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Eintrag #1 vom 11. Okt. 2003 01:40 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Das harmlose Wörtchen “plabatico” zieht inzwischen weitere Kreise. Die ßbersetzung nach Schindele ist definitiv falsch, d.h. das Wort “viliori” nicht richtig übersetzt und “plabatico” schlichtweg ausgelassen. Eine Alt-Philologin der Universität Lüttich meint, es liesse sich eventuell auf “plagatico”, das wäre ein leichter Mantel zurückführen, ein belgischer Spezialist für mittelalterliche Sprache ist freundlicherweise noch auf der Suche und eine Philologin für mittelalterliches Latein aus München meint, dass eventuell ein Zusammenhang mit dem Wort “blavus”, d.h. “blau” bestehen könnte, sucht jedoch auch weiter. Wahrscheinlich wird letztlich irgendwer (ein Spezialist?) das Original einsehen müssen. Derzeit kann ich nicht sagen, wo es sich befindet, wäre jedoch für dementsprechende Auskünfte dankbar.
“Bauern keine andere als billig grau oder billig blau gefärbte Kleidung und rindslederne Schuhe, idem bei Seifried Helbling (1283/1299), darüber hinaus keine Sporen, alltags graues Loden, blau feiertags, Gewebe nach ”Stantforder Art“, Fäustlinge (keine Fingerhandschuhe), bezieht sich auf Bauern und deren Frauen.”
Diese Aussage war irgendwann der Stein des Anstosses.
Die Passage entstammt aus “Alltag im Spätmittelalter”, Harry Kühnel ist der Herausgeber. S. 234 steht: (Helbling 1283/99) “Dâ man dem land sîn recht maz
man erloubt in hûs loden grâ
und des vîrtages blâ von einem guoten stanfort”. Der Text fährt fort: “Im Fall der Kleidung geht die ständedidaktische Tendenz dahin die Beteiligung der Bauernn am modischen Geschehen möglichst zu unterbinden.”…“ Statt des althergebrachten Kittels in Grau, des ebenfalls grauen Hutes und einfärbiger Schuhe beginnen sich die ”dörper“ jetzt ”üppiglich gewant“ zu kleiden. ”Enge Röcke tragen sie und enge schaperune (Mäntel), rote heute, rinkelochte schuhe (Schnallenschuhe), schwarze hosen“ klagt Neidhart von Reuenthal (um 1210) nicht ohne Sarkasmus”…“1244 verordnet der Bayrische Landfrieden u.a., dass Bauern keine vornehmere als graue oder billig blaugefärbte verwenden”.
Seifried Helbling war Niederösterreicher.
Möglicherweise bezieht sich die ßbersetzung des Bayrischen Landfriedens auf die nach Bumke, die ich nicht vorliegen habe, von der mir aber mitgeteilt wurde, dass dort “blau” stünde .
In Erika Thiel “Geschichte des Kostüms”, S. 120 bezüglich des 13. Jhdts:
“Als Material herrschte in der Kleidung dieser Schichten (n.b., der Bauern/Bürger) weiterhin die Leinwand vor”, um die Stoffart zu präzisieren.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich in dem bereits verlinkten Text (www.sfb441.uni-tuebingen.de/~dirk/pdf/helmbrecht.pdf) unter 4.2 ebenfalls die Erwähnung von blau als Farbe der bäuerlichen Feiertagskleidung befindet.
In Lehnart “Kleidung & Waffen der Spätgotik, I 1320 - 1370” findet sich auf S. 57 folgendender Abschnitt bezüglich der Kleidung:“ Es ist sehr schwer, die ursprüngliche Farbigkeit dieser ßberreste zu rekonstruieren, da sich alle pflanzlichen Farbstoffe, insbesondere Indigo, Waid und Wau, d.h. die Färbemittel, mit denen man Blau, Grün oder Gelb erzeugte, im Boden aufgelöst oder bis zur Unkenntlichkeit verfärbt haben, so daß heute nur noch eine unterschiedlich intensive Brauntönung zu erkennen ist.”
Gestützt wird diese Behauptung durch das “Handbuch der Naturfarbstoffe” von H. Schweppe (S. 71 ff) (mit ein paar interessanten Infos zur Schwarzfärbung und zur Seide in Europa).
Ohnehin einmal in Sachen Bauern unterwegs, hier ein paar weitere Hinweise bezüglich anderer Themen im gleichen Kontext.
In Erika Thiel “Geschichte des Kostüms”, S. 92:
