Eintrag #99 vom 04. Jul. 2005 18:36 Uhr
Hans-Christoph
(Nachname für Gäste nicht sichtbar) Bitte einloggen, um Hans-Christoph eine Nachricht zu schreiben.
Es befindet sich zur Zeit in Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum und stammt ursprünglich von einer Chorstuhlwange des Prämonstratenserkloster Pöhlde im Harz. Es stellt wohl anders als in der aktuellen Ausstellungsbezeichnung keinen Schnitzer sondern einen Steinmetz dar.
Eintrag #97 vom 04. Jul. 2005 14:22 Uhr
Hans-Christoph
(Nachname für Gäste nicht sichtbar) Bitte einloggen, um Hans-Christoph eine Nachricht zu schreiben.
Ich hab hier mal eine sehr schöne und detailgetreue Darstellung eines handwerkenden (Stein oder Holz?) Mönches reingestellt. Ca. 1280, Chorgestühl Hannover.
“Für die Bibel sind Tiere keine Gottheiten, sondern wie die Menschen Geschöpfe Gottes, die Ihren Herren loben und preisen. Zugleich aber verwendet die Bibel Tiere als Sinnbilder und Gleichnisse in unterschiedlichem Verständnis. Der Löwe kann mit seinem gewaltigen Brüllen den Ruf Gottes meinen..”
“ßberwiegend begegnen uns Tierwesen als Bilder des Dämoischen, d.h. der Gott feindlichen Kräfte…
…Aber es gibt eine Unterscheidung der Geister, eine Hinordnung der Mächte. Selbst die sogenannten Bestienpfeilerhaben eine ”untergeordnete“ Stellung. Sie werden als tragende Stützen des Gotteshauses in Dienst genommen.”
“Die Gotik kennt wie die Romanik auch die dämonische, ungeheueriche und tödlich-bedrohliche Seite des Bösen. Aber sie verbannt sie außerhalb der Kirche, bindet sie an de Fassaden. Auf den Dächern und Türmen müssen die fratzenhaften Dämonen etwa als Wasserspeier dienstbar sein. ”
“Wenn aber teuflische esen doch ins Kircheninnere vorgedrungn sind, dann ist Ihr Aufenthalt mit Vorliebe das Chorgestühl. Und wieder müssen sie in untergeordneten Stellungen Dienst un, etwa den singenden Chorherren und Mönchen als isericordien, als Lehn- und Sitzstütze wirklich untertan sein. Oder sie werden als Handlauf von frommen Herren in den Griff genomen. Manchmal versuchen diese Teufelchen im Kleid von ßffchen oder sonstigen spielerischen Tieren scheinbare Harmlosigkeit vorzutäuschen.”
Ein Klasse bild von einem Löffelbohrer kann man im Werkzeugkatalog der Firma Dick bewundern.
Ferner hab ich in Afrika mal einen Bohrer in aktion gesehen, der von seiner Machart her auch gut ins MA gepasst hätte. Der Bohrkopf sieht aus wie ein moderner Flachfräsbohrer, die Stange ist etwa 40 cm lang und endet in einem einem drehbar gelagerten Handgriff oder Schulterstück. Angetrieben wird der Bohrer duch einen Bogen, denn bei diesem Prinzip ist es egal ob der Bohrer links oder rechts herum läuft.
Er ist auf jeden fall einfach herzustellen und zu schärfen.
vielleicht kann mir jemand bestätigen das es diese Art bohrer gab.
“Was bedeuten denn groteske Fratzen auf mittelalterlichen Hobeln?
*Pakt mit dem Teufel, um das Handwerk zu meistern (Legenden?)???
*Erschrecken von Lehrlingen und anderen Helfern, damit die den Hobel nicht anfassen???
* Andere Ideen???”
Den ersten Punkt würde ich verneinen wollen. Auch bei der Bildhauerei in Kirchen und seit dem 14. Jahrhundert auch oft in der Buchmalerei, gern auch bei Büchern mit geistlichem Inhalt, tauchen groteske Fratzen auf. Und die kirchlichen Auftraggeber sind doch wohl eher die letzten, denen ich einen Pakt mit dem Teufel zutrauen dürfte.
