Mein Gedanke ist, zwei breite (10 cm) und 3 cm starke Bretter zu hobeln, schleifen und dann an zwei oder auch drei Stellen mit einer Querlatte zu vernageln. Damit ist das stabil.
Nun die Beine in den Verbindungen versenken.
Leicht schräg dürfte man den besten Halt bekommen.
Dazu würde ich in die Bank pro Bein eine Kerbe schneiden, das Gegestück ist dann ein Zapfen über den Durchmesser des Beines, der dann nach oben geführt wird.
Nun eben nicht leimen, sondern zwei oder drei Millimeter mehr Platz lassen, damit ich die Beine leicht raus bekomme.
Das wäre irgendwo mein Gedanke… damit kann ich es transportabel halten, aber dennoch so nah wie möglich an die Vorlagen ran kommen.
Verzapfungen bzw. Dübelunge schlicht lösbar machen und nicht fix. Haben wir bei allen größeren Möbeln, funktioniert gut, und der Unterschied zum Original ist die kleinste mögliche ßnderung, wie ich finde.
Danke für die Links. So eine Kaminbank-Kiste haben wir (ohne Lehne) schon am Stand. Aus dem einen Link sehe ich, daß es offenbar eine vielzahl von Klappstuhl-Varianten gibt. Diejenige die ich Anfangs erwähnte ist von der Konstruktion her offenbar so, daß ein dünner Metallstab als “Achse” für die Klappbaren Teile verwendet wird - es ist interessant zu sehen, daß das Funktionsprinzip offenbar tatsächlich zu 90% den heutigen Klappstühlen gleicht. Was nicht zu sehen ist, ist wie der Stuhl seine Position hält, also wie die Sitzplatte in Position gehalten wird, aber dafür lässt sich sicher eine Lösung finden. Was mich etwas stört ist diese Metallstange, ich habe so das Gefühl, daß diese Scharnierkonstruktion eher Renaissance ist… allerdings kann ich mir den “english folding chair 14th century” (www.designboom.com/eng/education/folding/5/310.gif, www.designboom.com/eng/education/folding/medieval.html) nicht anders erklären. Von den Klappstühlen mit einem Klappelement als Rückenlehne die ich gesehen habe war keiner älter als 14 Jhd. Alles davor scheinen eher Scherenstühle zu sein, also Stühle bei denen man sich (im vgl zu heute) um 90° gedreht draufsetzt und die Lehne zwischen den Klappelementen aufgespannt ist. Offenbar ist dies allerdings eher die Form eines Throns (www.designboom.com/eng/education/folding/5/312.jpg), also der oberen Oberschicht vorbehalten.
So wie es aussieht wird wohl unterschieden zwischen den Schrenstühlen, bei denen das X von vorne zu sehen ist und welche seit der Antike Authorität demonstrieren und den Klappstühlen bei denen das X von der Seite zu sehen ist und die auch Bürger verwendeten, jedoch habe ich dafür in den hier genannten Quellen nur Belege für das 14. Jhd gefunden. Falls nicht noch jemand Belege für Zeiten vor dem 14. Jhd hat muss man vielleicht annehmen, daß es davor tatsächlich nur Bänke und 4-beinige Stühle bzw Kastenstühle gegeben hat. Die Belege für 4-beinige Stühle in der heutigen Form reichen offenbar bis in die Antike, Kastenstühle habe ich vor allem aus dem HMA gesehen, Truhen/Kisten als Sitzgelegenheiten wiederum reichen wieder weit zurück. Was es wohl noch gegeben hat sind Böcke auf die eine Holzplatte gelegt wurde, also die gleiche Konstruktion wie sie für Tische verwendet wurde.
Letztlich läuft es aber wohl darauf hinaus, daß in früheren Zeiten die meisten Leute der unteren und mittleren Schichten eher unbequem auf Bänken und Hockern saßen während bequeme Stühle mit Rückenlehne den Oberen vorbehalten waren, erst ab dem 14 Jhd änderte sich das. Sehe ich das richtig?
Naja - es ist nur unter dem Aspekt der Bequemlichkeit zu verzeihen. Und das ist eben der Grenzbereich zwischem Marktmittelalter, welches “seichtes Vergnügen” ist und “ernsthaftem Reenactment”, das in Kauf nimmt auch mal unbequem zu sein.
