“Je weiter der Schwerpunkt an dem Gehülz liegt, um so leichter läßt sich eine Klinge logischerweise führen.”
Das stimmt abwer leider nicht pauschal. Wo der Schwerpunkt hingehört, hängt von einer ganzen Reihe von faktoren ab, wie nicht zuletzt dem verwendungszweck (Schauklampf oder Freischlacht: möglichst nahe an die Hand), dem Schwerttyp und dem Gesamtgewicht (eine historische Spatha z.B. darf den Schwerpunkt ohne weiteres 15 bis 20 cm vom Griff entfernt haben, bei einem Gesamtgewicht von unter 1000g).
Aber auch bei historischen 1 1/2 - Händern liegen die Schwerpunkte normalerweise deutlich weiter von der Hand entfernt, als man gemeinhin denkt, da sonst die beste Klinge nur sehr kraftlos zu führen wäre.
Vergesst es, da irgendetwas pauschalisieren zu wollen und vor allem: Postet den gewünschten Verwendungszweck und den Schwerttypus, dann lässt sich auch eine Aussage treffen!
Kurz zu den Wiki- und FrühMi-Einhändern: Bei einer schaukampftauglichen Klinge sollte der Balancepunkt ungefähr eine Handgelenksbreite vor?hinter? dem Parier (also auf der Klinge) sein. Wir haben eine Replik eines Alamannenschwertes (scharf, mit Holzparier und -griff) getestet, die insgesamt nicht mal 1kg wiegt, also wesentlich leichter als die üblichen Schwerter ist, aber durch die leichte Montierung einen ganz anderen Balancepunkt hat. Für Schaukampf würde ich so etwas (auch wenn die Klinge stumpf wäre) eher nicht nehmen. Das Ding entwickelt eine ungeheure Wucht, läßt sich nicht so gut bremsen und erfordert auch viel mehr Beinarbeit beim Kämpfen. Damit würde man wie der Schnitter Tod durch die feindlichen Linien tanzen… und Hackfleisch hinter sich lassen.
…z.B. ein Wiki Einhänder eine ganz andere Klingenform und damit Balnce hat als ein Stoßschwert zu einer Hand aus dem 15.
Auch der ‘Eineinhalbhänder’ macht vom 14. bis ins 16. eine rapide Entwicklung durch.
Nunja, mal allgemein gesprochen:
Je weiter der Schwerpunkt an dem Gehülz liegt, um so leichter läßt sich eine Klinge logischerweise führen.
Je nach Klingenform, und Querschnitt (Raute, flach, Hohlkehle oder nicht…) varieren die Möglichkeiten, den Schwerpunkt zu verlagern.
Man sollte auch bedenken, daß die frühen Langen Schwerter auch unter dem Gedanken mit beiden Händen geführt wurden, daß die erhöhte Wucht den Hieb durch die Rüstung treibt. Hier wäre ein etwas weiter vorne liegender Schwerpunkt dann sogar nützlich.
Später ficht man eher auf die Lücken des Panzers, weil er nicht mehr durchdrungen werden kann. Hier macht sich dann jegliche Führigkeit eher bezahlt.
Beim Bloßfechtne ist die Wucht eh egal, hier gehts rein um Geschwindigkeit und zielgenaue Technik.
Du siehst also, je nachdem, wo das Schwert hingehört, gibts andere Anforderungen.
Gibt es einen Richtwert, wieviel cm der Punkt auf dem man das Schwert in der Waage balancieren kann unterhalb der Parrierstange liegen muß, damit man es als ausgewogen bezeichnen kann? Ich habe bei irgendeiner Schmiede gesehen, dass die ein Schwert anbieten bei dem der Punkt nur 5,7 cm unterhalb der P-Stange liegt. bei meinem eigenen liegt er etwa 10 cm unterhalb und ich finde es recht gut balanciert (besser geht natürlich immer). Ich habe leider keinen wirklichen Vergleich, darum die Frage an die Spezialisten.