Sonja, wie gehabt: mit dem Kleid ist es nicht getan.
Ich rate auch dazu, das Füttern erst mit anderem Stoff zu üben, erstmal ein “mittleres” Kleid mit Fütterung machen. Seide ist sehr ekelig zu verarbeiten… ;)
Zum Thema Techniken (nicht: Schnitte!!!) empfehle ich:
Als du die Seide hier gelinkt hast, habe ich nach einer Definition davon gesucht, weil mir der Begriff für Seidenstoff neu war.
Was ich da gefunden habe, war in der Regel so extrem dünn (Seidenmaltücher etwa), daß dir das Auffallen mit einer Klamotte daraus sicher nicht schwer fallen wird.
“Posen” würd ich das zwar nicht unbedingt nennen, aber zumindest männlicher Aufmerksamkeit dürftest du dir damit sicher sein. Fraglich, ob du dir das so gedacht hast.
Zum Füttern:
Im Prinzip kann (zumindest für die noch relativ einfach Schnitte um 1300, später wäre ich nicht so sicher) man beide Schichten einzeln wie komplette Kleidungsstücke nähen und dann verstürzt ineinander setzen.
Für den Abschluß gibt es mehrere Möglichkeiten, von Blindstich bis aufgesetzten Blenden oder dem Umschlagen des Deckstoffes. Die textlich zu beschreiben ist allerdings recht schwer.
Das es teuer wird war mir klar, aber ich hab ja Zeit mir Geld zusammen zu sparen, da ich das eh nur im Sommer tragen würde dachte ich die dünne Seide sei vielleicht ganz praktisch. Sonstige wetterfeste Kleidung bräuchte ich dann auch nicht, da dies mein einziges Kleid aus dem Bereich werden soll. Ansonsten bevorzuge ich auch eher einfache Darsellungen. Aber ein Prunkkleid (zum angeben) möchte ich schon haben…
Ich werd mich doch lieber auf Deutschland beziehen (ist doch einfacher). Die Idee das Futter gelb zu machen find ich klasse. Und die Teufelsfenster werd ich auch weglassen (hab das Bild net mehr gefunden, vielleicht hatte ich mich auch geirrt).
Wie füttert man den ein Kleid? Hab ich noch nie gemacht.. Näht man das einfach mit ein?
Apropos wettertauglich, erl Ergänzung zu Gabrieles Beitrag, und Nachtrag zu meinem:
Es ist nicht unbedingt sinnvoll, sich bei einer Adelsdarstellung gleich die Prunkkleidung zuerst zu machen. Schliesslich lief auch der Adel nicht immer und überall in Seide herum, aber selbst die einfache Kleidung sollte den Stand refelektieren, und für eine glaubhafte Darstellung brauch man halt _auch_ entsprechende Kleidung. Also mit “sozundsoviel Meter Seide” ist es nicht getan.
Und hat man die Klamotte dann, dann ist das Zeug so wertvoll, mehr als posen ist damit nicht.
Dazu noch Schuhe, Gürtel, Kniebänder, Fibeln, Kopfputz, Ringe, Material für Besatz und co.
Will man dann noch nicht nur herumstehen braucht man auch noch Alltagsgegenstände, alles passend zur Rolle…
Ich kann wirklich durch Erfahrung aus erster Hand sagen, das sollte man sich gut überlegen.
Eine gut rekonstruierte Adelsdarstellung ist- siehe Perschaus- super. Aber frag z.B. Nicole- auch teuer und teils ungemütlich.
das ist eine Pongéseide - die ist für einen Bekleidungsstoff viel zu dünn. Soetwas kann man höchtests zum Füttern nehmen… Und auch dafür sollte es mindestens Pongé 10 sein (was schon recht selten ist…).
Abgesehen davon würdest Du für eine Adeligenklamotte in Seide (abhängig natürlich von Deiner Größe) bei einer Stoffbreite von 140 mindestens 3 Meter pro Kleid brauchen, eher mehr. Das macht bei 2 Kleidern + einem Futter auch einiges…
Und das Unterkleid nicht vergessen (feines Leinen oder gleich Seide…)
Naja, und wettertauglich ist soetwas nun wirklich nicht…
Fang’ lieber mit etwas Einfachem an, da brauchst Du nicht so viel Stoff und für ein einfaches Unterkleid kann man sehr schön das ungebleichte IKEA-Leinen nehmen (wenn man noch welches bekommt ;-)).
Dass Färbehof sie als Betthimmel empfiehlt, hat ihren Grund ;) Am Besten, Du lässt dir mal Proben schicken.
