Hallo zusammen! Ich bin gerade eben durch Zufall über diesen Thread gestolpert und möchte ganz gerne mal ein paar Sachen los werden. Thema “englischer” Langbogen: Der Bogentyp, den wir als ´den´ Langbogen kennen, D-förmiger Querschnitt etc., ist eine Entwicklung des viktorianischen Englands. Eine primär für den Sport gemachte Waffe und kein Kriegsgerät. Der englische “Warbow” des 100jähringen Krieges ist meines Wissens nach eine Mixtur aus einheimischen -hauptsächlich walisischen- Designs und Bögen, die von skandinavischen ´Siedlern´ mit auf die “große Hallig” gebracht worden sind. Das beste zweier Welten sozusagen, über die Jahrhunderte verfeinert. In Nydam in Dänemark hat man Bögen ausgegraben, die ziemlich genau der Länge und dem Profil entsprechen, welches wir von den englischen Bögen her kennen. Das Problem mit allen Artefakten aus Holz und anderen natürlichen Substanzen ist halt die Tatsache, das Holz relativ schnell verottet und es kaum tatsächlich belegbare Funde gibt. Aus der “Mary Rose” (1545 in Plymouth Harbour abgesoffen) hat man einige Bögen herausgeholt, anhand denen man recht gute Rückschlüsse über den Warbow ziehen kann. Die Bögen hatten zum größten Teil ein Querschnittsprofil, welches man am besten als ´Quadratisch mit abgerundeten Ecken charackterisieren kann. Also kein D-Profil. Hornnocks sind leider keine erhalten, aber an den Enden einiger Bögen kann man Werkspuren erkennen, die das frühere Vorhandensein von Hornnocks dokumentieren. Der Hammer ist allerdings das Zugewicht: Die Majorität der Bögen hatte ein Zuggewicht von ca. 80-100lbs auf 30 Zoll Auszuglänge. Leichter war kein Bogen, aber einige waren deutlich stärker; der stärkste Bogen soll 172(!) lbs gehabt haben! Unglaublich, vor allem wenn ich mir den dazu passenden Schützen vorstelle… Roy King vom Mary Rose Thrust hat so ein Biest nachgebaut: 75 Zoll Lang, 150lbs Zuggewicht bei 30 Zoll Auszuglänge. Damit wurden 925 grains (fast 60 Gramm) schwere Pfeile mit einer Geschwindigkeit von 208fps durch den Chronographen geschossen, fast so schnell wie mit einem modernen Wettkampfbogen mit fast gewichtslosen Carbonpfeilen. So ein Ding möchte ich in der besten Rüstung nicht abbekommen… Was Klamotten angeht, solltet Ihr Euch vielleicht mal die Homepage von Dawn of Time Crafts www.geocities.com/SoHo/Gallery/4774 anschauen. Sie arbeiten auch mit Regia Anglorum zusammen und machen sehr schöne Sachen, allerdings sind sie ziemlich teuer. :-) Jörg
Hallo Christian, tut mir leid für die Verballhornung Deines Namens; aber ich dachte, im Norden……Kommt jedenfalls nicht wieder vor. Falls Du noch Literatur zum Thema brauchst, kann ich Dir als Einstieg das Osprey- Heft “Welsh and Scottish Wars 1250 - 1400” empfehlen. In ihm wird die englische Expansion nach Westen und Norden und die daraus entstehenden Auseinandersetzungen beschrieben. Für Wales also die Aufstände unter Llewellyn und Glendowner und für Schottland unter Wallace und Robert the Bruce. Die Abbildungen sind zwar nicht der Renner, sie sind sogar eher Mist, aber der Rest ist gut recherchiert und spannend geschrieben. Die Waliser führten in den 70er und 80er Jahren des 13. Jhd. einen Partisanenkrieg gegen die Engländer, den sie auch schon fast gewonnen hatten, als ihr Führer Llewellyn in einem völlig überflüssigen, zufälligen Scharmützel an einem längst vergessenen Ort von einem eingezogenen Bauern aus Cornwall getötet wurde. Worauf der Widerstand der Waliser zusammenbrach. Vermutlich ließen sich die ßberlebenden die Haare lang wachsen, warfen ihre Hosen weg, malten sich das Gesicht blau an und gingen in den Norden zu Wallace (Scherz). 