Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Auswirkungen der ersten großen Pestwelle

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Eintrag #1 vom 30. Jun. 2000 20:22 Uhr Udo Brühe   Nachricht

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Wie hat sich die erste große Pestwelle von 1348 auf Mitteleuropa ausgewirkt? Welchen Einfluß hatte sie auf das Leben der Menschen? Wie beeinflusste sie die kommenden Jahre und Generationen? Welche Lehren zog man daraus? Hat sich etwas in der Sichtweise der Menschen geändert? Hat sich der Glauben geändert? Suchte die Pest alle Stände heim oder nur die unteren? Euere Beiträge bitte!
Udo

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Eintrag #2 vom 30. Jun. 2000 21:02 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Dich, Udo…. iiiihh bahh, das GRAUEN! Ja, es erwischte Leute jeden Standes, und ließ ein Europa zurück, dessen gesamte Lebensgrundlage, Religion, Wirtschaft und Mentalität weitgehend gestört war. Die Zahl der Opfer lag zwischen 1/3 bis 2/3 der Bevölkerung. Ein verrohung und brutalisierung der Gesellschaft sonder Gleichen trat ein, und Dinge wie der 100-jährige Krieg und der 30-Jährige, Hexenverfolgung und die gnadenlose Wissenschaftsfeindlichkeit der ach so dollen Renaissance wären ohne Pest nicht möglich geworden. Ich halte es da mit Prof. Zinn, der diese demographische Katastrophe in “Kanonen und Pest” bis ins kleinste ausgewertet hat…Das Buch empfehle ich sehr zu diesem Thema. Er beschränkt sich nicht auf die Krankheit, sondern wertet alle Faktoren aus, die u.A. zum bis heute wirkenden Militarismus der Gesellschaft und Wirtschaft geführt haben.
Euer Haduwolff

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Eintrag #3 vom 01. Jul. 2000 00:27 Uhr Stephan M. Rother M.A.   Nachricht

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Hiho, ein grundsätzliches OK zu Hadus Bemerkungen, aber eine Ergänzung: Die Pest traf nicht aus heiterem Himmel auf ein ansonsten intaktes Europa, sondern es waren seit einiger Zeit nachteilige Veränderungen vorangegangen in Form von Mißernten, Hungersnöten und wahrscheinlich auch klimatischen Verschlechterungen. Nicht umsonst spricht man von einer krisenhaften Entwicklung im Spätmittelalter (ab etwa 1315), wobei in der Wissenschaft umstritten ist, ob sie sich auf allen Sektoren gleichermaßen ausgewirkt hat, ob sie etwa ebenso Agrarkrise wie Gesellschaftskrise war … die Gesellschaftskrise etwa wäre sicher gut als Folge der Pest zu erklären. Aber das ist ein weites, ein wirklich SEHR weites Feld und erfordert umfangreiches Quellenstudium, statistische Vergleiche etc. However: Schöne Grüße,
Magister

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Eintrag #4 vom 01. Jul. 2000 01:18 Uhr Olaf Pangritz   Nachricht

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Tag. Ich nehm es ehr regional. Ich sitze hier in Ostwestfahlen/Lippe. Und eben dieses Lippe hat es währen der Pestwellen enorm getroffen. Warum und wieso weis ich nicht. Es gibt meines wissens auch nichts klärendes darüber. Eingehende Meinungen zur Pest gehen aber davon aus, das die verherung die dahmals in Lippe Einzug hielt bis heute zu spüren ist. In der tat ist es noch heute ein dünn Besiedelter Landstrich in einer ansonsten urbanisierten Gegend.
Lebende Gruesse Olaf

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Eintrag #5 vom 01. Jul. 2000 22:06 Uhr Ingo Glückler   Nachricht

