Hier noch der genaue Titel des Buches: Lehnart, Ulrich: Die Schlacht von Worringen 1288: Kriegführung im Mittelalter; der Limburger Erbfolgekrieg unter besonderer Berücksichtigung der Schlacht von Worringen, 5.6.1288 / Ulrich Lehnart. - 2. Aufl.. - Frankfurt am Main [u.a.]: Afra-Verl., 1994. - IV, 375 S. : Ill., Kt. (AAS-Geschichtswissenschaften) Teilw. zugl: Trier, Univ., Diss., 1989 u.d.T.: Lehnart, Ulrich: Kriegführung im Mittelalter ISBN 3-923217-66-8 Die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt hat ein Exemplar. Ist allerdings im Moment verliehen. Herzlichen Gruß Sascha
Dat Buoch habe ich mir mal angesehen, es ist eigentlich die Veröffentlichung einer Doktorarbeit und besteht aus zwei Teilen: Der geschichtliche Hintergrund wird einigermaßen befriedigend aufgerollt, mir fehlte neben den vorh. Wappen noch ein Verzeichnis der Reitersiegel. Den kampftechnischen Teil, will sagen: Die Aufzählung diverser, in der Schlacht von Worringen eingesetzter Waffen und Rüstungen wird der geneigte Leser bald wiedererkennen, der Mann hat sich nämlich in seinem von Udo erwähnten Band nahezu vollständig kopiert, was mich zwar nicht wundert, aber doch etwas enttäuscht hat. Die taktischen Abhandlungen wiederum sind sehr lesenswert. Leider ist das Buch recht selten, im Auftrag meines "Ridders" habe ich einige Zeit suchen duerfen, da es nur eine Auflage in Höhe der Pflichtexemplare an den Unis gibt, im Handel ist es nur spärlich erhältlich und SEHR teuer. Wer sich nicht scheut, es auf Nederlandse zu lesen, der wird eher bedient werden, da der Lehnard noch eine Version in Niederländisch rausgebracht hat. Gruß
Dominus vobiscum, Frater Hermann
Es soll auch ein sehr interessantes Buch über Worringen von Ulrich Lehnard (ACHTUNG, WERBUNG: "Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik 1150-1330") geben. Habe ich leider noch nicht gelesen, soll aber ziemlich gut sein.
Udo
Komme gerne mit gerne! Übrigens: Schloss Burg (in der Tat nicht nur eine Umgestaltung einer MA-Burg, sondern praktisch ein völliger Neubau vom Ende 19./Anfang 20. Jh. auf den Grundmauern der erst kurz zuvor auf Abriss veräußerten alten Burg) hat in Bezug auf Worringen außer der wirklich ganz beindruckenden Zinnfigurendarstellung noch ein historisierendes, aber nicht uninteressantes Gemälde der Schlacht von Worringen zu bieten. Soweit ich mich erinnere (ohne Gewähr: Werde aber langsam alt und meine Erinnerung stimmt nicht immer mehr genau!) hat auch der Leiter des Burgmuseums sich mit Worringen näher beschäftigt und sogar ein Buch dazu veröffentlicht.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Arglwydd Rhisiart
Da offensichtlich die Schlacht bei Worringen ein größeres Interesse hervorruft, darf ich einige - vielleicht noch nicht allgemein bekannte - Literaturangaben dazugeben: P. De Ridder, ´Dynastisches und nationales Gefühl in Brabant während der Regierungszeit Herzogs Jan I (1267-1294), des Siegers des Schlacht von Worringen´, Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins, 50 (1979), 193-220 W. Janssen, ´Die Schlacht bei Worringen und die Verbündeten des Herzogs von Brabant´, De Maasgouw, 107 (1988) 251-257 Ders., ´Worringen 1288 - Geschichtlicher Markstein