1301 zog dann Edward I. den Beschiß mit seinem Sohn als Prinzen von Wales durch; 100 Jahre später machten die Waliser dann unter Owen Glendowner nochmal einen Aufstand, der aber auch nicht klappte. Glendowner traf es am besten: Er wird in Wales als Nationalheld verehrt, starb aber alt und mit einer guten englischen Rente versehen auf seinem Gut in Devonshire. Interessantes Detail: Auf vielen englischen Abbildungen walisischer Kämpfer ist zu erkennen, daß einige von ihnen offensichtlich nur einen Schuh tragen, und kein Mensch weiß, warum. Wenn also Dein Schuster zum nächsten Treffen nicht ganz fertig wird und nur einen Treter fertigkriegt, befindest Du dich in keinerlei Erklärungsnotstand. Du kannst immer sagen: Das war so. Dietrich
DON´T CALL ME “KRISCHAN”! (soviel dazu ;-) ) Hallo, Dietrich! Danke für Deinen Vorschlag - das hört sich gut an! Tunika und Beinlinge (ok, Hose für´s erste) sind in Arbeit, Gugel (wenn auch ohne extrem langen Zipfel, aber da soll mir mal einer den absolut trefflichen Quellen-Beweis liefern >-) ) auch. Werd´ ich halt meine Lektüre umstellen müssen. Was die Schuhe angeht: Momentan geht´s mir um eine Erstausstattung zum Anfangen - und das schnell, sprich, bevor die “Saison” gänzlich gelaufen ist. Zudem habe ich ein kleines Problem: Mein ßbergewicht schleppe ich bereits auf recht malträtierten pedes der BW-Klassifizierung “Knick-Senk-Spreiz 62” durch die Welt. Daher will/kann ich auf ein Mindestmaß an modernem Schuh-Design nicht verzichten. (Es sei denn, ich stelle einen fußkranken Waliser dar) Insofern werde ich erst einmal abwarten, was mein Schuhmacher so hinbekommt. Nach seinem Prototyp (der Mann ist gut, baut das erste Muster auf eigene Rechnung, weil er sowas noch nicht gemacht hat :-) ) entscheide ich dann, was ich mache. Grüße in den Süden Christian
Hi Krischan, ich habe schon richtig verstanden, daß Du den Bogen selbst gebaut hast und mit Recht stolz darauf bist. Ich selbst bin über das Stadium des Pfeilemachens nie hinausgekommen… Und ein Langbogen IST eine geile Waffe! Wenn sich also jemand ein solches Teil zulegt und dann seine Rolle nach der Waffe gestaltet, ist das voll in Ordnung. Nur- stimmen sollte es. Und Angelsachse mit Langbogen stimmt nicht. Nach meinem letzten Eintrag bin ich noch einmal in mich gegangen und zu dem Schluß gekommen, daß ich mich zu sehr auf eine Darstellungsmöglichkeit deutsch/ 15. Jhd. konzentriert habe. Klar, das ist meine Zeit. Wenn Du also nichts dagegen hast, etwas Britannisches darzustellen (was ja wohl gegeben ist, da Du ja schon den Angelsachsen gibst), warum nicht “back to the roots” und einen walisischen Bogenschützen, letztes Aufgebot, im Kampf gegen die anrückenden Engländer Anfang des 14. Jhd. geben? Wann war die Geschichte mit dem “Prince of Wales” Dieser Beschiß wäre dann in Deiner Zeit. Vorteil: Die Klamotten aus dieser Zeit sind gut recherchiert und leicht herzustellen. Leinenhemd, Tunika, Beinlinge, Gugel kann man selber machen, als Kopfbedeckung reicht ein Filzhut oder eine Wollmütze, Bogen hast Du schon, Schließen für Gürtel und Mantel kannst Du entweder schmieden lassen oder in England bestellen. Blieben die Schuhe. Die Quellen, die Du genannt hast, sind super, aber gehe bitte nicht zu einem modernen Schuhmacher damit! Erstens sind mittelalterliche Wendeschuhe nach einem völlig anderen Verfahren hergestellt als alles, was dieser Mann gelernt hat, und was Du kriegen wirst, sind entweder “mittelalterliche” Schuhe nach modernem Herstellungsverfahren oder Wendeschuhe als Erstlingswerk, mit allen Fehlern und Irrtümern, die Prototypen immer haben. Zudem sind deutsche Handwerker, und diese Verallgemeinerung wähle ich jetzt ganz bewußt, mit