direkte Belege für Langleinenfischerei in Form von Funden von gänzlich erhaltenem Gerät gibt es meines Wissens nicht. Angelhaken in verschiedensten Formen und Größen sind jedoch erhalten.
Da die Fischerei mit Leine und Haken schon sehr alt ist (Hakenfunde zumindest aus dem Neolithikum) liegt die Verwendung der Langleine im frühen Mittelalter sehr nahe. Die Langleine ist nun eigentlich nur eine konsequente Weiterentwicklung der Angel mit einzelnem Haken und nur ein kleiner fischereitechnischer Evolutionsschritt .
Die Langleinenfischerei ist mit wenig materiellem und zeitlichen Aufwand zu betreiben und stellt für die Seefischerei in größeren Tiefen im frühen Mittelalter nahezu die einzige Möglichkeit dar. Z.B war die Angelfischerei bis weit in das 19. Jhdt hinein die einzig mögliche Art der Fischerei auf Dorsch/Kabeljau.
In Norwegen ist diese Art der Fischerei für das zumindest für das hohe Mittelalter belegbar durch die enormen Lieferungen von Trockenfisch (Kabeljau) aus Nordnorwegen nach Europa. Diese Mengen können nur mit Hilfe von rationellen Fangmethoden wie der Langleine gefangen worden sein.
Interessante Literatur dazu: "Cod - A biography of the fish that changed the world Mark Kurlansky-
Im Fischereimuseum in Ǻ auf den Lofoten wird auf die Trockenfischproduktion seit 800 nChr. hingewiesen. Sie ist ein Grund für den Reichtum der Könige von Borg.
Ich denke den Menschen damals ging es um den Nahrungserwerb, nicht um gemütliches Entspannen am Wasser, von daher wird eine Verbessung der Fangeffektivität ein großes Anliegen gewesen sein. Vom Einzelhaken zur Langleine ist es da nur ein kleiner Schritt….
Zu den leinen mit mehreren Haken: Gibt es da irgendeinen konkreten Beleg zu ihrer Nutzung im Mittelalter? Rein aus der heutigen Anwendung dieser Methode auf das Mittelalter zu schließen, finde ich etwas gewagt.
Zwar nicht direkt aus der Wikingerzeit, aber sozusagen von beiden Enden aus betrachtet:
Auf den Felszeichnungen von Alta (späte Stein/Frühe Skan.Bronzezeit) sind Boote dargestellt, von denen eine Leine ausgeht, die in einem Fisch endet - keine Angel, sondern nur eine Leine. Auch sind Boote dargestellt, in welchem Menschen mit Pfeil und Bogen sind, vielleicht handelt es sich dabei jedoch eher um Jagd auf Wasservögel und im Wasser schwimmende Elche/Rentiere.
Noch heute kann JEDER frei in Norwegen im Meer angeln, das ist Bestandteil des sogenannten Jedermannsrechts (nur für die Seen und Flüsse im Landesinneren braucht man eine Genehmigung). Das Angeln im Meer geht am besten mit Pilkerleinen (Leinen mit mehreren Haken und Köderattrappen) - damit läßt sich sehr viel und sehr lecker Fisch aus dem Meer holen (unser größter Dorsch hatte 1,30m). Man sollte jedoch mit Respekt vor der Natur angeln und nicht Tonnen an tiefgefrorenden Fisch mit nach Hause nehmen (“tyske turist” ist in dieser Beziehung nicht unbedingt eine Lobpreisung).
Hab ich bitte irgendwas von “wilder Wikinger” gesagt???
Ich sagte, dass vor 1000 Jahren und mehr, garantiert NIEMAND einen Gebietsanspruch, auf Jagdrevier hatte! Und jeder, der in der Lage war sich einen Bogen herzustellen, war daher auch in der Lage zu Jagen.
