Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Chatten - Wer kann helfen?

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Eintrag #1 vom 25. Dez. 2003 21:23 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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Hallo,
wir (mein Weib und noch ein paar Leute) wollen im Raum Mittelhessen (bei Gelnhausen) die bäuerliche Lebensform der Chatten darstellen. Bauern, Jäger, Krieger, das Leben einer bäuerlichen Kleinsippe kurz nach der Völkerwanderung hier in der Region, also etwa zu Beginn bis Mitte des 6. jahrhunderts.
Bei der Darstellung sollen vor allem Leben und Arbeiten im Vordergrund stehen, das heißt der kriegerische Aspekt kommt erst danach.
Seit langem suche ich jetzt schon nach geeignetem
Lesestoff (fundiert, mit Quellenangabe, bzw. Fundortangabe, Datierung etc.) und Museen bzw. Ausstellungen.
Leider ist das Angebot sehr dürftig, oder ich zu dumm Gutes zu finden.
Wenn also jemand helfen kann, und/oder Interesse an
einer anspruchsvollen Frühmittelalterlichen Darstellung hat, dann würde ich mich sehr freuen von ihm/ihr zu hören.
Gruß,
Will aka Hroudland

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Eintrag #2 vom 28. Dez. 2003 17:41 Uhr Tilman (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Tilman eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Roland!
Hört sich vom Thema her recht interessant an, was ihr so vor habt. Allerdings gibt es ein paar Punkte, die erstmal eingegrenzt werden sollten.
Ich komme selbst aus eurer Gegend (s.o. ;-)) und wäre ich im hiesigen Raum mit dem Stamm der Chatten etwas vorsichtig. Besiedlung erfolgt hier nach der vorrömischen Eisenzeit wohl erst wieder um 600, vll. stellenweise früher. In alten Büchern findet man Gegenteiliges, aber das scheint vernachlässigbar.
Grund hierfür war wohl die Politik der Römer im Konsens mit ihnen verpflichteten “Vasallenfürsten”, im unmittelbaren Vorfeld des Limes nur eingeschränkt Siedlungen zuzulassen. Viele Gegenden (u.a. das Kinzigtal) wurden daher vor dem 7./8. Jh. gar nicht erst urbar gemacht.
Die Chatten siedelten mehr im Usinger Raum, ev. auch im Nordhessischen.
Hierzulande gibt es in der VWZ höchstens einige nicht näher greifbare Personenverbände, als Sammelbegriff müssen dafür meist die ominösen Alamannen herhalten. Weiter südlich (bei Kahl) sind um 450 immerhin burgundische Siedler anzunehmen, möglicherweise aber lediglich als sog. foederati von den Römern dort angesiedelt.
Aus der VWZ insgesamt sind nur ganz wenige Sachverhalte klar überliefert, dementsprechend schwer tut sich die Forschung, etwas Genaues darüber auszusagen, was wie wo stattfand bzw. wer wo wie lebte.
Das alles soll nicht entmutigen, nur aufzeigen, wie schwer es ist, diese Zeit wirklich angemessen insbesondere für unseren Raum zu rekonstruieren.
Vll. müsst ihr also überregionaler arbeiten, um alles Notwendige zusammen zu bekommen.
Nun aber zu deiner Frage: An Museen kann ich erstmal das Archäologische Museum in FFM empfehlen. Fundiert ist auch die Ausstellung in HU-Steinheim. Beide kranken an der Misere, dass auch archäologisch aus der VWZ nicht viel zu holen ist. Ich habe die Aufregung miterlebt, als wir diesen Sommer in Trebur ein “Fürstengrab” aus dem 7. Jh. ausgegraben haben - für diese Zeit sensationell, da beinahe einmalig.
Genau treffen wird es nicht, aber der Katalog zu der Alamannenausstellung “Die Alamannen” ist auf ziemlich neuem Stand. Ebenfalls hilfreich könnte “Die Franken - Wegbereiter Europas” sein. Dort findet sich auch ein großes Literaturverzeichnis. Der Haken daran: Die Bände sind vergriffen, also möglichst in einer großen Bibliothek Ausschau halten.
Daneben gibt es eine Unzahl fachspezifischer Einzeluntersuchungen, als Einstieg leider unbrauchbar. Mit Vorsicht zu genießen sind die Abhandlungen von R. Gensen über “Althessens Frühzeit” oder seine Erkenntnisse zu germanisch-chattischen “Burgen” in Nordhessen.
Ich werde nochmal nachschauen, was ich so finde, aber da das Projekt mich interessiert, könnten wir uns auch über Mail verständigen, das wäre direkter. Bei Interesse, Adresse müsste oben stehen.
Bis dann und einstweilen, guten Erfolg!
Der Stolzenberger