einem Makel behaftet: Sobald sie etwas tun, daß sich von ihrem normalen Tagesablauf im 20. Jhd. unterscheidet, sind sie keine Handwerker mehr, sondern Künstler; und dann lassen sie sich nicht mehr nach Handwerker- sondern nach Künstlertarif bezahlen. Wenn Du willst, besorge ich Dir Adressen von englischen Handwerkern, die zu vernünftigen Preisen erstklassige Ware liefern. Und wenn auf Deinen Schuhmacher die eben geschilderten Dinge nicht zutreffen sollten, gib´ mir sofort seine Adresse. Nachteil einer Waliser- Darstellung: Da es meines Wissens noch niemanden gibt, der diese Zeit macht, wärest Du ein Einzelkämpfer und stündest ganz allein in der Welt. Und das widerspräche meiner Philosophie, die da heißt: Gründe keine neue Gruppe, wenn Du dich einer bereits bestehenden anschließen kannst. Es spart Zeit, Geld, Energie und Aufwand für Recherchen, die bei einer “alten” Gruppe bereits gelaufen sind (oder sein sollten) und von deren Ergebnissen man dann zehren kann. Andererseits- bedenke die Möglichkeiten! Eine Gruppe einfach gekleideter und ausgestatteter Bogenschützen- jeder mit einem Langbogen Bewaffnete, der kein Geld für eine aufwendige Ausstattung hat, könnte da mitmachen. Und ihr könntet jeden englischen (oder normannischen) Ritter mit Wonne in den unbepferdeten Arsch treten. Dietrich
Hallo, Dietrich! Zunächst einmal Danke für die konstruktive Kritik (ich folge Dir nachwievor nicht zur Gänze, da ich aber gerade nicht mit Quellen um mich werfen kann, werde ich mich später wieder vernehmen lassen). Einen Punkt muß ich aber richtigstellen: Ich habe mir nicht einfach einen Langbogen gekauft, weil das eine “geile Waffe” ist oder so. Vielmehr habe ich einen Bogenbaukurs besucht und das Teil selbst gebaut (sorry, daß ich darauf rumreite, aber nachdem sich der Bogen nach mehreren Tagen Schufterei sogar leidlich schießen läßt, bin ich halt recht stolz drauf! ;-) ) Mit dem Kurs kam die Lust, mehr in dieser Richtung zu machen. Daher die Wahl meiner “Persona”. Solltest Du einen besseren Vorschlag haben, laß es mich bitte wissen! OK, möglicherweise wirst Du bei einigen meiner Ausrüstungsteile den Kopf schütteln, aber bedenke bitte, daß ich gerade drei Wochen dabei bin. Ich kann ja verstehen, daß viele der Diskutanten in der Taverne strenge Maßstäbe anlegen, aber ihr solltet den Newcomern auch eine Chance lassen, solange sie sich Mühe geben (oder wie war das mit Deinem Start in die Szene? ;-) Was die Schuhe angeht: Ich habe mir via “Footwear of the Middle Ages” und “Regia Anglorum” Schnitte heruntergeladen und sie zu meinem Schuster getragen. Mal sehen, was der daraus macht … Nichts für ungut und Grüße aus Hamburg Christian
Hallo Christian, es gibt keinen Beleg, weder schriftlich noch als Abbildung, für einen “Langbogen” in heutigen Sinne, der sich vor das späte, das sehr späte 13. Jhd. datieren läßt. Alle vorher gebräuchlichen Bögen waren deutlich kürzer. Siehe hierzu das bereits erwähnte Buch “The English Longbowman”. Römer, Kelten, Germanen, leider auch Angelsachsen haben mit Langbögen nichts zu schaffen, wenn auch viele Darsteller das nicht glauben wollen. Tatsächlich sind diese guten Stücke die am meisten vertretenen Waffen bei jeder Veranstaltung egal welcher Coleur. Gerade Angelsachsen: Einer der Gründe, warum wir Hastings verloren haben, war unser bedauerlicher Mangel an Fernwaffen. Schließlich war es Harald, der von einem Pfeil getroffen wurde, und nicht Wilhelm. Etwas konstruktive Kritik: Ich halte es für falsch, mir einen Ausrüstungsgegenstand zu kaufen und dann zu überlegen, was ich damit darstellen kann. Und prompt die falsche Wahl zu treffen, mit der Begründung, daß ich mich damit