Zum Stuhl-Thema: Einen interessanten Ansatz für einen Bequem-Stuhl habe ich gefunden: tarvos.imareal.oeaw.ac.at/server/images/7008568.JPG es ist eine Darstellung aus dem 15. Jhd, leider ist der Stuhl durch künstlerische Freiheiten instabil geworden, sprich so wie er gezeichnet ist würde er nicht halten. Das Prinzip ist offenbar das eines Klappstuhles mit Rückenlehne ähnlich modernen Biergarten-Klappstühlen. Hat jemand so einen Stuhl schon mal in besserer Darstellung gesehen?
Ich habe versucht einen Bauplan zu konstruieren, der etwas ähnliches hervorbringt indem ich eine Mittelstange an der Kreuzung der Bretter eingefügt habe (für die Stabilität unabdingbar), jedoch scheitert das ganze an einem schlüssigen (Steck-)Konzept für die vordere Sitzkante, also einer Möglichkeit dies ohne geklebte oder genagelte Verbindungen zu bauen. Hat da jemand eine gute Idee?
Wenn man diesen Stuhl rekonstruiert und ihm eine etwas längere Lehne gibt kann das denke ich ein guter Ersatz für diese Steckstühle sein…
Das Problem ist natürlich, daß es dafür keine überlieferten Baupläne gibt, so daß der Stuhl dann wohl auch nicht 100% “A” ist, sondern nur eine plausible Möglichkeit darstellt…
Ich habe diesen Thread gerade durchgelesen und mir die Links (die leider zum großen Teil nicht mehr funktionieren) angesehen. Offenbar kann man zusammenfassen, daß es im mitteleuropäischen Raum im Mittelalter ausschliesslich üblich war auf Bänken oder Stühlen mit gerader Rückenlehne zu sitzen? Ich habe in den angegebenen Links als belegbare mittelalterliche Exemplare lediglich den “Glastenbury”-Stuhl (www.currentmiddleages.org/tents/chair8glasttext.pdf, www.currentmiddleages.org/tents/chair8glastplan.pdf) und den irischen “Tuang”-Stuhl (www.currentmiddleages.org/tents/chair1tuam.pdf) gefunden die eine leicht schräge Rückenlehne haben. Die meisten Stühle haben gar keine Lehne (Hocker, Bänke, Klappstühle,…). Das ist natürlich schade für alle Leute mit Rückenproblemen und dürfte auch die Polularität der “Stargazer”-Stühle (Steckstühle www.currentmiddleages.org/tents/chair4stargazer.pdf) erklären. Falls jemand bequemere Sitzgelegenheiten kennt wäre es natürlich schön davon zu hören.
Dann noch ein kurzer Hinweis zur Verteidigung der Verwendung von “Steckstühlen” auf mittelalter Märkten (wo es ja bekannterweise nicht “A” sein muss): Ich denke daß viele Probleme in der Authentizität der Darstellungen auf Mittelaltermärkten dadurch entstehen, daß es eine ganz und gar nicht-mittelalterliche Situation ist, auf einem Marktplatz in Zelten zu wohnen und dort vielleicht auch noch Aktivitäten zu demonstrieren. Und das ganze am besten noch mit ein wenig Bequemlichkeit. Aber man kann ja schlecht für jeden Markt komplette Häuser mit Stube und Werkstatt aufbauen, daher muss man vielleicht ein paar Zugeständnisse machen. Und ich habe schon Leute mit Bundeswehr Wasserkanistern auf dem MArkt rumlaufen sehen um Wasser zu holen, ich denke da ist ein Steckstuhl o.ä. noch zu verzeihen.
meistens diesen Scherenstuhl, welcher ja für Grafen und Kaiser gedacht war, und diesen riesen Steckstuhl, ja schon fast Thron gefunden, den werde ich kaum mitnehmen können :(
Eintrag #74 vom 21. Mrz. 2006 12:31 Uhr
Hans-Christoph
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Zitat des Textest zum Bild “This style of breakdown plywood chairs is very popular throughout the SCA”. Da steht nichts von Belegen dafür, so wie ich das interpretiere, ich das eine reine Erfindung des Autoren. Warum nicht an den vielen zeitgenössischen Abbildungen und erhaltenen Möbiliar orientieren?