Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Bekleidung für Musiker/Spielleute

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Eintrag #1 vom 18. Sep. 2003 11:34 Uhr Vorname (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Vorname eine Nachricht zu schreiben.

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So, jetzt muß ich hier auch mal nen neuen Eintrag aufmachen.
Mir geht es um passende Kleidung für Spielleute. Und zwar nicht die (seltenen) höfisch angestellten, die sich gute Kleidung leisten konnten, sondern die Leute die auf der Straße lebten. Halt der Abschaum.
Ich versuche es stilecht und so wie es hier im Forum gewünscht wird, nämlich das ganze über eine Rolle und Zeit herauszubekommen.
Von der ßberlegung ausgehend, dass Musik natürlich auch Trends setzt und aktuelle “Hits” hat (schon im Mittelalter), schließe ich, dass natürlich auch immer “alte” Sachen gespielt werden, so wie immer schon durch alle Musikalische Epochen, auch später.
D.h. wenn ich einen Frühmittelalterlichen Spielmann darstelle dann wäre es ja historisch korrekt wenn ich auch nur die Sachen spielen würde, die in die Zeit passen. Stelle ich aber einen Spätmittelalterlichen dar kann ich die alten Sachen auch noch spielen und die passenden dazu.
Desweiteren gehe ich davon aus, dass gerade Spielleute sich, bewusst, nicht an Kleiderkonventionen (also warscheinlich irgendwelche Verbote oder Verpöntheiten) hielten, da sie dadurch auffielen. Und wer auffiel überlebte, weil er damit seinen Lebensunterhalt verdienen konnte.
Nun ist also die Frage nach Quellen oder direkten Antworten, denen ich dann vertraue, was diese Leute so getragen haben.
Ich hab natürlich schon ein paar Bücher und sonstige Quellen hier und auch schon einige Bilder im Kopf, aber mehr Input schadet nicht.
Nils Gey

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Eintrag #2 vom 18. Sep. 2003 14:35 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Nils!
Hast Du schon eine Vorstellung, wann genau Du Dich zeitlich ansiedeln willst? Denn davon müßte die Kleiderfrage ja doch in erheblichem Maße abhängen, egal, ob “reich” oder “arm”. Und wann Du Dich ansiedeln willst, müßte sinnvollerweise davon abhängen, welche Musik Du machen willst, evtl. auch davon, welches Instrument Du spielst.
Und genau da sehe ich die Schwierigkeiten. Hast Du schon ein bestimmtes Repertoire im Auge? Und ist das auch belegbar mittelalterlich? Vieles von dem, was bei Auftritten in “Gewandung” oder auf historischen Instrumenten gespielt wird, hat mit Mittelalter wenig zu tun. Was die verbreitetsten Denkfehler über mittelalterliche Musik angeht, so hat Marc Lewon im Frühsommer dieses Jahres einen hervorragenden Artikel über Musik im Mittelalter im “Karfunkel” geschrieben (ich kann mal nachschauen, in welcher Nummer). Die Einleitung ist wirklich sehr zu empfehlen.
Auffallende Kleidung: Ja, zumindest die in höfischem Kontext ab Mitte 13. Jahrhundert/Anfang 14. Jahrhundert (zu anderen Zeiten kann ich wenig sagen) gezeichneten Spielleute fallen mit ihrer Kleidung auf. Das kann aber meiner Meinung nach auch ganz andere Gründe haben als den Wunsch, Aufmerksamkeit zu erwecken. Eine ganze Reihe der mir bekannten Abbildungen von Spielleuten aus dieser Zeit stammt aus Bibelillustrationen. Für die “Hauptpersonen” hatte man feste Konventionen, was Bildaufbau, Kleidung, Kleiderfarben anbelangt. Bei den Nebenfiguren (wie z.B. Spielleute) orientierte man sich stärker an dem, was tatsächlich gerade modisch war.
Aber bevor wir hier über einzelne Bilder sprechen, solltest Du uns am besten erzählen, was für Musik Du machen möchtest, und dann können wir uns über die Zeit unterhalten, in der diese Musik anzusiedeln ist, oder Du sagst uns, in welche Zeit Du möchtest, und Du könntest hier sicher (evtl. in einem anderen Thread) auch Hilfe bei der Zusammenstellung eines passenden Repertoires bekommen.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #3 vom 23. Sep. 2003 22:20 Uhr Sabrina Hain   Nachricht

