Eintrag #8 vom 01. Mrz. 2007 11:02 Uhr
Karen Thöle
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Hi!
Bevor Du Dich auf einen Beruf festlegst, von dem erst noch zu klären sein wird, ob es den 1250 überhaupt schon so gab:
Hast Du Dich schon in die zahnmedizinischen Untersuchungen an mittelalterlichem Skelettmaterial eingelesen? Solche Untersuchungen an Skelettmaterial, das bei archäologischen Ausgrabungen zum Vorschein kommt, ist anscheinend ein dankbares Dissertationsthema im Bereich Zahnmedizin.
Ich habe mit vor ein paar Jahren ein paar von diesen Dissertationen zu Gemüte geführt. Ich war überrascht, daß es bei den älteren Leuten in diesen Untersuchungen zwar fehlende Zähne gab (die ausgefallen oder gezogen worden waren, während der Mensch noch lebte), aber bei weitem nicht so viele, wie ich erwartet hatte. Es ist leider zu lange her, und so kann ich keine Prozentzahlen mehr bringen.
Das Phänomen, das weitaus deutlicher war als das Fehlen von Zähnen, waren stark abgeschliffene Zähne, bei denen die “Berg- und Tal-Landschaft”, die z.B. meine Backenzähne zeigen, fast oder vollständig eingeebnet waren. Erklärt wurde das meist damit, daß die Menschen dieser Zeit härtere Nahrung haben zu sich nehmen müssen als wir heute. Insbesondere Steinabrieb im Mehl wurde genannt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Untersuchungen sich auf die Gebisse beschränkten und keine eigenständigen Untersuchungen zur mittelalterlichen Nahrungszubereitung enthielten.
Ich habe mal im Online-Katalog der Göttinger Uni-Bibliothek geschaut und eine ganze Reihe solcher Untersuchungen gefunden. Die neueren davon habe ich mal hier reinkopiert:
“Zahnmedizinische Untersuchungen an Kindern und jungen Erwachsenen des mittelalterlichen Gräberfeldes Breisnitz bei Dresden” von Karsten Vollandt;
“Zahnmedizinische Untersuchungen an mittelalterlichen Skelettmaterial unter besonderer Berücksichtigung der Parodontopathien” von Tino Pfützner;
“Zahnpathologische und zahnmorphologische Untersuchungen an einer mittelalterlichen Population eines fränkischen Gräberfeldes aus Edesheim-Hühneracker (Kreis Speyer) unter besonderer Berücksichtigung von Karies und Abrasion”, vorgelegt von Caroline Blum;
“Archäometrische Studien an Zahnstein einer mittelalterlichen Bevölkerung”, vorgelegt von Sabine Köster;
“Zahnstatus und Zustand des Zahnhalteapparates einer mittelalterlichen Ausgrabung aus Knittlingen”, vorgelegt von Irmgard Hölzlwimmer;
“Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen Burg Friedestrom in Dormagen-Zons (Kreis Neuss)”, vorgelegt von Peter Conrad Schneider;
“Zahn- und Kieferbefunde im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Skelettmaterial aus der Kirchengrabung von Waldeck-Netze, Kreis Waldeck-Frankenberg”, vorgelegt von Arnulf Picken;
“Zahn- und Kieferbefunde im Skelettmaterial aus den mittelalterlichen Ossuarien von Dorlar, Kr. Wetzlar, Hausen, Kr. Giessen, Ruthardshausen, Kr. Giessen”, Torsten Knoll;
“Karieshäufigkeit und andere Zahn- und Kieferbefunde an mittelalterlichen Skeletten aus bayerischen Kirchen und Domen”, Eva Witzany.
Bis denn
Karen Thöle
