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Eintrag #2 vom 11. Okt. 2003 02:10 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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ist spät.
Nicht nur der limitierte Genpool, sondern die Selektion sind ein wichtiges Kriterium, da die Rassen auch in der geographischen Isolation weiterhin selektioniert werden - schwarze Lämmer sind vielleicht auf einer Insel besser vor Raubvögeln geschützt gewesen als weiße, d.h. die Rasse hat sich isoliert weiterentwickelt und hier, von Menschen weitestgehend unbehelligt, haben sich andere Mechanismen etabliert als da, wo Menschen entscheiden, dass sie weisse oder graue Wolle besser färben können. Hoffe, das ist halbwegs verständlich.
Nun aber
Nicole

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Eintrag #1 vom 11. Okt. 2003 01:40 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Das harmlose Wörtchen “plabatico” zieht inzwischen weitere Kreise. Die ßbersetzung nach Schindele ist definitiv falsch, d.h. das Wort “viliori” nicht richtig übersetzt und “plabatico” schlichtweg ausgelassen. Eine Alt-Philologin der Universität Lüttich meint, es liesse sich eventuell auf “plagatico”, das wäre ein leichter Mantel zurückführen, ein belgischer Spezialist für mittelalterliche Sprache ist freundlicherweise noch auf der Suche und eine Philologin für mittelalterliches Latein aus München meint, dass eventuell ein Zusammenhang mit dem Wort “blavus”, d.h. “blau” bestehen könnte, sucht jedoch auch weiter. Wahrscheinlich wird letztlich irgendwer (ein Spezialist?) das Original einsehen müssen. Derzeit kann ich nicht sagen, wo es sich befindet, wäre jedoch für dementsprechende Auskünfte dankbar.
“Bauern keine andere als billig grau oder billig blau gefärbte Kleidung und rindslederne Schuhe, idem bei Seifried Helbling (1283/1299), darüber hinaus keine Sporen, alltags graues Loden, blau feiertags, Gewebe nach ”Stantforder Art“, Fäustlinge (keine Fingerhandschuhe), bezieht sich auf Bauern und deren Frauen.”
Diese Aussage war irgendwann der Stein des Anstosses.
Die Passage entstammt aus “Alltag im Spätmittelalter”, Harry Kühnel ist der Herausgeber. S. 234 steht: (Helbling 1283/99) “Dâ man dem land sîn recht maz
man erloubt in hûs loden grâ
und des vîrtages blâ von einem guoten stanfort”. Der Text fährt fort: “Im Fall der Kleidung geht die ständedidaktische Tendenz dahin die Beteiligung der Bauernn am modischen Geschehen möglichst zu unterbinden.”…“ Statt des althergebrachten Kittels in Grau, des ebenfalls grauen Hutes und einfärbiger Schuhe beginnen sich die ”dörper“ jetzt ”üppiglich gewant“ zu kleiden. ”Enge Röcke tragen sie und enge schaperune (Mäntel), rote heute, rinkelochte schuhe (Schnallenschuhe), schwarze hosen“ klagt Neidhart von Reuenthal (um 1210) nicht ohne Sarkasmus”…“1244 verordnet der Bayrische Landfrieden u.a., dass Bauern keine vornehmere als graue oder billig blaugefärbte verwenden”.
Seifried Helbling war Niederösterreicher.
Möglicherweise bezieht sich die ßbersetzung des Bayrischen Landfriedens auf die nach Bumke, die ich nicht vorliegen habe, von der mir aber mitgeteilt wurde, dass dort “blau” stünde .
In Erika Thiel “Geschichte des Kostüms”, S. 120 bezüglich des 13. Jhdts:
“Als Material herrschte in der Kleidung dieser Schichten (n.b., der Bauern/Bürger) weiterhin die Leinwand vor”, um die Stoffart zu präzisieren.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich in dem bereits verlinkten Text (www.sfb441.uni-tuebingen.de/~dirk/pdf/helmbrecht.pdf) unter 4.2 ebenfalls die Erwähnung von blau als Farbe der bäuerlichen Feiertagskleidung befindet.
In Lehnart “Kleidung & Waffen der Spätgotik, I 1320 - 1370” findet sich auf S. 57 folgendender Abschnitt bezüglich der Kleidung:“ Es ist sehr schwer, die ursprüngliche Farbigkeit dieser ßberreste zu rekonstruieren, da sich alle pflanzlichen Farbstoffe, insbesondere Indigo, Waid und Wau, d.h. die Färbemittel, mit denen man Blau, Grün oder Gelb erzeugte, im Boden aufgelöst oder bis zur Unkenntlichkeit verfärbt haben, so daß heute nur noch eine unterschiedlich intensive Brauntönung zu erkennen ist.”