“Die Kleiderordnung aus dem Jahr 808 verbot den Bauern, mehr als 6 Ellen Stoff für ihre Kleider zu verarbeiten. Sie schrieb als Material einfache Leinwand (Werg) von grauer und schwarzer Farbe vor.”
In Karles Reht nach Bonawitz (Kaiserchronik) wird beschrieben, dass die Bauern keine Geren an ihrer Kleidung haben durften, und Bruoche sowie Hemd aus Rupfen (grobes Leinen) sein sollten (14791)
Die Bestimmung der zu verwendenden Farben schwarz und grau findet sich in 14814.
S. 99: (im Jahr) 972, Reden des Erzbischofs von Reims über die Mönche “Wenn ihnen der Rock nicht durch seine schwarze Farbe gefällt, so wollen sie ihn schlechterdings nicht anlegen… Auch der braune Rock wird verschmäht. Nicht minder ist ihnen auch die von Natur aus schwarze Wolle nicht anständig genug, sie muss künstlich gefärbt sein.”
Hier wird klar nach künstlichem und natürlichem Schwarz in der Kleidung unterschieden.
Nun gab es sicher ein Kulturgefälle von Süden nach Norden und von Westen nach Osten, aber bereits für das Jahr 1149 gibt es einen Hinweis auf einen regen Austausch. In dem Jahr forderte das Kloster Corvey/Weser/Höxter im franözischen Solignac Kaninchen an Niethammer 1963). Das setzt ja nun voraus, dass die Information über das Vorkommen einer bis dato in Höxter unbekannten Tierart aus Solignac nach Corvey gelangte, die Anforderung zurück und die Kaninchen an die Weser.
Aus den Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes im Mittelalter, herausgegeben von Rudolf Buchner:
um 1040: ßbergang der Meier des Klosters St. Gallen zu ritterlichem Leben, da sie “geglättete Schilde und Waffen zu führen begannen” (n.b. ebenso Hunde zu halten, zunächst zur Jagd auf Niederwild, aber schlussendlich auch auf Wölfe und Bären. Hunde durften sie anscheinend nicht zur Jagd halten).
1152, Kaiser Friedrich-s Reichslandfrieden:
“Wenn ein Bauer Waffen oder eien Spieß oder ein Schwert TRßGT, dann soll der Richter, in dessen Bereich er angetroffen wird, ihm entweder die Waffen wegnehmen oder 20 Schillinge für sie von dem Bauern empfangen.”
Das heisst, er durfte sie besitzen, aber nicht tragen.
Einer der Dörper hat sogar die Stirn, dem Neidhart die Fehde anzusagen, als sei er waffenfähig (Otfried Ehrisman: “Ehre und Mut, Aventiure und Minne2, S. 53).
Im Bayrischen Landfrieden von 1244 steht weiterhin, dass Joppen von feinem Gewebe und ein Schwert nur die Hauswirte zum Kirchgang tragen durften.
ßbrigens, bei einer Reihe von Schafrassen sind schwarze Tiere definitiv unerwünscht. Die einzige Rasse, die sich durch einen Anteil von 70 % schwarzen Schafen auszeichnet, sind ausgerechnet Zwergschafe mit wahrscheinlich keltischem Ursprung: Die Ouessant- Schafe, die ursprüunglich nur auf einer Insel vor der bretonischen Küste vorkamen. Gotland-, Guteschafe und mit Einschränkung Skudden, stellen Rassen mit starker Regionalisierung und einem limitierten Genpool dar - genau wie die Isländer, und das schon seit Jahrhunderten, es ist also fraglich, wie weit sie mit anderen, mittelalterlichen Rassen übereinstimmen. (Auch wenn ich die ”alten Rassen" klasse finde und für deren Erhalt bin und sich das mit mittelalterlicher Darstellung ziemlich gut vereinbaren lässt.)
Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Bauern im 13. Jhdt im süd- und mit einiger Wahrscheinlichkeit west- und norddeutschem Raum alltags graue und schwarze, aus Leinen gefertigte Kleidung zu tragen hatten, mit Ausnahme der Feiertage, an denen sie blaue Kleidung tragen durften. Waffen zu besitzen war ihnen mehr oder weniger erlaubt, das Mitführen unter bestimmten Ausnahmebedingungen. Und sich an diese Vorschriften zu halten, haben sie allem Anschein nach nicht wirklich eingesehen.
Jute Nacht
Nicole

