Die Begriffe “Spielfeld” oder “Tor” gehen auf reale Felder und Tore zurück.
Ballspiele im MA wurden oft zwischen Dörfern und Gemeinden ausgetragen.
Man traf sich auf einem Feld in der Mitte zwischen den Siedlungen, und das Ziel war das Tor des gegnerischen Dorfes.
“Spielen” durften alle männlichen Bewohner, was natürlich ein großes Durcheinander ergab - und zimperlich durfte man auch nicht sein, denn es gab nur eine Regel: das es keine Regeln gab. So ging es meist sehr ruppig zu.
Eine nahezu vergleichbare Variante dieser Ballspiele wird noch heute in England und Schottland gefplegt, und eine bekannte Abart ist das Rugbe.
“Die hauen (streiten) sich wie die Kesselflicker…” Waren die so streitsüchtig?
“Tratschen wie ein Waschweib…” (Das ist ja offensichtlich :D )
“Jetzt geht es um die Wurst..”
Am Maibaum wurden damals (und teilweise noch heute) Würste aufgehängt, und das Jungvolk durfte dann an dem eingefetteten Maibaum Heraufklettern, um sich eine Wurst zu greifen.
Erst einmal: sehr interessante Beiträge, bitte mehr davon!
Ich bin in Essen aufgewachsen.
Wenn jemand einem Mut machen möchte in einer ausweglosen Situation, dann sagt man dort: “Noch sind wir nicht am krausen Bäumchen!” (Noch ist nicht alles verloren).
Erklärung:
Das “Krause Bäumchen” ist eine Stelle an der Ruhr, das auch als “Hexentaufe” bekannt ist. Wer also “am Krausen Bäumchen” ist, der hat sicherlich sein Ende sehr kurz vor sich.
Ach ja:
“Er hat was ausgefessen…”
Konnte jemand im MA seine Schulden nicht bezahlen, dann wurde ihm in einigen Fällen ein “Fesser” oder “Ausfresser” ins Haus geschickt (vom Gericht).
Dieser machte sich dann über die Speisekammer des Schuldners her. Entweder bezahlte er dann freiwilig seine Schulden, oder seine Speisekammer war leer. Ohne Geld konnte er dann natürlich keine Lebensmittel mehr kaufen, und so musste er sein restliches Hab und Gut verkaufen und die Stadt verlassen.
Ich hoffe auf noch mehr Redewendungen und Erklärungen …
“Weiss jemand, ob Harmlos von Harmless oder Armless, also einfach Frei von Waffen oder Dinge die verletzten können kommen?”
Laut Herkunftswörterbuch ist deutsch “harmlos” mit engl. “harmless” verwandt, hat aber mit lat. “arma” erstmal nichts zu tun. “Harm” für “Kränkung, Schädigung, Qual” kommt im althochdeutschen, im altsächsischen, altenglischen, altnordischen etc. vor. Es kommt also nicht das deutsche “harmlos” vom englischen “harmless”, sondern in beiden Sprachen hat sich der Begriff von Vorgängern jeweils in diesen Sprachen entwickelt, also parallel zueinander, nicht auseinander. Durch den Vergleich solcher Entwicklungen lassen sich Gesetzmäßigkeiten und Verwandschaften definieren. Die Frage nach der Herkunft bleibt aber im vorschriftlichen Dunkel. Man könnte hypothetisch ein germanisches Wort “*harma-” rekonstruieren oder im Vergleich mit außergermanischen Sprachen noch weiter zurückgehen und ein indoeuropäisches “*kormo” mit der Bedeutung “Schmerz, Schmach, Qual” erschließen. ßber einen Bezug zum Kormoran möchte ich nicht rätseln ;-), ob sich eine ursprachliche Verwandschaft zwischen “arma” = Waffe und der “harm”-Familie konstruieren läßt, naja….
Sorry für die Besserwisserei, aber die Herkunft von Wörtern ist ein komplexes Thema und läßt sich selten durch eine volksetymologische Vermutung klären, nur weil etwas ähnlich klingt.
Einer ist mir auf Anhieb eingefallen: “Alarm” kommt von deutschen Landsknechten (frühes 16tes) in Italien. Das ist eigentlich “Söldnerpitschin” für “Al armi presenti” also soviel wie “zu den Waffen” oder “Präsentiert die Waffen”.
also, woher “blau machen” kommt wissen wir doch aus der Sendung mit der Maus…!
zu “blau sein” habe ich gehört (quelle unbekannt), dass es daran liegen soll, dass blau in der Romantik die Farbe der verklärtheit war.
