Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Aufgaben, Pflichten & Rechte einer Zofe

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Eintrag #1 vom 13. Jun. 2002 16:54 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Was hatte eine Zofe so alles zu tun/nicht zu tun?

Gruß rundum,
Nach meinen Recherchen ist eine Zofe, auf einen nenner gebracht, nichts anderes als eine Art Au-pair-Mädchen (modern gesehen)bzw. weiblicher Knappe, nur mit dem Unterschied,das das gesamte Waffentechnische umfeldwegfällt.
Bisherige Erkenntisse:
Stand: Niederadel,
Familienstand: i. d. R. Jungfrau
Aufgaben:
- Die höfische Frau bei Ausgängen/Einkäufen zu begleiten
- bei Dunkelheit Licht vorantragen
- anstelle dieser zahlen und Einkäufe oder anderen “Damenkram” tragen
- Bedienen der Herrin und ggf. deren Töchter
in allen alltäglichen Dingen
- grundsätzlicher Aufenthalt in der Nähe der Herrin, zu Tische ggf. hinter/neben ihr, um sie zu bedienen
- Fein drapiert und hübsch anzusehen in der Gegend rumstehen
Pflichten der Dame gegenüber der Zofe:
- Unterweisung in den Benimm-/Anstandsregeln
- Aufsichtspflicht
- freie Kost/Logie
- Schutz vor unüberlegten Schritten/Bedrängung seitens der Männer
Quellen: -A. Schultz: Zeit der Minnesinger, Bumke: Höifsche kultur, diverse Fitzel in dieser und jener Schrift.
Was gäbe es noch für Ergänzungen?
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #2 vom 14. Jun. 2002 08:05 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht "Zofe"

Neueste Erkenntnis zum Begriff “Zofe”:
Zunächst in Sachsen, 17. Jh. bezeugt, gehört zu dem untergegangenen mitteldt. Verb zoffen (“zögern”),das auch in Zoffmagd “Nachtreterin, der herrin nachfolgende magd” enthalten ist und in etwas “hinterherzotteln” bedeutet. Das verb ist einen nebenform zu mundartlich zaufen “zurücktreten/-gehen”. Zofe beduetet also eigentl. “Hinterherzottlerin.
Richtiger für ein Mädchen in solchen Diensten ist Jungfrau, mhd. juncfrouwe ”vormnehmes junges Fräulein; unverheiratete, vornehme Dienerin“.
Die ”Magd/maget" indess ist ein unfreies, nichtadeliges dienendes Mädchen.
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #3 vom 14. Jun. 2002 12:50 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Verwirrspiel

denn es gibt da noch die Begriffe “chamber-maid” und “Lady-in-waiting”…
Kammerzofe=“bessere”Magd?
LADY in waiting “Aufwartefrau”
Ist aber ebenfalls eine “Lady”
Zofe könnte auch von “auf Seite treten” kommen, vom Wortstamm her
Einge der chamber maids und lady-in-waitingsind im historical costumes in Kleidern dargestellt, die es ihnen, wie den höhergestellten Frauen, unmöglich macht, irgendetwas ausser ihren Rocksäumen zu tragen.
Nic

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Eintrag #4 vom 16. Jun. 2002 00:17 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ???

Moin!
Laidy in waiting- könnte das nicht auch eine Art Ausbildung sein, wie die Knappschaft eines adligen Jungen? Das also die junge dame von einer Herrin ausgebildet wird bis sie reif ist, selbst eine Lady zu werden? Sozusagen eine Lady in Wartestand?
Und, was genau meinst du mit:"Einge der chamber maids und lady-in-waitingsind im historical costumes in Kleidern dargestellt, die es ihnen, wie den

                    höhergestellten Frauen, unmöglich macht, irgendetwas ausser ihren Rocksäumen zu tragen."

Was trugen sie denn? Sicher nicht nur Rocksäume, oder?
gruß, uli

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Eintrag #5 vom 16. Jun. 2002 18:54 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nur Rocksäume zu tragen