Von wann ungefähr sind denn die Hobel mit grotesken Fratzen? Bzw. wie sehen die Fratzen denn aus? Eventuell hilft Dir ein Vergleich mit der Buchmalerei der entsprechenden Zeit oder den angesprochenen Elementen der Baukunst, einerseits was die Feindatierung anbelangt, andererseits was die in diesen Fällen von den Kunsthistorikern vermutete Funktion anbelangt.
ok. Ich muss hier also wirklich noch einmal nachhaken, und falls sich wirklich jemand aktiviert, hab ich noch ungefähr 999 Fragen bezüglich Werkzeug…
Was bedeuten denn groteske Fratzen auf mittelalterlichen Hobeln?
*Pakt mit dem Teufel, um das Handwerk zu meistern (Legenden?)???
*Erschrecken von Lehrlingen und anderen Helfern, damit die den Hobel nicht anfassen???
* Andere Ideen???
Jede Menge von Renaissance Delphin Köpfen…Anspielung auf die Säulen in Venedig??? Und was bedeutet das???
Ich habe mehrere Hobel zu datieren und beschreiben, die riesige Sprünge aufweisen. Jemand meinte, dass Hobel relativ schnell gemacht und auch wieder weggeworfen wurden, und dass Arbeiter ihre Hobel nur aus Abfallholz anfertigen durften und kein gutes Holz verwenden durften. Ich finde das seltsam.
Was haltet ihr davon??
ßbrigens habe ich Metallwerkzeug mit 228 Abbildungen gefunden in:
tja das frage ich mich auch, und vor allem, wenn die dinge soooo geheim sind, vielleicht muss man sie gar nicht erst wissen. (etwas ermüdet nicht vom thema, sondern der recherche)
Das kam von einem compagnon, tailleur de pierre, Steinmetz, der letztes jahr anerkannter compagnon wurde..nach 10 jahren lehrzeit.
Da denke ich auch an den kontakt mit dem rolandschacht, wo mir jemand sagte:“ weisste, eigentlich wollen wir nur dass die leute zum reisen kommen, und dann wollen wir zusammen anständig feten feiern.”
Da kratzt man sich am hirn, und fragt sich, ob man diese leute nicht mit diesen ständigen akademischen recherchen in ruhe lassen kann.
Das hilft mir trotzdem nicht weiter, weil ich meine recherche nicht abbrechen kann. Noch irgendeine idee für eine hilfreiche quelle??? Europaweit und vergleichend???
*Was sind die ‘geheimen, mentalen Werkzeuge’ der compagnons?? Wasserkraft, um zB. schwere Balken zu bewegen??
Wahrscheinlich gar nichts ;-). Klingt eher nach einem durchgeknalltem Esoteriker, wie es sie im NS nicht selten gab und wie sie auch im Moment wieder mehr werden. Die Dinge sind dann so geheim, daß die der Autor selbst nicht kennt oder doch “kennt”, aber nicht beschreiben darf. …
Schon der Titel “Ein Jahrtausend deutsches Handwerkschaffen in Skandinavien” verrät ja einiges. …
1) Ich recherchiere Zünfte, compagnons, Schächte, Wandergesellen, Bauhütten und Freimaurer in ganz Europa, mit Fokus Ausbildung und vor allem Werkzeuge. Ouff. Ich ertrinke in Detailinformationen und suche nach einem roten Faden.
*Gibt es dafür eine vergleichende Publikation? *Wie hat sich das Ganze ausgebreitet?? Gab es zeitweise Verbreitungen von Handwerkern, durch Verfolgung, etc?
* Bruno Roehmisch, Ein Jahrtausend deutsches Handwerkschaffen in Skandinavien, 1943. Nach ihm sind die Zünfte in Skandinavien rein deutsch, sogar die Zunftrollen sind auf deutsch geschrieben. (Ein bisschen schwierig zu lesen, stark nationalsozialistisch geprägt). Stimmt das??? Es gab keine eigenen skandinavischen Berufsvereinigungen??? (Ich weiss, dass die frz. compagnons mehrere Bauten gebaut haben, unter anderem die Kathedrale in Upsala)
*Was sind die ‘geheimen, mentalen Werkzeuge’ der compagnons?? Wasserkraft, um zB. schwere Balken zu bewegen??