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Ich würde gerne im 13 Jahrhundert eine Gauklerin spielen und wüsste dazu gerne einige Kleidungsbeispiele und evtl was ein Gaukler auf jeden Fall könne müsste usw…
Gruß, Sabrina

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Eintrag #4 vom 24. Sep. 2003 08:31 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Sabrina,
in der Rubrik “Unterhaltung” → “Musik und Tanz” gibt es ein eigenes Kapitel über Kleidung von Musikerinnen/Gauklerinnen.
Gruß
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #5 vom 22. Mrz. 2005 16:51 Uhr Marcel Hammer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marcel Hammer eine Nachricht zu schreiben.

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Hi an alle!
Hab jetzt verschiedene Beiträge durchforstet, aber so richtig wurde die Frage wohl nie beantwortet (vielleicht sogar mit Bildern?)
Was trug der mittelalterliche Spielmann (am besten von Kopf bis Fuß)
Ich dachte genauer an 10.-11. Jahrhundert und dem Adel angehörend, also schon eigentlich wohlhabend, doch dennoch ein fahrender Musikant.
Als Instrumente besitze ich eine Sackpfeife und werde mir auch noch Schalmeien zulegen.
Ich hoffe, ihr könnt mir helfen (wie schon oben gesagt, am besten mit Bildern =))
liebe Grüße, Marcel

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Eintrag #6 vom 23. Mrz. 2005 10:35 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Marcel,
Ich fürchte, da hast Du dir eine Kombination ausgesucht, mit der Du
a.) nix finden wirst
b.) wenn es teuer wird
Adelige Spielleute im sinne von höfischen Minnesang dürfte vor dem Erblühen des Rittertums einiegrmaßen schwierig sein; nicht-adlig nicht schwieriger vorm Erstarken des Bürgertums.
Dazu kommt noch, wenn er denn Adelig ist, wird die Klamotte teuer.
Und als Krönung bin ich mir unsicher, ob zu Der Zeit Sackpfeife und Schlamei hierzulande schon verbreitet war.
Ich fürchte in der Zusammenstellung kann ich Dir absolut nicht helfen.
Vlt. lässt Du doch den Adel Adel sein und machst erstmal was einfaches, und wenn Du ohnehin auf den Spielmann festgelegt bist, ein paar Jährchen später.
Gruss, Jens

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Eintrag #7 vom 23. Mrz. 2005 16:28 Uhr Marcel Hammer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marcel Hammer eine Nachricht zu schreiben.

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Und wie schauts aus mit armen Spielleuten?
Soweit ich weiß, gab es um 1000 nC schon Sackpfeifen und ich kann mich schlecht erst 1300 ansiedeln, wenn der Rest der Gruppe ~1000 nC darstellt =)

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Eintrag #8 vom 23. Mrz. 2005 17:03 Uhr Thomas Klever  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Klever eine Nachricht zu schreiben.

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Mittelalterliche Sackpfeifen
Die ersten mittelalterlichen Sackpfeifen waren vermutlich mit Aufschlagzungen (Einfachrohrblätter) in zylindrischen Spielpfeifen versehen, vermutlich zuerst ohne Bordunpfeife. Bereits im 10. Jhd. waren Sackpfeifen mit zylindrisch gebohrten Doppelspielpfeifen und gemeinsamer Hornstürze in Deutschland bekannt (u.a. in einer Bamberger Handschrift erwähnt), auf denen “bordunieren” möglich war.
Vom 9. bis 13. Jhd. war die Sackpfeife in ganz Euopa verbreitet, ab der zweiten Hälfte des 13. Jhd. gewöhnlich mit einem bis drei (in einigen Fällen sogar vier) Bordunen in einer gesonderten Tülle. Ab dem 13. Jhd. sind Beschreibungen und bildliche Darstellungen der Instrumente häufiger, so daß man sich heute ein recht gutes Bild der Entwicklung der Sackpfeife in dieser Zeit machen kann.
Quelle: www.sackpfeifen.de
schönen Gruss Franz von Löhe
Thomas Klever