ist sicher textiltechnisch etwas schwierig und sähe bestimmt sehr seltsam aus.
Nein, Scherz beiseite, es soll heissen, dass ein Teil der Frauen sicher einer Herrin aufwartete, ihr Gesellschaft leisteten etc, aber ihr nicht deren Utensilien, Einkäufe etc hinterhertragen konnten (Ist das Aufgabe einer Kammerzofe? Ist Kammerzofe die korrespondierende ßbersetzung von “chamber-maid” oder Zimmermädchen? Aufwartefrau? Gesellschafterin? Verheiratet? Nicht? Magd?).
Da diese zu definierenden Klasse (Lady in waiting? geringfügig niedrigerer Adel? ßlter? Gleichaltrig? Unverheiratet? Gleiche Adelsstufe, nur eben “in Ausbildung”) mindestens so kompliziert gekleidet waren wie die “Herrinnen”, hatten sie “alle Hände voll zu tun”, nicht über die im Prinzip zu langen Rocksäume zu fallen, eben damit, diese hochzuraffen.
Ein “nebenan” aufgeführter Beitrag zum Thema Anrede und Höflichkeit Terminus “Jungfruowe” lässt gemäss der dort genannten Definition unterschwellig wieder die Frage nach der Haarordnung in der Frauendarstellung aufkommen.
Wenn eine Jungfruowe theoretisch eine verheiratete Frau des Adels mit Kindern sein konnte, in deren Haus die Altfrouwe noch lebte (Schwiegermutter?), dürfte ein Teil der Frauen doch noch mit offenen Haaren/Schapel auftreten. Nur mal so zur Diskussion gestellt
Nic

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Eintrag #6 vom 17. Jun. 2002 01:56 Uhr Roland Schulz   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Frage eines Unwissenden

Tag!
Ist es dann richtig, wenn eine verheiratete Frau eines Mannes, welcher wiederum im Dienste eines Herren steht, dessen Frau als Zofe dient?
Oder ist das unsinnig?
Bitte um Aufklärung, ihr da draußen, die ihr mehr wisst als ich Wurm. ;-)
William de Mornay

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Eintrag #7 vom 17. Jun. 2002 12:32 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Verheiratete Zofen bzw. Jungfrauen

Hallo Roland,
nach meinen Buchwälzereien steht fest, daß eine Zofe respekitve Jungfrau grundsätzlich unverheiratet war und eigentlich unbefleckt sein sollte - aber wie´s hat mit Theorie und Praxis ist…;
Die Gemahlin eines Adeligen indess, der nun wieder einem anderen Rangmäßig höher stehenden dient, hat wohl selbst eine eigene Jungfer für sich und ist de facto, sobald sie heiratet, von Jungfraudiensten befreit.
Wie bereits erwähnt, ist eine Zofe (nieder-)adelig, kann/muß/sollte also nur innerhalb ihres Standes heiraten. Und als verheiratete Adelige hat sie Anspruch auf eine eigene Zofe, wozu da noch selbst als Zofe dienen? Sollte ich mich da jetzt irren,bitte ich um Erleuchtung, vor allem seitens der Damenwelt.
Beste Grüße
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #8 vom 17. Jun. 2002 15:26 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Feine Unterschiede...

Weiter oben steht doch schon, daß das Wort Zofe noch gar nicht soooo alt ist…
Also laßt uns doch mal auseinanderdröseln, was da bisher an Vorstellungen und Namen aufgetaucht ist.
Lady-in-waiting: Gut, ich kenn jetzt den Kontext nicht, das “waiting” kann auch was mit Aufwarten zu tun haben, also mit dienen. Aber daß Kinder bei Verwandten zur Pflege gegeben wurden, damit sie was lernten, das gabs ja in allen Schichten, und so werden auch die adligen Mädchen bei Verwandten gelernt haben, wie man einen Riesen-Haushalt führt, und dazu die verschiedenen Handarbeiten, die frau können sollte. Ich kann mir vorstellen, daß die Herrin das Mädchen auch schon rumkommandierte, aber sie nicht unbedingt zum Holzhacken geschickt hat. Das würde auch erklären, warum sich auf der Abbildung die Kleidung nicht so sehr unterschieden hat. Ich könnte mir auch vorstellen, daß es möglich war, daß man versuchte, seine Töchter bei etwas höherstehenden Familien “in die Lehre” zu geben.
Chamber-Maid: Also Kammerjungfer. “Jungfer” in den spätmittelalterlichen Quellen ist das Gleiche wie das, was wir heute als Magd kennen, also eine Hausangestellte. “Kammerjungfer” ist also eine Spezialisierung, die in größeren Haushalten möglich wird, daß sich nämlich jemand nur um die Kleidung und Räumlichkeiten der Herrin (des Herrn?) kümmert.
Aber wer nun den Einkauf nach Hause getragen hat, das weiß ich auch nicht. Vielleicht haben die sich auch liefern lassen?
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #9 vom 17. Jun. 2002 16:39 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht belegbar?