Und wir reden hier nicht vom Barock Zeitalter, sondern vom Frühmittelalter… da is ja ein Vergleich wohl mehr als weit hergeholt…
Die gefundenen Angelhaken weisen nicht zwangsläufig auf eine Angelfischerei mit Angelruten hin so wie wir sie heute kennen. Zweifelsohne hat es soetwas gegeben aber wahrscheinlicher ist der Einsatz von Langleinen da diese doch weit effektiver sind.
@Mathias: Jagen ist sehr wohl seit Jahrhunderten eine “Freizeitbeschäftigung” der Oberschicht.
Zum Nahrungserwerb: Hast du schonmal was von Viehhaltung und Ackerbau gehört? Und Fische fängt man effektiver mit anderen Techniken als der Angel..denke ich…
Irgendwie finde ich das Klischee von den wilden Kerlen im tiefsten Wald etwas merkwürdig.
“Ahnlich wie bei der Jagd, könnte man davon ausgehen das es nur für priviligierte Gesellschaftsschichten zugänglich war”
Wir sprechen hier von Wikingern… die in den ewigen Wäldern des nur schwach besiedelten Skandinaviens lebten… ich bezweifle sehr stark, dass hier IRGENDJEMAND eine Art Vorrecht auf Jagd hatte.
Jagd und Fischen waren meiner Ansicht nach Möglichkeiten zum Nahrungserwerb, und keine Freizeitbeschäftigungen.
Zu den Fischereitechniken: Weiss nicht, wie das speziell bei den Wikingern aussah, aber vll nützts trotzdem was. Soweit ich weiss, wurde in Steinzeit bis Frühmittelalter auch mit Pfeil und Bogen auf Fische gejagt. Das waren aus Knochen geschnitzte Harpunenartige Spitzen. Der Bogen muss hierfür natürlich entsprechend schwächer sein, als ein Kriegsbogen! (15-20lbs maximum)
Für mich als Angler (Zweithobby) ist das auch eine sehr interessante Frage. Heutzutage ist Angeln Sport und Freizeit, sicherlich war das auch früher so. Ahnlich wie bei der Jagd, könnte man davon ausgehen das es nur für priviligierte Gesellschaftsschichten zugänglich war. Ist aber nur Vermutung von mir. Aus der Renaissance und der frühen Neuzeit sind mir gespleisste Ruten bekannt. Dabei handelt es sich um, in Längsrichtung in Viertel gespaltene Weidenpeitschen, welche danach wieder verleimt werden. Mit dieser Konstruktionstechnik (durch Verwendung verschieden fester Hölzer) war es möglich Ruten mit hoher Bruchfestigkeit, Elastizität und speziellen Eigenschaften herzustellen. Allerdings ist die Frage wie alt diese Bauweise ist. Ich konnte mir vor einigen Jahren ein solches Stück im Jagd- und Fischereimuseum München anschauen. Ich glaube, wenn du dich an diese Leute wendest, bekommst du einiges heraus. Ich meine, das Museum findest du auch im Netz.
und endschuldigt das ich hier so *reinplatze* durch die Suchfunktion bin ich auf euer Thema gestoßen und denke das es hier am besten ist meine Farge zu posten.
Also ich bräuchte ein paar kurz Infos über den Ablauf der Fischerei oder/ und Hochsee Fischerei im Breich des Mittelalters.
Haupsächlich ist die Frage. Wie kann man sich ein Schiff für die Hochseefischerei vorstellen? Wie wurde da gefangen?
Meine Infos belaufen sich nur darauf das es Hochseefischer gab, welche mehrere Monate auf See waren und Wale jagten und dann wiederum welche die einen festen Lagerplatz hatte (im Heimathafen oder anders wo) und von dort aus auf Fischfang fuhren. Wurde jedoch bei dieser Art Netzte eingesetz? D.h. 2 Schiffe spannten ein Netz zwischen sich?
Die Fischerei in größeren mit Schiffen befahr baren Flüssen.
Welche Schiffe oder Boote wurden hier verwendet? Wie stell ich mir diese vor?