oder Wendepunkt´, Rheinische Vierteljahrsblätter, 53 (1989) 1-20. Ders. / H. Stehkämper (ed.), Der Tag bei Worringen, 5. Juni 1288, Veröffentlichungen der Staatlichen Archiv des Landes Nordrhein-Westfale, Reihe C: Quellen und Forschungen, 27 (Düsseldorf, 1988) J. Mahler, The battle of Worringen, 1288: The history and mythologie of a notable event (Univ. of Alberta, 1993) W. Schäfke (ed.), Der Name der Freiheit 1288-1988. Aspekte Kölner Geschichte von Worringen bis Heute. Handbuch zur Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums in der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln 29.1.1988-1.5.1988 (Köln 1988) 288 Ders. (ed.), Worringen 1288 - Historische Entscheidung im europäischen Nordwesten - Woeringen 1288 keerpunt in de geschiedenis van de Nederlanden en de Landen van de Nederrijn (Köln 1988) R. Van Uytven, ´Worringen 1288: Ridderlijke roem en burgerlijke werkelijkheid´, De Maasgouw, 107 (1988) 257-264 Und noch eine inhaltliche Anmerkung: In der Tat war das Verhältnis zwischen der Stadt Köln und ihrem Erzbischof schon einige Zeit vor Worringen recht gespannt. Es seien nur einige Beispiele aus der Zeit der letzten Erzbischöfe davor angeführt: So musste Konrad von Hochstaden schon im Sommer 1240 seinen Kampf mit dem Herzog von Limburg und dem Grafen von Berg trotz einiger Erfolge (etwa Zerstörung des Kastells Deutz) wegen der unzuverlässigen Haltung der Stadt mit einem für ihn wenig günstigen Frieden beenden; 1257/58, als er immerhin schon zwanzig Jahre Erzbischof war, kam es erneut zur Auseinandersetzung mit der Stadt, die er allerdings gewann, da es ihm gelang, die Rivalitäten zwischen den Zünften und den Patriziern auszunutzen und die Bürgerschaft erneut unter seine Botmäßigkeit zu bringen, wobei er die angesehensten Patrizier in seinen Palast lockte und dann festnehmen und auf seine festen Schlösser Lechenich, Godesberg und Altenahr bringen ließ. Sein Nachfolger Engelbert II. von Falkenburg (1261-74) hatte ähnliche Probleme, zumal sich die beiden Stadtparteien jetzt einigten: So eroberten sie von den erzbischöflichen Dienstmannen mehrere Stadttürme, so dass der Erzbischof schon im ersten Jahr seiner Regierung ein bedeutendes Heer zum Kampf gegen die eigene Residenzstadt sammelte. Nur das Eingreifen des Grafen Adolf von Berg veranlaßte den Friedensschluss vom Juni 1262 - nicht aber einen wirklichen Frieden. Es würde hier zu weit führen, alle recht spannenden, aber auch verwickelten Details (Einflussnahme der umliegenden Fürsten, besonders Jülich und Berg, die ebenfalls permanenten Auseindersetzungen zwischen den Patriziern und den Zünften, Kriegshandlungen und Interdikte etc.) anzuführen: Jedenfalls kommt Worringen nicht aus heiterem Himmel, sondern hat sich unter den beiden Vorgängern Siegfrieds schon deutlich angekündigt (sogar mit den entsprechenden Parteinahmen, die sich ja auch logisch aus den Eigeninteressen erklären). Gefragt war sodann an anderer Stelle nach den gleichzeitigen Bischöfen von Münster und ihrer Familienzugehörigkeit. Hier sind sie: 1204-18 Otto I. von Oldenburg, 1218-26 Dietmar III. von Isenburg, 1226-47 Ludolf von Holte, 1247-59 Otto II. von Lippe, 1259-60 Wilhelm von Holte, 1261-72 Gerhard v.d. Mark, 1275-1301 Everhard von Diest.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Arglwydd Rhisiart