Gestützt wird diese Behauptung durch das “Handbuch der Naturfarbstoffe” von H. Schweppe (S. 71 ff) (mit ein paar interessanten Infos zur Schwarzfärbung und zur Seide in Europa).
Ohnehin einmal in Sachen Bauern unterwegs, hier ein paar weitere Hinweise bezüglich anderer Themen im gleichen Kontext.
In Erika Thiel “Geschichte des Kostüms”, S. 92:
“Die Kleiderordnung aus dem Jahr 808 verbot den Bauern, mehr als 6 Ellen Stoff für ihre Kleider zu verarbeiten. Sie schrieb als Material einfache Leinwand (Werg) von grauer und schwarzer Farbe vor.”
In Karles Reht nach Bonawitz (Kaiserchronik) wird beschrieben, dass die Bauern keine Geren an ihrer Kleidung haben durften, und Bruoche sowie Hemd aus Rupfen (grobes Leinen) sein sollten (14791)
Die Bestimmung der zu verwendenden Farben schwarz und grau findet sich in 14814.
S. 99: (im Jahr) 972, Reden des Erzbischofs von Reims über die Mönche “Wenn ihnen der Rock nicht durch seine schwarze Farbe gefällt, so wollen sie ihn schlechterdings nicht anlegen… Auch der braune Rock wird verschmäht. Nicht minder ist ihnen auch die von Natur aus schwarze Wolle nicht anständig genug, sie muss künstlich gefärbt sein.”
Hier wird klar nach künstlichem und natürlichem Schwarz in der Kleidung unterschieden.
Nun gab es sicher ein Kulturgefälle von Süden nach Norden und von Westen nach Osten, aber bereits für das Jahr 1149 gibt es einen Hinweis auf einen regen Austausch. In dem Jahr forderte das Kloster Corvey/Weser/Höxter im franözischen Solignac Kaninchen an Niethammer 1963). Das setzt ja nun voraus, dass die Information über das Vorkommen einer bis dato in Höxter unbekannten Tierart aus Solignac nach Corvey gelangte, die Anforderung zurück und die Kaninchen an die Weser.
Aus den Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes im Mittelalter, herausgegeben von Rudolf Buchner:
um 1040: ßbergang der Meier des Klosters St. Gallen zu ritterlichem Leben, da sie “geglättete Schilde und Waffen zu führen begannen” (n.b. ebenso Hunde zu halten, zunächst zur Jagd auf Niederwild, aber schlussendlich auch auf Wölfe und Bären. Hunde durften sie anscheinend nicht zur Jagd halten).
1152, Kaiser Friedrich-s Reichslandfrieden:
“Wenn ein Bauer Waffen oder eien Spieß oder ein Schwert TRßGT, dann soll der Richter, in dessen Bereich er angetroffen wird, ihm entweder die Waffen wegnehmen oder 20 Schillinge für sie von dem Bauern empfangen.”
Das heisst, er durfte sie besitzen, aber nicht tragen.
Einer der Dörper hat sogar die Stirn, dem Neidhart die Fehde anzusagen, als sei er waffenfähig (Otfried Ehrisman: “Ehre und Mut, Aventiure und Minne2, S. 53).
Im Bayrischen Landfrieden von 1244 steht weiterhin, dass Joppen von feinem Gewebe und ein Schwert nur die Hauswirte zum Kirchgang tragen durften.
ßbrigens, bei einer Reihe von Schafrassen sind schwarze Tiere definitiv unerwünscht. Die einzige Rasse, die sich durch einen Anteil von 70 % schwarzen Schafen auszeichnet, sind ausgerechnet Zwergschafe mit wahrscheinlich keltischem Ursprung: Die Ouessant- Schafe, die ursprüunglich nur auf einer Insel vor der bretonischen Küste vorkamen. Gotland-, Guteschafe und mit Einschränkung Skudden, stellen Rassen mit starker Regionalisierung und einem limitierten Genpool dar - genau wie die Isländer, und das schon seit Jahrhunderten, es ist also fraglich, wie weit sie mit anderen, mittelalterlichen Rassen übereinstimmen. (Auch wenn ich die ”alten Rassen" klasse finde und für deren Erhalt bin und sich das mit mittelalterlicher Darstellung ziemlich gut vereinbaren lässt.)
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Bauern im 13. Jhdt im süd- und mit einiger Wahrscheinlichkeit west- und norddeutschem Raum alltags graue und schwarze, aus Leinen gefertigte Kleidung zu tragen hatten, mit Ausnahme der Feiertage, an denen sie blaue Kleidung tragen durften. Waffen zu besitzen war ihnen mehr oder weniger erlaubt, das Mitführen unter bestimmten Ausnahmebedingungen. Und sich an diese Vorschriften zu halten, haben sie allem Anschein nach nicht wirklich eingesehen.
Jute Nacht
Nicole

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