Gürtel, Messer, Griffel, Nadel, Tuch, Schreibtafel; so kann sich keiner damit entschuldigen, es habe ihm etwas Notwendiges gefehlt.
Der Abt erwäge aber immer jenen Satz der Apostelgeschichte: “Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.”
So berücksichtige der Abt die Schwäche der Bedürftigen, nicht die Missgunst der Neider.
Doch bei allen Entscheidungen denke er an die Vergeltung Gottes.

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Eintrag #19 vom 17. Jul. 2009 09:48 Uhr Helmut F. Frank  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Helmut F. Frank eine Nachricht zu schreiben.

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Gott zum Gruße Moritz,
ich habe mir vor einem Jahr ein Zisterzienser-Habit geschneidert. Dabei war mir das Schnittmusterbuch: “Kleidung des Mittelalters - selbst anfertigen. Grundausstattung für den Mann” sehr hilfreich. Dort findest Du die Schnitte, die Du brauchst. Allerdings nicht für einen Augustiner-Eremiten. Es hilft Dir dennoch.
Zur schwarzen Farbe:
der Winterhabit war aus schwarzer griechischer Naturwolle. Der Sommerhabit aus mit Trester (Abfall beim Keltern) gefärbtem Leinen. (In meinem Profil befindet sich ein Bild von mir.)
In der Regula Benedicti wird auch die “Anzahl” der Bekleidung eines Mönchs geregelt. Gehe mal davon aus, dass alle Orden sich daran orientiert haben.
www.benediktiner.de/regula/index.htm
Pax dominus sit semper vobiscum
Scriptor Friedrich

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Eintrag #18 vom 17. Jul. 2009 08:54 Uhr Carsten Barwasser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Carsten Barwasser eine Nachricht zu schreiben.

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Lieber Moritz, danke für die interessante Diskussion über Ordenshabite, die du mit deiner Anfrage angestoßen hast. Ich selbst habe mich für eine Veranstaltung an eine Darstellung eines Dominikaners um 1250 gewagt. Das Ergebnis kann auf http:www.gericheim.de angeschaut werden. Mit der Cappa bin ich allerdings noch nicht so wirklich zufrieden, da wir im Grunde lediglich einen Mantel an eine Gugel angenäht haben. Vom Aussehen entspricht das ungefähr einer der ältesten Darstellungen von Dominikus aus Bologna. Aber für das 13. Jh. ist der Schnitt sicherlich auch noch nicht allzu einheitlich. In jedem Fall war die Kapuze sowohl am Skapulier als auch an der Cappa befestigt, und zwar, wie man an der erhaltenen Cappa von Savonarola in Florenz sehen kann, bis ins 15. Jh. Bei den Augustiner-Eremiten scheint mir, nach allem was ich gesehen habe, dass sie einen weißen Habit, der dem Dominkanerhabit sehr ähnlich war, mit Skapulier und Kapuze, unter der schwarzen Kukulle getragen haben, wobei die weiße Kapuze in die schwarze Kapuze eingelegt wurde, so dass es wie eine gefütterte Kapuze aussieht - ist aber keine. Es gibt eine Darstellung des Hl. Nikolaus von Tolentino, auf der man das ganz gut erkennen kann. Grüße aus Düsseldorf, Carsten (P. Dr. Carsten Barwasser OP)

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Eintrag #17 vom 16. Jul. 2009 20:51 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

