Hallo! Kette kommt (außer evt. an Handgelenk und Gesichtsrand sowie Kinn) eh nicht direkt mit der Haut in Berührung, ist also kein Argument für ein mit der Kette fest verbundenes Lederwams / Gambeson. Warum unsere Leute den Lederstreifen am Handgelenk und am Hals wieder abgemacht haben, werde ich noch mal in Erfahrung bringen. Schönes Wochenende Euch Allen, Heinrich von Ebersberg
Hallo! Das sind ja alles interessante Ansätze zu dem Thema! Was das Lederfutter für ein Kettenhemd betrifft. Nun ja, sicher kann es dann nicht mehr auf die übliche Art gereinigt werden. Allerdings besteht ja auch nicht mehr die Notwendigkeit es so oft zu reinigen. Durch das Leder würde es ja nicht mehr mit der Haut in Berührung kommen, dh. da wäre eine Rostquelle einmal ausgeschlossen. Und gerade wegen des Leders hat man ja auch die Möglichkeit das Kettenhemd ordentlich einzufetten, ohne sich Sorgen um die Kleidung darunter machen zu müssen. Aber gut, das sind halt unsere Gedanken dazu. Die Lederbänder für den richtigen Halt werden in unserer Gruppe schon fleißig eingesetzt (sonst wäre ein 16 kg schweres "6in1"-Hemd wohl kaum tragbar - na ja kommt auch auf den Träger an) Was die einfassenden Lederbänder betrifft hatten wir folgende Gedanken: Wenn das Leder weich genug ist, bleibt das Kettengewebe genauso flexibel wie vorher. Über den Zweck sind wir uns noch nicht ganz im klaren. Diente es einfach zur "Verschönerung"? Ich muß sagen mir gefällt ein in Leder eingefaßtes Kettenhemd (oder was auch immer) sehr gut. Irgendwie sieht es ordentlicher aus. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, daß gerade die Ringe an den Rändern sehr anfällig dafür sind, sich aufzubiegen, wenn man einmal irgendwo hängen bleibt (und Hemden mit vernieteten Ringen haben wir halt leider nicht). Daher dachten wir auch daran, daß es einfach ein Schutz für diese exponierten Ringe war. Und außerdem tauchen diese Dinge immer wieder auf den verschiedensten Zeichnungen auf. Also irgendeine Belegquelle dafür muß es ja geben. (Ich gehe einmal davon aus, daß diese Dinge nicht ins Reich der MA-Fantasien gehören!) Was meint ihr zu diesen Theorien? Sie sind gestern tlw. recht spontan in einer kleinen Gruppendiskussion entstanden. Auf bald! Izobel PS: zum Stöbern am Internet bin ich noch nciht gekommen, aber ich bin sicher, da gibt´s auch noch einiges zu entdecken!
Hallo Izobel, um auf Heinrichs Beitrag weiter einzugehen: auf einigen Bildern (z.B. Winchester-Bibel, 12 jhdt. (? - mal wieder keine Quellen auf der Arbeit), Darstellung des Goliath), sieht es so aus, als ob der "Saum" des Kettenhemdes mit Leder eingefaßt ist. Auf der einen Seite hätte es den Vorteil das die Unterkleidung nicht ganz so stark leidet, ein Nachteil wäre die geringere Flexibilität des Hemdes. Weiterhin gab es noch Bänder an verschiedenen Stellen (Oberarm/Ellbogenbeuge, Wade/Kniebeuge und Handgelenk, um das Kettenhemd (zumindest am Handgelenk) nicht rumschlackern zu lassen und, was noch wichtiger ist, das Gewicht etwas mehr zu verteilen. Den Effekt merkst Du ja schon, wenn Du einen Gürtel um die Hüfte um das Kettenhemd rum legst. Am besten verteilt sich das Gewicht, wenn Du das Hemd etwas aus dem Gürtel herausziehst und aufliegen läßt. Die Handschuhe mit Schlitzen gibt´s - meiner Meinung nach, wie o.g. habe ich meine Bücher nicht mit mir - etwa ab 1150. Als einzige Form, die Wattierung mit Hemd direkt verbindet, wüßte ich nur eine arabische Abart, in der das Kettenhemd direkt zwischen zwei Lagen Wattierung eingenäht ist. Fröhliches Stricken Thorsten
