Der “Schraubendreher” ist eine relativ neue Erfindung ueberkorrekter Lehrer und Lehrmeister. Ich persoenlich finde es genauso graesslich wie “Gliedermassstab” statt “Zollstock”.
…ich hab son Schraubenzieher sogar mal in nem Buch gefunden… aber frag bitte nicht wo, erschien mir damals nicht so wichtig…
Was ausdrehen und Haltbarkeit angeht, so darf man nicht vergessen, das Holz relativ elastisch ist und das auch der Schraubnagel sich beim einhaemmer ein kleinwenig dreht.
Was das aussehen der Dinger angeht, so waren Naegel damals sehr viereckig, s marke Hufnagel, und das Gewind ging nur ein bis dreil um die Achse, nicht wie heute bei den Spaks und Co 10-15 mal.
Also Schlagschrauben halten tatsaechlich besser als normale Naegel, begruenden kann ich’s aber nicht so richtig.
Was aber das “Ziehen” betrifft, kann das auch anderer Herkunft sein. Man spricht ja auch davon, dass man sich einen Splitter “eingezogen” hat.
Ich kann mich auch an die Anweisung erinnern, die Schrauben in ein (hoelzernes) Werkstueck “einzuziehen”.
Auch eine Zwischendecke wird “eingezogen”.
In all diesen Faellen kann man kein “Ziehen” im eigentlichen Sinne feststellen, also wuerde mich die etymologische Herkunft des Wortes erstmal interessieren. Wer weiss, vielleicht gab’s da ja einen Bedeutungswandel…
Das macht aus technischer Sicht so keinen Sinn (oder verstehe ich das nur falsch?)
Also verdrehte eckige Nägel machen runde Löcher, in denen sie gar nicht mehr halten.
Durch (gegensinnige) Drehung kommen die Nägel mangels Gewinde sicher nicht raus (naja, irgendwann ist das Loch so groß daß sie beim kleinsten Husten rausfallen *g*).
Die Erfindung des Schraubendrehers/ziehers setzt Meiner Meinung nach zwingend eine Schraube (!) mit Gewinde (!) voraus. Ansonsten wärs ein Nageldreher, und der macht, wie oben ausgeführt, keinen Sinn.
Hbat ihr euch schonmal gefragt warum das Ding SchraubenZIEHER heisst und seit wann es das gibt?
Ganz einfach:
im 15.Jh, als die ersten mobilen Kanonenlafetten gebaut wurden hatten die Schuetzen ein Problem: die Naegel wurden beim schiessen aus dem Holz gepresst. Um das zu verhindern haben sie die damals viereckigen Naegel verdreht um das Rausrutschen der selbigen zu verhindern und so die “Schlagschraube” erfunden (gibt’s heute noch so im Baumarkt). Damit gabs aber ein neues Problem: wie krieg ich die Dinger wieder raus, wenn ich was reparieren muss an der Lafette? Tja: ich schneide nen Schklitz in den Nagelkopf wo ich meinen Stechbeitel reinstecken kann und den Nagel aeh die Schraube ausm Holz rausZIEHEN kann… und weil der teure Beitel danach hin is, nehmn ich lieber den soeben erfundenen Schraubenzieher zu Hand!
In dem Buch “Von Schmieden, Würflern und Schreinern habe ich folgenden Text gefunden.
”An Bohrertypen sind auf Bildquellen seit dem 14 Jh. der Löffelbohrer und der Schnecken- bzw. Spiralbohrer nachzuweisen. Sie bestehen aus einer Metallstange, deren ende als rundumgeschärfter Löffel oder als sich zur Spitze hin verjüngende Spirale ausgebildet ist.“
Ich habe 3 von diesen sogenannten Spiralbohrern bei meinem Opa ausgegraben, in wie weit sie den vor 600 Jahren benutzten Bohrern ähneln kann ich nicht sagen da mir noch kein Spiralbohrerfund über den Weg gelaufen ist. Sie sehen den auf Malereien abgebildeten Spiralbohrern aber verdammt ähnlich.
”Eine Verwendung von Spannwerkzeugen wie Leimknechte oder Schraubzwingen kann über bildliche Darstellung für die Zeit vor dem 16 Jh. nicht nachgewiesen werden."
Löffelbohrer scheinen das ganze MA durch verwendet worden zu sein.
Im Buch Der mittelalterliche Baubetrieb in zeitgenössischen Abbildungen von Günter Binding, Theiss Verlag, ISBN 3-8062-1634-7 finden sich einige Abbildungen.
Darunter ist auch ein Spiralbohrer (abb. 382, S127, AD. 1454, Handbuch der Mendelschen Zwölfbruderstiftung, Nürnberg).
Kennt jemand weitere Abbildungen, vielleicht sogar früher?
Angaben bitte datiert und mit Quelle, wer mir ein Bild mailen will ist auch willkommen…
Das hat jetzt wirklich nichts mehr mit dem Thema des Threads zu tun, aber interessant finde ich die Schraubenthematik schon. Kurz zusammengefaßt:
in der antiken Welt sind Gewinde belegt als
“archimedische Schnecke”, einer Hebevorrichtung für Wasser, zur Bewässerung von Feldern und Entwässerung von Bergwerken. Aus Holz zusammengesetzt.
