Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Das Ende des Deutschen Ritterordens

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Eintrag #1 vom 25. Sep. 2000 20:34 Uhr Thomas Butters   Nachricht

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Der Titel des Themas sollte eigentlich wie folgt lauten, doch die Zeichenanzahl im Thementitel ist leider begrenzt: Das Ende des Heiliger ritterliche Orden des Spitals Sankt Maria vom deutschen Haus in Jerusalem (Deutscher RITTERorden) folgende Informationen liegen mir vor: 1510-1525 war Albrecht von Hohenzollern-Ansbach (fränk. Linie) und Markgraf von Brandenburg (-Culmbach) der LETZTE Hochmeister des Ordens. In der Hoffnung auf Unterstützung durch den dt. Kaisers, die dt. Fürsten, den Großfürsten von Moskau und den Papst verweigerte er dem polnischen König Siegmund I., dem ßlteren (1506-1548), Anhänger der religiösen Toleranz und des italienischen Humanismus (schloß 1515 ein Bündnis mit den Habsburgern, auf Grund dessen er sein Recht auf die böhmische und ungarisch Krone verlor), den Lehnseid. Siegmund I. entsandte daraufhin 1519 ein Söldnerheer nach Königsberg (seit 1467, nach dem 13-jährigen Krieg, Hauptsitz des Ordens). Dieser Krieg, als letzte Phase des Konfliktes zwischen dem Orden und dem Kgr. Polen, endete 1521 mit einem Waffenstillstand. 1525 wurde dann der Friedensvertrag unterzeichnet und Albrecht von Hohenzollern leistete in Kraków Siegmund I. dem ßlteren den Vasalleneid. Er erhielt nach dem ßbertritt zum Protestantismus und der Auflösung des Ordens von Siegmund I. die Genehmigung zur Säkularisation des Ordensstaates und wird mit dem Ordensland als Herzogtum Preußen belehnt, wodurch er zum Großherzog von Preußen unter polnischer Lehenshoheit wird. Preußen bleibt bis 1657 polnisches Lehn. 1°) Wem sind Einzelheiten bezüglich der Auflösung des Ordens im Rahmen der Säkularisation des Ordensstaates bekannt? 2°) Wann genau erfolgte die Auflösung (zw. 1521 u. 1525)? 3°) Wurde die Auflösung schriftlich beim Vatikan beantragt und gibt es darüber eine schriftliche Bestätigung (Genehmigung) seitens des Papstes? Die Orden unterstanden doch schließlich direkt dem Papst. Mit dem Toruner Friedensvertrag von 1466 endete doch der 13-jährige Krieg - letzte mir vor 1519 bekannte größere milit. Auseinandersetzung. 4°) Was geschah also in der Zeit bis 1515? 5°) Wie kam es dazu, daß der letzte Hochmeister gezwungen war dem König von Polen den Lehnseid leisten zu müssen? 6°) Welches Bündnis wurde 1515 zw. dem vorletzten Jagiellonen und den Habsburgern geschlossen? 7°) Was spielte sich in der Zeit zwischen 1515 und 1519 ab? 8°) Trat der Hochmeister aus Protest gegen das Ausbleiben von Unterstützung durch Kaiser und Papst 1525 zum Protestantismus über? Nachdem der Orden nun aufgelöst und der Ordensstaat aufgelöst ist, tauchen plötzlich folgende Daten in diverser Literatur auf: - 1525-1809 Sitz des Hochmeisters in Bad Mergentheim - 1584 Erzherzog Maximilian von Habsburg, = erster Habsburger Hochmeister - um 1809 verlegt Antoni Viktor von Habsburg den Amtssitz nach Wien - 1839 neu organisiert » de facto Hausorden der Habsburger (noch klerikaler Traditionsverband in Deutschland und ßsterreich) - 1923 Erzherzog Eugenius von Habsburg dankte als letzter Hochmeister ab - 1929 Auflösung des Ritterstandes im Orden und Umwandlung in einen reinen geistlichen Orden 9°) Wie konnte der Hochmeistersitz nach Mergentheim verlegt werden, wenn es gar keinen Hochmeister und kein Konvent, welches einen neuen hätte wählen können, mehr gab? 10°) Wer wählte Maximilian von Habsburg zum Hochmeister? 11°) Wer begleitete das Amt vor ihm? 12°) Wie kam es 1839 zur Neustrukturierung des Ordens? 13°) Was tat sich in den fast 300 Jahren zuvor? 14°) Was veranlaßte Eugenius zur Abdankung? 15°) Was waren das für Ritter, die sich bis 1929 im Orden über das MA hinaus retten? 16°) Waren das nur reine Ehrentitel? 17°) Was veranlaßte den Orden sich vom Ritterstand zu verabschieden? 18°) Welche Literaturquellen behandeln dieses Thema am umfassensten? 19°) Wer hat eigentlich Erfahrung im Umgang mit den Rechtsvertretern des heutigen “Deutschen Ordens” und welcher Natur sind diese?
mfG - Thomas