2)Datierung von Werkzeugen:
Gibt es technische Kriterien, um WZ zu datieren (habe mit grossem Interesse die Schraubendiskussion gelesen)?
Inwiefern wäre es möglich, Werkzeuge aus dem süddeutschen Raum zu trennen??? Ich nehme an, dass das mit ßsterreich ja auch in den Balkan geht. Gibt es regionale Unterschiede z.B. in der Dekoration??
Ich muss vielleicht noch ein paar Fragen nachreichen. Gespannt auf eure Antworten.
Renaissance Metall Handsägen. Warum sind die französischen vollkommen roh, und die aus dem deutschsprachigen Raum zur gleichen Zeit sehr schön gearbeitet und vor allem überall dekoriert?
Stimmt es, dass Werkzeug vor allem aus Abfallstücken gemacht wurde??? Und deshalb Hobel zum Beispiel Sprünge haben?
Was bedeuten Verzierungen auf den Werkzeugen, z.B. Fratzen???
Wer könnte helfen mit Hinweisen über Symbole und Embleme auf verzierten Werkzeugen, um diese eventuell zu datieren oder sie vom geographischen Ursprung zu trennen??? Wo finde ich Quellen über süddeutsche, italienische, norddeutsche…. Symbole…???
zwei kleine einhiebige Vierkantfeilen aus dem 11./12. Jh. Auf den Abbildungen schlecht zu erkennen, aber wie es aussieht Querhieb. Eine zweihiebige Vierkantfeile aus dem 13. Jh. und eine rundstabige Raspel “mit grob gezähnter Kante” aus dem 12.Jh, zu dieser wird eine Parallele aus dem 14. Jh. aus Novgorod erwähnt.
Drehleier eines Bohrers und ein Hobel aus Buchenholz aus einer Latrine aus der zweiten Hälfte des 14. Jh. in Greifswald:
Jörg Ansorge / Karsten Igel / Heiko Schäfer / Julian Wiethold, Ein Holzschacht aus der Baderstraße 1 a in Greifswald. Aus der materiellen Alltagskultur einer Hansestadt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern Jahrbuch 50, 2002, 119-157.
Außerdem zwei aus Wurzelholf gefertigte Griffe von Nierendolchen, Rest eines größeren Löffels, gedrechselte und geschnitzte Schalen aus Esche, Zackenholzschalen, Daubenschalen … und die unvermeidliche Keramik (viel Steinzeug), Glas etc.
Gewinde hatte ich auch nicht wirklich erwartet. Aber ist dieses gelochte Bord die einzige nachgewiesene Methode oder gibts da noch mehr? Wurden Größere Werkstücke vielleicht in Gerüsten fixiert?
also Schraubstöcke kenne ich jetzt ( ausser vielleicht von MA - Märkten ) keine Belege , dürfte auch,meines Erachtens,schwierig sein,da sowas wie ein “echtes” Gewinde im 13. Jhdt. nicht bzw. sehr selten existiertt haben soll . Es gibt wohl bei Villard de Honnecourt eine Abbildung mit sowas ähnlichem wie einem Gewinde , dies hat allerdings nur sehr wenig ßhnlichkeit mit dem uns heute bekannten !
Also Stefan benutzt auf den Märkten ein sogenanntes Shaving Horse , meinst du das , dafür gibt es aber erste Abbildungen erst aus dem 15.Jhdt.! Jedoch gibt es in der Mac - Bibel und auch sonstwo schon gesehen etwas anderes !
Eigentlich handelt es sich dabei um eine dickere (Eichenholz-)Bohle mit mehreren Bohrungen und Dollen ( Holznägel ) , hier kannst du , mit entsprechenden Keilen , so ziemlich alles festspannen !