Insgesamt empfehle ich Dir: fang mit was einfachem an, und arbeite Dich hoch. Und mach nur eine ausländische Darstellung, wenn du die jeweilige Landessprache sprichst (für Recherchen) und bereit bist, vor Ort zu recherchieren. Sonst kommt oft nix halbes und nix ganzes dabei raus.
Ich hatte irgendwo ein Bild gesehen mit Teufelsfenstern um 1300, ich weiß bloß nicht mehr wo. Ich werds mal suchen, kann aber nicht versprechen, dass ich es finde…
Pflanzengefärbter Seidenstoff ist gar nicht mal so teuer, ich habe welchen gefunden, der 17 Euro pro Meter kostet(www.wolle-stoffe-seide-pflanzengefaerbt.de/[ ]/sho[ ]). Da ist der Wollstoff für einfache Gewänder teilweise teurer. Allerdings muss ich noch nachschauen, ob ich den Stoff verwenden kann/darf.
ßber eine Kopfbedeckung hatte ich noch gar nicht genauer nachgedacht.
Ich werd auf jedenfall nochmal Recherchen anstellen und mein Vorhaben nochmal überdenken…
Um 1300 würde ich in England auch noch kein Kleid mit Teufelsfenstern wählen, die tauchen in den Darstellungen und Textquellen doch schon erst deutlich später auf, und selbst dann bleibt es ein Kleid für bestimmte Anlässe, insofern stellt sich die Frage, ob dies als Erstkleidung so sinnvoll ist.
Insgesamt würde ich mir auch die Frage stellen, _welche_ Kleidung Du rekonstruieren willst? Garderobe für alle Tage? Für besondere Anlässe? Wie gut situiert ist die Dame tatsächlich?
Ansonsten stimme ich Gabriele in wesentlichen Punkten zu; was Kaninchen betrifft, die wurden zumindestens in Paris Mitte des 14ten bereits gezüchtet und auch als Material für Kleidungsfutter etc. verwendet, für 1300 und England kann ich aber keine Aussage machen.
Ich denke, da wäre eine genauere Betrachtung einiger Inventare nützlich, z.B.
“Household Accounts from Medieval England, C. M. Woolgar”
Erfreulicherweise gibt es recht viel Literatur zu dem Thema, die Engländer sind da recht aktiv ;)
die Seidencotta einer Adeligen würde ich auch überlang machen. Knöchellang sind Arbeitsklamotten.
Teufelsfenster, hmmm. Ich bin nicht so der Experte für England, aber hast Du einen Beleg für Teufelsfenster um 1300? Würde mich sehr interessieren, da ich bisher immer dachte, die kämen eher so in den 20ern auf…
Und mir persönlich sind aus dieser Zeit auch keine Pelzverbrämungen bekannt. Es wurde eher komplett gefüttert.
Und Kanninchen ist eh sehr zweifelhaft…
Füttern solltest Du den Surkot auf jeden Fall; wenn nicht mit Fell, dann wenigsten mit einer leichten Seide in einer Kontrastfarbe (z.B. Gelb).
Ansonsten ist Adel (vor allem eine komplette Seidenklamotte) natürlich recht kostspielig, auch in den Accessoires. Die Knöpfe sollten mindestens aus Silber sein und bei Seide natürlich hohl. Dann kommen noch passende Schuhe dazu, evtl. ein Gürtel und natürlich die passenden Kopfbedeckung. Für jemanden der gerade Abi macht eine ganz schöne Herausforderung ;-).
Schau’ Dir ‘mal die Seite von den Perschaus an (www.apud-angeron.de). Die machen eine ziemlich heftige Adelsdarstellung!
Ich möchte Dich nicht entmutigen, Du kannst natürlich tun, was immer Du möchtest, aber Du wolltest ja unsere Meinung… ;-)
Hm, ohne mich mit England 1300 gut auszukennen, aber meinst du nicht, Kaninchenfell wäre etwas underdresst? Ich würde da dann doch eher Feh vorschlagen.
Ich hab vor mir als nächstes die Gewandung einer Adligen aus England so um das Jahr 1300 zu machen und wollte mal wissen, ob meine ßberlegungen korrekt sind. Ich hab leider im Moment nicht so viel Zeit selbst viel zu recherchieren, da ich kurz vor dem Abi stehe.
Ich möchte als Kleid einen mit Indigo und Reseda gefärbten (also grünen)Seidenstoff verwenden. Eng anliegende ßrmel mit Knöpfen und ca. knöchellang.
Darüber eine Surcot auch aus Seide und mit Indigo gefärbt. Der soll Teufelsfenster haben, die allerdings nicht allzu groß sein sollen und mit Kaninchenfell besetzt. Er soll nicht ganz so eng am Körper anliegen und ßberlänge haben.
Ich wäre sehr froh wenn ihr Stellung zu meinen ßberlegungen nehmen könntet.