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Als Kleidung, die jedem Mönch zukommt, nennen die Regensburger Konstitutionen:
2 Skapuliere,
3 Tuniken,
1 weißes, kürzeres Gewand, das unter der Tunika getragen wird,
1 Kukulle in echtem schwarz, gefärbt oder ungefärbt,
1 Gürtel aus schwarzem Leder.
An anderer Stelle sprechen die Konstitutionen zudem von einer kleinen Kapuze (“carputio parvo”).
Die betreffende Stelle aus den Konstitutionen im Wortlaut:
Unicuique autem Fratri duo scapularia, tres tunicas, et vestem albam breviorem, quam semper sub alia tunica longa portabit quando erit sine cuculla, de albo colore habere licebit. Cucullas vero nigras tartum, tinctas vel non tinctas, dummodo non sint garzatae, nec sint de staminea, nec de sargia, nec de aliquo pretioso et nobili panno deferant. Et recipientes a Conventu novas, reddant veteras.
[…]
Super cucullas cingantur Fratres corrigiis, quae sint de corio nigro, quae non sint amplius duobus digitis latiores et ad minus digito et dimidio, in quibus nihil dependeat vel deferatur.
[…]
Cum cuculla quoque, vel scapulari vel caputio parvo quilibet dormiat; et extra cellam, nullus sine cuculla vel scapulari exeat.
Damit stellt sich die altbekannte Frage nach der Kukulle. Der Text spricht von ‘cuculla’ was im Allgemeinen mit “Mönchskutte” übersetzt wird, im Gegensatz zu ‘cucullus’, das mit Kapuze wiedergegeben wird. Meint also die Kukulle, die unbedingt schwarz sein muss, das ganze Gewand oder einen gugelartigen Kapuzenkragen?
Für das Gewand spricht: Die verwendete Vokabel und die Tatsache, dass der Mönch nach den Konstitutionen die Cuculla mit einem schwarzen Ledergürtel binden soll. Diese Anordnung macht keinen Sinn, wenn von einem Kapuzenkragen die Rede wäre.
Für den Kapuzenkragen spricht: Die Zuordnung von drei Tuniken pro Mönch, die eigentlich nicht die “Unterwäsche” sein können, da diese als weißes Gewand beschrieben wird. Oder trugen die Augustiner drei Lagen? Weißen Kittel, darüber Tunika, darüber schwarzes Gewand?
Außerdem zeigen zeitgenössiche Darstellungen durchweg einen getrennten Kapuzenkragen (s.o.).
Wer weiß Rat?

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Eintrag #16 vom 16. Jul. 2009 20:10 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

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Das Offensichtlichste hatte ich ganz vergessen! Die Regensburger Konstitutionen können auf der folgenden Seite heruntergeladen werden:
www.documentacatholicaomnia.eu/[…]/z_1290-1290__Ab[…]
Es lohnt sich auch ein Blick auf die übersicht der Internetseite, die viele interessante Dokumente bereithält.
Gruß,
Moritz

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Eintrag #15 vom 16. Jul. 2009 20:03 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

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Die Konstitutionen mahnen zur Schlichtheit der Kleidung, und untersagen aus finanziellen Gründen die Verwendung von Leinen. Allein Wollstoffe sind für die Kleidung der Brüder zugelassen:
„Fratres, exceptis sarabolis,
iuxta carnem vestimentis lineis non utantur sed laneis tantum, quae tanto magis honestati nostrae
congruunt quanto magis fuerint viliores.“
Wertvollere
Stoffe entsprächen nicht der Ehrwürdigkeit der Armut und dem täglichen
Angewiesensein auf Almosen: „…et honestati nostrae paupertatis et quotidianae
exigentiae eleemosynarum non respondet“.
Gruß,
Moritz

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Eintrag #14 vom 16. Jul. 2009 19:58 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Sebastian,
eine deutsche Edition der Constitutiones Ratisbonensis habe ich bisher vergeblich gesucht und bin auch der Meinung, dass es eine solche (noch) nicht gibt.
Falls es dich tröstet und Du des Spanischen mächtig bist, lohnt sich ein Blick in:
Ignacio Aramburo Cendoya OSA: Las primitivas Constituciones de los Agustinos (Ratisbonenses del ano 1290). Introducion, Texto y Adapcion romanceada para las religiosas. Valladolid 1966.
Für alle Interessierten an den Augustiner-Eremiten in Deutschland empfehle ich die (auszugsweise) Lektüre der Dissertation von Martin Weindl mit dem Titel “Ein ‘Stadtorden’ auf dem Land. Der Augustiner-Eremiten-Konvent Seemannshausen im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit”, die man hier: www.opus-bayern.de/uni-regensburg/frontdoor.php?[…] herunterladen kann. Die Arbeit von 2007 enthält viele Erkenntnisse der Mendikantenforschung und ist über das Kloster Seemannshausen hinaus von Bedeutung.
Viele Grüße,
Moritz

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Eintrag #13 vom 16. Jul. 2009 18:58 Uhr Sebastian (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Sebastian eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kapuze

