Warum wird aller Orten versucht, die Klamotte immer perfekter aussehen zu lassen, aber andererseits mit der Begründung, dass das Publikum ein “korrektes” Gefecht eh nicht erkennen kann, akzeptiert, wenn Schaukämpfe nur in punkto Lärm authentisch sind?
Wenns nach mir ginge sollte es natürlich so “wahr” wie möglich sein.
Nun bin ich nicht das Maß der Dinge (leider… noch nicht *g*)
Ich habe nur immer noch Bedenken, daß es der Zielgruppe wirklich egal ist.
Ich vergleiche das mal ganz grob mit solchen “Diiíingen” wie Fernsehkrimis, Rettungshubschrauberserien u.ä., wo auch der Realismus gegen null geht. Dabei ist es dem Publikum auch egal, ob es da zugeht wie im wirklichen Leben.
Oder habe ich jetzt wirklich was falsch verstanden? Ist Bühnen-/Film-Fechten auf mehr als den Effekt und die Erfüllung des Drehbuches angelegt?
ich möchte mich der Kritik Michaels im Wesentlichen anschließen.
Dein Aufsatz widmet sich zu einem großen Teil dem Bühnenfechten im Film bzw. filmischen Besonderheiten. Diese Ansichten sind zwar interessant und eröffnen dem Leser bisher unbekannte Eindrücke aus der Filmbranche, verfehlen aber letztlich das große Zielpublikum der Mittelaltermarkt-Kampfdarsteller.
Ebenso verhält es sich mit der Wahl der ßbungswaffe. Der von Dir empfohlene Sportsäbel mit Degenklinge ist z.B. aus meiner Sicht eines hist. Fechters für alle Arten des Mittelalterlichen Kampfes (Langschwert, Einhand + Schild(!), Langes Messer) unbrauchbar.
Jeder spätere Darsteller sollte sich bereits beim ßben mit der korrekten Waffe auseinander-setzen, da jede Waffe ihre eigenen Griffweisen, Techniken und kreativen Darstellungsgebiete bietet.
Wie auch Alex Klenner schon einwand, gibt es hervorragende ßbungswaffen aus Holz, die preislich sogar unter einem Sportsäbel liegen dürften und gewichtsmäßig an die spätere “Aufführungswaffe” heranreichen.
Das Training also pauschal mit einem modernen Sportsäbel zu gestalten, beschränkt die später geforderte realistische Darstellung und erhöht das Risiko von Verletzungen, da die Darsteller es nicht gewohnt werden, das schwerere Langschwert etc. zu bedienen.
Dein Ansatz mag für Darstellungen aus dem “Mantel+Degenbereich” genügen, ist jedoch für die Darstellung mittelalterlicher Gefechte kontraproduktiv. Denke nur an Gefechte mit Schwert und Schild…!
Es wäre wünschenswert gewesen, eine Anleitung bzw. ßbungen zur Einstudierung von Fechtsequenzen mit mittelalterlichen Waffen zu finden, denn das sind u.a. offensichtlich die Waffen, mit welchen man sich bei Saksarik beschäftigt?!
Trotzdem zolle ich Dir Respekt für die Arbeit, die Du zusammengestellt hast und Deinen Mut sie im Tempus-Vivit vorzustellen, auch wenn Du Dir evtl. nicht vorstellen kannst, mit der linken Hand in die Langschwertklinge zu greifen… ;-)
Interessiert sich eigentlich jemand der (normalen, nicht entsprechend vorgebildeteten) Zuschauer für solche Details?
Ist es nicht vielmehr so, daß es dem normalen Publikum gar nicht auffällt bis schnurzegal ist, ob das gezeigte Fechten auch nur ansatzweise realistisch ist?
Oder andersrumgefragt: Muß z. B. ein Bühnenwikinger denn überhaupt ein Wikingerschwert führen?
Ich erinnere mich da an alte Robin-Hood-Filme, bei denen minutenlang unheimlich effektvoll mit nicht zeitgenössischen Waffen gefochten wurde. Ich denke, beim Bühnenfechten steht das doch im Vordergrund, oder?
@Säbel-Degen: Daß Du dies als Trainingswaffe vorschlägst, war mir schon klar und habe ich auch geschrieben. Dein Kostenargument leuchtet mir auch ein. Nur sind passend gesägte Gardinenstangen *noch* billiger (rein interessehalber: Was kostet dieser “Ssäbel-Degen”). Und auch das Gewicht sollte keine Schwierigkeiten machen. Was spricht gegen Trainingswaffen aus Holz?
Gegen den Säbeldegen spricht m.E. die eingeschränkte Griffhaltung (z.B. nur eine Hand an der Waffe) und die vorgegebene Länge. Es gibt also Schwierigkeiten mit der Darstellung kürzerer Waffen, z.b. bei Wikingern.
Nochmal zu meinem Eingangsposting: Was hältst Du von der Anwendbarkeit von Techniken/Wissen aus dem Bühnenfechten auf Mittelalterveranstaltungen? Was kann übertragen werden und auf welche Art der Darstellung bezieht sich das?
Danke für deine kritischen Bemrkungen, so was ist für mich sehr hilfreich.
