Oh je Jan! Du verlangst unmögliches. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist. Der durchschnittliche marktmittelalterliche Schwertträger ohne Scheide hat mit deinen Zielen wenig am Hut. Der möchte sich einfach nach einer Woche Schreibtischarbeit wie Highläänder und Bravehäärt durch die Gegend prügeln. Und damit das ganze nicht sofort in die Wehrsport-Ecke abgeschoben wird, behängt man es mit einem Mäntelchen voller wohlklingender pseudowissenschaftlicher Schlagwörter… Lies nur mal den Threat “Gewaltdarstellung im Mittelalter-Kontext” den ich mal angezettelt habe. Da enthüllt sich, welch Geistes Kind das Schlachtenschlagen und damit die A-Karte ist. Andreas der Ketzer
Moin, was heißt hier, Deutschland ist noch nicht soweit. Ich bin schließlich auch Deutscher und mit Sicherheit “soweit”. Außerdem würde ich sagen, wenn man davon ausgeht, daß das durchschnittliche Niveau der Kämpfer in Deutschland noch nicht hoch genug ist, dann sollte man anstatt solche Techniken zu verbieten doch mal versuchen, das Niveau zu heben. Das könnte u.a. durch mehr Kurse und Vereine passieren. Wir haben so ein Seminar wie gesagt gerade hinter uns und sowohl ich wie auch unsere ausländischen Meister stehen jederzeit für weitere - auch vereinsfremde - Veranstaltungen und Trainings zur Verfügung. Was das Fallen in ein Schwert angeht… Es gibt in jedem Sport ein Restrisiko und dieses ist beim Schwertkampf eher geringer als z.B. beim Polo oder vielen asiatischen Martial Arts. Und wie Andre schon treffsicher angemerkt hat, das kann bei Stichen genauso wie bei allen anderen Techniken - auch bei den durch Euch erlaubten - passieren. Eine neue Frage aber hat Andre da aufgeworfen: Wer bitte schön prüft die Prüfer? Wer bestimmt, wer Prüfer sein darf und wer nicht? Das müßte ja schon jemand sein, der über einiges mehr Wissen über unseren Sport verfügt als z.B. ich. Ich kann an dieser Stelle nur meine Herausforderung wiederholen: Wer meint, er sei in der Lage seine Tauglichkeit als Prüfer bei einem Kampf beweisen zu können, der soll sich bei mir melden. In ferrum veritas! Jan Kühr DDS, DFRVB
Hallo, Stiche werden bei uns in choreographierten Kämpfen eingesetzt, und nicht in der Freischlacht. Ausnahme: Zur Zeit trainieren einige Leute mit dem Speer, um diesen evntl. bei sicherer(!) Beherrschung in die Schlacht zu nehmen. Deutschland ist in dieser Beziehung nun mal noch nicht so weit, wie einige andere Länder. Da ist es doch besser, Dinge wie Stiche erst nach einiger ´Eingewöhnungszeit´ zu benutzen. Tscüss,
Shahid Adrian al-hattab al-dschandar ibn amir Hakim al-isfahani
Hallo Matthias! 1. In den vermutlich meisten Schlachten in England sind Stiche gegen den Körper erlaubt. Ansonsten könnte es dort nun keine Stangenwaffen wie Hellebarden etc. geben. Diese stellen nunmal den Kern der Waffenauswahl des späten 15.Jhd. dar. Und diese Schlachten sind frei. ßhnliches gilt für Duelle etc. Demnach liegt es nicht auf der Hand. Zu bemerken ist noch, daß in englischen Schlachten Stiche nur zum Körper und nicht zum Kopf erlaubt sind. 2.Was verstehst Du unter “erfahrener Kämpfer” und wer hat diesen geprüft? 3.Eine stolpernde Person kann auch mit Schlägen verletzt werden, also deshalb verbieten? Und eine Rüstung ist, wie Du sagst wirklich keine Garantie für Unverletzlichkeit. Egal um welche Hieb- oder Stichwaffe es sich handelt, die verletzen kann. Ich hoffe Du entschuldigst meinen Sarkassmus. Mit freundlichen Grüssen