Hallo Moritz,
Schön, dass sich jemand “vom Fach” für klerikale Darstellung interessiert. Viel Erfolg. - Und ein paar Anmerkungen.
Für die Dominikaner will ich (ohne bisher einen darzustellen) mal behaupten, dass eine von der Cappa getrennte Kapuze im Gugelstil frühestens nach 1300 aufkam. Schlüssige Beweise muss ich vorerst schuldig bleiben, aber die (umwerfend genauen) Figuren am Grab Dominikus in Bologna, das auf der Seite des Heiligenlexikons gezeigte Fresko des Gründers, die zwei Bilder auf Gericheim.de zum Dominikaner und ein Blick ins Realonline vom IMAREAL scheinen dieses Gefühl zu bestätigen. Vorsicht persönliche Meinung: Ein Skapulier ohne angesetzte Kapuze entspricht nicht den Schlichtheitsforderungen der Armutsbewegung. Weiß da jemand mehr?
Aber mit den Regensburger Konstitutionen hast Du doch für deinen Orden und deine Zeit eine traumhafte Quelle. Steht da keine Aufzählung von erlaubten Kleidungsstücken drin? Da müsste doch eine seperate Gugel aufgeführt sein? und wenn nicht, dann kann für deine Zeit die Kapuze problemlos ans Skapulier.
P.S.: Nett wäre es für interessierte, aber gerade etwas recherchefaule Mitmenschen wie mich mal Anzugeben, wo die 1290er Konstitutionen ediert sind. Wenn die A-Es auch Konversen/Laienbrüder hatten wäre das fast eine Alternative zu meinen Prämonstratenserplänen.
Viele Grüße
Sebastian

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Eintrag #12 vom 16. Jul. 2009 16:38 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Re: Franziskaner und die anderen Orden

Hallo Dirk,
danke für deinen Beitrag. Ich freue mich, einen weiteren (den ersten?) Darsteller eines Medikanten hier kennenzulernen. Ich wusste garnicht, dass die Franziskaner ihre Spenden in den Ärmeln sammelten. Das hat es dann also mit der im Gewand des Heiligen Franziskus erwähnten “Tasche im Ärmel” auf sich. Was es nicht alles gibt/gab…
Natürlich werde ich das Habit länger als die Handwerkerkutte anfertigen. Die Quellen sagen einstimmig: knöchellang. So soll es dann auch sein. Momentan freunde ich mich mit ungefärbter dunkler Schafswolle an…
Viele Grüße,
Moritz

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Eintrag #11 vom 16. Jul. 2009 15:32 Uhr Dirk (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dirk eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Franziskaner und die Anderen Orden

Hallo Moritz,
wie du schon dselbst festgestellt hast ist das franziskanerhabit nicht als ausgangspunkt tauglich, es ist etwas ähnliches wie alle orden tragen aber ganz anders, es ist überweit und überlang und dadurch faltenreich, so spart man sich aber die decke des nachts und 2. in den auch extrem weiten armen wurden die spenden gesammelt. Ebenso sind Strick und Sandalen der franziskanischen Ordensfamilie vorbehalten.
Auch sind auf abbildungen erst ab der 2. hälfte des 14. jhdt für franziskaner getrennte Gugeln zu beobachten, auch die bullierte Regel spricht von 1 habit mit kaputze und einem ohne.
Nun Aber zu deiner darstellung
Als Stoff würde ich die ebenfalls ungefärbt empfehlen, entweder dunkelbraun (wie es die Templer als “schwarz” benutzen) www.naturtuche.de oder schwarz im sinne von schwarz dafür könntest du bei www.villicus.de anfragen.
Du solltest allerdings die Tunika Länger wählen als die Handwerkerversion (also mindestens knöchellang)
und komm doch auch mal im chat vorbei zum austausch
mfg
Dirk aka Br.Dietrich OFM

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Eintrag #10 vom 16. Jul. 2009 13:50 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht stimmt...

Du hast Recht! Ich habe gerade noch einmal nachgeschaut und bereits die Darstellung von Augustinus Novellus aus dem frühen 14. Jhd. zeigt eine gefütterte Kapuze.
Vielen Dank für den Hinweis,
Moritz

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Eintrag #9 vom 16. Jul. 2009 13:48 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gugel

Für Gugelschnitte guck dir am besten die Funde aus London und Herjolfness von unten verlinkter Seite an, die sind i.A. recht simpel.
Die Fütterung kann man ja weglassen, ich bezweifel aber, dass die mit einer Änderung der Regeln im Zusammenhang steht.

