Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Anfänge der Denkmalpflege

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Eintrag #1 vom 21. Jul. 2002 01:45 Uhr Florian Scharfe   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Anfänge der Denkmalpflege

Hallo,
Habe durch Zufall dieses Forum entdeckt und mit Interesse einige Disskussionen gelesen.
Ich versuche gerade zur erkunden, wo der Begriff der Denkmalpflege zum ersten Mal angewendet wurde, wann das Interesse auf die Erhaltung, Restaurierung und Konservierung von Bauwerken gestoßen ist. Wann wurden Denkmale neben Denkmälern erstmals bedacht, bzw. zu solchen gemacht.
Vielschichtiges Thema, freue mich auf Antworten. Denke dabei vor allem an architektonische Denkmale.
Viele Grüße
Flo

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Eintrag #3 vom 24. Jul. 2002 08:16 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht damals war´s

So viel ich weiß (das ist nicht viel) begann man im Historismus damit, sich für die alten Baudenkmäler zu interessieren. Das paßte ins romantische Denken der Zeit. “Denkmalschutz” ging aber damals oft in die Richtung, daß man Ruinen wieder errichtete, wobei dann auch noch meist eine romantische Verklärung als Vorlage für den Wiederaufbau diente. Es fand also eine Art Verfälschung statt.
Im thread nebenan geht es ja ums Berliner Stadtschloß. Ich kann nur sagen, daß die Erbauer des sog. Alten Berlins sich (leider) auch schon einen Dreck um das gekümmert haben, was da vorher stand. Das ist halt der Nachteil einer Metropole, hier muß immer alles neu und schick sein, für das alte bleibt zu oft kein Platz. Wenn ich mir hingegen das italienische Bergdorf anschaue, in dem mein Vater gerade ein Haus kaufte. Da müßte man nur ein paar moderne Installationen demontieren und könnte den schönsten MA-Film drehen. Ich weiß aber nicht, inwiefern da ein Denkmalschutz greift, ich glaube, da hatten die Leute einfach nicht genug Geld, um zu modernisieren. Wir finden es romantisch, die dort wünschen sich vielleicht lieber was neumodisch bequemes. Wer weiß…
Gruß
Joachim

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Eintrag #4 vom 24. Jul. 2002 09:51 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ... Fragmente ...

Moin zusammen,
soweit ich´s im Kopf habe fin das Interesse - speziell für die mittelalterliche Geschichte im 18. Jhdt. an, es wurden viele alte Schriften wieder aufgelegt und teilweise auch übersetzt. Ich habe gerade z.B. einen Stich aus dem 18. Jhdt. aus dem “Liber ad honorem augusti” im Auge, der nach den Abbildungen der Handschrift angefertigt wurde.
Richtig durchgesetzt hatte sich dieses Interesse Ende 18./ Anfang 19.Jhdt. mit der romantischen Bewegung, die ja speziell das Mittelalter wieder zum Thema machte. Ich möchte z.B. auf die Bilder Caspar David Friedrichs hinweisen, die Ruinen zum Thema machten (will jetzt keine kunsthistorischen Ausflüge betreiben ;-). Wobei auch Leute wie Lessing sich mittelalterliche Sujets zu eigen machten (Nathan der Weise). Mit dieser Begeisterung für das MA fing auch das Interesse für die bis jetzt oft als Steibrüche genutzten Ruinen und Burgen etc. an, die als schützenswert galten. Verstärkt hatte sich das dann zur Mitte des 19. Jhdts. in Verbindung mit den nationalliberalen Bewegungen, die auch auf eine stärkere Betonung der historischen Einheit Deutschlands (die später zu Auswüchsen des Nationalismus wurde) hinarbeiteten.
In diesem Zusammenhang wurden auch weiterhin sammlungen, Bibliographien (afaik stammt die Monument Germania vom Anfang des 19. Jhdts.) zusammengetragen und um die Mitte des 19. Jhdts. entwickelte sich aus der Romantik der Symbolismus udn letztendlich der Historismus, der ja auch als “Geschichtslehre” seine Kreise bis in die heutige Zeit zieht. ßbrigens wurde schon damals die Hinwendung zur Historie als Eskapismus belächelt ;-))
Das heißt ab Anfang des 19. Jhdts. war zumindest interessenmäßig der Grundstein für eine Denkmalpflege gelegt, die großen werke von z.B. Viollet le Duc zeigten im Grunde schon eine fortgeschrittene Entwicklung. Wie diese Ansichten sich im Endeffekt in bauwerken wie Carcassone, Altena, Hochkönigsburg und anderen historistischen stilblüten niederschlugen ist, denke ich, bekannt.
Soweit aus der kunsthistorischen Sicht ;-)
Thorsten