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Eintrag #2 vom 11. Okt. 2003 02:10 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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ist spät.
Nicht nur der limitierte Genpool, sondern die Selektion sind ein wichtiges Kriterium, da die Rassen auch in der geographischen Isolation weiterhin selektioniert werden - schwarze Lämmer sind vielleicht auf einer Insel besser vor Raubvögeln geschützt gewesen als weiße, d.h. die Rasse hat sich isoliert weiterentwickelt und hier, von Menschen weitestgehend unbehelligt, haben sich andere Mechanismen etabliert als da, wo Menschen entscheiden, dass sie weisse oder graue Wolle besser färben können. Hoffe, das ist halbwegs verständlich.
Nun aber
Nicole

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Eintrag #3 vom 11. Okt. 2003 17:11 Uhr Claus J. Billet   Nachricht

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…ich finde es toll, welche Gedanken sich Wissenschaftler über die Kleidung eines Bauern machen. Vergessen die meisten jedoch, daß der Bauer, meist am Rande des Existenzminimums arbeitend, sich wenig Gedanken um seine Kleidung machen konnte. Diese sollte lediglich den Körper bedecken und praktisch sein. Zur Feldarbeit wurden sowieso nur die ältesten Fetzen angezogen.Die heutzutage gezeigten “Trachten” waren überwiegend Festgewänder, die den Status, also den Reichtum des einzelnen repräsentieren sollten.
Billet de Muisson

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Eintrag #4 vom 11. Okt. 2003 18:06 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Vielleicht ist aufgefallen, dass es sich bei den Quellen um Texte aus den entsprechenden Epochen handelt und nicht um neumodischen wissenschaftlichen Kram (könnte man zum Anlass nehmen, mal sein “Bauernbild” zu überdenken).
Nicole

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Eintrag #5 vom 14. Okt. 2003 20:48 Uhr Magdalena Wohlgemuth  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Magdalena Wohlgemuth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Nicole,
es hat mich doch auch gejuckt mit dem plabatico und ich hab in allen Glossen und Lateinwörterbüchern unserer Uni geschaut, aber nix finden können. Bin mal gespannt ob da noch was rauskommt.
@ claus:
Klar. Und alle Bauern, die schließlich den allergrößten Teil der Bevölkerung ausmachten, waren gleich? Es gab z.B. freie und unfreie Bauern und wenn du schon gerade von der näheren Vergangenheit sprichst, empfehle ich Dir z.B. den Besuch des Heimatmuseums in Regen im bayerischen Wald. Dort werden u.a. zwei Bilder von Bauernfamilien gezeigt, die einen aus dem bitterarmen Bayerischen Wald, die andern aus dem fruchtbaren Garmisch (? nagelt mich nicht fest, jedenfalls eine reichere Gegend).
Die ersten vor einer echt windigen Holzhütte mit abgerissenen Klamotten, 1 Knecht, die andern vorm großen Gutshaus, mehrere Dienstleute, allesamt nicht schlecht gekleidet, wohlgenährt…
Und die Kleidungsordnungen im Mittelalter sind selten ohne Grund erstellt worden.

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Eintrag #6 vom 15. Okt. 2003 11:00 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo!
@ Lena: Ich habe mich auch an unserer Uni und anderswo um dieses ominöse Wort gekümmert. Auch ich habe diesbezüglich nichts herausgefunden. Momentan habe ich noch eine Anfrage bei einem Freund laufen, er steht tief in der Materie Latein und historische Quellenrecherche. Nicole ist ja auch noch am ermitteln. Meines Wisssens gibt es zur Zeit erst eine ßbersetzung des Pax Bawarica 1244 ins deutsche,und zwar von Schindele. Alle wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema berufen sich auf diese ßbersetzung. Schindele hat dieses Wort in der Tat einfach weggelassen. Wahrscheinlich aufgrund der selben Problematik vor der wir heute stehen. Solange das Wort nicht klar gedeutet wird, gilt für mich die derzeit stehende Fassung.
Vergiss bitte nicht bei deinem Vergleich von Bauern der neueren Geschichte und den Bauern im HMA das die Abgabenlast vor hundert Jahren nicht die selbe wie im HMA war. Auch der technische Fortschritt wird die Arbeit erleichtert haben, somit war mehr Freizeit vorhanden. Und zu guter letzt ist die Kaufkraft der Bevökerung nicht unerheblich gestiegen, das hat zur Folge das die Bauern ihre Ware besser und mehr verkaufen konnten. Ergo mehr monitäre Mittel hatten.
Schönen Gruß aus Berlin,
David
familia ministerialis- Alltagsleben um 1280