Hallo Andre ! Hm; das Stiche und ähnliche kleine Gemeinheiten in einer freien (!) Schlacht oder Zweikampf nichts zu suchen haben, dürfte wohl auf der Hand liegen … Die A-Karte versteht sich nicht als Führerschein, aber das “Nachher” kann durchaus so gewertet werden. Schließlich garantiert auch niemand, daß irgendein Verrückter trotz Führerscheinprüfung nicht wie eine gesengte Sau mit 1,8 Promille durch die Gegend fährt und so nebenbei eine fünfköpfige Familie im Gegenverker auslöscht (um es mal etwas kraß aszudrücken). Die A-Karte gibt aber zumindest die Sicherheit, daß dem Mann (oder der Frau) mal ein erfahrener Kämpfer auf die Finger geschaut hat. Und so ganz nebenbei : Auch der perfekteste Kämpfer kann mal ins stolpern geraten und in ein Schwert fallen … und komm jetzt bitte nicht mit dem Argument : “Dafür gibt´s doch Rüstungen !” Gruß,
Hallo André! Als A-Karten-Besitzer gebe ich Dir zu Deinen Argumenten trotzdem recht. Die Fragen, die Du aufstellst, (besonders die bezgl. der Ausländer) habe ich mir auch schon gestellt. Soviel dazu. Andererseits: Wenn Du wirklich kämpfen willst wie unsere Ahnen, dann bitteschön mit dem wirklichen Ziel, den Gegner zu töten. Hast Du dieses Ziel nicht, dann ist dieser Kampf, so gut er auch sein mag, eben gerade nicht der Kampfstil unserer Ahnen, sondern nur ein lauer Versuch der Nachahmung. Also bitte: Nicht solche vergleiche! Gruß v. Arlen
Hallo zusammen, Dass die A-Karte nur absolute Mindestanforderungen überprüft ist sicherlich richtig - allerdings besser als kritiklos Alles was ´ne Klinge halten kann auf das Schlachtfeld zu lassen (wie es bisher noch üblich war). Natürlich kann ein Prüfer nur in den allerseltensten Fällen die Persönlichkeit des Prüflings beurteilen; dem wird allerdings zumindest dadurch Rechnung getragen, dass einem A-Karten Besitzer bei grobem Unfug die Karte erstmal entzogen werden kann, damit er nicht noch mehr Mist verzapft. Zu Jan: Wie gesagt: ßber die (Nicht-)Regeln beim Zweikampf musst Du Dich schon mit deinem Gegner einigen -Die A-Karte hat damit nicht das Geringste zu tun. Und wenn dein Kontrahent sich aus irgendeinem Grunde weigert gegen Nicht-Karten-Besitzer anzutreten, ist das sein persönlicher Film. Zur Not sucht Du Dir dann einfach einen Anderen. Tschüss,
Shahid Adrian al-hattab al-dschandar ibn amir Hakim al-isfahani
Hallo! Mit Interesse habe ich dieses neue Forum gelesen. Ich denke, dass die Frage, die Jan gestellt hat nicht darum ging, ob sich jeder nach den Bestimmungen einer A-Karte (Typisch sch…. Beamten-Deutschland) zu richten hat, sondern, wie sich Probleme darstellen, fuer Leute, die keine besitzen und doch “besser” mit Schwert und Schild etc. umgehen koennen als deren Pruefer. Ich betreibe ebenso Mittelalterlichen-Europaeischen-“Kampfsport” und nicht “nur” pures Re-enactment(das soll keine Beleidigung der Re-enactment-Szene sein). Ich denke, dass der Unterschied darin besteht, dass Re-enactment-Schlachten ein Spiel um Schlachten des Mittelalters, der Renaissance etc. sind und andererseits Schwertkampf darauf abzielt, den Gegner zu toeten oder mindest schwer zu verletzen. Ich meine, dass man diesen Unterschied auf jeden Fall betrachten sollte.Jemand, der ernsthaft damit befasst ist, die Kampftechniken unserer aller Ahnen zu erlernen und zu studieren hat meist ein ganz anderes Hauptziel als ein Re-enactor, zumindest solche, die die alten Techniken total vernachlaessigen (z.B. nie Stiche etc. trainieren). Ernsthaftes Training braucht keine “Lehrer der sieben Grungschlaege ohne Stiche”. Noch benoetigt er deren “heilige” Erlaubnis um richtig kaempfen zu koennen. Dies schliesst auch einen Schaukampf, bei dem es KEINE verletzten geben darf, ein. Das Problem der A-Karte ist meiner Meinung nach, dass sie scheinbar leicht zu bekommen ist, aber NICHT viel ueber den Charakter und den waren Erfahrungsgrad der besitzenden Person aussagt und ob sie sich an die “Regeln” haelt. Damit entsteht der Eindruck eines “sicheren” Kampfes, den NIEMAND garantieren kann, auch nicht mit der