Eintrag #9 vom 03. Apr. 2006 23:11 Uhr
Silvio Vass
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Hi Leuts,
schön dass sich hier jemand mit dem “Solarstein” der Wikinger befasst. Ich selbst beschäftige mich auch seit geraumer Zeit mit diesem Thema und finde es höchst interessant.
Der Sonnenstein wird in einigen Islandsagen erwähnt und findet sich auch in vielen Inventarlisten von Kirchen und Klöstern der nordischen Gegend. Es gibt aber nach meinen Wissen nur einen Bericht wo explizit die Anwendung eines solchen Steines erwähnt wird.
Praktisch wurde der Cordierit (Mg2AI4Si5O18) als Navigationshilfe benutzt und zwar folgendermaßen:
Da der Magnetkompass erst im 13Jhr. Einzug in der Nautik des Nordens hielt verwendete man unter anderem auch einen sogenannten Sonnenkompass, oder auch Peilscheibe genannt. Man fand bei Ausgrabungen im ehemaligen Benediktinerinnenkloster am Siglufjord (heute Unartoq-Fjord) Grönland 1948 die Hälfte einer kleinen Holzscheibe ( 7 cm Durchmesser und ca. 0,6 cm dick ) Diese kleine Scheibe wurde und wird in der Fachwelt sehr kontrovers mit vielem Für und Wider diskutiert. Carl Solver war einer der Ersten der das Fragment als Erster als Teil einer Peilscheibe deutete. Mit einer solchen Peilscheibe lässt sich sehr gut die Himmelsrichtung finden. Man muss allerdings einiges an Wissen aufbringen. Man fand auf der Scheibe Ritzungen die als Gnomon Linien also Sonnenschattenlinien schon seit der Antike bekannt sind. Die Erstellung einer sogenannten Gnomonlinie erfolgt über den Zeitraum eines ganzen Tages. Dabei wird die Peilscheibe auf der sich mittig ein kleines Stäbchen als Schattenwerfer befindet, waagerecht aufgestellt und von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird stündlich der Sonnenschatten den das Stäbchen wirft markiert. Am Ende des Tages werden alle Markierungen miteinander verbunden. Man hat nun eine Gnomonkurve. Dort wo die Kurve dem Stäbchen am nächsten kommt liegt Norden. Nun kann man mit Hilfe der Scheibe immer recht genau seine Position bestimmen. Da sich der Lauf der Sonne aber ändert und nicht konstant bleibt, braucht man auf das Jahr verteilt mehrere solcher Gnomonlinien. Auch wenn man einen Breitengrad verlässt braucht man neue Linien. Alles in Allem keine leichte, aber sehr genaue Methode. Mit Hilfe des Cordierit konnte man nun feststellen wo die Sonne steht auch wenn man diese gar nicht sah. Selbst heute benützen Piloten bei Flügen in Polnähe statt dem äußerst unzuverlässigen Magnetkompass einen sogenannten Twilight Compass. Dieser besteht zur Hauptsache aus einem Polaroidfilter.
Von den Mineralien , welche den Nordleuten zur Wikingerzeit zur Verfügung standen hat wohl nur Cordierit die selbe Wirkung wie ein Polaroidfilter. Bekannt für seine Zweifarbigkeit (Dichroismus), der Stein schimmert je nach dem Winkel des einfallendes Lichtes gelblich oder blau, kann bei klarem Zenit die Richtung zur Sonne anzeigen, wenn man die Winkelrechte denkt zu den zwei Stellungen, in denen das Cordierit gelblich leuchtet.
Wenn man also mit einem Sonnenkompass navigieren wollte, musste man schon den Stand der Sonne kennen. Die Verwendung des Steines ist aber ebenfalls recht umstritten, weil die praktische Anwendung sich von der in einer Islandsage beschrieben Anwendung unterscheidet. Dies lässt nun zwei Schlussfolgerungen zu. Zum Einen es handelt sich nicht um Cordierit sondern um ein anderes Mineral und zum anderen, der Schreiber hat seine Angaben an einigen Stellen beschönt. Letzteres wird als recht wahrscheinlich angenommen.
Es findet sich aber auch in anderer Literatur Aussagen über Steine mit besonderen Fähigkeiten. So soll Papst Clemens VII. einen Stein besessen haben, auf dem angeblich ein Punkt korrespondierend zum Sonnenlauf umherwanderte.
Was aber auch immer für Steine verwendet wurden, Cordierit bleibt dennoch ein sehr schönes Mineral.
Abschließend sei noch bemerkt das es wesentlich mehr Berichte über Irrfahrten in dichtem Nebel gibt als Berichte über Sonnensteine. Das Wissen von Navigation war damals ein geheimes. Heute könnt ihr es euch recht einfach zu Eigen machen. eine sehr gute Quelle findet ihr im Buch von Dr. Uwe Schnall “Navigation der Wikinger ” .
Viel Spaß damit wünscht Euch der Jaegoor.