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Eintrag #5 vom 24. Jul. 2002 20:53 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Genau

Man kann Grundsätzlich davon ausgehen, daß das Interesse an MA-Geschichte erst Mitte des 19. Jhd. anfängt.
So fängt man 1812 an, die Marienburg wieder herzurichten, 1846 wird durch die Wiedererrichtung eines pseudo-mittelalterlichen Fensters ein Trümmerhaufen zu dem heute bekannten Rolandsbogen errichtet, die Steine des Drachenfelses werden nicht weiter als Baumaterial für den Kölner Dom genutzt sondern man fängt an, die Ruine zu erhalten.
Romantische Bilder von Burgruinen entstehen haufenweise; ebenso (auch gut recharchierte) Romane über das HMA und SMA. Goethe kann man hier mit seinem Götz als Vorreiter ansehen.
Mein erstes, wissenschaftlich geschriebenes Buch stammt ebenfalls aus der Zeit und wurde von dem bekannten Dichter Joseph Frhr. v. Eichendorff 1844 verfaßt.
Noch 70 Jahre zuvor ordnete Friedrich der Große den Abriß vieler Ordensburgen in Preußen an, dadurch sind nur noch wenige dort gut erhalten.
Es folgte dann noch Wagner mit dem Niebellungenlied und schließlich, um 1920, die ersten Anfänge einer Mittelalter Szene.
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #6 vom 25. Jul. 2002 08:02 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht welche Stufen von Denkmalschutz gibt es eigentlich?

Nun müssen Gebäude übrigens auch nicht unbedingt uralt sein, damit sich der Denkmalschutz dafür interessiert. Z.B. das sog. Haus Gauß in dem ich studierte (ein potthäßlicher Kasten aus den 50gern 20. Jh).
So ganz blicke ich da auch nicht durch, aber es gibt anscheinend auch verschiedene Stufen von Denkmalschutz. Das Thema liegt mir seit einigen Monaten zunehmend am Herzen, da wir uns gerade ein “bedingt denkmalgeschütztes” Haus gekauft haben und fleißig sanieren, wo wir auf der Straßenseite relativ gebunden sind, während wir uns auf der Rückseite richtig austoben könnten. Wollen wir aber nicht, denn, wer sich freiwillig ein altes Haus kauft, sollte auch ein Herz für die damalige Architektur haben und sich daran erfreuen. Oder es halt lassen. Dieses Gespür haben aber anscheinend viele Leute nicht, wenn ich mich so umsehe, wird da mit den üblichen modernen Obi-Eingangstüren und Alu-Fensterahmen usw. verschandelt auf Teufel komm raus, obwohl eigentlich verboten. Aber anscheinend kümmert sich da keine Sau und erst recht keine Behörde so richtig drum.
Also ich erfreu mich jedenfalls an alten Türknäufen, Briefschlitzen usw. Da kann ich endlich mal korrekterweise sagen, das ist authentisch. Aber so authentisch (eine schwache Sicherung fürs ganze Haus) wie die elektrische Anlage wollte ich es dann doch nicht haben. Bin halt ein Fuzzie :-)
Gruß
Joachim

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Eintrag #7 vom 25. Jul. 2002 08:20 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Erst recht....