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Eintrag #8 vom 16. Jul. 2009 13:45 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

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Danke, Jens.
Ich habe auf den Internetseiten der “Familia Ministerialis” die Anleitung zu einer einfachen Gugel gefunden. Die Gugel sieht auf dem Foto, das das fertige Kleidungsstück an einem Handwerker zeigt, der Darstellung auf Gemälden von Augustinern erstaunlich ähnlich, was Größe und Form des Kragens angeht. Zudem ist diese Form der Gugel recht “simpel” in der Herstellung, wie mir scheint. Vermutlich werde ich für die “Erstausgabe” meines Habits diesen Schnitt verwenden: www.familia-ministerialis.de/oberkleider.html
Die Fütterung der Kapuze ist mir auch schon aufgefallen, allerdings taucht sie erst in den Abbildungen aus dem 15. Jahrhundert auf (soweit mir bekannt ist), so dass ich angenommen habe, dass sie vielleicht späteren Ursprungs ist und bereits eine “Verweichlichung” der ursprünglichen Kleiderregel darstellt. Wer weiß Genaueres?
Für die Geren der Tunika hatte ich an seitlich eingesetzte, nicht zu schmale Keile (zwei pro Seite) gedacht, die einen ordentlichen aber nicht zu üppigen Faltenwurf ermöglichen sollten.
Gruß,
Moritz

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Eintrag #7 vom 16. Jul. 2009 13:06 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Einfachheit der Färbung

Hallo,
Ich muss leider nochmal den letzten Satz meines Betrages betonen, da der vermutlich überlesen wurde: mtinichten ist es einfacher, mit schwarz zu malen, als zu färben. Im allgemeinen ähneln sich Herstellung von Farben für das Malen und das Färben von Wolltuche recht stark, was man sehr gut an den teilweise bereits erwähnten Handschriften ablesen kann, die diese durchaus durcheinanderwerfen, und für beides ähnliche Rezepte angeben (siehe gerade das “Schwarz” mit Walnuss).
Was die Kapuze angeht, habe ich gerade schlicht eine Gugel vor Augen, wenn ich die Beschreibung lese: auch bei den Bildern sehe ich keinen Unterschied. Erwähnenswertes Detail: auf dem einen Bild erscheint sie gefüttert. Vermutlich mit dünnerer, naturfarbener Wolle (durchaus sinnvoll).
Was den Faltenwurf angeht, würde ich keinen Vergleich zu einer “Handwerkercotta” ziehen (übrigens ist der Begriff “Cotta” auch nicht einheimisch, sondern italienisch, und heisst schlicht: “Kittel”), die meines Informationsstandes auch keine Rückschlüsse auf die Keile birgt.
Mit rein seitlichen Keilen, sofern nicht auch breit geschnitten, erreicht man einen Faltenwurf, wie man ihn bei klerikalen Alltagskleidun gsstücken auf Bildern oft sieht, meines Erachtens nicht. Ich wüsste nicht, was gegen zentrale Keile etc. spräche.
Da ist, finde ich, die richtige Stoffwahl, viel entscheidender.

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Eintrag #6 vom 16. Jul. 2009 12:46 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Vielen Dank!

Hallo Ulrich, hallo Jens!
Vielen Dank für diese beiden sehr lesenswerten Beiträge. Besonders der erneute Hinweis auf die vom heutigen Sprachgebrauch differenzierten Begrifflichkeiten in Bezug auf Farben hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet. Ebenso der Kommentar, dass schwarz leichter zu malen als zu färben war.
Ich denke, ich werde versuchen, einen Stoff aus naturgrauschwarzer Wolle aufzutreiben und die Tunika in der Form einer Handwerkercotta mit wenigen, seitlich eingesetzten Geren anfertigen.
Das Gewand des Hl. Franziskus ist sehr aufschlussreich, erscheint mir aber - in Abgleich mit den Darstellungen augustinischer Heiliger - ein wenig weit und faltenreich.
Was (vorerst) bleibt ist die Frage nach dem Kapuzenkragen. Für sein Aussehen ist es (wie ich gelernt habe von der Farbe einmal abgesehen) sicherlich legitim auf das Gemälde von 1328 zurückzugreifen. Es zeigt den Kapuzenkragen als eigenes Kleidungsstück, nicht unähnlich einer Gugel. Ähnlich präsentieren sich auch der Hl. Dominikus, der Hl. Thomas von Aquin und der Hl. Franziskus auf frühen Darstellungen. Wiederrum also die Bitte an alle Medikanten-Darsteller und sonstige Ordensfachleute: Wie löst ihr das Problem mit dem Kapuzenkragen?
Viele Grüße,
Moritz