Nur ein Wort (keine Rechtfertigung, ne Erklärung) zu dem im Text von mir vorgeschlagenen Säbel-Degen: dieser Konstruktion halte ich nach wie vor für ausgesprochen sinnvoll als ßBUNGSWAFFE. Nicht für den tatsächlichen Gebrauch während der Aufführung. Ich selbst benutze speziellere Waffen, empfehle diese auch den Leuten, die bei mir lernen, doch es ist nun einmal nicht jedermanns Sache, mal eben 350 Euro für ein Rapier oder so etwas auszugeben. Ergo bietet sich mit der Degenklinge, um 90 Grad verdreht geführt (damit`s nicht slapped)und mit ner Säbelglocke versehen ein brauchbares Trainingsgerät an, das zudem recht preiswert ist. Auch halte ich es aufgrund entsprechender Erfahrung für sinnvoll, mit einer leichten Waffe zu beginnen, erst die Technik zu lernen, die Muskeln und Gelenke langsam zu trainieren und dann erst später eventuell bei Bedarf (bei Bedarf!) schwerere Waffen zu führen.
Ich versuche mich mal an einer Kritik des Textes von Georg Mackowiak.
Das Problem bei Texten, die ein so umfangreiches Thema wie eine Sportart auf 20 Seiten beschreiben wollen, sind immer die Dinge, die fehlen. Man könnte noch etwas über XY sagen, Z wurde nicht genügend hervorgehoben, etc. Walter Kamm (Fechten in der Darstellenden Kunst) benötigt (wenn auch im Din A5-Fomat) 133 Seiten und hat dasselbe Problem. Wichtig ist also die Schwerpunktsetzung.
“Stage Combat” beginnt mit einem Blick auf die “Geschichte” des Bühnenfechtens im Film. Dann werden einige Grundsätze erläutert. Weiter geht es mit einem Abschnitt über die geeigneten ßbungswaffen. Dann beginnt der praktische Teil mit einleitenden Worten zum Training. Es folgen Schrittechnik, Greifen der Waffe, Grundstellungen, einige Angriffe samt zugehöriger “Paraden”, drei “Effekthiebe”. Damit ist der praktische Teil schon beendet. Es folgen noch einige Worte zu den Besonderheiten des Films. Die letzte Seite gibt noch einige Hinweise dazu, wie man einen Kampf für ein Publikum inszeniert.
Die Schwerpunktsetzung scheint mir nicht gelungen. Ich würde von einem Lehrtext zum Bühnenfechten vor allem Informationen zu zwei Dingen erwarten. Erstens: Was läßt einen Kampf gut aussehen. Zweitens: Welche Bewegungsabläufe und Techniken benötigt man basismäßig und wie sehen diese im einzelnen aus. “Stage Combat” liefert nur den zweiten Schwerpunkt und dazu jede Menge Text zu anderen Themen.
Die entscheidende Frage, was dafür sorgt, daß ein Kampf gut aussieht, wird allenfalls angerissen.
Auch inhaltlich bin ich mit vielen Punkten nicht einverstanden. Das fängt mit der empfohlenen ßbungswaffe an. “Stage Combat” umfaßt eigenem Bekunden nach alle Klingenkämpfer. Degenfechter, Wikinger, Rapierfechter bis zum gotische Ritter. Es wird für alle Darstellungsgebiete ein Sportsäbel mit Degenklinge empfohlen. Das erscheint mir nicht sinnvoll. Ein inszenierter Kampf sieht umso besser aus, je realistischer die Darstellung ist, wobei Kompromisse gemacht werden müssen, was das Verständnis und das Auffassungsvermögen des Publikums angeht. Es ist also wichtig, daß ein Degenfechter nach Degenfechter und ein Wikinger nach Wikinger aussieht. Die verschiedenen Waffen werden unterscheidlich gefaßt, haben unterschiedliche Längen und manche Klingen erfordern eine zweite Hand an der Waffe. Das läßt sich mit einem umgebauen Sportsäbel nicht machen. Abgesägte Gardinenstangen erscheinen mir da sinnvoller, wenn schon keine passenden Stahlwaffen vorhanden sind. Das Argument, daß Gewicht einer “passenden” Waffe sei für Anfänger nicht geeignet, halte ich für falsch. Falsche Waffen und Gewichte führen zu falschen Bewegungen. Und die Gewöhnung an eine Trainingswaffe ohne Gewicht führt beim Auftritt mit “passenden” Waffen zu Sicherheitsproblemen.
Der “Universalansatz”, der seinen Ansatzpunkt nicht in der dargestellten Szene findet, sondern m.E. im Sportfechten, findet seine Fortsetzung in der Beinarbeit, den Grundstellungen und der Haltung der Waffe. Aussagen wie “der Kreuzschritt sollte elegant und tänzerisch ausgeführt werden”, “es ist sehr wichtig, immer wieder zu üben, die jeweilige Waffe nur aus den Fingern heraus, also ohne jede Armbewegung, zu führen” lassen m.E. einen gotischen Ritter oder einen Wikinger albern aussehen.
Es fehlen meines Erachtens grundlegende Aussagen zum szenischen und dramaturgischen Einsatz von Distanz, Linie und Augenkontakt. Aussagen zu darstellerischen Fragen sind ebenfalls dünn gesäht. Wodurch erscheint ein Kämpfer ängstlich, wodurch souverän? Was macht einen Kampf dynamisch? Wie kämpft ein böser Charakter? Wie stellt man die Charakteristik der Kampfstile mit den verschiedenen Waffen heraus? Wie stellt man einen jugendlichen Heißsporn, einen alten Mann oder einen Veteranen dar? Wie baut man einen Spannungsbogen auf?
Diese und andere Fragen sähe ich in einer überarbeiteten Version gerne beantwortet.
Ich würde an dieser Stelle gerne über Bühnenfechten diskutieren.
Welche Erkenntnisse aus dem Bühnenfechten kann man für mittelalterliche Kampfdarstellung verwenden, was ist dem Theater/ dem Film vorbehalten? Welche Art von Darstellung läßt sich damit “befeuern” Was sollte man lassen?
Mich würden auch Meinungen direkt zu dem Text von Georg Mackowiak interessieren.