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Oh Pestilenz über Euch alle, - war nur ein Scherzle. Arbeite im Tropeninstitut in HD und bin auch Museumspädagoge im Schloss HD. Vor langer Zeit habe ich einmal ein Aufsätzle über seuchenpolizeiliche maßnahmen während der ersten Pestepidemie “angefangen”, aber nie beendet. Vielleicht hilft ja das Fragment auch: “IM SCHATTEN DES SCHWARZEN TODES: SEUCHENPOLIZEILICHE MASSNAHMEN AM BEISPIEL DER OBERDEUTSCHEN STßDTE KONSTANZ UND BASEL IM 15. UND 16. JAHRHUNDERT Als es dem schweizerischen Tropenmedizi-ner Alexandre Yersin im Jahre 1894 gelang, das für die Pest verantwortlichen Bakterium Yersinia Pestis oder Pasteurella Pestis erst-mals zu isolieren, hatte die gefürchtete Krankheit bereits viel von ihrem einstigen Schrecken verloren. Die sogenannte Mar-seiller Pest von 1720 stellte den letzten Aus-bruch der Seuche in Europa dar. Bis dahin hatte der alte Kontinent seit dem Eindringen des Schwarzen Todes 1348 kaum ein pest-freies Jahr erlebt. Inzwischen ist die Krankheit auch in der übri-gen Welt - mit einigen wenigen Außnahmen - verschwunden, und ein mikrobiologisches Lehrbuch unserer Tage beschreibt die Pest als Erkrankung von Nagetieren, die durch ”ein unbegeißeltes und damit unbewegliches, bekapseltes, ovales Stäbchenbakterium“ (Wiesmann, 101-104.) hervorgerufen wird und die nur unter bestimmten Bedingungen auf den Menschen übergreift. Die Pest tritt in zwei Arten auf: der Beulen- oder Bubonen-pest und der Lungenpest. Erstere wird durch Rattenflöhe auf den Menschen übertragen, letztere durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Bei der Beulenpest gelangen die Bakterien durch den Biß des Rattenflohs (Xenopsylla Cheopis) in die Blutbahn des Menschen. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen versucht der nächste Lymphknoten diese zu vernichten und schwillt bis zur Faustgröße an. Die Bakterien brechen von dort aus, vermehren sich und produzieren Toxin, das das Gewebe befällt und es in eine geschwollene, sulzige Masse verwandelt. Die Pest macht sich durch eine geschwollener Zunge, brennendem Durst, hohem Fieber, Schüttelfrost, Delirium, Kopf-schmerzen, starrem Blick, Erbrechen, erwei-terten Pupillen und den eigroßen schwarz-blauen Bubonen bemerkbar. Wird dieses Stadium nicht behandelt, dann tritt nach eini-gen Tagen die Lungenpest ein. Der Tod tritt dann nach einem bis spätestens nach fünf Tagen durch Luftknappheit und Kreislaufver-sagen ein. Beide Formen kann man heute mit Antibiotika behandeln. Doch immer noch haftet an der Pest etwas Rätselhaftes. Seuchenpolizeiliche Maßnahmen, die schon bald in Italien und erst viel später in Deutschland von den