ich wäre vorsichtig mit Wertungen, dass generell Linkshänder auf rechts umtrainiert wurden. Ich weiß, dass in “Erziehungsbüchern” des 18. und 19. Jhdt. derartiges propagiert wurde, aber solange mir mir niemand eine Primärquelle des Mittelalters zitiert, halte ich das erstnmal für durchaus fragwürdig.
Denn tatsächlich heißt es im Cod.ms. 3227a - auch als Hanko Döbringer Fechtbuch bekannt - auf Seite 18 verso:
….Hoer was do slecht sit ficht nicht oben link zo du recht pist/ Und ob du link pist ym rechten sere hinkest/ Auch so vicht io liber von oben linklichen nider/….
(Höre was da schlecht ist, fechte nicht von oben links wenn Du rechts bist. Und wenn Du Links bist, so hinkst Du im rchten und fechte lieber von oben links nieder…)
Das Manuskript enthält die erste bekannte Niederschrift und Kommentierung der Fechtlehre des Johann Liechtenauers und stammt aus dem Jahr 1389.
Es wird also eindeutig zwischen Rechts- und Linkshändigkeit unterschieden, jedoch ohne Wertung.
Das die einzelnen Techniken bis auf einige Ausnahmen nur von rechts (sprich für einen Rechtshänder) erklärt werden, hängt meines Erachtens zum einen damit zusammen, dass wohl eine Mehrheit auf seiten der Rechtshänder besteht oder zumindest Liechtenauer wohl Rechtshänder gewesen sein muss. Wahrscheinlich hängt es aber ganz profan damit zusammen, dass Papier teuer war und man es sich einfach gespart hat, das Ganze seitenverkehrt nochmal durchzukauen.
Auch in den späteren Fechtbüchern des 15. und 16. Jhdt. findet sich der obige Lehrsatz Liechtenauers.
Zu diesem Zeitpunkt war Liechtenauer selbst bereits tot. Nach ganz eindeutigen Angaben des Verfassers (und so auch in allen nachfolgenden Fechtmanuskripten übernommen) hat Liechtenauer das Fechten auch nicht allein “erfunden” sondern vielmehr eine vielleicht jahrhundertealte Kunst zusammen getragen und vollständig verinnerlicht hat.
Damit ließe sich zumindest spekulieren, dass auch schon lange vor dem 14. Jhdt. zumindest im Kampf keine Abwertung der Linkshändigkeit vorgenommen wurde. Jedenfalls war dies für Fechter in der Liechtenauer-Tradition im 14. - 16. Jahrhundert der Fall.
hab den empfohlenen Link kurz überflogen. War selber hartnäckiger Linkshänder, und wurde durch stundenlange Schreibübungen unter Druck, Drohungen und Prügel auf rechts getrimmt. Entsprechend war ich ein miserabler Schüler, der beim Diktat leere Seiten ablieferte und dafür prompt eine 5 oder 6 erhielt!
Die ersten Schuljahre waren für mich eine Art Arschloch des Teufels, und ich bin heute noch sehr allergisch gegen jedweden Autoritätsmißbrauch (meiner Meinung nach).
Manche Verrichtung besorge ich auch heute noch links, besonders DAS! ;-) Schreiben kann ich noch links, auch wenn es rechts schneller geht.
Hoffentlich ist das alles jetzt nicht zu persönlich…
ich denke, was Kurt meint, ist, daß die Aufschlüsselung pflanzlicher Nahrung stoffwechseltechnisch länger dauert und aufwendiger ist, als die Verwertung tierischer Produkte. Deshalb haben Vegetarier nicht so viel Energie zur Verfügung, wie jemand, der sich gemischt ernährt.
“Bitte beachtet, dass Vegetarier oder Rechtshänder mit einer größeren Knochenstruktur der linken Hand, das nicht tun sollten, weil das Gehirn nur eine begrenzte Fähigkeit hat, das stoffwechseltechnisch zu verarbeiten!”
hätte ich jetzt gerne doch etwas genauer erläutert. Wenn ich Dich richtig verstehe, implizierst Du, dass fleischlose Ernährung in minderer Stoffwechselfähigkeit(?!) das Gehirns resultiert, ebenso wie eine grössere Knochenstruktur (was ist bei dir: “grösser”) der linken Hand?