Puh, so genau weiß ich das auch nicht. Ich wohne zwar in Köln, allerdings bin ich bis dato noch nicht nach Worringen gefahren. Allerdings gibt es eine nett gemachte Homepage von der Universotät Köln, die diese Thematik zum Gegenstand macht: fs.spinfo.unikoeln.de/~diete/worringen 1288/ oder so ähnlich. Schaut mal rein. Auch empfehle ich allen, die sich dafür interessieren, einen Besuch von Schloß Burg bei Solingen bzw. Wuppertal. Dort wurde Siegfried seinerzeit eingelocht. Zwar wurde die Burg wie so viele andere auch im vorvergangenen(XIX.)Jahrhundert historisierend restauriert worden, aber die haben da eine sehr schön und liebevoll gemachte Dauerausstellung von Bodenfunden und Waffen. Für die Spielkinder unter uns findet sich dort auch ein tolles Zinnfiguren-Diorama, das Szenen aus der Worringer Schlacht zeigt. Dann noch was: Worringen war keine reine Reiterschlacht, vielmehr hatte das Fußvolk auf beiden Seiten einen beträchtlichen Anteil...hier sei nur das Kontingent der bergischen Bauern genannt, die durch ihr verspätetes aber nicht zu spätes Erscheinen auf dem Feld, die Schlacht entscheiden konnten.
Udo
Hallo! Ich habe auch noch ein Bißchen mehr verschwiegen. Immerhin schien mir das da unten doch schon lang genug zu sein. Aber der Vollständigkeit halber will ich noch nachreichen, weshalb sich der Graf von der Mark in den Verwandtschaftskrach mit Kölnischem Gastspiel einmischte. War er doch mit einer Tochter Adolfs von Berg verheiratet. Die Bergischen sollen es übrigens in Zusammenarbeit mit den Kölner Bürgern auch gewesen sein, die den entscheidenden Schlachtverlauf herbeiführten. Ganz nebenbei will ich auch noch vermelden, daß der Graf Walram von Jülich ebenfalls auf der Seite Brabants kämpfte. In den noch verbleibenden acht Jahren seine Lebens, gelang es Siegfried von Westerburg immerhin noch gegenüber Jülich einen Ausgleich u erzielen. Die Erzbischöfe von Mainz und Trier hatten kurzerhand Walram von Jülich mit dem Kirchenbann gedroht, das wirkte so gut wie eine Schlacht, oder sollten da noch andere Druckmittel im Spiel gewesen sein?. Auch dirigierte wieder mal der Kölner Erzbischof bei der folgenden Königswahl Adolfs von Nassau, die Absicht dadurch wieder mehr territorialen Einfluß zu erlangen schlug allerdings fehl. Alles in allem hatten wohl die weltlichen Territorialherren einen recht überzeugenden Sieg für sich verbuchen können. Herzlichen Gruß Sascha
Siegfried von Westerburg geriet ja auch in Gefangenschaft und wurde auf Schloß Burg im Bergischen eingebuchtet. Er war gezwungen, die polischen Verhältnisse nach der verlorenen Schlacht anzuerkennen. Mit ihm verlor das kölner Episcopat die Macht über die Stadt Köln an die Patrizierfamilien (Man neigt immer dazu zu sagen, die Kölner unterlagen, vergißt oder weiß aber nicht das auf beiden Seiten Kölner kämpften: Hier die Bürger, dort die Truppen des Erzbischofs). Nominell blieb der Erzbischof zwar Herr über die Stadt, hatte faktisch jedoch nichts mehr zu sagen. Siegfried starb relativ kurz nach seiner Entlassung aus der Haft und wurde - glaube ich - in Bonn oder Umgebung beigesetzt.