Moin!
"Aber ich glaube, viele Leute bei Tempus

                    vivit dengeln sich inzwischen nicht nur mit Flachstahl, sondern auch mit Primärquellen, weil es einfach zu viel halbgar

                    recherchierte "Sekundärquellen" gibt. "

hattest Du im Schaukampfschwerter Thread gepostet.
…das gabs ja in allen Schichten und Ich kann mir vorstellen… ist aber mnicht wirklich ein Beleg. Wenn es zeitgenössisch nahelieged ist gibt es bestimmt Belege. In Haushaltsbuchführungen, Putzverordnungen oder ähnlichem.
Da Du ja anscheinend studierenderweise mit Geschichte zu tun hast findest Du doch sicher auch Belege, oder:-)
gruß, uli

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Eintrag #10 vom 17. Jun. 2002 21:28 Uhr Roland Schulz   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Aha!

Danke, Joachim! ;-)
Dieses zählt leider nicht zu meinen “Spezialgebieten”, deshalb frag ich lieber mal, bevor ich Dummes daher rede.
Das hat mir weitergeholfen, prima!
In diesem Sinne,
William de Mornay

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Eintrag #11 vom 18. Jun. 2002 12:45 Uhr Christin Barthelmie  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christin Barthelmie eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Alter der Zofe

Hi Leute!
Obwohl ja noch nicht die Frage geklärt ist, was jetzt genau die Zofe tut, möchte ich gleich eine weitere Frage aufwerfen:
In welchem Alter war man denn nun Zofe? So weit ich hier rausgelesen habe, bis das Mädchen verheiratet war. Dies konnte ja schon mit 14 sein. Wie lange ist man denn dann Zofe? Hat jemand da Quellen?
Gruß
Christin
Claudine de Marne

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Eintrag #12 vom 18. Jun. 2002 16:17 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ohne Quellenangabe

Hab mal irgendwo gelesen, dass die Mädchen in den “höheren Kreisen” sehr früh verlobt wurden (mit 5, 6 Jahren) und dann ihr Domizil in der Familie des Verlobten bezogen, um dort aufzuwachsen. Hat den unwahrscheinlichen Vorteil, dass sie den Haushalt und die dortigen Gepflogenheiten kennen und nicht alles durch Unkenntnis oder Versuche der Innovation durcheinander bringen, wenn sie denn die Verantwortung für den Haushalt übernehmen.
Nic

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Eintrag #13 vom 18. Jun. 2002 19:23 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Belege...

Hallo Uli (Eintrag 9): Du hast recht - ich habe ein bißchen ins Blaue reingedacht, einfach deshalb, weil es mir nicht in den Kopf ging, warum in diesem Thread immer weiter das Wort “Zofe” benutzt wurde, obwohl es, wie schon oben ausgeführt, ein “moderner” Begriff und damit womöglich auch ein modernes Konzept ist.
Ausgangspunkt meiner ßberlegungen war zunächst mal eine Sekundärquelle, nämlich:
“Vorsorgen, vererben, erinnern : kinder- und familienlose Erblasser in der städtischen Gesellschaft des Spätmittelalters” von Gabriela Signori.
Diese zitiert ausführlich aus Testamenten (also Primärquellen) aus Basel aus dem 15. Jahrhundert. In diesen Testamenten werden sowohl “junffern” bedacht, die dann zum Personal gehören, als auch Pflegekinder, häufig allerdings dann Kinder von verstorbenen Verwandten.
Wer jetzt bessere Belege hat, möge mich damit zuwerfen, damit wir alle, und besonders ich, nicht dumm sterben ;o)
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #14 vom 18. Jun. 2002 20:19 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Frage an Karen

Hallo Karen!
Wenn das Wort “Zofe” jüngeren Datums ist, würde ich gerne erfahren, wie man diese weiblichen Knappen (denke, nichts anderes sind sie gewesen), denn dann bezeichnete. Jungfer?
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #15 vom 18. Jun. 2002 20:57 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Statt Zofe..