“Meine Meinung stimmt nicht ganz. Es ist vermutlich etwas komplexer und sehr kulturabhängig”
Oh Mist, noch komplexer! Und ich habe fast ein halbes Jahr gebraucht, das erste Posting zu verstehen ohne die Insel der geistigen Stabilität zu verlassen.
:ö)
Sorry, nicht böse gemeint. Konnt es mir nicht verkneifen, ich Schandmaul.
Linkshändigkeit ist eine Ausprägung des Muskeltonus, wobei die Skelletstruktur auf der entsprechenden Seite besser entwickelt ist. Damit einher geht eine Vorstellung von der Raumlage durch Kontrolle des Muskeltonus. Die ausgeprägte Seite des Muskeltonus muß nicht identisch sein mit dem dominanten Auge (wirkt sich auf Hand-Auge-Koordination aus)
Hinsichtlich des Anteils der Linkshänder in der Bevölkerung gibt es kulturspezifische Unterschiede, wobei die Sache mit dem Schreiben überbewertet wird (überschreiten der Körpermitte schaltet in diesem Fall die Probleme aus, was bei Arabern nicht der Fall ist, ausserdem ist Schreiben eine Mischung aus Muskeltonuskontrolle und Hand-Augenkoordination).
Die Steuerung der Armmuskulatur erfolgt sowohl durch die linke als auch durch die rechte Muskeltonuskontrolle, nur die Finger sind spezialisierter (da wirds gefährlich!!!).
Bei ambidextrischen Fähigkeiten besteht das Problem darin sich Bewegungen Links und Rechts vorzustellen und zu unterscheiden. Man kann sich dabei den Jongliereffekt zu Nutze machen, dass die nichtdominante Hand mitlernt und die entsprechenden Bewegungen für jede Seite einafch und gespiegelt üben und dabei stets die körpermitte überschreiten (Schwertschwingenderweise). Bitte beachtet, dass Vegetarier oder Rechtshänder mit einer größeren Knochenstruktur der linken Hand, das nicht tun sollten, weil das Gehirn nur eine begrenzte Fähigkeit hat, das stoffwechseltechnisch zu verarbeiten!(Ihr verlaßt die Insel der geistigen Stabilität) Ich denke, jetzt ist auch klar, wo das Problem im Mittelalter in dieser Hinsicht lag (wenig Fleisch im Teller). Verrmutlich ist die Situation duch den starken sozialen Kontroll- und Anpasungsdruck bedingt, wobei die Skandinavier sich spät für die christliche Kirche entschieden haben und schnell einen eigenen Weg fanden (Reformation).
Bei der Binnenschifffahrt stieß man sich als Rechtshänder eher mit der rechten Seite vom (rechten) Ufer ab. Also herrschte hier schon immer der Rechtsverkehr vor.
Führe ich als Rechtshänder jedoch z.B. ein Ochsengespann oder was auch immer auf der Straße, laufe ich, besonders wenn Gegenverkehr kommt, logischerweise eher auf der linken Seite des Gespanns und weiche, um dem entgegenkommenden Gespann, Reitern oder was auch immer nicht zu nah zu kommen, automatisch auf die linke Straßenseite aus.
In Ländern mit ausgeprägter Binnenschifffahrt (z.B. Deutschland) soll sich so nach und nach eher der Rechtsverkehr durchgesetzt haben. Und später fixierte das dann Napoleon.
So hörte ich das heute morgen zumindest auf Radio 1, wo ein Wissenschaftler jeden Morgen solche weltbewegenden Fragen klärt.