verschiedenen Obrig-keiten ergriffen wurden, haben ihren Anteil an der Zähmung der todbringenden Krankheit. Die Obrigkeiten mußten versuchen, ein ßbergreifen der Pest auf die eigene Bevölke-rung bereits bei deren Herannahen zu ver-hindern. Viel leichter als auf dem flachen Land war dies in den durch hohe Mauern und streng bewachte Tore nach außen hin abge-schlossenen Städten möglich. Andereseits waren diese als Marktplätze und aufgrund ih-rer großen Bevölkerungsdichte in besonders starkem Maße von der Seuche betroffen. Im Folgenden beschäftigen wir uns mit den prä-ventiven Maßnahmen der Städte Konstanz und Basel, die beide an wichtigen Handels-straßen des Mittelalters lagen und deshalb mit großer Regelmäßigkeit der Seuche zum Opfer fielen. Die große Pestwelle begann 1347. Die tatari-schen Reiterhorden unter Khan Djam Bek belagerten die genuesische Handelsstadt Kaffa am Schwarzen Meer. Nach dem Aus-bruch der Pest unter seinen Soldaten, ließ Djam Bek die Pestleichen in die Stadt kata-pultieren. Nach dessen Abzug nahm Kaffa den Handel begleitet vom Schwarzen Tod über Konstantinopel nach Sizilien wieder auf. Wenig später verbreitete er sich über Pisa und damit Norditalien nordwärts über ganz Europa. Diese Pandemie wütete zwischen 1347 und 1351, und kostete einem Drittel der damaligen Bevölkerung des Abendlandes das Leben. Schon die verzweifelten Maß-nahmen der oberitalienischen Städte beim erstmaligen Auftauchen der Pest im Jahre 1348 zielten auf die Absonderung der Kran-ken von den Gesunden. Genua versuchte dies, indem es die pesttragenden Schiffe, die in seinem Hafen Zuflucht suchten, mit bren-nenden Pfeilen verscheuchte. Mailand schloß sich nach außen sofort ab und ließ die ersten Opfer der Seuche in ihren Häusern einmau-ern - mit Erfolg (Bulst, 61.). Venedig entwik-kelte wohl die umfassendsten Abwehrmaß-nahmen. Wenige Tage nach Pestausbruch wurde eine Gesundheitsbehörde eingerichtet und mit weitreichenden Vollmachten ausge-stattet (Bergdolt I, 205, Anm. 11.). Am 5. Juni 1348 erging dann die Anordnung, ”daß kein Kranker mehr aus auswärtigem Gebiet nach Venedig kommen darf, und zwar unter An-drohung von Kerkerhaft und Verbrennung des [betreffenden] Schiffs sowie von Geld- und weiteren Strafen, die von den Zuwider-handelnden eingefordert werden.“ (Bergdolt II, 128.) In der Lagunenstadt wurden auch 1374 die ersten systematischen Maßregeln zur Abwehr pestbefallener Schiffe, Menschen und Waren getroffen. 1377 folgte Ragusa mit der Einführung einer dreißgtägigen Isolation bei Pestverdacht, und im Jahre 1384 wurden in Marseille die ersten Waren und Personen in Quarantäne genommen. (Vasold, 98.)” Grüßle
Ingo (der, der die Tropen reinigt!)