Hallo, Udo, tatsächlich ist Walram IV. von Limburg noch passiv auch an der Vorgeschichte zu Schlacht von Worringen beteiligt. Er vererbt nämlich sein Land 1280 an seine Tochter Irmgard. Ja, ja, so schleicht sich das Erblehen ein, genau genommen hat man mit Frau allerdings schon noch die Form gewahrt und sie erhält das Lehen von König Rudolph. Dummerweise verstirbt die Dame allerdings auch schon nach zwei Jahren und nun stellt sich die Frage nach dem Erben. Es kommen in Frage: Ihr Gatte Graf Reinald (Reinoud) von Geldern, dem zugesagt worden sein soll, im Falle des Ablebens seiner Frau ggf. das Herzogtum Zeit seines Lebens zu regieren, oder Graf Adolf von Berg, der ja nun mal zu Familie gehörte. Und dann meldete auch der Graf von Luxemburg mal seine Ansprüche an, war er doch ebenfalls mit den Limburgern verwandt, was die übrigens auch im Wappen zeigten. Genau genommen war Heinrich III. von Limburg nicht nur Vater von Walrams VI. von Limburg und auch von Adlolfs von Berg sondern auch Enkel von Graf Walram III von Limburg und Ermesinde von Luxemburg. Dazwischen gab es natürlich auch noch einen Heinrich II., verwirrend, nicht? Mit einer Spur von Weitsicht verkaufte nun der Graf von Geldern 1288 seine Ansprüche an Luxemburg, um weiteren Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, hatte es doch bereits 1283 eine Auseinadersetzung zwischen Brabant und Geldern um die Erbfolge gegeben. Das ganze kam dem Kölner Erzbischof nun durchaus gelegen kam. Adolf von Berg verstand sich nun wohl mit dem Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg, gar nicht mehr so gut wie das Familienverhältnis von 1244 uns glauben machen könnte. Der Kölner fand die Vorstellung, im Osten wie im Westen seines Territoriums nur noch Berg zu sehen, gar nicht unterhaltsam. Das sah auch Adolf ein und gab seine Erbansprüche an Johann (Jan) I. von Brabant ab, wohl ebenfalls gegen eine Geldzahlung. Wirtschaftlich so interessant machten Limburg einige Übergänge über die Maas an der Handelsstraße nach Brügge, mal ganz abgesehen natürlich vom territorialen Besitz. Der Graf von der Mark mochte bei solch unterhaltsamen Spielen natürlich auch nicht abseits stehen und ergriff Partei für Brabant. Schon der einstige Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, sah sich um den Lohn seiner Spaltungspolitik betrogen, als Otto von Altena ablebte und die Grafschaft Mark wiedervereinigt wurde. Hatte doch Konrad Otto erst ermutigt, hier zu erben. Nun, Worringen sollte die endgültige Entscheidung für Mark bringen. In der Schlacht unterlag die Allianz von Köln, Luxemburg und Geldern der von Brabant und Mark. Köln gilt für die Folgezeit als so geschwächt, das die Herrschaft über das südliche Westfalen eindeutig für Mark entschieden ist. Verständlich auch, das der Brabanter fürderhin das Herzogtum Limburg sein Eigen nannte. Der Herzog von Luxemburg hat ohnehin sein Leben in der Schlacht gelassen, Reinald von Geldern geriet in Gefangenschaft. Für Brabant kämpften angeblich 1500 Ritter, gegen 2200 an der Seite Luxemburgs. Bedenkt man die verwandtschaftlichen Beziehungen der Streitenden könnte man das ganze leicht für einen Familienzwist halten, wie er allenthalben bei Erbfragen vorkommt. Nur schade für die in Worringen gestorbenen, das es sich dabei um Verwandte handelte, die politische Macht für sich in Anspruch nahmen und den ein Menschenleben nicht viel bedeutete. Mit nachdenklichem Gruß Sascha
Ich möchte hier anknüpfen an Udos Frage aus Eintrag 18 im Thread 574 "Kampf der Friesen..." zu den Zusammenhängen zwischen der politischen Situation aus den 1250ern und den Kriegsparteien in der Schlacht von Worringen 1288. Melde mich demnächst mit Einzelheiten. Gruß Sascha