Zu “tschö” (vielleicht hat das auch mit “tschüss” zu tun?) kann ich nur an C.Schmidt (Prof. für Romanistik, Bonn) der mir erklärte es hätte sich im Rheinland (Napoleon und seine Homies lassen grüßen) aus “à dieu” (gespr:“adiö” ;-)) verschliffen.
ich suche nach Wörtern und Sätzen in altdeutscher oder mitteldeutscher Sprache.
Kann mir da vielleicht jemand weiter helfen? Also ich suche nach so alltagsbräuchlichen Sätzen wie “Wie gehts dir”, “Hallo”, “Tschüss” etc etc. Gibts unter euch jemand, der mir so kleine Sätze in die alte Sprache übersetzen kann? Danke!
Warum sagt man eigentlich “Gesundheit”, wenn einer geniest hat?
Eine - von sicherlich mehreren bekannten - Erklärungen:
Im Menschen nisten sich ständig böse Geister oder Mächte ein. Die sind dann zum Beispiel die Ursache dafür, dass Gottes eigentlich nicht böse Geschöpfe Böses tun oder auch mal unerklärlicherweise krank werden. Jedenfalls können sie Gutes von ihm fern halten. Im christlichen Glauben könnte man diese Mächte mit dem Teufel oder den von ihm gesandten Dämonen gleichsetzen.
Der Weg in den Körper ist die Mundöffnung. (deshalb soll man sich beim Gähnen auch die Hand vorhalten: Als Schutz, dass da nichts Böses reinkommt. Eine andere - profanere - Erklärung für’s Hand vorhalten sind die damals meist schlechten Zähne, welche die Menschen nicht zeigen wollten. Aber das Eine muss ja das Andere nicht ausschließen)
So entweicht auch beim Tod die Seele mit dem letzten Atemzug durch den Mund. Diese mittelalterliche Deutung kann man in einigen alten Bildern erkennen. Der Sterbende “haucht sein Leben aus”.
Beim Niesen werden jedenfalls diese bösen Geister kurzzeitig aus dem Körper katapultiert. Sie huschen zwar sehr schnell wieder zurück, aber in der kurzen Zeitspanne nach einem Nieser ist der Körper frei von bösen Geistern und damit entfällt die Barriere gegen gute Einflüsse und Wünsche.
In dieser kurzen Zeitspanne ist der Mensch also sehr empfänglich für gute Wünsche, Segen und ßhnliches. Daher wünscht man Gutes am besten sofort nach einem herzhaften Nieser. Dass hauptsächlich “Gesundheit” gewünscht wird, liegt natürlich nahe, es gehen aber auch andere gute Wünsche.
Die Bayern zum Beispiel wünschen eher auf eine allgemeinere Weise. Hier sagt man in manchen Gegenden “Prost!” bei einem Nieser. Das kommt - wie auch der gleichlautende Trinkspruch - vom lateinischen pro sit (was ja auch die “hochdeutsche” Version von “Prost” ist, und das bedeutet nichts anderes als “wohl bekomm’s” oder, wörtlicher übersetzt, “zum Vorteil sei es”.
Aus althochdeutschen Zeiten (FMA) ist auch der spezielle Wunsch nach Gesundheit nicht explizit überliefert. Ein gängiger Wunsch war damals unter anderem “heil wis!”, was die althochdeutsche sinngemäße Entsprechung von “pro sit” ist und soviel heißt wie “Ich wünsche dir Gutes”.
Zu den Ypsilonten (Ypsilons? Ypsiloi?) statt i in älteren Texten (und auf modernen Märkten):
mir wurde das von einem Prof für Englische literatur folgendermassen erklärt: Die gotische Quadrataschrift (eine der beliebtesten Buchschriften zwischen 1200 und 1400) bestand vornehmlich aus Kombinationen von Abwärtsstrichen. Das beeinträchtigte allerdings in vielen Fällen die Lesbarkeit, besonders in Tagen bevor der i-punkt allgemein verbreitet war. Wenn sich etwa das Wort
nimm
mehr oder weinger als als
11 1 111 111
darstellte (das ist jetzt natürlich brutal vergröbert, ich habe einfach keine passende Schrift). Dem kionnte Abhilfe geschaffen werden indem man das i durch ein y ersetzte. Wenn man nicht gerade griechische Lehnwörter benutzte, gab es im Lautwert keinen Unterschied.
Ich muss allerdings zugeben, als alleiniger grund überzeugt es (zumindest fürs Englische) nicht.
