ich hab den Thread hier ein bisschen aus den Augen verloren. Einen Nachweis fürs Mittelalter hab ich schon vor einiger Zeit gefunden: Seehann, G (1977): Pilzfunde aus Haithabu. Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu, Bericht 11, Neumünster. 120-140.
Der Autor meint:
“Im allgemeinen dürfte das Anschneiden der Pilze einer Gewinnung von Zunder gedient haben, der nach den dargestellten Befunden überwiegend aus der homogenen Trama vom Rande und von oberen zentralen Teilen der Fruchtkörper, bisweilen aus dem schwammigen Röhrenmaterial hergestellt wurde. Als Rohstoff diente der Zunderschwamm, vereinzelt möglicherweise auch der in seiner Größe und Beschaffenheit ähnliche flache Lackporling.”
@ Stefan Schmidt: Möglicherweise wachsen in manchen Gegenden auf Buchen öfters “falsche” Pilze. Der echte Zunderschwamm von Buchen ist schon geeignet. Vor 150 Jahren hat man in Mitteleuropa überwiegend Schwämme von Buchen zur Zunderbereitung verwendet.
@ Nicole Schneider: Hast recht. Feuerschwamm und Birkenporling ist eindeutig, Birkenschwamm, Buchenschwamm lässt einen Interpretationsspielraum offen.
Der Zunderschwamm ist ein Pilz, der vorwiegend auf Buchen vorkommt (da, wo es welche gibt), aber auch auf anderen Bäumen (wie Birken oder Pappeln) lebt. Er ist klar abzugrenzen vom Birkenporling. Wie der Name sagt, lebt dieser auf Birken. Der Name Birkenschwamm existiert zwar, ist aber aus oben genannten Gründen irreführend.
Verwendung findet beim Zunderschwamm ausschließlich eine bestimmte Schicht, die aber bearbeitet werden muss, sofern man sie zum Zündeln nutzen will. Unbehandelter Zunder funktionierte (bei eigenen Versuchen) jedenfalls nicht zum gewünschten Resultat, im Gegensatz zu gekochtem Leinen.
Die Fasern des Zunders haben jedenfalls eine blutstillende Wirkung und wurden als Verbandmaterial in der Wundbehandlung eingesetzt.
birkenschwamm getrocknet funktioniert sehr gut glimmt auch gut erfordert hald einfach ein bissl uebung zum anzuenden ,aber wenn mans erstmal raus hat gehts gut einfach ueben ,und nehmt die mittelgrossen schwaemme die max handflaechengross sind
@Norbert: Ich wüsste bis zur Westernreenactmentzeit auch keinen wirklichen Beleg für Zunderschwamm, ja nicht einmal Kleidung und der gleichen aus der Zeit davor :-(
@Arthur: Das Schwammige nennt man Trama und ich habe mir sagen lassen man darf den Zunderschwamm wirklich nur von Birken nehmen der an Buchen soll nicht (warum auch immer) funtionieren. Wobei es ja auch zum verwechseln ähnliche “falsche” Zunderschwämme gibt mit diesen geht es dann auch nicht!
Ein Tipp für alle die das ganze Thema interessiert, wenn auch nur als “Startliteratur” das Buch: Feuer – Von der Steinzeit bis zum Brennglas
Das Problem hatte ich auch eine Alte Feile Schlägt gut funken was zunder angeht auf birkenstämmen der Schwartze Pilz ,auf machen und nurn den schwammigen Teil Nutzen
erschreckt muss ich gerade feststellen, dass ich eigentlich keinen Beleg für die Verwendung von Zunderschwamm im Mittelalter kenne. Bei diversen Mittelaltergruppen ist Schwammzunder ja sehr beliebt, aber wie siehts damit im echten Mittelalter aus?
Der bekannte feuerstein ist meines Wissens nach Flint, was weder Basalt noch Pyrit ist. Die EIgentliche Funkenbildung übernimmt dann soweit ich weiß das Eisen bzw. einzweiter Stein, der dann allerdings Pyrit sein muss.
danke erstmal für die Tipps mit dem “anfaulen lassen” (muß man ja erstmal wissen…)
Mir ist zum eigentlichen Thema Zunderschwamm noch was eingefallen:
Der wächst ja wie erwähnt nicht nur auf Buchen (tot und lebendig) sondern eben auch auf Birken. Bei uns im Stadtpark Stehen viele sogenannte “Spechtbäume” das sind meist kaputte Bäume, die einfach ohne Kronen von der Stadt stehén gelassen werden um für Spechte und anderes Getier ein Nist- und Nahrungsplatz zu werden. Da hab’ ich an Birken auch schon ziemlich viel echten Zunderschwamm gesehen. Die Stadtverwaltung kam mir bisher jedoch beim Ernten jedes Mal zuvor. Wahrscheinlich hatten sie (berechtigter Weise) Angst um ihre Spechtbäume und haben den Pilz abgeschnitten….