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Eintrag #6 vom 02. Jul. 2000 19:23 Uhr Elisabeth Buschmann   Nachricht

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Gott zum Gruße, Udo! Tja, die Pest… eindeutig die Geißel der Menschheit. In vielen Pestgutachten/-rezepten/-Traktaten wird vor Menschenanslammlungen, wie Badehäuser und Kirchen zur Gottesdienstzeit gewarnt. ABer wie soll man diese umgehen? Welsche Nüß, Theriak, Geierleber, etc, sind alle zum Schutze gedacht. Pariser Gelehrte sagen, Jupiter sei zornig während der großen Konjunktion mit Mars und Saturn und hätte den bösen Dunst über uns geschickt. Die Kirche sagt, es sei eine Strafe Gottes. Oh, Herr, was sollen wir tun? Auf dein Wort am Sonntag verzichten? Leben, ohne Bekannte zu treffen? Inwieweit die Ratschläge der damaligen Gelehrten angenommen wurden weiß ich nicht. Köln und Trier zum Beispiel verloren bis zu 80% ihrer Bevölkerung. Hinterher war z.B. in Köln nur noch das Viertel hinter dem Dom bewohnt. Auch gab es natürlich Diskussionen, wenn diese Krankheit von Gott geschickt war, durfte man sie dann behandeln? Eine philosophische Frage, die damals die medizinische Welt geteilt hat. Gott beschütze Euch vor dieser Seuche,
Trottula

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Eintrag #7 vom 03. Jul. 2000 18:19 Uhr Thorsten Küper   Nachricht