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Eintrag #9 vom 01. Apr. 2005 15:53 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Marcel!
Optimal ist die Kombination Spielmann/Zeit um 1000 nun wirklich nicht, schon allein deshalb, weil es für die Zeit an rekonstruierbarer Musik eigentlich nur die Gregorianik gibt. Außerdem muß ich ehrlich zugeben, daß die Zeit nicht meine Baustelle ist und ich Dir dementsprechend auch keine Listen mit Abbildungen von Kleidung geben kann.
Was an ßberlegungen aber hilfreich sein kann, um sich Deiner geplanten Rolle wenigstens so gut wie möglich zu nähern, kann ich Dir gerne aufzählen:
- Musik: Ich würde Dir nicht raten, auf wesentlich spätere Musik auszuweichen. Auch die Musik folgt Moden, und die ändern sich. Instrumentalmusik oder auch weltliche “Unterhaltungsmusik” ist aber damals nicht aufgeschrieben worden (oder, falls es doch irgendwo ein neumiertes Liebeslied geben sollte, wird es nicht rekonstruierbar sein). Das Ensemble “Sequentia” hat aber auf einigen älteren CDs mit Musik von Hildegard von Bingen diese geistlichen Gesänge benutzt, um daraus auch Instrumentalstücke zu machen. Du könntest dasselbe mit der Gregorianik machen: Beschäftige Dich mit Gregorianik, höre sie, singe sie, dann versuch, sie auf dem Dudelsack zu spielen (oder welches Instrument Du letztendlich benutzt), versuche, sie zu rhythmisieren (von 5/8 oder 7/8-Takten rate ich allerdings ab, aber das ist ein anderes Thema).
- Kleidung: Kommt darauf an, wen oder was Du nun eigentlich darstellen möchtest. Möglich wären der Spielmann, joculator, fahrende Musiker einerseits, der (fortgeschrittene) Hobby-Musiker gleich welchen Standes andererseits. Der adlige Musiker würde sich nicht als Spielmann bezeichnen, egal, wie “professionell” er musizierte; ein Beispiel aus dem 15. Jahrhundert: Oswald von Wolkenstein hat eine Menge Lieder geschaffen. Auch wenn man nicht weiß, ob er wirklich mehrstimmig komponieren konnte, zeigen seine Bearbeitungen mehrstimmiger Stücke doch, daß er Ahnung von der Mehrstimmigkeit hatte. Und doch würde ich ihn nicht als Spielmann charakterisieren, sondern als Angehörigen des österreichischen Niederadels mit Beziehungen zu Kaiser Siegmund.
Musik war wichtige Feierabendbeschäftigung und auch etwas, was man bei vielen Gelegenheiten so “nebenbei” machen konnte. Deshalb ist anzunehmen, daß viele Adlige, aber auch viele andere Leute zumindest für sich und die Nachbarn Musik machen konnten. Diese würden keine spezielle “Spielmannskleidung” tragen, sondern das, was andere Angehörigen ihres Standes auch trugen.
Fahrende Spielleute bekamen in späterer Zeit häufig Kleidung von ihren Gönnern geschenkt, deshalb argumentiere ich immer wieder gerne, daß es auch da eben keine typische Spielmannskleidung gab, sondern daß sie im Wesentlichen das gleiche trugen wie ihr hauptsächliches Publikum, wenn auch vielleicht etwas abgetragener. Aber das ist etwas, was man für die jeweilige Zeit in Abbildungen überprüfen muß. Ein paar Abbildungen mit Spielleuten (auch Gauklern) auch schon aus sehr früher Zeit finden sich im Buch von Bachfischer (s.u.).
