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Eintrag #1 vom 22. Nov. 2002 10:10 Uhr Christin Barthelmie  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christin Barthelmie eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kleidung - Farbe?

Im Hochmittelalter gab es eine sehr interessante Frauenbewegung: die Beginen. Zur Zeit versuche etwas über ihre Kleidung herauszufinde. Einige Wissenschaftler sagen, dass sich das Wort “Begine” von der beigen Kleidung ableitet. Andere beschreiben die Kleidung als grau. Außerdem: Wie sah die Kleidung genau aus? Darf ich mir dies so ähnlich wie ein Nonnengewand vorstellen? Hat jemand Abbildungen?
Ich hoffe auf regen Informationsaustausch!
Gruß
Christin
Claudine de Marne

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Eintrag #2 vom 22. Nov. 2002 10:21 Uhr Patrizia Frin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrizia Frin eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Frauenbewegung?

Moin!
Das mit der Frauenbewegung hatte ich noch nicht gehört. Ich kenne Beginen als Frauen, die ins Kloster gehen, ohne aber Nonnen zu werden, sprich keine Gelübde ablegten. Für viele Frauen, die mittellos, verwitwet oder sonstwie ohne weitere Möglichkeiten im Leben waren, war das eine ganz gute Lösung. In Lübeck steht noch ein Beginenhaus aus dem 13. Jhd., es gibt wohl auch ganze Beginenkonvente, z. B. in Brügge. Oft sollen die Beginen auch den Nonnen zugearbeitet haben, und auch sonst ein sehr ähnliches Leben wie die Nonnen geführt haben. Was die Kleidung betrifft, bin ich nicht informiert, vermutlich war diese aber eher schlicht, zur Arbeit tauglich und denen der Nonnen sicher nicht unähnlich.
Was hat es mit dieser Bewegung auf sich?
Gruß
Tricia von Lubeca

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Eintrag #3 vom 22. Nov. 2002 11:12 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
mal sehen was ich noch zusammenkriege:
Die Beginen führten ein klosterähnliches Leben, sie sahen sich aber nicht als Nonnen, sondern als Frauen, die die Gebote der Armut, Keuschheit und Nächstenliebe strikt befolgten. Einer der Grundsätze war auch, daß sich eine jede Begine von ihrer Hände Arbeit ernähren könne.
Hier ein paar Seiten aus dem Netz:
www.antjeschrupp.de/beginen.htm
www.flandern.com/presse/berichte/Beginenhoefe.doc
Besonders der Flandern-Link ist interessant und bietet in komprimierter Form etliche Informationen.
Viel Spaß beim Lesen!
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #4 vom 22. Nov. 2002 13:44 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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… man könnte auch einfach in den Thread: ‘Kurzvorstellung der christlichen Orden im Mittelalter’, unter der Rubrik: ‘Orden und Glauben’ schauen, und scrollt sich dort bis zum Eintrag Nr. 7 vor…. :-)
Ruth

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Eintrag #5 vom 22. Nov. 2002 19:02 Uhr Christin Barthelmie  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christin Barthelmie eine Nachricht zu schreiben.

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Hi Mädels!
Amelie: Vielen Dank für die Links, bin jetzt fleißig am Lesen, nur bei der KLeidung herrscht noch immer Verwirrung. In deinem letzten Link wird auf S.4 von “schwarzgekleideten Beginen mit den typischen weißen steifen Kappen” berichtet.
Partrizia: Ja, du hast recht. Bewegung? Nicht unbedingt das passende Wort. Ich bin durch Zufall auf die Beginen gestoßen, und zwar bei der Lektüre von einem kleinem Heftchen von Michael Jeismann: Das 13. Jahrhundert. Darin ist ein Artikel über Mechthild von Madgeburg. Dort wird erwähnt, dass sich Frauen ganz bewusst für ein Leben als Begine entschieden haben und es - stark überzogen dargestellt - nicht nur eine “Notlösung” für arme Witwen war. Dies verführt den Ausdruck der “Frauenbewegung” zu gebrauchen. Dennoch mag dieser heute mit anderen Assiziationen belegt und nciht auf das Hochmittelalter anwendbar sein.
Hat jemand prezise Information, wann die ersten Beginen erwähnt werden?
Liebe Grüße und vielen Dank bis dahin
Christin
Claudine de Marne

