Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Authentismus - ein oft unterschätztes Leiden

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Eintrag #1 vom 07. Aug. 2005 12:52 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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Hallo,
nach einer gemütlichen Stunde Selbstreflektion kam mir die Erkenntnis:
Ich bin krank, sehr, sehr krank.
Ich leide seit einigen Jahren unter Authentismus, einer oft unterschätzten Krankheit.
Erste Anzeichen dieses Leidens sind u.a.
- krampfhaftes Suchen nach Belegen (immer und egal wo und warum)
- immer alles richtig machen zu wollen
- Schlafstörungen, wenn es nicht klappen will
- gesteigerter Missionsdrang anderen helfen zu wollen
Die Vorstufe zum Authentismus ist meiner Kenntnis nach der “Historismus”, eine noch abgemilderte Form. Hierbei bemüht sich der Patient wenigstens so auszusehen als ob er Authentismus habe.
Die Endphase des Authentismus ist - nach meiner Kenntnis und Sichtung diverser Belege - das völlige, debile Dahinsiechen und ein wirrer, unsteter Blick.
Patienten in der Endphase werden oft vor Museen gesichtet, wo sie klammheimlig irgendwelche Belege oder gar ganze Ausstellungen fotografieren.
Es soll auch Kranke geben, die Belege essen um ihre Krankheit zu verdrängen.
Aber diese Menschen sind Opfer und Täter zugleich.
Sie sind ein bemitleidenswertes Produkt unserer Gesellschaft, die sich nicht um sie kümmert.
Wer kennt weitere Anzeichen dieses Krankheitsbildes?
Wer kann helfen?
Sollten wir eine anonyme Selbsthilfegruppe, einen Gesprächskreis gründen?
Was meint ihr?
Gruß,
Roland
Leben und Handwerk
www.leben-und-handwerk.de

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Eintrag #2 vom 07. Aug. 2005 13:20 Uhr Georg (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Georg eine Nachricht zu schreiben.

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Tja, das ist ein uraltes Leiden.
Auch bekannt unter dem amrikanischen Begriff “You know you`re in the sca when…” oder in der Kurzform ykyitscaw.
Hier zum Original: sca.sts.net/misc/ykyitscaw.html
Und hier der Tempus-Vivit-Thread dazu:
/tempus-vivit/taverne/thread.php?tid=3115&action=addvisit&from=56
Giraut

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Eintrag #3 vom 07. Aug. 2005 14:27 Uhr Christian Becker  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Becker eine Nachricht zu schreiben.

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Ich kann Dich sehr gut verstehen Roland…

   Was wurden wir schon beschimpft, nur weil wir anderen helfen wollten... "Klugscheißer" und "Laberbacke", was haben wir schon alles ertragen müssen...

  Ich bin für die Selbsthilfegruppe "Anonyme Authentiker"

Christian von Kugelberg

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Eintrag #4 vom 07. Aug. 2005 20:08 Uhr Christian (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christian eine Nachricht zu schreiben.

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Man verliert Freunde, vereinsamt zusehends und erschreckt Interessierte mit der Frage: “Du willst Mittelalter machen, welche Zeit, wo und was?”
*Grübel*
Wer ist da allerdings krank? Der, der die Frage stellt? Oder derjenige,der drauf antwortet: “ Häh? Mittelalter halt!”
Karl

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Eintrag #5 vom 07. Aug. 2005 21:48 Uhr Joachim Dittrich  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Dittrich eine Nachricht zu schreiben.

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Auch ein Symptom: Verirrt sich der Authentist auf einen gewöhnlichen Mittelaltermakrt, werden seine Seufzer zunehmend lauter und verzweifelter, genauso wie sein Gesichtsausdruck ein immer gequälteren und verzweifelteren Ausdruck annimmt.Einige leiden zudem an beständigem Kofpschütteln, das sich nur durch extremen Alkoholkonsum zum Vergessen des Gesehenen kruieren läßt.
Achim v. Hohenberg gen. de Clavis; ie genôte

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Eintrag #6 vom 08. Aug. 2005 09:06 Uhr Sally (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Sally eine Nachricht zu schreiben.