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Eintrag #5 vom 16. Jul. 2009 12:28 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schwarz und schwarz

Zur Schwarzfärbung: Das Problem fängt beim Wort an. “Schwarz” bezeichnete im deutschen Sprachraum bis ins 15te Jahrhundert vielfaltige Farbschattierungen, mitnichten aber zwangsweise das, was wir heute als solches bezeichnen, äquivalent existierten heute viele geläufige Farbbegriffe nicht, z.B. “Lila” oder “Violett”, das war dann oft schlicht “braun”.
Nun gibt es zahlreiche Belege für schwarze Kleidung und Schwarzfärbung, sowohl Darstellungen in Handschriften, zu zahlreich, um es als Symbolik etc. abzutun, als auch in Texten. Einige davon, ich bin mir nicht sicher, ob es aus Nürnberg oder Köln war, beschreibt, dass fleckige Kleidung als Restverwertung schwarz gefärbt wurde, was eher letztes Mittel war, da diese Färbung den Stoff angriff.
Nun ist es so, dass man schwarz oder schwärzliche Wolle durch verschiedene Verfahren erlangen kann. Das eine wäre schlicht, Wolle dunkler Schafe zu benutzen. Das Ergebnis ist natürlich nicht pechschwarz. Das dürfte auch die günstigste Methode sein, und die, die ich für explizit als günstig und zudem mäßigende Kleidung erwarten täte, wie hier der Fall.
Dann z.B., und damit wären wir wieder beim Problem mit dem Wort, wie im Innsbrucker Färbebuch beschrieben:
“Nim grün nusschaln vnd stozz die vnder einander vnd lazze das siben tag vaulen in einem hevelein vnd da mit verb schwarcz varb.” Erklärend sollte man hinzufügen, es handelt sich hierbei um “Farbe”; das Ergebnis ist aber, entsprechend der Wollfärbung, braun. Trotzdem als “schwarcz” bezeichnet.
Aus dem Oberdeutschen Färbebüchlein, Gm.317, 15tes Jahrhundert, erfahren wir von der oben beschriebenen, den Stoff auf Dauer angreifenden Färgbung mittels Erlenrinde (Schwarzerle, daher der Name).
Übrigens war schwarz in dem Zeitrahmen bereits als Alltagsfarbe der Kleidung beliebt, wahrscheinlich allerdings eher in einer Färbung mittels multipler Waidfärbungen, was entsprechend haltbarer, aber teuerer war.
Als Fazit kann man zunächst einmal nur bemerken, dass derartige Texte, wie “Ordensregeln” immer mit Vorsicht genossen werden müssen, gerade was Begrifflichkeiten angeht.
Was nun die Praxis angeht, drängt sich eine Umsetzung mittels naturgrauschwarzer Wolle auf. Diese ist im Gegensatz zu weisser bzw. heller doer gebleichter nicht färbewürdig gewesen, und daher günstig.
Was nun Schnitte angeht, ist das wesentliche bereits gesagt; alleine helfen uns die Quellen hier durchaus, sogar durch erhaltene Kleidungsstücke, auch einen dem liturgischen Alltag zugeschriebenen: www.personal.utulsa.edu/~marc-carlson/[…]/bockhome[…] , genauer: www.personal.utulsa.edu/~marc-carlson/cloth/francis.htm
Die Sache mit den Keilen wiederrum ist eine ähnliche Geschichte, zu leicht schert man hier über einen Kamm. Weder bedeutet die Nutzung vieler Keile, dass das betreffende Kleidungsstück automatisch teuer ist, das lehrt uns der Herjolfnessfundkomplex doch deutlich. Auch nicht, dass Keile eine reine Sache der stoffsparenden Nutzung und daher auf ärmere Schichten beschränkt ist, während die hohen Herrschaften aus dem Vollen schöpften: es gibt erhaltene Beschreibungen aus dem 14ten Jahrhundert von adeliger Kleidung, die aus zweistelligen Keilanzahlen zusammengesetzt war.
Darstellerisch würde ich die Nutzung eines entsprechenden, einfach gewebten, nicht oder wenig vergüteten Tuchs in entsprechender Manier bei stoffsparender Nutzung und figürlichen Darstellungen entsprechenden Faltenwurf anpeilen.
Nachtrag an Ulli: Nur um mal zu klären, wieviel schwarz _möglich_ war: es geht pechschwarz. Ich bediene mich des Bildes eines Freundes: www.foracheim.de/cms_bild.php?name=a41_image186.jpg
Ich färb nächste Woche wenns klappt, danach kann ich ja auch gern mal ein Bild vom Ergebnis anhängen, wenn’s was wird.