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Hi Udo, der Stern recherchierrt am besten, daher: - Stern-Millennium lesen. Die Heft der Millennium-Serie enthalten zu vielen Themen interessante Artikel. Eine Kopie schikce ich Dir gern zu.
Winfried von der Isenburg

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Eintrag #8 vom 07. Jul. 2000 09:35 Uhr Stephan M. Rother M.A.   Nachricht

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Hiho, was ist das da mit dem Stern ??? Soll der jetzt die Fachliteratur ersetzen oder was ? Einige der Milleniumsbeiträge waren recht nett gemacht, der über Avicenna zum Beispiel, doch grundsätzlich ist das nun wirklich nur journalistisch-publizistisch aufbereitetes Allgemeingut, sicherlich flockig zu lesen, aber man sollte nicht dem Glauben verfallen, der Stern habe da selbst eine gründliche wissenschaftliche Recherche betrieben … Ich will gar nicht behaupten, die populäreren meiner Vorträge zB seien wissenschaftlich gehaltvoller und das ist ja auch gar nicht intendiert, aber auf der Suche nach fundierten Informationen zu einem Sachthema würd ich davor warnen, es bei Stern bewenden zu lassen … Schöne Grüße,
Magister

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Eintrag #9 vom 07. Jul. 2000 09:43 Uhr Stephan M. Rother M.A.   Nachricht

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Ach ja, gerade höre ich Zustimmung: “Wenn Sie den Stern als Quelle nutzen, sind Sie für den Rest des Lebens verloren” Helmut Kohl gestern im Untersuchungsausschuß. *ggg*
Magister

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Eintrag #10 vom 07. Jul. 2000 12:26 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Udo, nur kurz, da ich mal wieder auf der Arbeit sitze und gelegentlich was anderes zu tun habe ;-). Eine ausführliche Arbeit zur großen Pest ist bei mir in Vorbereitung und wird dann irgendwann auf unserer Homepage erscheinen, so ich sie denn mal bastle (vielleicht sobald ich edn Beruf gewechselt habe :o). Auswirkungen waren unter anderem: - vermehrte Anzahl von Wüstungen, dadurch auch ein Anwachsen des Waldbestandes, - Ansammlung von Reichtümern durch Erbschaft bei verschiedenen Familien (half beim Aufstieg einiger großer kaufleutefamilien) - niedrigere Agrarpreise - spätmittelalterliche Agrarkrise - höhere Handwerkspreise, Stärkung der unteren Schichten in den Städten, dadurch Beginn städtischer Unruhen (Jaquerie in Frankreich z.B.) - komplette Einstellung der Feindseligkeiten im Krieg zwischen Frankreich und England für die Dauer der Pest - allgemeiner Bevölkerungsrückgang, danach Stagnation, afaik erst zum 17. Jhdt. wieder stärkeres Bevölkerungswachstum - Durch´s ganze SMA bis in die Neuzeit immer wieder regionale Pestschübe - nach einer Epidemie fidet im schnitt eine Immunisierung statt, die etwa 10 Jahre dauert Die psychologischen Auswirkungen sind natürlcih schwerer zu beobachten, doch muß man sich vorstellen, daß fast jeder Mensch hier in Mitteleuropa Freunde, Bekannte, Verwandte verloren hat. Da nach Gurjewitsch der MA-Mensch jede Gefühlsregung im Vergleich zu uns intensiver augelebt hat, muß es dementsprechede Exzesse gegeben haben. Im Beginn des “Decamerone” von Bocaccio wird anschaulich die Situation in Florenz dargestellt. Auch die Briefe Petrarcas, in denen er den Verlust seiner Herzdame betrauert sind ein bewegendes Bild der Gefühlslage eines - zuggebenermaßen schon der italienischen Rennaissance zugehörigen - zeitgenössischen Mensche. Es muß wohl - wie immer - Leute gegeben haben, die das Unglück ausgenutzt, viel Geld für Dienste verlangt, selbst ihre nächsten Verwandten im Stich gelassen haben oder sich ins Vergügen gestürzt haben (von wegen jeder Tag kann der letzte sein). Auch viele Kirchenoberen müssen wohl vor der Pest geflüchtet sein und ihre Schäflein im Stich gelassen haben. Zusammen mit dem kirchlichen Exil in Avignon war auch das ein Faktor, der zur Krise der Amtskirche im SMA, die ja letztendlich zur Reformation führte, beigetragen aht. Auf der anderen Seite müssen sich auch viele Leute selbstlos aufgeopfert haben - der niedere Klerus in England hat teilweise Verluste von über 80% gehabt - sich die Kranken und deren Seelenheil gekümmert haben. Dies führte auch zu einem Erstarken der Volksfrömmigkeit, dei z.B. im heutigen Flandern und den Niederlanden zur sogenannten “Devotio Moderna” geführt hat. Weiterhin ist von da an - z.B. in der Kunst - ein stärkeres Vergänglichkeitsbewußtsein aufgekommen. Die Totentänze wurden jetzt populär, das “Memento Mori” ein wichtiger Bestandteil der weltlichen Kunst. Die Judenverfolgungen waren “interessanterweise” nicht nach dem Pesteinbruch, sondern im allgemeinen vor den Pesteinbrüchen. Vielleicht als “Prävention” ähnlich der Geißlerzüge, die auch die Judenverfolgungen mit angeleiert haben. Dies ist eine äußerst düsteres Kapitel und führte zu Verlusten in den jüdischen Gemeinden, die sie teilweise bis in die Neuzeit aus den Stadtbildern verschwinden ließen. So, das in aller Kürze, Buchlisten etc. folgen demnächst. Bis dann Thorsten