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Hmmm… also…
Ich war Gestern erst im Museum, in Krefeld Linn… und habe die komplette Ausstellung samt den dazugehörigen Tafeln fotografiert. Anschließend habe ich mir beim rausgehen noch das Buch zu der Ausstellung gekauft…
Bin ich auch betroffen… ?
Wer kann mir helfen?
Sally
www.alamannen.de.vu

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Eintrag #7 vom 08. Aug. 2005 09:58 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
weitere Symptome:
- man versucht die Stichverletzungen in den Fingern vom Nähen oder Schuhe basteln mit “hab nen Kaktus umgetopft” zu erklären. Denn im Zeitalter von Nähmaschine und Schuhgeschäft erntet man nur Kopfschütteln über die eigenen Ambitionen
- wenn die Kollegen freudestrahlend von Kommerz- und Ambientemärkten erzählen, revoltiert der Magen gegen den ersten Kaffee
- keiner der Freunde mag mehr mit einem ins Kino gehen, weil jeder historisierende Film entsprechend zerpflückt wird
- man macht sich den Spruch “der Weg ist das Ziel” zu eigen - und genießt es, wenn der Weg immer länger wird und man immer weiter geht und hier eine Kleinigkeit und dort ein Detail gefunden hat…
- wenn man im Kreise nicht-infizierter MA-Darsteller das Nähzeug rausholt erntet man angewiderte Blicke und den Aufschrei “bist Du jetzt auch so’n A-Fanatiker?” (schon erlebt *g*)
Jaaaa, bääääh, es ist ansteckend!!! Und die Rauschzustände, wenn man etwas fertig gestellt hat, sind unbeschreiblich! *der Blick wird wirr*
Ich glaube, ich will mich gar nicht therapieren lassen ;-)
Gruß
Ameli

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Eintrag #8 vom 09. Aug. 2005 19:59 Uhr   Nachricht

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Ich hätt da auch noch ein Symptom, welches ich letzten Samstag erleiden durfte:
Krampfhafte Agressionen bei Herumspazieren auf der 800-ans-fête-medievale auf Château de Chinon, die Besucher waren recht rar, was vielleicht an dem Kerl in Strumpfhose in Pannesamt-Kostüm lag, der einen gleich am Eintritt den Atem geraubt hat…
Aber bevor dass hier zu sehr zu einem “Du weißt, dass du ein richtiger Reenactor bist, wenn…”-Thread wird (den wir ja schon haben):
Ich bin auch für Anonymen Authentiker. Melde mich freiwillig als Schatzmeister, weiß nämlich noch nicht wie ich die neue Grafikkarte bezahlen soll….

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Eintrag #9 vom 10. Aug. 2005 08:41 Uhr Markus Single  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Markus Single eine Nachricht zu schreiben.

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Lieber Roland,
auch ich kenne diese Krankheit, wenn auch nur vom Hörensagen…
Bei einem sehr guten Freund von mir endet es nach einem Frühstück immer mit einem:
Gudn Abend - Huhahahahahahahaha
Es schlägt unbarmherzig zu und lässt alles andere erlachen ;-)
Dr. Single
Liebe Grüße
Markus Single
www.die-reisecen.de

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Eintrag #10 vom 27. Nov. 2005 00:24 Uhr Stefan Eck   Nachricht

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als weiteres Symptom ist die zwanghafte Führung von Au…Diskussionen in diversesten Foren zu nennen…selbst die unschuldige Frage einer 13-jährigen Schülerin nach “…Mittelalter” kann seitenlanges Dozieren mit gegenseitiger Verbalinjurie auslösen.
:-)
siehe Abenteuer Mittelalter Forum beim MDR…
und dabei ist das doch echt nur fernsehen..
Stefan, Fronbote und Bader …demnächst auch Söldner

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Eintrag #11 vom 27. Nov. 2005 02:38 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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A propos “Abenteuer Mittelalter” und das dazugehörige Forum…
Der Authentist wird in diesem Forum daran erkannt, daß er höchst allergisch bis hin zu cholerisch (und in der Folge dann amoklaufend) hirn- und sinnlose Beiträge von ebensolchen hirn- und sinnlosen Menschen meint kommentieren zu müssen, die ohne Sinn und Verstand (aus der Sicht des Kranken) drauflostippen.
Ebenso verfällt der Kranke leicht in einen Blutrausch oder eine Art Kreuzzugssyndrom, wenn er vollmundige Ankündigungen nicht eingehalten findet.
Der Authentist ist als völlig verwirrter Mensch sogar der Meinung, daß auch ein 13jähriges Mädchen das Anrecht auf eine sinnvolle Antwort oder Erklärung hat (Endstadium der Krankheit und kurz vor der Gehirnaufweichung, ähnlich Syphillis).
Gruß,
(Verfasser kann sich nicht an Namen erinnern)
Lehm und Blattwerk
www.anonyme-authentisten.de

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Eintrag #12 vom 27. Nov. 2005 18:21 Uhr Baerbel Hammes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Baerbel Hammes eine Nachricht zu schreiben.