Außerdem was ist eine Reuse?
Also ihr seht ich bin ganz dumm auf diesem Gebiet und doch hätte ich gerne ein paar Infos.
Natürlich keine Hochwissenschaftlichen! Es reicht wenn ihr mir sagt das Boot war 5m lang, hatte einen Mast und das Ruder. Mhm also nicht alzu ausführlich muss es sein. Wer allerdings eine I-Site anzubieten hat, ich bin immer offen dafür.
Außerdem will ich die länge meines Eintrages entschuldigen und hoffe doch es gibt jemand der mir hilft.
Als (nicht unbedingt erfolgreicher) ehemaliger Angler und etwas Survialbegeisterter kann ich meine eigenen praktischen Erfahrungen folgendermaßen zusammenfassen:
Angeln ist Sport, Kurzweil und Erholung
Fischen (mit Netzen, Reusen, Fischfallen u.ä.) ist für die Ernährung brauchbar
Eigentlich bräuchte man sich nur die heute verbotenen Fangtechniken anzusehen um zu erkennen, was am wirksamsten ist. Deshalb ist angeln ja auch erlaubt (wenn auch unter Einschränkungen die der technischen Verbesserung der Ausrüstung Folge leisten).
Einzig bei Großfischen sind Fallen und Reusen unwirksam, da kommen dann aber eher Spieße u.ä. in Frage
Belege? leider ist mir da (noch!) nichts bekannt :-( …nur Erfahrungen aus der modernen Praxis
Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon. (Immanuel Kant)
Was bringt einem berim Angeln der lange Ast, wenn man keine Spule dran hat, um die Schnur einzuholen ?
Ich kenne aus diversen Survivalpacks die Angelschnurr solo, im Höchstfall spindelähnlich um einen kurzen Stock gewickelt. So kann man sie leicht einholen, wenn ein Fisch angebissen hat.
Evtl noch einen Lappen in die andere Hand, um Schnitte zu vermeiden, fertig.
falls Du es einrichten kannst am 20./21.9 das Museumsfest in Oerlinghausen bei Bielefeld zu besuchen, wirst Du Gelegenheit haben einen Fischer zu befragen, bzw. Dir einiges an Ausstattung anzusehen.
Bitte auf jeden Fall in Zivil zum Fest kommen, da Besucher in Klamotte von der Orga und der Museumsleitung nicht erwünscht sind.
Das ist jetzt freilich Spekulation, aber es täte mich jetzt echt überraschen wenn man da mehr als nen langen geeigneten Ast nebst Sehne oder gewachstem Leinengarn genommen hat, wenn schon mit Rute.
Betrachte ich aber die Fischfangweise aus späteren Jahrhunderten, und gehe von der Versorgung eines Haushaltes, einer Sippe oder als Teil einer dörflichen Gemeinschaft aus, dann würde ich orientierent an Abbildungen aus dem Luttrel-Psalter (Mitte 14tes) auch auf Fischfallen aus Netz oder Korb im Fluss tippen.
Soweit mir bekannt ist, ist eine derartige technik in Skandinavien auch nocht verbreitet, da weiss doch bestimmt jemand mehr?
ich bin auf der Suche nach Informationen, asu denne ich erkennen kann, wie die Wikinger um die 900 - 950 geangelt haben, da ich dies gern auch möglichst authentisch machen möchte ( nein ich nehme aus Tierschutzrechtlichen Gründen natürlich moderne Hacken, weils sonst auf den Deckel gibt ).
Bis jetzt hab ich leider noch keinerlei Hinweise auf verwendete Schnüre, Ruten und Köder.
Tiersehnen als Schnur kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, da diese ja auch einen gewissen Eigengeruch abgeben und vom eigentlichen Köder ablenken dürften oder ?
Falls jemand Infos oder Quellenangaben diesbezüglich hat, würde ich mich sehr freuen, wenn ich an seiner Weißheit teilhaben darf ;-)