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Eintrag #7 vom 15. Okt. 2003 20:57 Uhr Magdalena Wohlgemuth  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Magdalena Wohlgemuth eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ja

Hallo Claus,
ich stimme dir natürlich zu, daß ein Bauer im Mittelalter sicherlich nicht so gut gekleidet bzw. begütert war wie ein wohlhabender Bauer von vor 100 Jahren. Darauf gekommen bin ich vor allem, da Claus sich auf “heute gezeigte Trachten” bezog. Vielleicht habe ich ihn falsch verstanden, und er hat Mittelalter-Gewandungen gemeint, aber ich hatte es so verstanden, daß er Trachten im Sinne von Volkstrachten wie z.B. Dirndl o.ä. meint. Wobei es natürlich auch stimmt, daß das, was die Trachtenvereine da haben, die frühere Feiertagskleidung zeigt.
Gestört hat mich das Wort “Fetzen”. Ich bin nicht der Meinung, daß ein mittelalterlicher Bauern als Arbeitskleidung nur Fetzen hatte. Und meinst du, daß die Lage der Bauern überall gleich war?
Mit dem Beispiel wollte ich nur einen Gedankenanstoß geben in Richtung, daß die Lage eines Bauern eben auch davon abhing, wo genau er gelebt hat und daß das ziemlich gravierende Auswirkungen gehabt haben könnte.

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Eintrag #8 vom 16. Okt. 2003 09:39 Uhr Claus J. Billet   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht na ja...

…ich hab mich wohl etwas ungenau und zu allgemein ausgedrückt !…sorry !
@Lena
Ich sprach von “Bauern”…vom kleinen Landbauern, nicht vom Gutshofbesitzer die eigenes Land bestellten.
Ansonsten will ich Dir natürlich Recht geben. In der mehrzahl waren jedoch die kleinen Bauern die, auf einem kleinem Stück Land, mühselig ihre Familien ernährten. Oder sollte ich besser von “Landarbeitern” sprechen ?.
Die Armmut im MA. war unbeschreiblich groß. Vielköpfige Familien mußten durchgebracht werden. Selbst die kleinsten Kinder mußten bei der Feldarbeit mit anpacken.
Von diesen “Bauern” wollte ich eigentlich sprechen…daher auch die Wortwahl “Fetzen”, womit alte abgetragene Kleidungsstücke gemeint waren. :-)
Nicht’s für ungut ! :-)
Billet de Muisson

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Eintrag #9 vom 16. Okt. 2003 10:54 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Nur mal so etwas OT

Die Aussage von Lena: “…daß das, was die Trachtenvereine da haben, die frühere Feiertagskleidung zeigt.” kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.
Die “bayerische Tracht” wie wir sie heute kennen ist eine Erfindung v.a. des 19. Jhdts. und entspricht NICHT der traditionellen Volkstracht. Es handelt sich um erneuerte Tracht, die regional vereinheitlicht und reglementiert, von Trachtenvereinen monopolisiert und instrumentalisiert wird.
Versucht mal mit einer Rekonstruktion einer bäuerlichen Tracht des 18. Jhdts. beim Trachteneverein Eures Vertrauens Mitglied zu werden…
Der typische Trachtenverein hat mit “echten” Trachten (fast) nix gemeinsam.
Allerdings ist mir ein Trachtenverein immer noch lieber als das unsägliche Landhausmodetragen - das verhält sich zur Tracht nämlich so wie ein MA-MArkt zum Mittelalter…
lokalpatriotischer Gruß,
Indy (Tassilos Rache)

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Eintrag #10 vom 16. Okt. 2003 19:45 Uhr Magdalena Wohlgemuth  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Magdalena Wohlgemuth eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht OT

… stimme Dir weitgehend zu, Andreas. Wollte nur nicht zu sehr darauf eingehen, weil eben sehr OT.
ßbrigens, nur so am Rande: gegen Trachtenvereine sind unsere Authentiker ja geradezu harmlos. Bei Trachtenvereinen wird z.B. sogar die Beschaffenheit der Schnürsenkel vorgeschrieben. Wobei wohlgemerkt die Aufgabe der Trachtenvereine eigentlich sein will, das Brauchtum lebendig zu halten…

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Eintrag #11 vom 16. Okt. 2003 20:54 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht @ Claus

Nimm’s mir nicht übel, inzwischen hätte ich dann schon gerne Belege;-)
Nicole

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Eintrag #12 vom 16. Okt. 2003 20:55 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Noch mehr OT