….vor die Hunde gehen manche Häuser, WEIL sie unter Denkmalschutz stehen :(
Das ist leider eine Entwicklung hier auf dem Land. Viele Häuser finden deshalb keinen neuen Besitzer, weil sich niemand die Auflagen des Landesdenkmalamtes antun möchte.
Beispiel eins - ein altes Gasthaus, um 1800. Seit Jahren leerstehend und dem Verfall preisgegeben. Die Fachleute kamen, inspizierten, und befanden das Objekt als rettbar. Tags darauf brach die Bude mit einem lauten Krachen in sich zusammen. Gänzlich, zurück blieb ein Haufen Schutt. Man könnte ja Spekulationen ausbrüten….
Beispiel zwei - das Nachbargebäude meines Bruders. Altes Bauernhaus, um 1850. Die alten Besitzer starben, die Erben machten sich ans renovieren. Dann kamen Deckentäfelungen ans Tageslicht, wurden dem Denkmalamt gemeldet. Auflage: Die Täfelung muß erhalten/restauriert werden. Fazit? Die Bauarbeiten wurden - schon vor etlichen Jahren - abgebrochen, die Erben setzten sich. Zurück blieb ein Haus, in das es seit Jahren regnet, das immer mehr verfällt und Deckentäfelungen, die sich schon der Verfall geholt hat.
Was ein Glück, daß unser 102 Jahre altes Haus einfach nur ein Haus ist… ;)
Grüßle, Angy.

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Eintrag #8 vom 25. Jul. 2002 17:44 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Nun...

es gibt auch ziemliche Schwierigkeiten, ein Denkmal-Haus zu pflegen.
Meine Eltern wohnen in einem solchen, von 1914, und mein Vater macht sich alle erdenkliche Mühe, das Haus jedenfalls von Außen im Originalzustand zu belassen.
Nun ergeben sich die ersten Schwierigkeiten an den 90 Jahre alten Holzfenstern, sie morschen so langsam vor sich hin. Neu würde jedes Fenster meinem Vater 12.000,-DM kosten. Ein neues Iso-Fenster könnte er aber erheblich billiger haben.
Schwierige Entscheidung.
Kannte da auch mal zwei Fachwerkhäuser. Das eine war eine Hütte vom 16. Jhd. Ein einziger Raum, Klo draußen, keine Dusche oder Bad. Als die alten Leute starben, war diese Hütte angeblich unrettbar von Ungeziefer besetzt, so daß nur der Abriß blieb.
Das andere war ein längliches, aber dünnes Fachwerkhaus. In zwei engen Zimmern mit niedriger Decke wollte man aber nicht wohnen. Irgendwann brannten “mutwillige Jugendliche” das Häuschen ab. Wie bei erstgenanntem Haus steht dort jetzt eine feine Mietwohnung.
Meine Tante wohnt außerdem noch heute in einem alten Kelterhaus aus dem 17. Jhd. Völlig verwinkelt, schiefe Fenster und Wände, niedrige Decke, düster. Das werden wohl auch die letzten Bewohner sein.
Denke, selbst Joachim möchte was komfort haben, oder? ;o)
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #9 vom 26. Jul. 2002 08:03 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht na ja, ganz ohne Vorschriften geht es aber auch nicht

Na ja, Deckengemälde haben wir bei uns noch nicht freigelegt. Dafür aber unter einer Tapete eine alte Berliner Morgenpost mit Kinoprogramm von 1952.
Die geschilderten Beispiele, zu denen ich selbst noch einige beisteuern könnte, sind natürlich die Kehrseite der Medaille. Aber trotzdem, gerade bei Fenstern kann man so viel versauen. Fenster am Haus sind wie Frontscheinwerfer am Auto, sie bestimmen maßgeblich den Eindruck, den Charakter. Und gerade bei Umbauten auf moderne Zweckfenstern erscheint das Haus dann so, als habe man ihm die Augen ausgestochen und man blicke in leere, große Augenhöhlen. Sicher, ich heule auch gerade, weil ich unsere alte Haustür retten bzw. sichern will. Aber muß man deswegen gleich eine moderne Bauhaussicherheitsklasstür einbauen, wie ein paar Häuser weiter geschehen, die so gar nicht zum Charakter des Gebäudes paßt. Da gibt es Alternativen, die dem Erscheinungsbild eher gerecht werden. Auch bei Fenstern. Aber dieses Gespür geht den meisten halt echt ab. Und davor lasse ich mich gern schützen.
Joachim

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