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Eintrag #6 vom 22. Nov. 2002 19:28 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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M. Wehrli-Johns/C. Opitz: “Fromme Frauen oder Ketzerinnen?”, Herder Verlag, ISBN 3-451-04692-X
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #7 vom 25. Nov. 2002 12:17 Uhr Larissa Fröhlich   Nachricht

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Hier ein Ausschnitt aus dem Lexikon des Mittelalters zu den Beg(h)inen:
Allgemein: Beg(h)inen, zu Beginn des 13. Jh. erstmalig gebrauchte, seit den vierziger Jahren geläufige Bezeichnung für fromme Frauen, meist Jungfrauen und Witwen, die ohne dauerndes Gelübde und approbierte Regel allein, meist aber in klosterartigen Gemeinschaften, in den Niederlanden häufig in mit Wall und Graben umgebenen Beg(h)inenhöfen unter der Leitung einer Magistra oder Martha ein geistl. Leben führen, das kirchenrechtl. zw. dem Status der Ordensleute und dem der Laien einzuordnen ist. Die B. verbinden Selbstheiligung in Gebet, Kontemplation und Askese mit oft außerhalb ihrer Häuser ausgeübter karitativer Tätigkeit, verschaffen sich ihren Unterhalt, soweit er nicht durch Stiftungsgut, Renten und Schenkungen gesichert ist, durch Handarbeit oder gelegentl. Bettel und suchen, ohne sich aus dem Pfarrverband zu lösen, geistl. Betreuung bei Welt- und Ordensklerus, seit der Mitte des 13. Jh. vornehmlich bei den Bettelorden, um deren Kirchen sich ihre Häuser häufig konzentrieren.
Mulieres devotae oder religiosae, wie die B. in den Quellen meist genannt werden, traten an der Wende zum 13. Jh. nördl. der Alpen vornehml. im Hzm. Brabant und im Bm. Lüttich auf, wo sich u.a. in Oignies-sur-Sambre und Nivelles um Maria v. Oignies (- 1216) und Ida v. Nivelles (- 1237) fromme Frauen versammelten und bei Jakob v. Vitry (- 1254) bzw. Johann v. Nivelles (- 1216) Unterstützung und Schutz fanden. Seit dem 2. Viertel des 13. Jh. sind sie, nachdem ihnen Honorius III. 1216 auf Bitten Jakobs v. Vitry mündlich gestattet hatte, zusammenzuleben und sich gegenseitig geistl. zu fördern, in Nord-Frankreich und in den Städten entlang des Rheins sowie in der norddt. Tiefebene von den Niederlanden bis nach Livland, Mitteldeutschland, Schlesien, Polen und Böhmen, aber auch im dt. Süden und Südosten nachweisbar. In der 2. Hälfte des 15. Jh. beläuft sich die Zahl der Beginenhäuser in Köln, von dem es heißt »quot in mari sunt guttae et in Colonia sanctae Beguttae« auf 106, in Straßburg, Mainz und Basel auf 85, 28 bzw. 22. Bis ins 14. Jh. rekrutierten sich die B. vorwiegend aus dem Patriziat und den städt. Mittelschichten sowie dem ländl. Adel. Erst dann begann der Anteil der aus unteren Schichten stammenden Frauen zu überwiegen. Infolge der im 14. Jh. wiederholt vom Episkopat ausgesprochenen Verbote, unter dem Druck der städt. und staatl. Obrigkeit (Karl IV., 1369) und angesichts zunehmender Diskriminierung ging die Zahl der Neugründungen zurück, während die der »Beginensamenungen« anstieg, die sich den Dritten Orden der Mendikanten anschlossen oder mit der ßbernahme einer approbierten Regel, meist der Augustinerregel, den Status regulierter Gemeinschaften annahmen. Die Devotio moderna und später die Gegenreformation brachten eine Neubelebung: Im 17. Jh. zählt der Beginenhof in Brüssel ca. 1000 Bewohnerinnen. Von den im 19. Jh. noch bestehenden zwölfbelg.-ndl. Beginengemeinschaften setzen heute nur noch die Hälfte, unter ihnen die Beginenhöfe von Gent und Brügge (am Minnewater), die B.-Tradition fort.
Die Entstehung des Beginentums läßt sich weder mit einem Ort noch einer Person, etwa Lüttich und Lambert le Bègue (- ca. 1177), in Verbindung bringen. Sie ist auch nicht allein aus ökonom. und demograph. Gegebenheiten wie z. B. der Intensivierung des städt. Lebens oder einem zu dieser Zeit angebl. bes. hohen Frauenüberschuß (Frauenfrage) zu erklären. Sie steht vielmehr in engem Zusammenhang mit der auf viele Ursachen zurückzuführenden religiösen Bewegung des 12. und 13. Jh., die allenthalben in Europa Laien beiderlei Geschlechts außerhalb von Klerus und Ordensstand nach einem am Evangelium ausgerichteten Leben streben ließ, was bedeutet, daß das von NW-Europa ausgehende Beginentum gemeinsam mit den bes. in Italien stark vertretenen orthodoxen Laiengemeinschaften (Humiliaten), Bußbrüderschaften und Drittorden, aber auch mit antiklerikalen Ketzergruppen wie den Waldensern als Institutionalisierung einer einzigen Bewegung anzusehen ist, wobei freilich nicht vergessen werden darf, daß die Tradition der via media, des Status zw. Ordens- und Laienstand, bis in die chr. Frühzeit zurückgeht.