Klingt ja verdächtig nach den statements auf diversen HP’s “historischer” Darsteller, um’s Nebenthema von einem Stachel in meinen “Afterballen” mal wieder auf DEN mittelalterlichen Stachel zu bringen *g*
Indy (Tassilos Rache)

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Eintrag #13 vom 17. Okt. 2003 07:31 Uhr Claus J. Billet   Nachricht

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Belege ?…für was ?
Das die Kleinbauern arm waren ?
Billet de Muisson

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Eintrag #14 vom 17. Okt. 2003 09:54 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Naja

es gibt die Begrifflichkeiten der Meier, Hauswirte, Hörigen, Eigenleute, Wachspflichtigkeit und andere, die man vielleicht erst einmal auseinanderdividieren müsste. Was ist ein mittelalterlicher Kleinbauer, beispielsweise. Die obigen Begriffe sind mir bei der Bauernrecherche untergekommen, aber Kleinbauer nicht.
Nicole

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Eintrag #15 vom 21. Okt. 2003 17:22 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Auszug aus einer e-mail mit der Arbeitsstelle “Althochdeutsches Woerterbuch”
Arbeitsstellenleiterin Saechsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig:
“da das Wort ”plabatico“ in einem lateinischen Text mit einer
lateinischen Flexionsendung vorkommt, wird es vom Althochdeutschen Wörterbuch nicht erfaßt, auch wenn ein latinisiertes deutsches Wort zugrunde liegen würde. Eine mögliche deutsche Form des Adjektivs *”plabatisch“ ist nicht belegt.
Wie Frau H. vermutet und der Kontext ergibt, liegt wohl das Farbadjektiv ”blavaticus“ zugrunde, das eine Suffigierung mittels -”icus“ zu mlat. ”blavatus“ ‘blaufarben’ (Du Cange, Glossarium mediae et infimae latinitatis 1, S. 678), einem Synonym zu lat. ”blavus“ ‘blau’ ist. Das Wort selbst fand ich in den mir zugänglichen Wörterbüchern nicht gebucht, was aber nicht heißt, daß es das Wort nicht gegeben hat.
Das anlautende ”p“ für ”b“ ist bairische Lautung, die sich auch im Latein niederschlägt. Das intervokalische ”b“ anstelle des zu erwartenden ”v“ ist eine häufig auftretende, nicht unbedingt typisch bairische Lauterscheinung.
ßber Kleidervorschriften gibt es jede Menge Spezialliteratur, die in einem Rechtshistorischen Institut gut erreichbar ist. Literatur über Farbbezeichnungen finden Sie in der Arbeit von Christiane Wanzeck, Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen, Amsterdam, New York 2002.”
So long
Nicole
Nicole

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Eintrag #16 vom 18. Apr. 2004 19:44 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Heute war ich in einem kleinen örtlichen Museum die gerade eien ßtzi-Sonderausstellung da haben.
Da hing auch ein Bild, datiert auf 1477, leider nur mit 3 kurzen Textzeilen.
Das Bild zeigte eine höher gestellte Persönlichkeit die von drei Männern einen runden Gegenstand mit einem kleinen Kreuz (plus) in der Mitte überreicht bekommt. Ich vermute das stellt Geld dar, bitte Kommentare.
Betitelt ist das Bild mit Bauern übergeben den Zehnt o.ä.
Nun hat der ßbergebende aber Sporen an.
Er sieht für mich nicht aus wie ein Ritter, trägt aber ein Messer an der Seite das in der Größe einem Bowiemeser vergleichbar ist.
Ich wollte mich zuerst mal kundig machen bevor ich da dumme Fragen stelle. 1477 ist schließlich schon ne Ecke später als 1300.
Was wisst ihr dazu?
Ab wann durften Bauern überhaupt Sporen tragen?
Wenn überhaupt.
Gute Tage
Harwalt von Biberach

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Eintrag #17 vom 19. Apr. 2004 09:55 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Harald,
Gegenfrage: Warum sollten Bauern keine Sporen tragen dürfen? Sporen sind doch Reitutensilien, wie ein Sattel, und wenn jemand ein Pferd besitzt und darauf reitet, dann liegt doch nahe, daß er auch Sporen trägt.
Der runde Gegenstand mit dem Kreuz klingt mir sehr nach Geld; viele zeitgenössische Münzen trugen tatsächlich ein Kreuz auf einer Seite.
Und das Messer spricht m.E. ebenfalls dafür, daß es sich bei der dargestellten Person um einen Bauern handelt.
Dietrich