leichter tue. Das ist so, wie wenn ich ein G3 besäße und mir als dazu passendes Outfit die Bekleidung eines Afrikaans aus dem Burenkrieg zulegen würde, mit der Begründung, daß ein Schlapphut leichter zu kriegen ist als ein Stahlhelm und militärischer Drill eh´ keinen Spaß macht. Es ändert nichts: Falsche Zeit, falscher Ort. Außerdem- wie kommst Du darauf, daß die Ausrüstung eines Angelsachsen aus dem 11. Jhd. leicht herzustellen ist? Schon die phrygische Mütze war eine Geduldsprobe, und beim Nähen der Hose warf ich mehrmals den ganzen Kram in die Ecke und rannte laut gackernd und mit den Flügeln schlagend im Kreis. Solche Schnitte gehören verboten! Alle meine Eisenteile wie Gürtelschließe, Speerspitze und Fibel sind Einzelanfertigungen, und gute Schuhe habe ich bis heute nicht gefunden. Hast Du da eine Quelle? Die mir bekannten englischen Schuhmacher stellen nur römische, spätmittelalterliche und dann wieder spätere Schuhe her und winken beim Frühmittelalter nur ab. Natürlich gibt es Schuhmacher, die die Frühmittelalterszene in England beliefern, aber wer? Wenn Du eine Adresse hast, wäre das sehr hilfreich. Dietrich
Moin, moin! So ganz kann Dietrich nicht zustimmen. Der Langbogen als Bau-Form mit dem typischen D-Profil und entsprechender Länge war sicherlich schon vor dem 15. Jh. in England und Europa anzutreffen. Diese Bögen dürften sich vor allem durch ihre geringere Zugkraft von ihren berühmten englischen Vettern unterschieden haben. Das Problem von Kai habe ich auch gerade. Ich bin stolzer Besitzer eines Langbogen-Eigenbaus (AGIL-Kurs, sehr zu empfehlen) und auf der Suche nach einer passenden “Persona”. Meine Lösung sieht bislang so aus: Da mein Bogen nicht allzu kräftig ist (ca. 32 lbs), habe ich mich entschieden, einen Angelsachsen aus der Zeit der Normannen-Invasion darzustellen. Diese Wahl empfinde ich zudem als Vorteil, weil die Gewandung relativ leicht herzustellen ist und kein ßbermaß an Aufwand erfordert. Ich bin MA-Anfänger und daher froh über jede Erleichterung. Da hat man beim Rest mehr Zeit und Lust, sich Mühe zu geben und möglichst (nein, nicht das A.-Wort :;-) ) überzeugend zu wirken. Viele Grüße, Christian
Hallo Kai, um Deine Fragen ausführlich beantworten zu können, müßte ich wissen, welche Zeit Du darstellen möchtest und was für eine Art von Bogen Du benutzt.Falls es sich um einen Langbogen handelt, bist Du sowohl zeitlich als auch in den Darstellungsmöglichkeiten stark eingeschränkt; diese Form der Fernwaffe kam im 14. Jhd. aus Wales nach England, erlebte im 15. Jhd. ihre Blütezeit und wurde erst im 17. Jhd. endgültig von den Feuerwaffen verdrängt. Alles Folgende bezieht sich also auf die Zeit des Langbogens, also auf das 15. Jhd., in dem ich mich auch am besten auskenne. Langbögen waren auf dem Kontinent tatsächlich nicht sehr verbreitet; das lag erstens an der Materialknappheit (Eibe war schon damals nicht sehr häufig; zur Aufrechterhaltung der Produktion wurde in England ein Gesetz erlassen, das jedem aus Spanien kommendem Schiff vorschrieb, eine bestimmte Menge von Eibenrohlingen mitzubringen), zweitens daran, daß die waffentechnische Entwicklung in eine andere Richtung (Armbruste) ging und drittens, was die Nutzung als Kriegswaffe angeht, an der konkurrenzlosen Qualität der englischen Bogenschützen. Wer als Kriegsherr auf Qualität schaute und “hip” sein wollte, der holte sich schweizer Pikeniere, französische schwere Reiter, italienische Armbruster, deutsche Kanoniere und englische Bogenschützen. Originale Engländer, keine deutschen oder französischen Kopien. England hatte sozusagen das Monopol auf Bogenschützen, genau wie später die Schweiz -jedenfalls