- Instrumente: Auch hier ist diese frühe Zeit nicht meine Baustelle, aber ich würde schon dazu raten, für die Instrumente, die Du benutzen willst, nach Abbildungen aus Deiner Zeit zu suchen oder zumindest nachzuschlagen, ob es das jeweilige Instrument zu Deiner Zeit schon gab. Ich rate Dir dazu, die neue (zweite) Auflage des Lexikons “Musik in Geschichte und Gegenwart” zu benutzen.
- Literatur:
Wenn es denn der Spielmann sein soll: Es gibt eine Reihe von Büchern, die sich mit dem Thema auch wissenschaftlich fundiert beschäftigen und dabei meist auch Deine Zeit mit ins Visier nehmen:
Ernst Schubert: Fahrendes Volk im Mittelalter. Bielefeld 1995.
Untersucht Fahrende vom Kesselflicker über den Musiker bis zur Wanderhure und kommt so zu einem sehr umfassenden Verständnis der gesamten Problematik “Fahrende”. Bei den Instrumentenbezeichnungen: Vorsicht, die ßbersetzungen von lateinischen oder mittelhochdeutschen Begriffen, die er z.T. benutzt, bezeichnen heute oft etwas ganz anderes als im Mittelalter!
Wolfgang Hartung: Die spielleute im Mittelalter. Gaukler, Dichter, Musikanten. Darmstadt 2003.
Interessante Anregungen, interessante Quellen (vor allem, wenn man sich dann noch seine eigenen Gedanken macht…).
Sabine Zak: Musik als Ehr und Zier im mittelalterlichen Reich. Neuss 1979.
Geht in einem Exkurs auch auf die Spielleute ein, beschäftigt sich sonst mehr mit der Funktion von Musik und Instrumenten im höfischen und städtischen Umfeld (das könnte auch interessant sein, wenn Du doch keinen Spielmann, sondern einen Hobbymusiker darstellen möchtest).
Walter Salmen: Der fahrende Musiker im europäischen Mittelalter. Kassel 1960.
Inzwischen in den Schlußfolgerungen und der Darstellung etwas veraltet, aber die Quellen, die er anführt, sind immer noch zu gebrauchen. Es gibt von ihm noch ein neueres Buch zu gleichen Thema, aber das ist das gleiche wie dies hier, aber nur wenig erweitert und dafür ohne Fußnoten und darum nicht überprüfbar.
Antonie Schreier-Hornung: Spielleute, Fahrende, Außenseiter: Künstler der mittelalterlichen Welt. Göppingen 1981.
Das Ziel des Buches ist eigentlich, zu untersuchen, ob die sog. “Spielmannsepen” wirklich von Spielleuten geschrieben werden konnten, aber es bringt einige interessante Fragestellungen, mit denen scheinbar klare Annahmen hinterfragt werden können.
Margit Bachfischer: Spielleute, Gaukler und Vaganten: Spielmannskunst im Mittelalter. Augsburg 1998.
Eigentlich kein wissenschaftliches Buch, da Belege durch Fußnoten weitgehend fehlen, dafür das einzige, das auch zahlreiche Abbildungen hat, auch aus der frühen Zeit, die Dich ja interessiert.
Sonst habe ich keine Buchtitel im Kopf von Büchern, in denen besonders Abbildungen von Musikern gesammelt wären, aber ich weiß, daß sich im Literaturverzeichnis der genannten Bücher auch Bücher mit Abbildungen finden lassen.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #10 vom 03. Apr. 2005 20:40 Uhr Flo Cordeau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Flo Cordeau eine Nachricht zu schreiben.