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Eintrag #3 vom 29. Dez. 2003 10:02 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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Hallo Tilman,
ja mit Zeit und Region ist es so eine Last, ich weiß.
Die Römer duldeten keinerlei Besiedlung im Radius von 50 Meilen vor ihrem Limes, das wußte ich. Ich kannte es aber nur fürs zweite und dritte Jahrhundert?
Abgesehen davon haben doch die Römer meines Wissens nach dem Alamannensturm im dritten Viertel des 3. Jh. ihre rechtsrheinischen Gebiete aufgegeben, aber du hast schon recht, vermutlich wären dann ja eher die Alamannen nachgerückt.
Aber wie auch immer: vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Tipps, habe dir auch privat bereits eine mail geschickt. ;-)
Gruß,
Hroudland

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Eintrag #4 vom 29. Dez. 2003 15:45 Uhr Tilman (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Tilman eine Nachricht zu schreiben.

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Damit auch die anderen Mitleser was davon haben ;)
Ums nochmal auszudifferenzieren: Das Römische Reich endete niemals an einer Grenze à la “hie Imperium, da Barbaricum”. Viel mehr gab es stets eine Art Pufferzone. Viel besser ist uns das aus dem Osten des Reiches überliefert, wo die Römer eigens Vasallenkönige installierten, um auf Invasionen besser reagieren zu können (Frühwarnsysteme auf Kosten anderer sozusagen).
Die Kontrolle endete daher auch im 4./5. Jh. nicht am Rhein, zumal wir auch von rechtsrheinischen Siedlungen und Villen wissen, die auch nach dem “Alamannensturm” bewohnt und bewirtschaftet wurden - die Romanen verschwanden ja nicht einfach oder wurden ausgerottet.
Eine gute Quelle für die Zustände in von staatlicher Seite aufgegebenem Raum ist die Vita des Hl. Severin. Besagter Heiliger war Großgrundbesitzer und gleichzeitig ein (selbsternannter?) Funktionär der röm. Staatsgewalt im heutigen ßsterreich, gleichwohl Rom diese Gebiete bereits aufgegeben hatte.
Das solltet ihr mitbedenken.
Zwei Dinge sind mir noch etwas später eingefallen: Ab dem 7. Jh. (spätestens) übernehmen die Franken die Kontrolle in “Hessen”, ihre direkten Nachbarn sind damit die Sachsen. Berühmt werden die Territorialkriege Karls d.Gr. gegen diesen Stammesverband im 8.Jh.
Ob man die Thüringer in der VWZ als in unserem Raum siedelnd ansehen darf, kann ich noch nicht sagen, da müsste ich mich genauer informieren.
An dich, Roland, geht gleich noch ne Mail raus.
Der Stolzenberger

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Eintrag #5 vom 08. Apr. 2004 19:45 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

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Neben dem bereits genannten Frankenkatalog würde ich auf die Schnelle auf den Artikel zu den “Hessen” im Reallexikon für Germanische Altertumskunde Bd. 14 (Berlin New York 1999) 497-510 verweisen.
Hier Klaus Sippel, Archäologisches, und F. Schwind, Historisches.
Nicht mehr das allerneuste, aber für einen ersten ßberblick immer noch zu empfehlen:
“Chatten” im Reallexikon für Germanische Altertumskunde Bd. 4 (Berlin New York 1981) 377-384.
Viele Grüße Roman

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Eintrag #6 vom 08. Apr. 2004 19:52 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

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Zeitschrift: Hessen-Archäologie / hrsg. von der Archäologischen und Paläontologischen Denkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen
Körperschaft: Hessen / Landesamt für Denkmalpflege
Erschienen: Stuttgart : Theiss, 2002-
Ersch.-verlauf: 1.2001(2002) -
ISSN: 1610-0190
ZDB-ID: 20906468 www.theiss.de/ktv/detail.php?titelnr=636
Viele Grüße Roman

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Eintrag #7 vom 30. Jun. 2005 13:32 Uhr Frank (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Frank eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Zusammen,
ich würde (auch wenn bereits zweimal erwäht) sehr den Ausstellungskatalog “Die Franken - Wegbereiter Europas” Theiss Verlag Stuttgart 1991(?); sehr empfehlen. Da steht allerdings soweit ich mich entsinne über die Chatten selbst nicht viel mehr drin, als dass sie von den Merowingern “assimilert” wurden (Widerstand war zwecklos;-)). Also daß sie einer der Volksstämme waren aus denen die Franken hervorgingen (neben Brukterern, Chamaven usw)
Das Thema ist sehr interessant! Würde mich wirklich freuen von Euch mehr zu lesen.
Danke
Gruß aus Franken
Frank

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