A-Karte. Und so ist sie eigentlich total nutzlos und recht gefaehrlich fuer deren “Erfinder”. Denn was wird z.B. eine Stadt als Veranstalter eines Ma-Marktes sagen, wenn zwei A-Kartenbesitzer sich schwer verwunden!? Da waere es doch vielleicht besser fuer Schlachten nur Vereine und deren Mitglieder teilnehmen zu lassen, wie z.B. in Tewkesbury/England, und diese darueber entscheiden zu lassen, wer kaempfen darf und wer nicht, denn die sollten ihre Leute kennen. Ausserdem, wie ist es mit auslaendischen Teilnehmern? Muessten die dann auch vorher einen Test durch “annerkannte Pruefer(von wem anerkannt!?!)” absolvieren, oder wie soll das funktionieren? So, das soll es sein und nicht vergessen: “the point over the edge” mit freundlichen Gruessen
Hallo Allgemeinheit, hallo Shahid Adrian al-hattab etc. etc., Erst mal Danke für die Anregung mit den Holzpflöcken, über diese Waffe müßte man mal nachdenken. Aber mal im Ernst: Es geht ja nicht darum, wie wir Zweikämpfe innerhalb unseres Vereins austragen, das ist schließlich tatsächlich unsere Sache. Mir geht es vielmehr darum, daß wir schließlich auch Zweikämpfe mit Gegner austragen möchten, die nicht mit uns trainieren, sprich auf Märkten und Turnieren. Ich befürchte halt, daß ich oder andere Mitglieder meines Vereins auf Grund einer fehlenden A-Karte in diesem Rahmen zu keinem Kampf zugelassen werden. Nun könnte man sagen, dann sollten wir diesen Test doch einfach machen. Wir werden das - vor allem des Spaßes wegen - mit Sicherheit mal machen, aber in der Praxis kommt mir das so vor, als ob einer meiner Auszubildenden in der Firma mich prüfen wollte, um herauszufinden, ob ich meinen Job beherrsche. Dieser Vergleich ist zwar vielleicht etwas gemein, aber das ist halt der Eindruck, den unsere Meister - die wir auf die Seite der HCA aufmerksam gemacht haben - und wir von den Regeln gewonnen haben. Was Sinn oder Unsinn meiner Frage angeht: Die Abkürzung HCA bedeutet Historical Combat Association (was übrigens mehr als stark an John Clement´s HACA - Historical ARMED Combat Association - erinnert) und das läßt den Eindruck entstehen, die Dahinterstehenden würden für den gesamten Bereich des historischen Zweikampfs sprechen, wie er heute ausgeübt wird, und eben nicht nur für die Re-enacter. Danke für den Wohlgemeinten Tip, Andreas, aber ich fühl mich nunmal irgendwie angesprochen. Mit fechterischen Grüßen Jan Kühr DDS, DFRVB
… wobei so eine A-Karte noch lange nicht die Qualität einer jahrelangen, gründlichen Ausbildung garantiert. Würde man die Anforderungen für so eine Karte so hoch ansetzten, wie es nötig wäre, blieben wahrscheinlich gar nicht mehr genug Kämpfer für zwei Schlachtparteien übrig. Mein Tip Jan: Kümmer´ dich nicht um die A-Karte. Meinem Empfinden nach ist das lediglich der kleinste Nenner an Erfordernissen, um SHOW-Kämpfe mit mehr als Zwei Teilnehmern in der deutschen Marktszene in einen halbwegs ungefährlichen Rahmen zu halten. Mit der ursprünglichen europäischen Kampfkunst und damit mit dem, was du machst, hat das nichts zu tun. Andreas der sein Schwert da läßt, wo es hingehört, solange nicht damit umgehen kann. Im Schrank.
Hallo Jan, Deine Anfrage hätte man wirklich noch in einem anderen Thread unterbringen können. Wie Ihr eure Zweikämpfe austragt kann euch keine Kämpferliste und keine A-Karte vorschreiben. Solange Ihr die Sicherheit Aussenstehender beachtet, könnt Ihr euch auch Holzpflöcke durch´s Herz rammen - Das sind eher Dinge die eure Versicherung interessieren dürfte. Die A-Karte ist für Schlachten gedacht, deren Veranstalter wollen, dass nach bestimmten Regeln (die sich immer mehr in der ´Szene´ durchsetzen) gekämpft wird, und dass keine vollkommenen Dilettanten auf dem Schlachtfeld herumlaufen. Alaska?