Die Einbindung in die hochma. Armutsbewegung, die auch in der Bezeichnung B. und ihren it. bzw. frz. Synonymen (bizzoco, pinzochero, biset) - sie werden etymolog. sowohl mit der Farbe der für die Armutsbewegung charakterist. Kleidung aus ungefärbter Wolle (bigio, bège, beige) als auch mit der Bezeichnung für die südfrz. Katharer, Albigenses, in Zusammenhang gebracht - zum Ausdruck kommt, bedeutete ähnlich wie die nicht ganz klare Rechtsstellung - die Bildung neuer Orden und ordensähnlicher Vereinigungen wurde 1215 vom IV. Laterankonzil untersagt und 1274 auf dem II. Konzil v. Lyon im Hinblick auf die Bettelorden noch einmal verboten - eine ständige Gefährdung für die B. Sie und die Beg(h)arden wurden, obwohl sich die ihnen vorgeworfene Beschäftigung mit theol. Subtilitäten in Grenzen hielt und von einer allgemeinen Verbindung mit der im 14. Jh. weitverbreiteten freigeistigen Häresie nicht die Rede sein kann, aus Unkenntnis oder mit Absicht mit fast allen religiösen Abweichungen, kirchl. Subordinationen und sozialen Sondergruppen des späten MA in Zusammenhang gebracht oder gar identifiziert, so z. B. mit den ebenfalls als B. bezeichneten südfrz. Anhängern der Spiritualen und Fratizellen (vgl. Abschnitt II). Unter Berufung auf das Konzil v. Vienne (1311), das in der 1317 in die Clementinen aufgenommenen Const. 16 den Stand der mulieres Beguinae vulgariter nuncupatae wegen Häresie aufhob, die ihm angehörenden mulieres fideles jedoch unangetastet ließ, wurden die B. im Verlauf des 14. und zu Beginn des 15. Jh. bes. an Mittel- und Oberrhein heftig verfolgt. Neben tatsächl. Häresie und bloßem Häresieverdacht waren dabei die sich z. T. widersprechenden Interessen von Weltklerus und Bettelorden mit im Spiel. Der Weltklerus versuchte die Bindung der B. an die Mendikanten zu lösen, wobei er jedoch gelegentl. Bündnisse mit Dominikanern und Augustiner-Eremiten gegen die Franziskaner einging, die sich seit dem 13. Jh. in zunehmendem Maße der B. als Verwalter ihres eigenen rechtl. nicht unter ihrem dominium befindl. Besitzes bedienten und so den Schein der paupertas aufrechtzuerhalten suchten.
Trotz der rechtl. Unsicherheit und ungeachtet häufiger Anfeindungen bot der Stand der B. zahlreichen Frauen, denen der Eintritt in Orden und Kl. nicht möglich war, materielle Versorgung und geistl. Betreuung. Wie hoch das Niveau des geistl. Lebens der B. sein konnte, wird an ihren hervorragendsten Vertreterinnen deutlich, zu denen u.a. Mechthild v. Magdeburg (- 1282/94), die 1310 in Paris als Ketzerin verbrannte Marguerita Porete und vielleicht auch die große Mystikerin Hadewych (13. Jh.) gerechnet werden können.
In Südfrankreich und Italien verlief die Entwicklung etwas anders:
Mit dem Namen B. (beguinae) wurden in der 2. Hälfte des 13. Jh. in S-Frankreich Frauen bezeichnet, die sich einem intensiven religiösen Leben widmeten, ohne jedoch einem bes. Orden anzugehören oder Tertiarierinnen zu sein. Noch am Ende des 13. Jh. (1295) bedeutet der lat. Terminus imbeguiniri, den wir in dem Brief von Petrus Johannis Olivi an die Söhne von Karl II. v. Anjou antreffen, nichts anderes, als ein religiöses Leben voll Intensität und Vertiefung zu führen. Allerdings bezeichnete das Wort B. (beguini, beguinae) in jener Periode bereits auch diejenigen Männer und Frauen, die sich um einige Lehrer der vita spiritualis scharten und ihren Anweisungen folgten, v.a. in den beiden wichtigsten (aber nicht einzigen) Zentren Béziers und Narbonne. Dort war bes. Petrus Johannis Olivi, der den B. mehrere kleinere spirituale Schriften widmete, eine Gestalt von herausragender Bedeutung. Neben und nach Olivi wandte sich der große Arzt und zugleich Laientheologe Arnald v. Villanova, der sich mit spiritualen Fragen auseinandersetzte, ebenfalls an die Beg(h)inen. Außer durch die religiöse Praxis auch durch die gemeinsame Hoffnung auf eine Erneuerung des kirchl. Lebens, die das Ende der Ecclesia carnalis und den mehr oder weniger nahen Triumph der Ecclesia spiritualis bedeuten sollte, zusammengehalten, verbanden sich diese B. auch nach Olivis Tod (1298) weiterhin zu mehr oder weniger geheimen Gruppen, die bei dem lokalen Episkopat Beunruhigung auslösten und den Verdacht auf Häresie aufkommen ließen.
