Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Ausflug in die Sagenwelt

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Eintrag #1 vom 09. Apr. 2009 08:06 Uhr S. Katinka Richter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um S. Katinka Richter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Recken auf Abenteuer

Viele der mitteleuropäischen Heldensagen beruhen auf realen Begebenheiten des Mittelalters, die sich durch mündliche Weitergabe solange veränderten, bis sie ihre sagenhafte Form angenommen hatten. Manche, wie z.B. die Artus-Sage, hatte im Hochmittelalter bereits eine feste literarische Form angenommen und sind uns bis heute so überliefert.
Folgendes Element taucht immer wieder in den Heldensagen auf: Der Recke, meist ein Ritter, besteigt sein Pferd und reitet alleine seinen Abenteuern entgegen. Wenn es in der Sage heißt -der Held sei alleine- bedeutet es, dass er keine weiteren Leute seines Standes dabei hatte. Denn Diener und Knechte waren nicht der Rede wert.
Wen aber hatte der sagenhafte Recke denn nun dabei? Wie viele Diener, Knechte oder auch Knappen nahm ein hochmittelalterlicher Ritter, der z.B. ausritt um seine Lehen zu bereisen mit?

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Eintrag #2 vom 09. Apr. 2009 09:17 Uhr Christian Kunz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Kunz eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Fahrender Ritter

Kaiser Maximilian I. lies sich zumindest in Theuerdank und Weißkunig größtenteils in Begleitung mindestens eines Knechtes abbilden…und das war ja schon sein romantisiertes Idealbild eines fahrenden Ritters (und aus der Warte eines Kaisers beschrieben). Andererseits kann sich ein Kaiser wohl nicht vorstellen, ganz alleine unterwegs zu sein und beide Werke sind aus dem 16. Jahrhundert.

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Eintrag #3 vom 16. Apr. 2009 17:03 Uhr Lars-Christoph Klein  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Lars-Christoph Klein eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Viel Text, wenig Klarheit...

Kommt immer drauf an.
Die Ritter in der Literatur bereisen ja nicht ihre Lehen, sondern sind (zumindest in der standardisierten Variante) besitzlos. Es handelt sich um zweitgeborene Söhne OHNE eigene Herrschaft, die auf Aventiurefahrt reiten, um “vrouwe unde lant” zu erwerben, also eine Erbin eines Reiches zu ehelichen und auf diese Weise an eine eigene Herrschaft zu gelangen.
Das Gefolge eines solchen Ritters variiert sehr stark und hängt von seiner finanziellen Situation ab: Hatte er einen Gönner (wurde er also wie z.B. Gahmuret bei der Abfahrt von seinem Bruder reich ausgestattet oder hatte unterwegs einem reichen Herrn gute Dienste geleistet), dann konnte das Gefolge schon groß sein. Bei seinem imposanten Einzug in Patelamunt hatte Gahmuret zwei (oder ein? ich glaube zwei) Dutzend Knappen, eine Band (also Pfeifer, Trommler und Fiedler), dazu Koch, Kapitän und so weiter. Das ist aber auch in der Literatur die Ausnahme. Dass der Ritter völlig alleine auf seinem Pferd durch die Gegend reitet, dürfte ein idealisiertes Bild darstellen und nicht der Realität entsprechen. Wahrscheinlicher ist, dass der minimale Trupp aus dem Ritter selbst und einem Knappen bestand, jeweils auf einem Pferd. Dazu kommt das Schlachtross, das vom Knappen geführt wurde und auf das der Ritter bei Bedarf umstieg, sowie ein Klepper, der die Rüstung trug (die hatte man unterwegs nicht an, sondern trug sie nur zum Kampf). In der Literatur haben Ritter, die nicht die Hauptfigur sind, oft zwei oder drei Knappen, das scheint also eher die Regel gewesen zu sein, natürlich gibt es nach oben keine Grenze.
Ein Ritter, der sein Lehen “bereist”, dürfte ein Gefolge gehabt haben, dessen Größe natürlich von der Größe des Lehens abhängt: Es gab Lehen, die man eher als Leibrente bezeichnen würde, die also keinen Grund und Boden umfassten und unbereisbar waren. Andere bestanden aus einem einzigen Gehöft und so weiter. Handelte es sich um eine abhängige Herrschaft, dürfte schon ein kleinerer Trupp Bewaffneter dabeigewesen sein, denn das Mittelalter kennt noch nicht den Flächen-, sondern den Personenverbandsstaat: Herrschaft ist nur dort, wo man sie durchsetzen kann. Und das Bereisen der Güter diente ja gerade dazu, Präsenz und Potestas zu zeigen. Bei solchen Gelegenheiten wurde mitunter auch Recht gesprochen, der Herrscher musste also genug Personal mitbringen, um mehr als ein Standgericht zuwege zu bringen.
Um es zusammenzufassen: Mindestens ein Knappe (ohne ging es nicht, weil der Ritter dann seine Pferde hätte führen müssen) und nach oben offen. Da hängt es dann davon ab, zu welchem Zweck er ausreitet, welche Position er innehat und was er sich leisten kann. Eine Repräsentationskultur wie das Mittelalter neigt übrigens immer zum größeren Aufwand: Wenn man sich mehr leisten kann, zeigt man es. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.
Grüße
Sam

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Eintrag #4 vom 23. Apr. 2009 12:57 Uhr S. Katinka Richter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um S. Katinka Richter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Danke für die Infos

An Sam,
vielen Dank für die umfangreichen und detailierten Informationen.
Gruß Katinka

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