Gruß
Joachim
PS
Schaut man in die Kreuzfahrerbibel, so sieht man jede Menge Leute mit Halskrausen rumlaufen. Ein klares Zeichen für die Folgen eines Schleudertraumas. Wir können hiervon also ableiten:
a) es gab schon Autos
b) man hat sich um die Verkehrsregeln, speziell Rechts- oder Linksverkehr nicht viel Gedanken gemacht, Folge: entsprechend viele schwere Unfälle (deswegen sind auch keine Autos erhalten geblieben)
Da klingt dann das Argument, Linksverkehr wäre eine Maßnahme, damit Kutscher die Peitsche in der rechten Hand nicht in Bäumen verhaken, in meinen Ohren glaubhafter.
Aber das ergänzt sich ja nur.
Zum Thema Reitkämpfe auf der Straße:
Ja, nette Theorie.
Allerdings setzt das vorraus, daß sie die Kämpfer dann auch wärend dem Gefecht an die StVO halten.
Sonst könnte nämlich der Linkshänder im Anritt, bevor der Gegenüber realistiert hat, daß das ein Linksdatsch auf ihn zukommt, die Seite wechseln und so den Reichweitenvorteil für sich verbuchen.
Das bringt uns also leider auch nicht wirklich weiter…
Also was ich zum Thema links und rechts beizutragen habe bezieht sich auf’s Hörensagen.
Der Linksverkehr war ursprünglich überall verbreitet und beruht darauf, dass sich (berittene) Kämpfer nicht mit dem Schwertgehänge verheddern. Klingt insoweit auch plausibel, da die meisten Begegnungen von Leuten auf einer Strasse friedlicher Natur waren und eigentlich alle Regelungen und Vorkehrungen (auch heute) auf den “Normalfall” (hier: friedliche Begegnung) eingerichtet sind. Oder läuft von euch jemand im Alltag mit einer Kevlar-Weste rum, weil einmal auf ihn geschossen werden _könnte_? Wohl kaum.
Den Rechtsverkehr in Kontinentaleuropa soll der olle Napoleon eingeführt haben. Nähere Gründe sind mir allerdings nicht (mehr) bekannt.
Ich gehe davon aus, dass im MA die gebildeten, sprich trainierten Kämpfer mit der Rechten gekämpft haben. Nehmen wir wieder unsere Begegnung auf der Strasse. Stellen wir uns vor, es kommt doch zu einem Zweikampf. Derjenige, der das Schwert nun mit links bedient, hat einen eindeutigen Nachteil in Sachen Reichweite und Bewegungsfreiheit da er über den Kopf seines Pferdes fechten musste. Ein Linkshänder wäre also demnach ziemlich bald ein toter Linkshänder gewesen.
Der einfache Bauer mit seiner Axt (den niemand trainiert hat und der bei seinen normalen Tätigkeiten mit Links gearbeitet hat) dürfte allerdings schon ein Linksfechter gewesen sein.
Zum Thema umlernen kan ich aus eigener Erfahrung sagen, das ist nur ein Frage der ßbung. Ich bin absoluter Rechtshänder. Dummerweise auf dem rechten Auge kurzsichtig. In meiner Jugend war das noch nicht so ausgeprägt und so habe ich beim Schiesen mit dem Gewehr (Schützenverein) “normal” geschossen.
Später, beim Bund, war’s aber schlechter um das Augenlicht bestellt und so habe ich mir dann angewöhnt links zu schiessen. Das selbe ging dann irgendwann auch auf’s Bogenschiessen über. Ja, was soll ich sagen? Inzwischen schiesse ich links besser als rechts…
Alsoo, ich würde davon abraten, ein Bild aus copyrightsgründen zu spiegeln. Denn, auch wenn Du einfach ein Bild nimmst und nachbearbeistest werden davon die Urheberrechte berührt. Ob dabei ein nennenswerter Streitwert entsteht ist natürlich die andere Frage. Kommt auf die Art und Menge der Veröffentlichung und den damit erziehlten Gewinn an. Daher würde ich jetzt mal annehmen, das die meisten in der MA Szene verfügbar gemacht werden vom Copyright und urheberrecht zwar berührt werden, mangels Streitwert aber nicht geahndet werden.
