ßh ohne Ziehbank geht das auch wunderbar. Draht gut Wachsen und vorher anfeilen, Zieheisen in den Schraubstock und Ziehen. Geht für Drähte ab so 2,5 mm
OK. ich gebe mich geschlagen, es stimmt, Drahtziehen geht heute wie damals mit Ziehstein und Ziehzange. Nur ne vernünftige Stichabnahme nur mit der Methode Draht durchs Loch, am Ende mit der Zange packen und einfach so dran ziehen, nee.
Die Bilder die ich kenne, zwei leute hängen an nem Hebel, an dem hängt die Zange, beide drücken sich mit den Beinen ab.
Und die Frage oben hatte ich so verstanden, das jemand nen Draht mit ner Zange ohne weiters ziehen wollte.
Das mit den frühmittelalterlichen Zieheisen ist so eine Sache. In der heutigen archäologischen Forschung sind die fotografierten Beispiele immer noch in der Diskussion. Das Ganze ist ein stark umstrittenes Gebiet, in dem sich die Fronten teilweise extrem verhärtet haben. Die eine Partei interpretiert die Funde als Nageleisen oder ähnliches, die andere als Zieheisen. Um das Problem endgültig zu klären, fehlt es z.B. grundsätzlich an hinreichenden Herstellungsanalysen an Schmuckstücken etc.
Ich bitte darum meine Beiträge nicht fehlzuinterpretieren. Ich sage nicht, dass es keine Zieheisen gegeben hat, ich weise lediglich daraufhin, dass man sich in der Forschung immer noch nicht einig ist. Es fehlt jemand, der sich die Locheisenfunde und archäologisch überlieferte Drähte (am besten an Gold- und Silbergegenständen, da dort die Metallerhaltung am besten ist) mal vornimmt und Licht ins Dunkel bringt. Einige neue Ansätze sind schon zu sehen (z.B. “Die Awaren am Rand der byzantinischen Welt” oder ein Wissenschaftler namens Oddi und einige andere).
zumindest Hjelmstad, Haithabu und Tirol würde ich eher als Nageleisen identifizieren, kommt allerdings stark auf die Größe an, die man auf den Bildern nicht erkennen kann.
Also, das Drahtziehen ist meines Wissens bereits für Griechen und Römer nachgewiesen (ohne Beleg meinerseits, da ich auf diesem Sektor kein Fachmann bin). In Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter soll man es angeblich nach allgemeiner wissenschaftlicher Konvention vergessen haben und stattdessen Draht geschmiedet haben (eher Röhrchen als Draht), wie die Analysen an diversen Schmuckgegenständen ergeben haben. Wobei es aber auch Hinweise dafür gibt, dass man dennoch das Drahtziehen beherrschte (für beides: “Die Awaren am Rande der byzantinischen Welt” glaube ich, Seite kann ich gerade keine sagen, da ich das Buch selbst nicht besitze). Aus Haithabu soll wenigstens ein Locheisen zum Drahtziehen vorliegen, das in seiner Funktion aber umstritten ist (dürfte in einem der Bände der Serie zu den Grabungen in Haithabu zu finden sein). Aus dem Hochmittelalter ist mir nichts bekannt, was aber eher an Unwissenheit meinerseits als an einer ßberlieferungslücke liegen dürft. Für das Spätmittelalter gibt es zahlreiche Nachweise - auch archäologische - zu Schrift- und Bildquellen z.B. die schon angesprochene Mendelsche Zwölfbrüderstiftung, Abbildungen des Hl. Elegius, Schutzpatron der Goldschmiede, in seiner Werkstatt, Beschreibungen von Theophilus Presbyter (de diversis artibus) und Georg Agricola (De Re Metallica). Soweit, was mir gerade einfällt ohne Recherche. Bei Gold- und Silberschmieden zählt das Drahtziehen übrigens neben dem Wanzen immer noch zu den Grundarbeitstechniken, auch wenn man heute bereits fertige Edelmetalldrähte kaufen kann.
Achtung: Um jeder Diskussion entgegen zu wirken , möchte ich darauf hinweisen, dass meine Angaben nur als Denkanstoß und Recherchehilfe dienen sollen, daher nicht erschöpfend sind und Fehler enthalten können.