Bei der Wertung von Strafen und Schimpfwörtern muß man arg vorsichtig sein, daß man das damalige Umfeld nicht vergißt.
Im Mittelalter war für jeden sein Ruf unermeßlich wichtig.
In einer Zeit ohne Stiftung Warentest, Verbraucherschutz und selten(er) schriftlichen Verträgen war der gute Ruf bares Geld wert.
Schließlich basierten viele Geschäfte auf Vertrauen.
Wenn nun jemand sichtlich gezeichnet wurde, also jedem mit einem Blick klar ist, daß derjenige überführt und verurteilt wurde, ist dieser Ruf unrettbar zerstört.
Kann man auch auf heute übertragen…
Würdest du bei eBay einem Verkläufer etwas per Vorkasse abnehmen, wenn er eine negative Wertungsbilanz hat ?
Mit dem kleinen Unterschied halt, daß man bei eBay neue Accounts anlegen kann.
ich habe zum Eintrag 61 (ich weiss, ist schon etwas her *grins*) noch was zu sagen:
Schlitzohr: Möglich das man mit den Verbrechern so verfahren hat, aber ist das Ohr aufschlitzen nicht etwas milde für eine harte Strafe?
Ich hab noch eine andere Erklärung: Die balzenden Handwerkergesellen (allerdings bezieht sich das schon auf die Neuzeit) trugen das was sie an Geldwert hatten als goldenen Ohrring, bzw. Ohrhänger am Ohr, damit im Todesfall für den weit von zuhause entfernten und unbekannten Gesellen die Beerdigung gesichert war. Hatte er nun etwas angestellt, wurde ihm dieser Ohrring einfach abgerissen und hatte damit ein geschlitztes Ohr.
Als Schlitzohr bezeichnet man auch jemand, der nur etwas kleines angestellt hat oder auch hinterlistig oder sonstiges ist.
Ist aber nur eine Erklärung die ich gehört habe und habe auch keine Belege für diese Erklärung.
Gegen diese Etymologie spricht, daß das Oxford English Dictionary unter Turk die veraltete Bedeutung a human figure at which to practise shooting (dem heutigen Pappkamerad entsprechend) verzeichnet und hierfür Belege vorweist, die bis ins Jahr 1569 zurückreichen. Das läßt eher auf das Feindbild europäischer Armeen während der Zeit der Türkenkriege als Herkunft schließen.
Genau das hatte ich doch auch geschrieben, das Armbrustschuetzen sich zur Zeit der Tuerkenkriege einen Pappkameraden, also einen Tuerken gebaut haben, auf dem sie geuebt haben. Daher kommt auch noch der Ausdruck sichen einen Tuerken bauen, wie man das z. B. in der der Programmierung macht. Das Programm hat dann nur den anschein als ob es funktioniert und ist deshalb getuerkt. Hat also nur den anschein das es funktioniert.
Aber ich gebe Dir recht, es gibt sicher auch noch andere Deutungen fuer dieses wort.
türken - daraus das Partizip getürkt - und einen Türken bauen/stellen heißt fingieren, inszenieren, vorspielen, vortäuschen.
Ein Deutungsversuch basiert auf dem im Jahre 1769 vom österreichischen Erfinder Wolfgang von Kempelen (1734-1804) gebauten Schachautomaten, der aufgrund der Aufmachung seines vorgeblich mechanischen Spielers Der Türke genannt wurde. Tatsächlich verbarg der Automat jedoch einen menschlichen Gegner, der diese Figur bediente. Bekannt ist der Stich der Illustrated London News aus dem Jahre 1845, der - um den Blick auf das vorgegaukelte mechanische Innenleben des Automaten freizugeben - die Truhe mit geöffneten Türen zeigt, dahinter den Türken am Schachbrett, in einer Hand einen Stab, der zum Bewegen der Spielfiguren verwendet wurde. Der Automat sorgte gegen Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts während Tourneen durch Europa und Amerika, die von Johann Nepomuk Mälzel (1772-1838) organisiert wurden, für viel Aufsehen. Der Automat verbrannte 1854 in einem Museum in Philadelphia.
Gegen diese Etymologie spricht, daß das Oxford English Dictionary unter Turk die veraltete Bedeutung a human figure at which to practise shooting (dem heutigen Pappkamerad entsprechend) verzeichnet und hierfür Belege vorweist, die bis ins Jahr 1569 zurückreichen. Das läßt eher auf das Feindbild europäischer Armeen während der Zeit der Türkenkriege als Herkunft schließen.