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Lieber Roland, liebe AAs (Anonyme Authentitisten),
gerade die Diskussion im Forum zu “Abenteuer Mittelalter” hat mir vor Augen geführt, welchen gesellschaftlichen Problem die am Authentismus Erkrankten ausgesetzt sind. - Sie werden beschimpft, geächtet, gemieden … in jeder Hinsicht gesellschaftlich ausgegrenzt.
Das ist, meiner Meinung nach, einer Gesellschaft, die sich “offen” nennt, zutiefst unwürdig und verstärkt das Leiden der chronisch Kranken zusehens.
Hier muss Abhilfe geschaffen werden und das beginnt mit der Bewußtseinsschaffung für die Nöte und Belange der Authentisten, sowie der Solidarisierung mit Ihnen.
Gerade zum letzten Punkt gab es in den letzten Jahren eine Reihe von nachahmungswerten Initativen zu Gunsten gesellschafftlich ausgegrenzter und missverstandener Gruppen, die als Vorbild dienen können - angefangen von der “Roten Schleife” zur AIDS-Problematik bis hin zu diversen “Charity”-Bändern (ja, ich weiß, aus Gummi), die im vergangenen Jahr jedem Interessierten erlaubte, seine Solidarität mit benachteiligten Gruppen offen auszudrücken.
Ich plädiere für ein “Charity-Band” zur Solidarisierung mit den Authentisten, das jeder, dem die gesellschaftliche Anerkennung dieser Krankheit und die ßchtung ihrer ßchtung am Herzen liegt, offen am Armgelenk tragen soll.
Gummi als Material scheint mir allerdings (aus Authentizitätsgründen) ungeeignet zu sein.
Ich schlage vor, zunächst eine Diskussion um den geeigneten Werkstoff (Wolle, Leinen oder sogar Seide), sowie um die Produktionstechnik (Weben, Fingerloop, Brettchenborte) und die Farbe (natürlich, pflanzengefärbt) zu führen - sie schnell (!!!) zum Abschluss zu bringen (wenn wir uns auf die richtige Zeitstellung und Region geeinigt haben) und endlich unsere Einstellung öffentlich am Handgelenk zu tragen.
Das muss einfach zur geselllschaftlichen Anerkennung des Authentismus führen!!
;-))))))
Ich bin jedenfalls dabei!
Grüße
Bärbel

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Eintrag #13 vom 28. Nov. 2005 18:47 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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»Ebenso verfällt der Kranke leicht in einen Blutrausch oder eine Art Kreuzzugssyndrom, wenn er vollmundige Ankündigungen nicht eingehalten findet.«
Huch, Roland, ich glaube, Du hast Recht. Sollte es je ein Sender nochmal waagen, eine “neues Abenteuer im Mittelalter” zu drehen, so würde bestimmt höchste Geheimhaltungsstufe bezüglich des Drehorts bestehen.
Wenn sich erstmal alle am Authentismus erkrankten und durch geheime Zeichen (“Charity Bändchen”)verständigten Fanatiker zusammenrotten und im wirren Blutrausch zu einem von wem auch immer aufgerufenen Kreuzzug (Bändchenzug) zu jenen Ort aufmachen
… jaaa, dann wäre ganz schön was los *wirrguck*.
Da würden dann gnadenlos alle Gegenstände unter die Lupe genommen werden und was nicht der Prüfung standhält, wird ins Feuer geworfen. Den unbedarften Beteiligten wird erstmal handfest gezeigt, wie das alles geht, Berater, die als nicht kompetent entlarvt werden, stürzen von der Turmzinne, Rollenspieler mit pseudoauthenthischautoritärem Verhalten bekommen eins aufs Maul, Kameraleute werden gezwungen, ihre Einstellungen nur noch hauptsächlich auf Handwerkstechniken und Tätigkeiten, die belegbar sind, zu lenken und man wird sich auch noch ein zwei Geiseln zur Hand nehmen, damit der Sender gezwungen ist, nur noch von einem hundertköpfigen Gremium Authentismus Erkrankter genehmigte Szenen zu zeigen und seinen Kommentator aus den eigenen Reihen zu ersetzen durch einen am Authentismus Erkrankten.
Au ja, die militanten Authentiker. Das ist die fortgeschrittene Form. Da bilden sich dann die Agressionen in ungebändigten Handlungszwang um…es werden noch harte Zeiten kommen. Zieht Euch schon mal warm an…
Alexandra … nimmt das Bändchen

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