Also wenn Ihr sowas sucht guckt doch mal in die Stadtparks…
Der gelbe Farbstoff im Urin (uringelb) ist Bilirubin, der entsteht beim Abbau vom Hämoglobin (dem roten Blutfarbstoff), beides sind Eiweiße, wenn also der Urin nicht mehr gelb ist (entfärbt), dann müsste sich auch das Bilirubin abgebaut haben, dann entsteht irgendwann (recht bald) Ammoniak - und wenn der Geruch vorbei ist, dann hast Du Nitrat, der riecht nicht mehr. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt.
Wenn Du zu früh den Zunder rein tust ist möglicherweise der Zunder vergammelt bevor er genügend Nitrat aufgenommen hat - also nicht den Urin mit dem Zunder zusammen faulen lassen.
Ingo hat ja schon die richtige Erklärung geliefert. Darüberhinaus sollte man den Zunder (Rohrkolbensamen geht sehr gut) nicht nur ein paar Stunden, sondern ein paar Tage im Urin liegen lassen. Am besten soviel Flüssigkeit verwenden, daß der Zunder gerade komplett bedeckt ist und dann solange liegen lassen, bis die Flüssigkeit eingezogen und der Rest verdunstet ist.
also wenn dort steht “ausgefaulter” Urin, dann sollte es kein frischer sein.
Im Urin sind u.a. Abbauprodukte der Einweißverdauung im Körper enthalten - bleiben diese im Urin an der Luft längere Zeit “sich selbst” überlassen, so werden sie durch bakteriellen Einfluss (diese kommen von außen, da der Urin im Normalfall nahezu keimfrei ist) weiter abgebaut, bis am Ende anorganische Basiskomponenten der Eiweiße (z.B. Nitrat) übrigbleibt.
Dieses Nitrat (und nicht die höheren organischen Eiweißabbauprodukte bewirkt) die leichtere Entflammbarkeit des Zunders (wegen dem Sauerstoff, der im Nitrat gebunden ist) - deswegen wirkt frischer Urin (enthält kaum Nitrat) auch nicht wie von Dir erwartet fördernd bei der Entzündung des Zunders.
Also in die Büchse strullern, diese im Wald regensicher verstecken und nach 10 Tagen wiederkommen … (und hoffen, dass Du nicht beobachtest wirst, wie Du eine Büchse im Wald zurücklässt ⇒ Müll) ;)
Claus hat erwähnt: “oder nehmt - ganz historisch korrekt - ausgefaulten Urin zum Nitrieren.”
Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich anstößig, aber wie genau mach ich das denn. Meine bisherigen Versuche sind fehlgeschlagen. Ich hab’ einfach in eine Dose gepinkelt und hab’ den Zunderschwamm mehrere Stunden da drin schwimmen lassen. (in der prallen Sonne) (Natürlich hab’ ich das im Wald gemacht wo keiner vorbeikommt und mich beobachtet und evtl. in eine Anstalt schickt…)
Das Ergebnis war nur daß das Zeug nach dem Trocknen genauso schwer mit dem Funken anzuzünden war wie der nasse Schwamm. Keine Verbesserung - nix!
Hat einer von Euch das schon mal erfolgreich gemacht, oder hört für Euch da der Spass auf, und ihr get lieber zur modernen Chemie?
(DAS SOLL JETZT KEINESFALLS EINE “A”_DISKUSSION WEREN!!! wie ich sie hier leider schon zu oft erlebt habe)
Es ist auch in Bezug auf Farbhgerstellung mit Färberwaid interessant, da auch hier früher ‘draufgepinkelt wurde. Dementsprechend könnte man bei regen Antworten einen neuen Thread aufmachen, aber ich möchte erstmal die Reaktionen abwarten.
ich habe gerade ein geniales buch bekommen, in dem steht so ziemlich alles was man über feuer herstellung wissen will: Feuer Von der Steinzeit bis zum Brennglas von Andy Müller im Andromeda-Verlag Müller ISBN 3-00-013031-4 . ßusserts empfelenswert zum lesen!