Im Grimm wird die Bedeutung gefechtsübung gegen einen angenommenen feind für Türke durch Quellen ab 1900 belegt. Weiter heißt es dort: »in der wendung einen türken stellen im sinne von bei besichtigungen jemandem etwas vormachen in die heutige umgangssprache gedrungen. vielleicht erklärt sich diese eigenartige bezeichnung aus der vielfach eingerissenen übung, eine unter ausnutzung der verbreiteten Türkenfurcht für einen heereszug gegen die Türken ausgeschriebene steuer für andere, vielfach eigennützige und der allgemeinheit abträgliche zwecke zu verwenden«. Das Verb türken ist laut Etymologieduden eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts.
Als weitere Quelle wird, etwa im sechsbändigen Wahrig, gelegentlich die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahre 1895 genannt: Ein Orchester soll anläßlich der Ankunft einer Abordnung des Osmanischen Reichs mangels Noten für die Nationalhymne ersatzweise - wegen des Halbmondes in der Flagge - das deutsche Volkslied Guter Mond, du gehst so stille gespielt haben. Selbst wenn diese Geschichte wahr sein sollte, so fand sie wohl doch zu spät statt, um Ursprung für die Wendung sein zu können.
Frueher haben sich die Armbrustschuetzen einen tuerken (heute vergl. mit Pappkammerad oder neudeutsch Dummy) gebaut, den sie als Uebungsziel benutzten. Das war auf jedenfall zur Zeit der Tuerkeninvasion (evtl. auch Kreuzzuege). Daher kommt heute auch das wort getuerkt.
“Hier zieht’s wie Hechtsuppe” hat nichts mit Fischen zu tun, sondern kommt vermutlich aus dem Jiddischen:
“hech supha” heißt “starker Wind”.
Das Adjektiv “hanebüchen” für etwas weithergeholtes, unglaubwürdiges, ist wohl auf die Hainbuche zurückzuführen, da Gegenstände aus deren knorrigen Holz krumm und schief wurden.
… komt von der Kragenbinde. Eine “verkürzte” Form des Hemdes mit steifen Kragen. Da man ´seine Hemden idR zuerst weger verdreckter Krageninnenseite waschen muss(te), wurde die Kragenbinde erfunden - weniger Waschmittel - gut für die Umwelt (ach, ne, dass war jetzt doch woanders her). So konnte das Hemd längere Zeit noch getragen werden (“riecht, aber geht noch”).
…kommt aus der mittelalterlichen Färbergilde. Um blau zu färben gebrauchte man damals Färberwaid. Um den Farbstoff in den Blättern chemisch aufzuschlüsseln müssen sie in menschlichem Urin gären.
Man nimmt also einen Bottich, tut Stoff, Waidblätter und Urin hinein und stellt das alles nach draußen, damit es in der Sonne gären kann. Bei der Gärung entsteht Alkohol.
Die Gärung wird durch zusätzliches Hinzufügen von Alkohol verstärkt und man gewinnt dadurch mehr Farbstoff. Allerdings kippte man den Alkohol nicht direkt in den Bottich, dazu war er zu schade, das hätte die Waidfarbe verteuert. Den kippten sich die Färber(gesellen) selbst “hinter die Binde” (woher kommt das eigentlich?). In den alten Rezepten ist vermerkt, daß die Farbe besonders gut wird mit dem Urin von Männern, die viel Alkohol getrunken haben.
Nach dem Gärprozeß wurde der Stoff draußen an der Sonne aufgehängt, weil er erst durch Oxidation blau wird.
Die Färber hatten also nicht mehr zu tun, als morgens und abends die Brühe vorsichtig umzurühren, den von der Sonne verdunsteten Urin aufzufüllen - und vor allem weiterhin für den Alkoholzusatz zu sorgen, denn je besser die Gärung, desto ergiebiger der Farbstoff, desto intensiver das Blau.
Blaufärben war also eine angenehme Tätigkeit. Die Färber arbeiteten im Freien, bei schönem Wetter, und es gab reichlich zu trinken. ;-)
Das “blaue Blut” der Adeligen soll daher rühren, daß unter deren blasser Haut die Adern bläulich hervorschimmerten, also so aussahen, als führten sie blaues Blut. Ich kann nur bestätigen, daß es tatsächlich so aussieht (bei mir jedenfalls).
Ich habe gehört, daß “Tschüß” entweder von dem frz. “A dieu” oder eben dem lat. “deus” kommen soll, bei dem Lateinsischen kenne ich aber die komplette Grußformel nicht.