Trotz der starken Betonung der Endzeiterwartung konnte jedoch kein echter Häresieverdacht diese Gruppen treffen. Als die Kommunität die Spiritualen der Provence und ihre Gläubigen anklagte, der Bewegung der Brüder des freien Geistes anzuhängen, war es sogar möglich, die Anklage auf diejenigen zurückfallen zu lassen, von denen sie ausgegangen war. Die B. in S-Frankreich gerieten erst in eine schwere Krise, als vier Spiritualen zum Scheiterhaufen verurteilt wurden, da sie den Verhaltensvorschriften Papst Johannes XXII. und des Generalministers Michael v. Cesena, die ihrer Meinung nach dem wahren franziskan. Geist widersprachen, nicht Folge leisten wollten. Es verbreitete sich bei einem Großteil der B., die an der südfrz. Küste von Marseille bis hin zu den Pyrenäen verstreut waren, die ßberzeugung, daß die vier auf dem Scheiterhaufen verbrannten Spiritualen Heilige und Märtyrer seien, und daß damit die in gewisser Weise in der »Lectura super Apocalipsim« des Petrus Johannis Olivi vorausgesehene Verfolgung begonnen habe (das Werk war auch in der Form populärer Kompendien unter den B. verbreitet); eine Verfolgung, die der Antichristus mysticus gegen die demütige Ecclesia spiritualis führen würde, die aus wenigen, von der hierarch. Kirche (Ecclesia carnalis) bekämpften Erwählten bestand. Diese ßberzeugung, die bald der Inquisition Gelegenheit zum Einschreiten bot, fand im sog. Armutsstreit (Bettelorden) der Jahre 1318-23 ihre Bestätigung und Bekräftigung, der durch die berühmte Bulle »Cum inter nonnullos« vom 12. Nov. 1312 abgeschlossen wurde, mit der der Papst die These, Christus und Apostel hätten weder eigenes noch gemeinschaftl. Eigentum besessen, als häret. erklärte. Diese Entscheidung ließ bei den B. die ßberzeugung entstehen, Johannes XXII. sei ein häret. Papst, dem man nicht mehr Gehorsam leisten dürfe, und der überhaupt nicht mehr als Papst anzusehen sei. Gleichzeitig bildete sich der Glaube, Petrus Johannis Olivi sei ein »sanctus non canonizatus«, während die Ausgrabung seines Leichnams zu einem unbekannten Zeitpunkt und die Verurteilung seiner »Lectura super Apocalipsim« die Vorstellung bekräftigten, der Papst und mit ihm alle, die seine Verdammungsurteile akzeptiert hatten, seien Häretiker. Jenseits der bedeutsamen theolog. Disputationen bildete sich also unter den B. ein gemeinsames Selbstverständnis als Mitglieder der Märtyrerkirche, die zum unausbleibl. Triumph bestimmt sei. Bei den zahlreichen Prozessen in den südfrz. Städten, in denen unter anderen Inquisitoren auch der bekannte Bernardus Guidonis beteiligt war, gab es sehr viele Opfer: zum Teil Fratres, die nach dem Urteil von Marseille eine krit. Haltung gegenüber dem Papst beibehalten hatten, zu noch größerem Teil aber ihre Anhänger, die regelmäßig B. genannt wurden, unabhängig davon, ob sie einfache Laien oder Mitglieder des Dritten Ordens waren. In sozialer Hinsicht rekrutierten sich die B., Männer wie Frauen, zum größten Teil aus den mittleren und unteren Schichten der städt. Bevölkerung, nur ganz wenige stammten aus dem Adel (auch da nur aus dem Kleinadel) oder aus dem Klerus.
Ein Teil der Fratres entzog sich der Inquisition durch die Flucht nach Italien, wo die frz. Spiritualen in vielen Konventen heimlich aufgenommen und geschützt wurden. Um die Jahrhundertmitte war die volkstüml. Bewegung der B. prakt. vernichtet, aber die von ihnen vertretenen Ideen lebten durch die Vermittlung von Persönlichkeiten wie z. B. Petrarca (»Epistulae sine nomine«) weiter. Jedenfalls hatte die spirituale Bewegung in Italien zwar große Bedeutung, ihre Anhänger, die verschiedene Namen trugen, wie z. B. bizoco, traten jedoch nie in so auffallender Weise in Erscheinung, daß es zu echten Zusammenstößen mit der Inquisition kam. Viele B. finden sich jedoch später unter den Fraticelli und ihren Anhängern.
Literatur:
E. G. Neumann, Rhein. Beginen- und Begardenwesen, 1960
G. Koch, Frauenfrage und Ketzertum im MA, 1962
E. W. McDonnell, The Beguines and Beghards in Medieval Culture, 1969
G. Peters, Norddt. Beginen- und Begardentum im MA, NdsJb 41-42, 1969-70, 50-118
H. Grundmann, Religiöse Bewegungen im MA, 19704
O. Nübel, Ma. B. und Sozialsiedlungen in den Niederlanden, 1970
A. Patschovsky, Straßburger Beginenverfolgungen im 14. Jh., DA 30, 1974, 56-198
diesen und weitere Texte zu den Beginen (und andere interessante Aufsätze) von Patschovsky gibt es im Netz unter: www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/[…]/inhal[…]
Grüße, Larissa