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Eintrag #11 vom 07. Jul. 2000 16:52 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

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Moin zusammen, die Infektion über Ratten, die Ingo beschreibt, ist übrigens die “klassische” Seuchentheorie, die z.B. die heute bekannte Form der Pest beschreibt, die aber durchaus ihre Probleme mit der historischen Pest hat. Z.B. erklärt sie nicht die Geschwindigkeit und Art der Verbreitung und auch fehlt in den zeitgenösishen Quellen der Hinweis aif ein großes Rattensterben, welches ja bei dieser Größenordnung der Seuche auffällig gewesen wäre und garantiert als göttliches Zeichen interpretiert worden wäre. Nach meinem Wissen waren Haus- und Wanderratten zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so weit verbreitet wie heute - aber da kann Ruth sicher noch eher etwas zu sagen. Es gibt auf jedenfall in der wissenschaftlichen Erklärung der Seuche och einigen Klärungsbedarf. Bis dann Thorsten (der den ganzen Krempel irgendwann ins Netz stellt)

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Eintrag #12 vom 24. Jul. 2000 19:51 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Thorsten! Zum Thema Verbreitung der Ratte im MA: Der ursprüngliche Lebensraum von Wanderratte und Hausratte ist nicht mehr genau zu bestimmen, da sie sich dem Menschen schon sehr früh anschlossen und in seinem Gefolge alle Kontinente der Erde besiedelten; sie stammen wohl ursprünglich aus dem west-, mittel- und südasiatischen Raum, bei der Hausratte wird aufgrund zytogenetischer Befunde der indische Subkontinent als Ursprungsland angesehen. Die Ausbreitungsgeschichte ist der Ratte ist heute soweit erforscht, daß man davon ausgeht, daß Hausratten schon in der vorchristlichen Zeit durch überseeischen Warenverkehr von Indien aus Afrika erreichten. Schließlich gelangte die Hausratte in römischer Zeit von Nordafrika auf dem Seehandelswege rasch nach Süd- und Mitteleuropa. Erst Jahrhunderte später bürgerte sie sich im nördlichen Mitteleuropa ein. Auch hierher kam sie über den Schiffsverkehr, was ihr den Namen Schiffsratte eintrug. Erst die notwendige Bevorratung von Getreide in den wachsenden Städten des Hoch- und vor allem des Spätmittelalters führte zu einer enormen Vermehrung von Hausratten (und Hausmäusen), denn vor allem die Hausratte hält sich als wärmeliebende Form in unseren kälteren Breiten nahezu ausschließlich in Wohngebäuden, Speichern und Ställen auf. Zum Thema Ratten und Pestübertragung: Obwohl die Ratten vielleicht noch nicht allzu stark verbreitet waren und es keine Berichte über Massensterben von Ratten gibt, ist der Zusammenhang von Verbreitung der Pest und Verbreitung infizierter Rattenflöhe (vor allem über Schiffsratten und Ratten als “blinde Passagiere” in anderweitigen Vorratstransporten) wohl kaum von der Hand zu weisen. Die ßbertragung der Pest erfolgt ja nicht nur über den Biß der Rattenflöhe, sondern auch über Hautkontakt mit schon infizierten Menschen und kontaminierten Gegenständen. Vielleicht kann man also die Ratte bzw. den Rattenfloh als räumlichen Verbreiter der Pest sehen, während die lokale Durchseuchung dann vor allem durch direkten und mittelbaren zwischenmenschlichen Kontakt erfolgte. Im übrigen gibt es auch Berichte aus dem Mittelalter über erkrankte Ratten, die plötzlich ihre Scheu verloren, ihre Verstecke verließen und blindlings in den Schein von Laternen rasten. Hoffe, das hilft zur Klärung, Ruth Literatur: J. Niethammer (1975): Zur Taxonomie und Ausbreitungsgeschichte der Hausratte (Rattus rattus). Zool. Anz. 194, 405-415 H. Reichstein (1974): Bemerkungen zur Verbreitungsgeschichte der Hausratte (Rattus rattus, Linné) an Hand jüngerer Knochenfunde aus Haithabu (Ausgrabung 1966-69). Die Heimat 81, 113f. H. Reichstein (1987): Archäozoologie und die prähistorische Verbreitung von Kleinsäugern. Sitzungsber. Ges. Nat.Forsch.Freunde Berlin N.F. 27, 9-21

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Eintrag #13 vom 11. Nov. 2001 13:29 Uhr Michael Haas   Nachricht

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Guten Tag liebe Freunde,
ich habe eine Frage, denn ich soll ein Referat über die Pest schreiben. Könnt ihr mir vielleicht sagen, was Bubonen sind, das wird nämlich nirgend beschrieben.
Danke shön euer mischael haas. Tschaui!
;-)

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Eintrag #14 vom 12. Nov. 2001 09:18 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Michael,
Die Bubonenpest ist die Beulenpest. Es leitet sich vom griechischen Wortstamm bubon = Unterleib ab, und bezeichnet ursprünglich die entzündliche Schwellung von Leistenlymphknoten, z. B. bei bestimmten Geschlechtskrankheiten, aber eben auch bei der Pest. Bei der Pest schwellen aber nicht nur die Leistenlymphknoten, sondern auch andere Körperlymphknoten, z. B. die Achsellymphknoten an, so daß Bubo oder Bubone synonym für Pestbeule gebraucht wurde.
Ruth

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Eintrag #15 vom 12. Nov. 2001 19:05 Uhr Larissa Fröhlich   Nachricht

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Für alle Interessierten:
Hier habe ich ein paar Links zusammengestellt: www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/[…]/link[…]
(Ende der Seite)
Larissa

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Eintrag #16 vom 15. Apr. 2002 14:54 Uhr   Nachricht

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Hallo, ich habe grade vorhin einen Artikel gelesen, der neue Erkenntnisse zum Thema erste Pestwelle beinhaltet. Man glaubt nicht mehr an die Beulenpesttheorie.
www.netzeitung.de/servlets/page?section=984&item=185810
Tschüß Olaf

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