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Eintrag #4 vom 16. Jul. 2009 12:20 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schwarz

Hallo Moritz,
es war im Mittelalter einfacher, Bilder schwarz zu malen als Stoffe schwarz zu färben … :-)
Zeitgenössische Abbildungen zeigen häufig ein Idealbild.
Selbst die Wolle schwarzer Schafe ist - versponnen und verwebt - nicht ganz schwarz.
Eine Idee wäre, einen naturdunklen Wollstoff kräftig mit Walnussschale und/oder Eisenoxid nachzufärben. Dann kannst Du nachvollziehen, wieviel schwarz mit diesen Mitteln geht. Es gibt auch schon ganz erfahrene Färber hier, die entsprechende Aufträge vielleicht annehmen würden, z.B. David Seidlitz (findest Du unter Benutzer).
Ich hielte es für leichtfertig, allein unter Bezugnahme auf zeitgenössische Abbildungen einen deckend schwarzen Habit für eine hochmittelalterliche Darstellung zu verwenden.
Grüße aus dem Havelland

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Eintrag #3 vom 16. Jul. 2009 12:08 Uhr Moritz Grau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Moritz Grau eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Farbe des Habits etc.

Hallo Ulrich,
vielen Dank für Deine Hinweise zur Verfertigung des Habits. Sie bestätigen weitestgehend meine eigenen Überlegungen zu Material und Schnitt des Gewands.
Die Frage nach der Farbe ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Sicherlich galt für die Augustiner als Bettelorden ein ähnliches Gebot wie für einige andere Orden, ihr Gewand möglichst einfach und kostengünstig in Material und Schnitt zu wählen. Eine deckende Schwarzfärbung (wie beispielsweise im Habit der cluniazenser Benediktiner) war sicherlich zu kostspielig und (zumindest in der Anfangszeit des Ordens, bevor verschiedene Reformen nötig wurden um die ursprüngliche Strenge wiederzugewinnen) den Medikanten verpönt.
Doch sprechen verschiedene Quellen vom schwarzen Habit der Augustiner-Eremiten und einige zeitnahe Darstellungen zeigen sie auch wirklich in schwarz. So zum Beispiel das Portrait des Ordens-Seligen Augustinus Novellus, der genau in dem von mir angestrebten Zeitraum lebte. Das Gemälde ist zwar nicht zu Lebzeiten des Mönchs entstanden, doch aber zeitnah im Jahre 1328. Das Habit auf dem Gemäde ist durchaus schwarz, nicht grau: upload.wikimedia.org/wikipedia/[…]/Simone_Martini_[…]
Es ist dies bisher das Gemälde, das am nächsten an der von mir angestrebten Zeit entstanden ist. Spätere Werke (aus dem 15. Jahrhundert) zeigen ebenfalls durchweg schwarze Ordenskleidung, was natürlich von geringer Aussage für das Aussehen an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert ist. Trotzdem hier eine Darstellung um 1450:
www.aiwaz.net/panopticon/Augustinian-Monk/gi4554c237
Zuletzt eine Fotografie aus dem Augustinerkloster in Erfurt, die das Augustiner-Habit zeigt. Da ich das Kloster noch nicht selbst besucht habe und das Foto aus dem Internet stammt, kann ich leider nicht sagen, ob das gezeigte Gewand die Reproduktion eines Augustiner-Habits aus der Zeit Martin Luthers zeigt oder die moderne Variante des Habits. Beides ist für die Zeit um 1300 herum freilich unerheblich, doch der Vollständigkeithalber möchte ich auch dieses Foto nicht vorenthalten:
www.sacred-destinations.com/[…]/robe-c-photomaven.[…]
Was heißt das jetzt für die Anfertigung des Habits “meines” Mönches? Ich denke, dass ich mit einem möglichst schwarz gefärbten Wollstoff zumindest nicht in die ganz falsche Richtung gehe. Beschreibungen in der Literatur und das Gemälde von 1328 legen ein schwarzes Habit nahe. Vermutlich hat es sich dabei nicht um aufwendig mit Eisenoxid gefärbte Wolle gehandelt, sondern eher um die kostengünstigere Variante aus dunklem Wollstoff (von “schwarzen Schafen” *g*) der ggf. durch Mehrfachfärbung mit Wallnuss o.ä. zusätzlich “nachgedunkelt” wurde.
Natürlich lasse ich mich gerne eines Besseren belehren, wenn sich Quellen finden, die ein gänzlich ungefärbtes Habit nahelegen. Wie sah es eigentlich mit den “schwarzen” Habit-Bestandteilen bei Dominikanern aus? ungefärbte dunkle Wolle oder günstig gefärbter Stoff?
Im Hinblick auf die als “schwarz” beschriebenen Skapuliere der Zisterzienser gebe ich Dir vollkommen recht. Die Annahme, dass diese eher dunkelbraun oder grau waren (was die Wolle eben hergab) wird auch durch zeitgenössische Abbildungen (Moralia in Iob etc.) bestätigt. Für die Augustiner allerdings habe ich noch keine Bilder gefunden, die sie in Braun- oder Grautönen zeigen.
Vielen Dank auch für Deine Anregungen zum Anfertigen des Schnitts für die Tunika. Ich teile Deine Meinung, dass es ganz ohne Geren wohl nicht ging, eine zu reiche Stofffülle aber anstößig wäre. Für Deine Bestätigung dieser - bisher rein gefühlsmäßigen - Auffassung danke ich sehr.
Trotzdem möchte ich mich noch einmal an die Darstellung anderer Ordensmänner des Mittelalters (besonders Repräsentanten der Medikanten-Orden) wenden und um Hilfe bitten. Ich freue mich über jede Hilfestellung und konstruktive Kritik…
Viele Grüße, Moritz