bis zum Aufkommen der Landsknechte- auf Pikeniere. Natürlich hat es auch woanders Bogenschützen gegeben, aber die waren eben nicht mit Langbögen, sondern meistens mit den bereits oben erwähnten, kürzeren “Flatbows” oder der deutschen Form mit Recurve ausgerüstet. Und sie waren gegen die Engländer immer zweite Wahl. So gesehen, wäre das für Dich sogar eine gute Darstellungsmöglichkeit, da englische Schützen extrem gut bezahlte Spezialisten -und meistens beritten- waren (im burgundischen Heer unter Karl dem Kühnen angestellte englische Söldner hatten mindestens zwei Pferde und zwei bis drei Bedienstete). Du könntest also einen deutschen, zwar nach englischem Muster ausgerüsteten, aber dennoch nur “zweitklassigen” Schützen darstellen; Das würde Dich auch der Notwendigkeit von Pferden und Dienern entheben. Von zwielichtigem Gesindel wie Räubern, Wilderern oder “freien” Jägern (das sind Wilderer, die noch nicht erwischt wurden) würde ich abraten, weil sie sich oft überhastet ins Gebüsch zurückziehen müssen und dabei ein Langbogen eher hinderlich ist; außerdem kann man ihn nur schlecht tarnen. Selbst heute nutzen die modernen Nachfahren dieser Berufszweige noch kurze oder wenigstens zerlegbare Berufsutensilien. Reguläre Jäger hingegen waren aus den bereits oben genannten Gründen- Material und Waffentechnik- meistens mit Armbrusten ausgerüstet. Armbruste sind zwar nicht so schnell wie Bögen, aber das spielt beim gezielten Einzelschuß keine große Rolle. Entweder man trifft, oder der Hirsch ist weg. Und ein einmal abgeschossenen Armbrustbolzen läßt sich von kleineren ßsten nicht so leicht aus der Bahn bringen wie ein Langbogenpfeil, was im Unterholz ein nicht zu verachtender Vorteil ist. Knappe fällt völlig aus, da diese die Klamotten ihres Herren zu schleppen und zu versorgen hatten und in der Regel während der Schlacht damit beschäftigt waren, ihre Rübe unten und das Wappen ihres Herren oben zu halten. Fernschützen in der Lanze waren meistens berittene Armbrustschützen. Und- als Knappe ohne Ritter steht man auch ziemlich einsam in der Gegend rum. Also, meine Empfehlung wäre: Stelle einen Söldner des 15. Jhd. dar, der auf den Zug “gutbezahlter Bogenschütze” aufspringen möchte und sich deshalb eine entsprechende Ausrüstung zugelegt hat (einem Engländer abgekauft? Gewonnen? Auf einem Schlachtfeld “gefunden”), ohne aber dem Qualitätsanspruch genügen zu können, da er eben nicht seit seinem achten Lebensjahr täglich mit dem Bogen geübt hat, wie es allen Engländern vorgeschrieben war. Solltest Du Dich dazu entschließen, kann ich Dir das Buch “The English Longbowman” von Gerry Embleton und Clive Bartlett, erschienen in der “Men-at-Arms”- Serie, empfehlen. Viel Spaß! Dietrich
Hallo Kai, das Problem faengt wohl schon mit dem Bogen an. Wie Sascha schon gesagt hat ist die nachweisbare Form (NAtionalmuseum Nuernberg) ein Langbogen mit leichen Recurves an den Enden. Bogenschuetzen wurden in England als effiziente Kriegswaffe eingesetzt und perfektioniert. Diese Langbogenform kann man heute auch problemlos bekommen, die ´deutsch´ Form ist schwieriger zu bekommen. In England gab es Depots der Fuersten und des Koenigs wo Boegen und Zubehoer, wie Sehnen, Koecher und Pfeile gelagert wurden und im Bedarfsfall an das Heer ausgegeben wurden. Es gib in Englan sogar ein Gesetz (das heute aber keine Anwendung mehr findet) wonach ein jeder Mann mit Nachweis sich monatlich im Bogenschiessen auf ca. 100m ueben musste. Berufe um den Bogen, waren Fletcher (Pfeilbauer), Schmiede und Bogenbauer, die Schuetzen selbst wurden wohl aus dem Volk rekrutiert. Adlige benutzten den Bogen zur Jagd. In einer Schlacht bediente sich ein Ritter aber nicht des Bogens, weil diese Waffe als ´unritterlich´ eingestuft war. Wie es hier auf dem Kontinent aussah kann ich leider nicht sagen, da ich dazu bisher keine aussagekraeftigen Quellen bekommen habe. Nur dass die Franzosen wegen mangel an Bogenschuetzen in einigen Schlachten von den Englaendern besiegt wurden, was auf eine untergeordnete Rolle der Bogenschuetzen auf dem Kontinent schliessen laesst. Vielleicht konnte ich Dir ja etwas helfen. Ciao Thorsten