Schrauben aus Eisen, um z.B. eine Seilrolle in einen Balken zu schrauben. (Saalburg)
Stellschrauben aus Holz in Belagerungsmaschinen.
In ßl- und Weinpressen. Aus Holz geschnitten, Außen- und Innengewinde.
Bei medizinischen Instrumenten (Speculae). Aus Bronze, Außengewinde, vermutl. an der Drehbank hergestellt.
Bei Vermessungsgeräten als Stellschrauben.
Bei Entfernungsmessern. (Endlosschraube u. Zahnrad, Getriebe). Bronze.
Als Schmuckverschluß. Z.B. Armreifen. Zwiebelknopffibeln. Hier wurden die Gewinde aus auf- bzw. eingelöteten Drahtspiralen hergestellt. Außengewinde auch gefeilt.
Hier sind Funde bis in das 7. Jh. belegt. Allgemein verschwand im Abendland die Technologie. Bei germanischen Fibeln treten Exemplare auf, die Schrauben als nicht funktionsfähiges Schmuckelement imitieren. Im Morgenland bleibt die Tradition von z.B. ßlpressen mit Schraubgewinden ungebrochen. Im 15. Jh. wird die Schraube wiederentdeckt und findet bei Schmuck- u. Feinschmieden (z.B. die eiserne Hand von Berlichingens) Verwendung.
(Quelle:Schrauben zwischen Macht und Pracht. Das Gewinde in der Antike", Thorbecke Vlg).
Bin aber auf der Suche nach weiteren Belegen, v.a. für Holzgewinde.
Zu den Bohrern: die römischen Handwerker verwendeten hauptsächlich Löffelbohrer, aber auch Drill- und Spiralbohrer. (W.Gaitzsch: Römische Werkzeuge).Wie´s damit im HMA aussieht, weiß ich nicht.
Sorry, bin nun mal hauptsächlich spätantik bis frühmittelalterlich orientiert, übers 13. Jh. hab ich nichts speziell im Regal.
Habe mal gelesen, daß die ersten Gewinde geschmiedet waren. Einheitlich genormt wurden Gewinde übrigens erst vor ein paar Jahrzehnten, vorher gab es höchstens in einer Fa. die gleichen Gewinde. Mehr weiß ich leider nicht.
die Dreule/ den Dreul (den von Ivain beschriebenen Drillbohrer) kenne ich. Die wird heute noch im Goldschmiedebereich verwendet. Wenn die Frau, die den Silberschmiedekurs bei AGIL leitet, recht hat, dann ist diese Bohrerform bereits auf ägyptischen Malereien der Pharaonenzeit dargestellt.
Weiß jemand, wann gewindeförmige Bohrer aufgekommen sind? Die gibt es mindestens ab der Renaissance mal wieder in T-Form, wie den Löffelbohrer nur mit Bohrgewinde, statt mit geschmiedetem Löffel, wie auch in der Variante mit der versetzten Achse als Kurbelgriff ( ] am oberen ende der eckigen Klammer wäre der Griff zum Positionieren, am unteren Ende die Bohrschraube, der senkrechte Strich der Kurbelgriff) - nur, seit wann?
Löffelbohrer habe ich ausprobiert. Nachdem ich die alten Dinger wieder scharf hatte, kam der einfache Teil. Für ein Loch in einem 14 cm starken Balken mit ca. 4,5 cm Durchmesser habe ich 7 Min. gebraucht. Es geht erstaunlich leicht, weil man den Bohrer nicht IN das Holz hineinzwingen muß, wie bei einem Spiralbohrer, sondern der Löffel sich immer einen neuen Span abschneidet. D.h. auch, daß der Bohrer Löcher macht, ohne das Werkstück durch eine Spaltwirkung zu gefährden!
Ich habe keine große Ahnung vom Schmieden, aber ich glaube, daß es recht anspruchsvoll ist, einen Löffel so zu schmieden, daß er sauber läuft und gut schneidet. Der Schliff gehört in die Innenkante, also von der hohlen Seite her. Bei Interesse kann ich Dir ein paar Scans schicken.
Ach ja, zum Bohren muß man einfach den Bohrer jeweils etwas über 180° hin-und herdrehen, während man sich auf den Bohrer stützt. Alles in allem waren einige Leute verblüfft, wie leicht und ergonomisch das Bohren ging.
Buchtipp (Werkzeuge allgemein):
G. Binding: Der mittelalterliche Baubetrieb nördlich der Alpen in zeitgenössischen Abbildungen
Hat jwemand einen der unten beschriebenen Bohrer mal nachgebaut und ausprobiert? Der Löffelbohrer dürfte doch eigentlich einfach zu schmieden sein, oder irre ich mich? Gibts da auch npch Bilder vom Einsatz?
Was die Feilen angeht- ich hab die Postings gelesen und wollte nur was über die Verbreitung wissen. Wurden mehr Schleifsteine oder eher Feilen eingesetzt? Müsste doch durch Funde belegt sein, oder?