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Eintrag #2 vom 16. Jul. 2009 11:17 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Hallo Moritz,

die Frage nach Schnittmustern wird in diesem Forum häufig gestellt und immer abschlägig beantwortet, weil es eben keine Schnittmuster gibt.
Ich beschäftige mich zwar nicht mit Augustinern sondern mit Zisterziensern und insbesondere ihren Konversen, aber einige Schnittmengen gibt es sicherlich.
Zunächst zur Farbe:
Augustiner sollten sich - wie Benediktiner und Zisterzienser auch - einfach und bescheiden kleiden. Schwarzfärbung war im HMA aber ein aufwändiges, teures Verfahren und richtig tiefschwarz wurde es wohl auch nicht (aber das können die Färber unter uns vielleicht näher erläutern). Jedenfalls dürfte ein in zeitgenössischen Quellen als schwarz bezeichnetes Habit eher (dunkel-)grau gewesen sein, wie zum Beispiel auch das als schwarz bezeichnete Skapulier der Ziesterzienser.
Dein Analogieschluss zur Wolle ist sicher zulässig :-), der Vergleich mit dem Zuschnitt einer langen Cotte sicher auch.
Was die Geren angeht, gilt hier auch das Gebot der einfachen Kleidung, was eine allzugroße Stofffülle verbietet. Andererseits zeigen zeitgenössische Abbildungen von Mönchen in Habit auch einen gewissen Faltenwurf. Außerdem muss der Mönch in seinem Habit arbeiten können, zu eng darf der Schnitt also auch nicht sein. Ich würde daher - wenn ich mir einen Mönchshabit schneidern wollte - einen mit einer einfachen Handwerker-Cotte vergleichbaren Zuschnitt wählen, also ein bis zwei Geren an jeder Seite.
Bei Zisterziensern ist eine Kapuze am Skapulier angenäht. Für den Zuschnitt einer zusätzlichen Kapuze als Schutzkleidung (ähnlich einer Gugel) habe ich selbst noch keine Lösung. Auf Abbildungen sieht das oft aus, wie ein breiter an den Schmalseiten zusammengenähter Schal, der über den Kopf gezogen werden kann. Auf anderen Abbildungen wiederum könnte man den Zuschnitt einer kurzzipfligen Gugel vermuten. Tipps und Hinweise dazu könnte ich auch brauchen …
Grüße aus der Zisterzienserhochburg Mark Brandenburg

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