Hallo Kai, ich bin zwar kein Fachmann fuer Bogenfragen, da ich mir aber selbst gerade einen Eibenbogen anfertigen lasse, der versucht hochmittelalterliche Formen zu kopieren, habe ich in letzter Zeit staerker auf Darstellungen und auf Sekundertexte irgendwelcher Hysteriker geachtet. Letztere meinen ueberwiegend, dass der Bogen, zumindest in Deutschland, keine ritterliche Waffe gewesen sei. Auf Darstellungen, die die Verteidiger einer Festung zeigen, habe ich dagegen des öfteren Bogenschützen gefunden, sie benutzen aber überwiegend das, was man heute einen Flatbow nennen wuerde. Die dargestellten Verteidiger tragen alle Panzer und Helm, waren also recht gut passiv bewaffnet. Gruss Sascha Fuer das fruehe Mittelalter ist der Gebrauch von Bogen im Heer Karls des Großen als Ausnahme immer wieder aufgefuehrt
Hi Kai, ich wollte Dir mal zu deiner “Standartfrage”: “ Apropos Standardfragen … ich habe beim letzten mal mitgezaehlt, und habe *51* mal entweder ”Bist du Robbin Hoooood ??“ oder ”Guck mal, Robin Hood !“ gehoert ” mal was erzählen, von einem, der Mittelalter angefangen hat, mit einem Zweihänder auf die Märkte zog, locker über die Schulter geschwungen hat. Immer bei erscheinen der Person wurde ein “BOOOAAAHHRR KUCKMAL DAS SCHWERT… DER HIGHLANDER….” entgegen gerufen. Das macht einen entweder SAUER oder man lacht einfach drüber. Anfangs war das säuerlichkeit meinereinerwenigkeit gegenüber den Touristen. Das liegt zu 90% an unwissenheit der Touristen, die sowas einfach nicht richtig einordnen können. Ich habe mich dazu entschloßen, denen die mich so betiteln, einfach mal zu erklären, was ich hier darstelle und warum das Schwert so groß ist. Leider muß man auch dazu sagen, daß die meisten MA-Freaks sich nicht dazu herablassen, dieses “Pseudonym” abzuschaffen, indem diese eine art Aufklärung betreiben. Man könnte einfach auf solche kommentare eine kleine Geschichtsstunde an den Touristen ablassen. Dieses hat 2 Effekte, man kann seine “aggressionen”in Worte fassen und zweitens, lernen die Touristen entlich mal, daß wir MITTELALTER darstellen und nicht irgendein Fantasy-Produktion ala “Hercules” oder “Highlander” oder die sagenumschreibene Geschichte von Schlabin Wood äh Robin Hood. MfG Angelo
Ich wuerde gerne mal ein paar Meinungen dazu hoeren, welche “Berufe” jemand haben koennte, der einen Bogenschuetzen darstellt. Es ist mir naelich bisher noch nicht gelungen, genau herauszukriegen, wie damals der Besitz von z.B. Langboegen geregelt war. Und ihre Verfuegbarkeit. Waren sie Bauern oder freien Buergern zugaenglich ? Waren es uebliche Waffen fuer Knappen und/oder Ritter. Wer konnte einen Bogen *legal* zur Jagd nutzen. Und wie waren die Jagdrechte geregelt.. Ich stelle momentan einen Bogenschuetzen dar, und ueberlege mir gerade, wie ich am wahrscheinlichsten mein Geld verdient haette. Bisher ist mir folgendes eingefallen: Soldat im Dienste eines Adeligen, freier Jaeger, Jaeger im Dienste eines Ad., Gesetzloser/Räuber, Wilderer, Knappe .. Apropos Standardfragen … ich habe beim letzten mal mitgezaehlt, und habe *51* mal entweder “Bist du Robbin Hoooood ??” oder “Guck mal, Robin Hood !” gehoert Soll ich lachen oder weinen ;) …