Shahid Adrian al-hattab al-dschandar ibn amir Hakim al-isfahani
Hallihallo, erstmal sorry, falls meine Anfrage in irgendeiner Form die Etikette dieses Forums verletzen sollte. Ich schreibe normalerweise ungern in solchen Foren, aber so langsam hätte ich doch gerne mal Klarheit. Ich weiß, daß es schon ein Thread zu diesem Thema im weitesten Sinne gibt, aber mein Anliegen geht mehr in eine andere Richtung. Zuerst die einfache Frage: Für was ist diese A-Karte genau gedacht? Nachzulesen sind “Schlachregeln” für Re-enactmentschlachten, was mit Sicherheit Sinn und Verstand hat, egal ob nun abweichend von irgendwelchen ominösen internationalen Regeln oder nicht. Wie sieht es denn mit einem Zweikampf aus? Soll die A-Karte auch für Duelle und Turniere gelten? Mein Hintergrund ist der folgende: Ich trainiere Schwertkampf und historisches Fechten als Sport seit ca. 6 Jahren, das umfaßt Schwert, Rapier, Cut and thrust oder Sidesword, Dussack, Spada di armi und einiges mehr. Dies ist allerdings nur im Sinne eines sportlichen Zweikampfes zu sehen. Wir - mein Verein und ich - sind zwar auch des öfteren auf europäischen HMA Re-enactments zu finden (f.e. Tewkesbury und Azincourt), aber das ist eigentlich nur zum Fun und findet dann unter den Regeln der jeweiligen Veranstaltern statt. Mein Meister ist Paul MacDonald aus Edinburgh, Trainer der Dawn Duellists Society und Mitglied der British Federation of Historical Swordplay und der International Masters of Arms Federation. Nun macht es in meinem Sport generell keinen Sinn, bestimmte Schläge, Stiche oder andere Techniken auszuschließen, da dies nicht dem historischen Vorbild entsprechen würde. Wohlgemerkt, ich spreche hier vom Zweikampf. Trainiert und auch gekämpft wird so ziemlich alles, was sich die Meister zwischen 1300 und 1600 ausgedacht haben. Natürlich gibt es ein paar Einschränkungen: zum einen gibt es einige wenige Sachen, die man einfach nicht machen kann ohne den Gegner ernsthaft zu verletzen, dies gilt vor allem für einige Entwaffnungen und den Einsatz von Knauf, Parierstange und Linkshandwaffen wie Dolch oder Buckler. Zum anderen gibt es natürlich auch bei uns eine Mindestausrüstung, die jedoch nicht mehr als Fechtmaske oder Helm, Handschuhe und eine wattierte Jacke oder Weste vorschreibt. Vor allem aber ist ein guter Kämpfer in der Lage, Zielpunkt und Aufschlagsenergie eines Schlages oder Stiches genau zu kontrollieren und nur ein guter Kämpfer - oder einer, der nicht ganz bei Verstand ist - würde sich in einen ernsthaften freien Zweikampf mit einem gut tranierten Gegner wagen. Diese Fähigkeiten in einer Prüfung nach einem konkreten Regelwerk abzufragen, kann durchaus Sinn machen, wenn es um die Standardisierung bestimmter “Grade” einer Meisterschaft an der Waffe geht, dafür aber ist das Regelwerk der A-Karte nicht ausreichend oder schlichtweg unpassend. Letztendlich beinhaltet der richtige Weg, die Kunst des historischen Fechtens bzw. Schwertkampfes zu erlernen, neben des Trainings mit Gleichgesinnten vor allem auch die Schulung durch einen Meister. Für diese gibt es übrigens durchaus schon sowas wie ein Gütesiegel, nämlich die Mitgliedschaft in obig schon erwähnter International Masters of Arms Federation. Daß Verletzungen unter diesen Voraussetzungen sehr unwahrscheinlich sind, haben wir gerade an diesem Wochenende wieder einmal gesehen. Auf einem Lehrgang auf Burg Bilstein im Sauerland haben wir mit 55 zum größten Teil vollständig unerfahrenen Teilnehmern unter der Anleitung von Paul MacDonald und Andrea Lupo Sinclair aus Italien Schwertkampf trainiert - und das ohne eine nennenswerte Verletzung. Ich hoffe, Ihr könnt meine Verwirrung in Bezug auf die A-Karte ausräumen. Sollte jemandem daran gelegen sein, die Praxistauglichkeit der A-Schein erlaubten Techniken - so diese denn nun auch für den Zweikamopf gedacht ist - gegen mich zu testen und sich somit mal in der Praxis verdeutlichen zu lassen, was ich meine, der ist herzlich eingeladen gegen mich anzutreten. In diesem Sinne - keep your point up! Jan Kühr Trainer der Freien Recken von Berg e.V.