… eben “Jungfrau, jedenfallls für das Homi, denn im Spämi, wurde der Begriff abgschleift zu ”Jungfer, womit weiterhin eine adelige, junge und unverheiratete Frau bezeichntet wurde. Erst im Spämi wurde Jungfrau bzw. Jungfer auch für Frauen verwendet, die ihre Keuschheit bewahren; davon abgeleitet wurde dann “entjungfern”.
Laut Bumke wurde Mädchen, die vor dem 12. Lebensjahr verlobt wurden, ab diesem Jahr das Recht eingeräumt, diese Verlobung wieder zu lösen.
Wir in usererm neuzeitlichen Denken haben eben das Problem unter einer Jungfrau eben ein noch unbeflecktes mädchen zu verstehen.
Echte Gewöhnungssache…
Beste Grüße
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #16 vom 18. Jun. 2002 22:01 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Jungfrau

Hallo Joachim, Du Schwerenöter! ;o)
Ich bezweifle stark, daß die Zofen im HMA so deutlich “Jungfrau” genannt wurden.
Beispiel aus der Hohen Minne:
“Ich kam gegangen zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen é.
dâ wart ich emfangen, hêre frouwe
…..”
Bei so einer Sprache glaube ich nich an sowas deutliches wie “Jungfrau”, sorry.
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #17 vom 19. Jun. 2002 13:24 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Scratching the surface

Zur Begrifflichkeit der Zofe und zum Aufkommen dieser Bezeichnung: Dieser Thread 2 von 16 (17.Jhdt.)
Zur Begrifflichkeit der Jungfruowe: Thread 517 Eintrag 48
Hat laut 48 nichts mit Jungfrau zu tun. Bei einigen Textstellen, die frei als Jungfrau übersetzt werden, wäre’s manchmal hilfreich zu wissen, was im Original gestanden hat. Bei Virgo gäb’s keine Missverständnisse.
“Ich kam gegangen zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen é.
dâ wart ich emfangen, hêre frouwe
Wo steht in diesem Text Jungfrau?
Es steht ”Friedel“, weleches der Partner in einer durch eine Morgengabe gerechtfertigte eheähnlichen Beziehung ist, die gelegentlich auch als Sommerehe bezeichnet wird, aber auch den Status einer Langzeitbeziehung einnehmen konnte. Die Morgengabe konnte ungefähr alles sein, von einem besonders schönen Küchenmesser bis zu einer Abtei.
”Here fruowe“ ist weder eine Jungfrau noch eine Jungfruowe.
Sondern eine ”hohe Frau“. Eine der gängigeren Interpretationen des Textes ist, dass der Verfasser davon spricht, dass sie begrüsst/empfangen wird wie eine ”hohe Frau", was sie demnach scheinbar in Wirklichkeit nicht war.
Nic

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Eintrag #18 vom 19. Jun. 2002 15:12 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Gewöhnungsache die zweite

Tag auch,
im Thread 517 habe ich ausführlich über Anrede im MA geschrieben, dabei auch gewisse Begriffe verdeutlicht, hier nochmal ein Auschnitt:
“aus dem Mittelhochdeutschen Taschenlexikon:
- juncfrouwe: junge Herrin, vornehmes, junges fräulein, unverheiratete, vornehme Dienerin
- maget, magt, mait, meit: jungfrau, weibl. Scham der Jungfrau, unfreies mädchen, dienende Jungfrau einer vrouwe, dienerin magd.
unberührt, unverletzt, rein.
- wip, wib, weib: gegensätzlich zu jungfrau; gemahlin; kebsweib”
und wen das mit der “Magd” nun völlig irritiert:
Auch im Duden-Herkunftswörterbuch steht als Begriffserklärung für Magd:
“Mhd maget, ´Mädchen Jungfrau; dienendes oder unfreies Mädchen, Dienerin`
Ahd magad ´Mädchen, Jungfrau`
got. magas ´Jungfrau`
altengl. maeg(e)d ´Mädchen, Jungfrau`
beruhen auf einer Bildung zu dem im Dt. untergegangenen gemeingermanischen Wort für ´Knabe, Jüngling`…..
Mit Magd identisch ist die durch Zusammenziehung
entstandene Form Maid (mhd meit). Verkleinerungsbildungen zu Magd sind Mädchen (entstanden 17. Jh.) und Mädel (aus dem Oberdeutschen), Mägdlein (mhd magetlin)
Also: Magd meint Jungfrau in diesem Sinne, aber auch eine Dienerin. Und Jungfrau ist die Anrede für eine Zofe (uh… wieder dieses Wort…); eine junge, unverheiratete Frau bzw. Herrin. Die Umsetzung der Begrifflichkeit, wie wir´s heute verstehen, fand wohl im späten Spämi statt, hier entstand auch das Wort ´Junggeselle` zunächst als ”junger Hnadwerksbursche“, hernach auch als (junger) unverheirateter Mann verstanden.
Auch ´Jungfer`ist eine Spämi-Abschwächung von ´Jungfrau… im Lauf der Jahrhunderte wird man wohl immmer maulfauler.
in diesem Sinne: MFG
Achim
PS.: Da fällt mir auf: Ich armer Homi-Wicht kann mich den Freuden der ”Entjungferung" gar nicht mehr hingeben! Begriff erst im Spämi entstanden!
O Jammer und Heul, Schluchz und Flenn! ;o))
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis

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Eintrag #19 vom 19. Jun. 2002 18:09 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Danke

Joachim für die Antwort “Junkfrouwe”. Das wollt ich auch nur wissen
und NICole,
NICHT mein Beispiel interpretiert bekommen. Genauer lesen bitte!
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #20 vom 20. Jun. 2002 11:06 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Entschuldige bitte, Christoph,

ging lediglich darum, darauf hinzuweisen, dass die von Dir zitierte Passage “nicht sehr viel” mit dem Kontext zu tun hat und von daher in diesem Zusammenhang zu Missverständnissen führen kann. Im Sinne einer Diskussion. Insofern kenne ich noch jemanden, der sich den Schnabelschuh “genauer lesen” anziehen könnte, der gerade in der Gegend rumsteht.
Erweiterte Klarstellung: Es ist nicht meine Interpratation, sondern das Zitat einer Interpretation durch einen anderen.
Nic

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Eintrag #21 vom 18. Sep. 2003 14:08 Uhr Beitrag anonymisiert

nach oben / Zur Übersicht Jungfrauen...

… sind zuerst einmal junge Frauen = frowen, d.h. es handelt sich um Adlige, die jung genug waren, um noch nicht verheiratet zu sein. Ergo waren sie auch noch nicht defloriert (um der Entjungferungsverwirrung vorzubeugen). So wurde der Virginitätsbegriff auf sie übertragen. Urprünglich wird es sich aber um unverheiratete Adlige gehandelt haben, die a) am Hof ihres Vaters lebten (ab Ritter aufwärts) und als JUNGE HERRIN noch nicht verheiratet waren, oder b) sie befanden sich an einem anderen Hof oder am Hof eines Höhergestellten, um dort erzogen zu werden. Während sie dann auf Gatten warteten, konnten sie gleich einmal ein bißchen was für ihre Kost und Logis tun (und darum gehts doch immer! Geld kosten die hungrigen Mäuler!), also wurde die Herrin bedient. Und diese Dienstleistungen werden je nach Stand der Herrin alles beinhaltet haben - vom gemeinsamen Spinnen und Weben, vom Ankleiden und Gesellschaft-Leisten bis hin zum Bedienen der Herrin, ihrer Familie und der Gäste (s. Z.B. Parzival in der Gralsburg). Wenn ihre Erziehung abgeschlossen war und sie nicht (!) verheiratet waren, dann blieben es eben Jungfrauen und bedienten entweder ihre Herrin weiter, kehrten zurück, traten in ein Kloster ein oder starben - aber sie blieben Jungfrauen und ihre Virginität (offiziel) intakt.
Soviel zu allen Burgen auf Ritterstand. Je höher die “alte” Herrin in ihrem Stand wächst, um so mehr Jungfrauen kann sie sich leisten, denn um so mehr Geld hat sie, um diese zu ernähren. Auf diese Art und Weise werden Jungfrauen zu einem Standessymbol. Und jetzt kommt dieser Wahnwitz mit dem “Rocksaum-Tragen”. Denn jetzt haben die Jungfrauen nur noch sehr wenig Aufgaben und beginnen schmückendes Beiwerk zu sein. Bei königlichen Haushalten geht das so weit, daß Herzoginnen der Königin Waschwasser, Hemd etc. reichen, ihr Musik vorspielen und ihr alle möglichen Gegenstände holen. Das sind die Ladys-in-waiting, und es kann sich, zumindest für die Neuzeit weiß ich das sicher, dabei um VERHEIRATETE handeln z.B. die Duchess of Marlborough bei Königin Anne (ok, weit im Barock, das gebe ich zu), aber das Phänomen existiert schon unter den Tudors. Diese Damen sind übrigens auch verfrachtbar - so reiste man seiner Prinzessin auch ins Ausland hinterher, wenn man verheiratet wurde.
Vgl. auch meinen Eintrag in den THREAD “LEBEN IM MITTELALTER”.
Ich hoffe, ich habe etwas zur Klärung der Verwirrung beitragen können, sozusagen aus erster Hand
Agnes (Auszubildende Jungfer)

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