Hallo! Also in einigen Selbstversuchen innerhalb unseres Klüngels sind wir zu folgenden Ergebnissen gekommen (und unseren Vorfahren wird es da nicht anders gegangen sein): 1. Reiter haben am Ende ihrer Ärmel ein Lederband eingezogen, welches das Ende ein wenig enger macht und, viel wichtiger, eine "Daumenschlaufe" bildet. Diese wird, wie der Name schon erahnen lässt, zwischen Daumen und Zeigefinger gelegt und verhindert das Verrutschen des Ärmels. Also eine sehr praktische Sache. Früher war es allerdings auch oft so, das die Kettenhemden inklusive Handschuhe gefertigt waren. In diesen Fäustlingen gab es dann einen Schlitz, aus dem man die Hand herausholen konnte um feinmotorische Sachen zu machen (siehe auch diverse Osprey-Bücher und Internet-Seiten). 2. Einige von uns hatten Hals und Ärmelenden der Kettenhemden mit Lederstreifen versehen, haben diese dann aber wieder entfernt, warum weiß ich allerdings nicht mehr, aber es war wohl einfach nicht von Vorteil. 3. Kettenhauben werden von vielen mit zwei Lederbändern fixiert. Eins an der Stirn, eins z.B. um den Gesichtsausschnitt und dann zum Nacken oder nur in den Nacken. Jeder der reitet wird eine fest sitzende Kettenhaube zu schätzen wissen! 4. Zu fest mit der Kette verbundenem Unterzeug: siehe Vorredner, er hat alles gesagt (besonders Aspekt Reinigung!). Im Internet gibt es MASSENHAFT Infos über Kettenhemden. Allerdings meist in Englisch. Gib mal in einer Suchmachine den Suchbegriff "Kettenhemd", oder noch besser "chainmail" ein und Du wirst mit hits zugemüllt! Viel Spaß beim stöbern! Heinrich von Ebersberg
Die Einfassung von Kettenhemden und - Hauben mit Lederbändern ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn sie dem Schnitt gemäß irgendwo gerafft werden müssen. Beispielsweise ist das bei Hauben um das Gesicht herum der Fall, wenn sie closed-faced, also ohne abnehmbaren Lappen gefertigt werden. Allerdings ist es bei dichter gefertigten Geweben nicht sinnvoll, kostbares Leder zu verschwenden - die Riemen reißen zu schnell. Ich persönlich nehme lieber breite Riemen mit Schnallen... Von einem fest mit dem Hemd verbundenen Unterzeug ist mir nichts bekannt. Wäre eigentlichauch unpraktisch, da man Leder und Kette grundlegend anders reinigt. Hat man einmal ein Wams mit in den Quarzsand gelegt und eine Stunde lang durchwalken lassen, macht man das nie wieder... Kette OHNE Unterzeug ist allerdings genau so unsinnig. Die Wucht des Schlages verteilt sich auf eine viel zu kleine Fläche, man erleidet Knochenbrüche. Der größte Feind einer dichten Kette ist so wie so nicht das Schwert, sondern die Keule. Ein Gambeson (oder so ähnlich) wurde schon bei den Römern benutzt sowie bei den Kelten, die Kettengewebe benutzten. Erst ab dem 12ten Jhdt wurden Kettenhemden dann mit Panzerkacheln augmentiert, die ersten waren meines Wissens nach quadratische Schulterplatten, die sich allerdings nicht lange hielten. Gruß, Turak
Einen schönen guten Tag! Ich habe wieder einmal eine Frage (die mir meine bisherigen Recherchen noch nicht beantwortet haben). In einigen Büchern sieht es auf den Zeichnungen so aus, als wären die Kettenhemden mit Lederstreifen eingefaßt gewesen, bzw. auf ein Lederhemd aufgenäht worden. Waren sie denn nun eingefaßt bzw. wann war das so und warum? Waren sie tatsächlich sowas wie mit Leder gefüttert? Wurde dieses "Lederfutter" durch den Gambeson ersetzt? Interessieren tun mich natürlich die Gepflogenheiten im gesamten Mittelalter. Tatsächlich brauchen tue ich hauptsächlich 11./12. Jahrhundert. Wenn also jemand Antworten auf diese Fragen hat, oder weiß, wo ich welche finden könnte würde ich mich über die Infos freuen! Schon mal Danke! Izobel