Da wir ja alle wissen, dass die Handschriften oft nicht zu genau zu nehmen sind, hier mal ein paar Bücher, in denen Funde von Werkzeugen als Zeichnungen und ab und an als Fotos auftauchen:
Die Eisenfunde in Haithabu
Petra Westphalen
Wachtholtz Verlag Neumünster
2002
3-529-01410-9
Ausgrabungen in Schleswig “ Berichte und Studien 14
Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig ” Ausgrabung Schild 1971 - 1975
Hilke Elisabeth Saggau
Wachtholtz Verlag Neumünster
2000
3-529-01464-8
Einfach mal in der nächst größeren Bibliothek dananch suchen (Hannover hat sie, das weiß ich).
Ist zwar jetzt auch nicht 1200-1250 oder so, aber da hier ja auch Vergleiche zu führerem Werkzeug gemacht wurden, kann man hier mal etwas selbst vergleichen. Viel verändert hat sich bis heute wirklich nicht.
Zu Davids-Quellenfrage:
Ich kenne kaum einen Schmied, der sich noch Werkzeug kauft, die machen die alle selbst, u.a. weil sie teils so spezialisierte Sachen brauchen und du kennst es ja, warum lange suchen?! Was man braucht, macht man selbst! ;o)
Zu den mittelalterlichen Zangenformen gibt es ja genug Abbildungen und Funde, was mich aber interessieren würde ist, ob die Greifbacken schon eine Querrillung aufwiesen. Bei manchen Tätigkeiten wie dem Drahtziehen ist ja eine sehr griffige Zange von Vorteil, aber ich konnte bisher keine Belege für so eine Rillung finden. Entweder waren die Abbildungen zu ungenau, oder die abgebildeten Zangen zu korrodiert, um etwas zu erkennen. Weiß jemand vielleicht mehr?
danke schonmal für die Antworten. Das Tolle ist, dass ich die von David beschriebene Literatur in anderer Form als Ausstellungskatalog selbst habe und nun auch fündig geworden bin.
Für andere Interessenten hier mal der Scan einer Axt
st vielleicht nicht mehr ganz “um 1250” aber im Landgrafenpsalter (ca. 1213) gibt es zwei Abbildungen von ßxten, einmal zum Holzhacken und einmal um ein Schwein zu schlachten.
Wenn so eine Axt taugt um ein Schwein zu töten, klappt das sicher auch beim Menschen, ergo ist es wohl nicht so unwahrscheinlich, dass derartige ßxte/Beile auch auf dem Schlachtfeld Verwendung fanden.
Im “Liber ad honorem Augusti” (ca. 1190) sieht manden umgekehrten Fall. Auf Folie 143r werden zwei Soldaten gezeigt, die mit großen ßxten einen Wald roden.
Funde von ßxten aus dem 13. Jhd. gibt es eigentlich einige.
Publiziert sind welche bspw. hier, um nur zwei zu nennen:
Fansa, Mammoun Hrsg. Der Sassenspeyghel. Aus dem Leben gegriffen - ein Rechtsbuch spiegelt seine Zeit (Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 10), Band 2. Oldenburg 1995
Timpel, Wolfgang.Gommerstedt- ein hochmittelalterlicher Herrensitz in Thüringen (Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte, 5) Weimar 1982
Aus Mecklenburg gibts auch einiges. Die Formen decken sich mit den Illustrationen, bspw. im Braunschweiger Dom.
weiß jemand, wie es mit der Axt/ dem Beil um 1250 aussah?
Ich brauche noch eine Axt zum Holz hacken und habe auch schon nach Belegen geschaut. Im Aschaffenburger Psalter (1250) findet man lediglich eine Axt im Kriegseinsatz
Die Handschrift ist aber Anfang 14.Jhd. Hat sich die Formensprache bis dahin verändert? Hat jemand vielleicht das Foto eines Fundes aus der Zeit? Wobei man da ja auch schlecht sagen kann, ob es eine Kriegs- oder Werkzeugaxt ist. Oder gibts da gar keine Unterschiede?