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Karen hat das passende ja schon gesagt: Kleidungstechnisch ist wohl die entsprechende Kleidung der Zielgruppe bzw. dessen Stands gerechtfertigt, den du darstellen willst.
Musiktechnisch ist es schon schwerer. Ich würde jedoch auch sagen, dass eigene Improvisationen passen. Also bräuchte man sich ja keine große Gedanken darüber zu machen.
Wieso fast nur immer der Dudelsack bzw. die Sackpfeiffe genommen wird, frage ich mich allerdings. Die Sackpfeiffe ist ein Instrument, dass nur in den unteren Ständen benutzt wurde. Und dann sicher auch nicht bei einem Anlass, der in einem Gebäude stattfand.
Ich besitze z.B. einen Nachbau einer frühmittelalterlischen Leier, die man in einem alamannischen Grab in Trossingen fand. Nur am spielen haperts noch :)
Grüßle, Flo

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Eintrag #11 vom 04. Apr. 2005 13:24 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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@ Flo:
Improvisationen werden immer das widerspiegeln, was man selber an Musik kennt und oft gehört hat. Die Musik, die heute unser Musikempfinden prägt (egal, ob klassisch oder Rock/Pop), unterscheidet sich jedoch so radikal von der Musik des Mittelalters und besonders noch von der der Jahrtausendwende, daß es schon ein großer Zufall sein müßte, wenn eine Improvisation ohne eine entsprechende “Hörumschulung” irgendetwas mit dem Mittelalter zu tun hätte.
Gerade deshalb habe ich vorhin dazu geraten, sich viel mit der Gregorianik zu beschäftigen. Wenn jemand einen Introitus oder eine Sequenz als Ohrwurm nicht mehr los wird, sind die Chancen ganz gut, daß Elemente daraus auch in die Improvisation einfließen.
Instrumente: Daß der Dudelsack ein Instrument der “unteren Stände” sei, ist eher etwas, was für spätere Zeiten gilt. Im hohen Mittelalter wurden Instrumente mit einem Bordun, die so ja praktisch “mehrstimmig” spielen konnten, durchaus hoch geschätzt. Für die Darstellung eines Adligen scheint er mir aber tatsächlich nicht so ganz passend. Zumindest in den Texten des 12. und 13. Jahrhunderts ist häufig von “saitenspil” als Teil der höfischen Erziehung die Rede, mit Ausnahme des Horns aber nicht von lauten Instrumenten. Ist aber eigentlich auch einleuchtend: Der Adlige sollte zum eigenen Zeitvertreib musikzieren, nicht zur Unterhaltung der gesamten Burganlage.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #12 vom 04. Apr. 2005 20:26 Uhr Flo Cordeau  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Flo Cordeau eine Nachricht zu schreiben.

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Dein Einwurf ist begründet. Doch wer will heute diese Musik noch hören? Sekunde um Sekunde, heute ist der Terz der “Maß aller Dinge”. Besonders hier muss man leider mehr Kompromisse machen (zu ungunsten “A”)
Vieles, was sich im Bereich MA-Musik herumtreibt, dürfte kaum eine korrekte Darstellung sein.
Die Gregorianik hat ein Problem: Sie ist nicht auf alle Völker anwendbar, so z.B. die Wikinger vor der Christianisierung u.ä. Also kommt es sehr auf die Darstellung an. Besonders die ganzen Unterarten des Dudelsacks und die nicht homogene Verbreitung in Europa machen auch eine entsprechende Darstellung schwer.
Der Einwand von dir, dass der Dudelsack im Hochmittelalter geschätzt wird, mag zwar treffend sein, aber unpassend für die Frage, wenn man vom 9.-10. Jahrhundert in dem Darstellungsrahmen bleibt, genauso passt er nicht in die Adelsdarstellung, auch nicht in die Minne.
Genauso stand bei der Minne im HoMi auch keinesfalls die Musik im Vordergrund, sondern eher die Textdichtung. Der Umgang mit Wörtern wurde geschätzt, nicht der mit Instrumenten des Volks. Aber Minne passt auch nicht in seinen Zeitraum, eigentlich kann man die ganze Zeit nach Eleonore von Aquitanien ausklammern.
Sehr schwere Darstellung…
Grüßle, Flo

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Eintrag #13 vom 05. Apr. 2005 12:17 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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“Doch wer will heute diese Musik noch hören?”
Das kommt doch auf den Versuch an, oder?
Wenn man es gar nicht versucht, sondern sich am vermeintlich bekannten Geschmack der Massen orientiert, kann sich niemand an das “alte Hörerlebnis” gewöhnen bzw. es für sich entdecken. Traut den Leuten doch mal etwas mehr zu!
Daß man damit bei Kommerzmärkten oder Stadtfesten nicht den Treffer landet, ist klar - aber das ist ja wohl auch die falsche Bühne, denke ich.
Ich erinnere mich sehr gern an eine Konzertreihe “Alte Musik”, die in meiner Teenie-Zeit in Berlin immer sonntags im Roten Rathaus stattfand. Da waren dann französische Virelais des 13. Jh dabei oder spanische Motetten und vieles mehr was mir bis dahin unbekannt war. Ich bin sonst nicht gerade ein Konzertgänger, aber davon war ich begeistert und bin so oft hingegangen wie möglich.
Man muß den Leuten nur Gelegenheit geben, gut rekonstruierte alte Musik zu entdecken.
Und nicht in vorauseilendem Gehorsam alles dem vermeintlichen “modernen Geschmack” anpassen.
Die Aufführung muß dabei nicht unbedingt im Rahmen eines Konzerts stattfinden, man sollte nur für ein entsprechendes Umfeld sorgen (ruhiger Ort für ruhige Stücke, etc.)
Als ganz tolles Erlebnis dieser Art habe ich Karens Gesang zu den Veranstaltungen in Torgelow in Erinnerung. Das gibt einem dann wirklich den Eindruck eienr Zeitreise!
Gruss, Claudia

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