Den Wortlaut der Bestimmungen müsste ich jetzt aber nachlesen.
Also der bekannteste Linkshänder im MA ist der Leonardo da Vinci, spiegelschrift ist ja auch am leichtesten zu schreiben, wenn man links schreibt, auch gibt es einige Darstellungen von Malern und Schreibern die eindeutig links ihre Utensilien halten.
Was sollen eigentlich Werzeuge für Linkshänder sein ? Wenn ich mal von den modernen ergonomischen Griffschalen heutzutage absehe, fallen mir spontan keine Werkzeuge ein, die ich nicht links und Rechts gleichermaßen gut verwenden kann. Als einzige Ausnahme fallen mir zweihändige Werkzeuge mit bevorzugter Nutzungsrichtung ein (Sensen, Flachsschlegel etc.). Aber da man dort sowieso beide Hände braucht, ist nur die Frage, welche Tätigkeit man mit welcher Hand macht. Außerdem wurde selten Werkzeug auf Lager produziert, dazu waren rohstoffe zu teuer. Ergo war jedes Stück eine Einzelfertigung. Und dann könnte man auch die Richtung abändern. KßNNTE. IMHO. Nicht belegt.
Tach… Ich glaub nicht, daß man die Lehren seiner Urgroßmutter auf das Mittelalter beziehen sollte, weil so alt ist keine Oma, das ihre “Lehren” Berechtigung hätten direkt aufs Mittelalter bezogen zu werden. Was ich glaube (und das ist meine persönliche, nicht belegte Ansicht) ist, daß sich die Leute im Mittelalter nicht wirklich um Linkshänder geschert haben und deshalb auch nur in seltensten Fällen extra Werkzeuge für sie angefertigt haben. Was das Kämpfen im Mittelalter anging, sollte man vielleicht erstmal überlegen welche Kämpfer eine Ausbildung genossen haben. Der einfache Bauer wird sich wohl eher sein zusammengezimmerten Schild und seine Axt geschnappt haben und die Dinger so getragen haben wie es ihm gerade paßte. Bei den Kriegern, die ausgebildet wurden bin ich mir nicht so sicher. Linkshänder haben schon Vorteile, auch im Schildwall. und das werden gute Trainer auch gesehen haben. Ob Abbildungen nun die Richtige Quellen für die Häufigkeit der Linkshänder sind sei nun mal dahingestellt. Wenn Abbildungen der Spiegel des MAs wären, dann gabs im Mittelalter sicherlich auch Menschen ohne Brustwarzen und Geschlechtsteile :o) Was den Linksverkehr angeht… hmmm, das mit der linken Seite geschützt von Angriffen vom Straßenrand, also ich weiß nicht. Was ist wenn die einfach von der anderen Straßenseite angegriffen haben? Waren dann Alle tot weil sie sich nicht schützen konnten? Gruß
Seid gegrüßet, Also ich bin Linkshänder und gehe davon aus das im MA Linkshänder sehr selten waren, da damals einfach das Werkzeug teuer war und deshalb es für einen Linkshänder einfacher gewesen ist, zu lehrnen mit Rechts zu arbeiten als Werkzeug für Linkshänder zufinden(ich denke da gerade auch an meine Lehre…). Bei Kriegern wird es demendsprechend auch viele Rechtskämpfer gegeben haben die eigendlich Linkshänder waren(es ist einfach leichter jemanden was bei zubringen, wenn er mit der selbigen Hand aggiert wie man selbst). Doch denke ich wird es Ausnahmen gegeben haben die durch das Ungewohnte einfach nen Vorteil hatten(Linkshänder ist daran gewöhnt gegen Rechtshänder zu kämpfen umgegehrt nicht). Das mit der linken Hand als unrein, kommt mehr aus dem Orient(soweit ich weiß) und später dann bei uns wohl aufgekommen sein, als es üblich war das auch gewöhnliche Leute schreiben lehrnten. Gruß