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Eintrag #8 vom 25. Nov. 2002 12:20 Uhr Patrizia Frin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrizia Frin eine Nachricht zu schreiben.

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Hi!
Naja, Christin, mit dem Wort “Frauenbewegung” hatte ich Dich ja auch nur zitiert….*g*
Ich hab deshalb nochmal so nachgefragt, weil mir hier im Chat mal was von Kölner Beginen erzählt wurde, die wohl tatsächlich eine Art Frauenbewegung, wie das Wort heute gemeint ist, dargestellt haben, angeblich selbständig, unabhängig und sogar recht streitbar waren….all das erschien mir ein bißchen unwahrscheinlich, Quellen wurden mir auch nicht genannt, die Erzählerin selbst erschien mir, ehrlich gesagt, nicht so richtig ….naja….lassen wir das… aber das war schließlich der Grund, warum ich hier nochmal so genau nachgefragt hab.
Gruß
Tricia von Lubeca

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Eintrag #9 vom 25. Nov. 2002 14:23 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christin,
soweit ich mich an ein Bild aus den Siebzigern erinnere (in einem meiner Bücher daheim, Quelle liefere ich nach), trug die alte Dame auf dem Foto graue Kleidung.
Allerdings war das schon “moderne” Tracht, d.h. Kostümähnlich (Jacke+Rock) mit weißer Haube/Kopftuch und bestimmt nicht auf die historische Bekleidung übertragbar ;-).
Gruß
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #10 vom 13. Okt. 2003 19:25 Uhr Markus Weldert   Nachricht

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Im Rahmen einer Arbeit für die Geschichte der Gesundheitsberufe suchen wir Informationen zur Beginen- oder Begardenbewegung und der gechichtlichen Entwicklung oder Bedeutung ihrer Tracht.
Für zitierfähige Hinweise sind wir dankbar.