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Eintrag #18 vom 19. Apr. 2004 11:56 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Dietrich.
Hier in diesem Thread erst mal in Beitrag 1
---------snip---------
“Bauern keine andere als billig grau oder billig blau gefärbte Kleidung und rindslederne Schuhe, idem bei Seifried Helbling (1283/1299), darüber hinaus keine Sporen, alltags graues Loden, blau feiertags, Gewebe nach ”Stantforder Art“, Fäustlinge (keine Fingerhandschuhe), bezieht sich auf Bauern und deren Frauen.”
Diese Aussage war irgendwann der Stein des Anstosses.
Die Passage entstammt aus “Alltag im Spätmittelalter”, Harry Kühnel ist der Herausgeber. S. 234 steht: (Helbling 1283/99)
------------snip-------------
Auch in anderen Beiträgen hier im Forum ist beim Suchbegriff Sporen zu finden dass das ein ritterliches Vorrecht war.
Deshalb komme ich auf die Idee, Bauern könnten in nennenswerten Zeiträumen des Mittelalters keine Sporen getragen haben.
Grüßle
Harwalt von Biberach

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Eintrag #19 vom 16. Jun. 2005 13:05 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Ich hab da mal ´ne Frage:
Oft wird (wenn das Hochmittelalter gemeint ist) gesagt: so 80-90 % waren Bauern, der Rest bestand aus Adel, Geistlichkeit und Krone (König etc.)
Aber auch zu dieser Zeit (ich meine jetzt die Zeitabschnitte, wo Städte und Bürger noch geringe Bedeutung hinsichtlich Bevölkerung hatten) gab es doch in jedem Dorf irgendwie auch Handwerker (Schmied, Zimmermann etc.) - ist es denn korrekt, diese einfach pauschal immer zu den “Bauern” zu zählen, oder ist die Definition eines “Bauern” zu dieser Zeit nicht an “Landwirtschaft” geknüpft, sondern eher ein “Sammelbegriff” für einen bestimmten Grad an Abhängigkeit von einem Lehnsherren?
Gruß, Ingo

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Eintrag #20 vom 16. Jun. 2005 14:03 Uhr Thomas Klever  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Klever eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
hier ist eine nette Seite zum Thema.
www.mittelalter-handwerk.de
Gruss
Franz zum Lohe

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Eintrag #21 vom 16. Jun. 2005 14:26 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Oder Du schaust hier mal rein:
www.brandenburg1260.de/[…]/die_organisation_der_ma[…]
Leider wird meist der Begriff ‘Bauer’ verwendet, obwohl überwiegend die ländliche Bevölkerung, oder eben die Landsassen gemeint sind.
(vergl. auch Begrifflichkeiten im Sachsenspiegel)
Gruß,
Ruth

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Eintrag #22 vom 16. Jun. 2005 14:50 Uhr Dirk Jerusalem  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dirk Jerusalem eine Nachricht zu schreiben.

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hinzu kommt wohl auch noch, dass wohl ein Teil der Handwerker auf dem Land trotzdem noch Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben, insbesondere zum eigenen Gebrauch.
Um mal ein Extrembeispiel zu bringen: in der Wietze-Niederung in Niedersachsen wurde archäologisch eine bäuerliche Eisengewinnung zur Selbstversorgung (mit Eisen!) aus dem SpßMi und der frühen Neuzeit nachgewiesen. Und andersrum gab es im 13. Jh. im Siegerland wohl schon eine gewerbliche Eisenproduktion _neben_ landwirtschaftlicher Orientierung.
Also generell das Problem, was ist schon eine gewerbliche Spezialisierung bzw. was ist eine Nebenerwerbstätigkeit. Da ist der Begriff Landsasse wohl schon sinnvoller, aber er sagt wohl eben nichts über die Tätigkeit der Bevölkerung aus.
Das selbe Problem gibts ja ebenfalls in der Textilproduktion, wo das Garn anscheinend größtenteils auf dem Land ins Heimarbeit produziert wurde …
nachzulesen bei
G. Schulz: “Die Kartierung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Eisenschmelzen und Meiler in der Wietze-Niederung bei Isenhagen, Kreis Burgdorf”, Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen 7, 1972, 308-333
bzw.
W. Janssen: “Gewerbliche Produktion des Mittelalters”, 332f.; dort: die Befunde auf dem Altenberg in Siegerland
Gruß,
Terricus

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