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Eintrag #11 vom 14. Okt. 2003 18:42 Uhr Nele (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Nele eine Nachricht zu schreiben.

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Heyho,
sooo - Internet durchforstet und heute schon einige Bücher in der doch erstaunlich gut ausgestatteten Uni-Bib gesichtet und auch reichlich gefunden.
Nur leider leider immer nur Abbildungen ab dem 14.Jhdt (bis ins 21.Jhdt hinein :-) - aber eben leider keine aus dem 13.
Wer weiß, wo ich Beginen Abbildungen des 13. Jhdt. finden kann??
ßber jeden Hinweis dankbar, LG, Nele

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Eintrag #12 vom 16. Okt. 2003 00:58 Uhr Nele (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Nele eine Nachricht zu schreiben.

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HILFE - kann mir vielleicht jemand sagen, woher dieses ccat.sas.upenn.edu/~egelser/beguine.gif
Bild stammen könnte?? Also woher es genommen wurde. Bzw. welches Jahrhundert es ist?

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Eintrag #13 vom 14. Nov. 2003 11:53 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Spontan würde ich sagen: Frankreich, 14. Jarhundert. Dieser “gekachelte” Hintergrund ist dafür ziemlich typisch. Auf Frankreich deutet auch das, was von der Bildunterschrift lesbar ist:
“As abbes as nous monies as nonnaine ensement
Se jay dit veritet selonc men sentement
Et iai passer les metes tout cil dentendement”
Mein Französisch ist lausig; wer besser Französisch kann, kann sich die Bildunterschrift mal genauer anschauen und schauen, ob ich vielleicht doch “Wechsstaben verbuchselt” habe.
Aber was ich schon sagen könnte: “abbes” müßte Abt oder ßbtissin heißen. “monies” bezieht sich sicher auf die Frauen: “sancti moniales” ist eine häufige lateinische Bezeichnung für Kanonissen, kann aber, soweit ich weiß, auch allgemein “Nonnen” heißen. Auch das “nonnaine” würde ich als “Nonne” deuten.
Von diesen Hinweisen her würde ich eher auf eine Abbildung von Nonnen, von der Kleidung her wohl Clarissen, schließen. Da aber zumindest im deutschen Raum die Leute oft keine deutliche Unterscheidung machen zwischen Nonnen und Kanonissen, kann ich - so auf Anhieb - auch nicht 100%ig ausschließen, daß hier keine deutliche sprachliche Unterscheidung zwischen Nonnen und in einer klosterähnlichen Gemeinschaft lebenden Beginen gemacht wurde und auf dem Bild doch Beginen abgebildet sind. Aber ohne Kontext ist da leider nichts zu machen…
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #14 vom 14. Nov. 2003 12:39 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Habe noch ein bißchen über den Text gegrübelt. Und da ist mir klar geworden, daß es in der ersten Zeile wohl eher “moines” heißen muß, also Mönche, als “monies”. Und damit würde ich Beginen als angebildete Personen doch eher ausschließen. Dann bezeichnet die Aufzählung von ßbten. Mönchen und Nonnen nur ganz allgemein die Personengruppen, die in Klöstern leben.
Schade eigentlich.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #15 vom 30. Jul. 2007 22:47 Uhr Nele (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Nele eine Nachricht zu schreiben.

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Woohaa *staubvomthreadpust*
Da mir in letzter Zeit wieder recht viele Begineninteressierte begegnet sind dachte ich ich beleb auch den Thread hier nochmal. Und zwar fiel mir letzte Woche dieses Buch www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/[…]/tempusvivit-21 in die Hände und ich bin schwer begeistert.
Also wer sich überlegt für sich eine Beginendarstellung anzustreben möchte ich hiermit das Buch wärmstens ans Herz legen. Viele Quellenzitate mit Erläuterungen.
Viele davon hatte ich mir damals mühsam einzeln zusammengesammelt und hier gibt es sie alle in einem einzigen Buch.
Allerdings immer noch keine Abbildungen :P

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