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Eintrag #2 vom 26. Sep. 2000 16:47 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Die in dem Fragekatalog zum Ausdruck kommenden Unklarheiten basieren im Wesentlichen auf einem fundamentalen Missverständnis, nämlich dem, dass der Orden 1525 aufgehört habe zu existieren. Dies ist jedoch grundfalsch. Was 1525 passiert, ist lediglich die Umwandlung des preußischen Ordenslandes in ein weltliches Herzogtum. Dies war sicher kein kleiner Schlag für den Orden, der damit sein bisheriges Oberhaupt, einen ganzen Ordenszweig und den wichtigsten arrondierten Territorialbesitz verlor; doch ließ sich - wie sich zeigte - das Oberhaupt ersetzen, es gab noch andere Ordenszweige und auch anderen, nicht unbedeutenden Territorialbesitz, wenn auch nicht von der Größe und Geschlossenheit Preußens. Doch wird vielleicht alles klarer, wenn wir auf die Fragen im Einzelnen eingehen: Zu Frage 1 und 2: Wie richtig gesagt, versuchte der recht junge Hochmeister Albrecht (geb. 17.5.1490 zu Anspach), nach seiner Wahl 1511 den zweiten Thorner Frieden von 1466 zu revidieren, nach Möglichkeit zu annullieren. Wir können uns hier die Einzelheiten sparen: Jedenfalls endeten die Auseinandersetzungen mit der Krone Polens, zuletzt im “Reiterkrieg” von 1519-21, für den Orden ungünstig, wenn auch noch recht glimpflich im Waffenstillstand vom 5.4.1521. Albrecht aber wollte sich nicht zufrieden geben, verließ im April 1522 das Ordensland und suchte Verbündete im Reich. Im Frühjahr und November 1523 und dann im Mai 1524 trat er mit Luther in persönlichen Kontakt. Als mit Jahresbeginn 1525 der Waffenstillstand ablief und Albrecht auch im Orden isoliert war, trat er die Flucht nach vorn an, nahm direkte Verhandlungen mit Polen auf uns siegelte am 8.4. den Vertrag von Krakau. Darin wurde Albrecht als weltlicher (!) Lehnsmann der Krone Polens für das Ordensland vorgesehen. Einen Tag später stimmten die Delegierten der preußischen Landstände und Ordenskonvente zu und am 10.d.M. legte Albrecht dann vor dem Rathaus von Krakau den Ordensmantel ab und ergriff als Erbherzog in Preußen die polnische Lehnsfahne. Als solcher starb er dann auch am 20.3.1568 in Tapiau. Frage 3: Natürlich wurde keine Erlaubnis beim Vatikan beantragt oder gar gewährt - wir befinden uns in der Reformationszeit! Und der Papst gilt einem guten Lutheraner (oder einem, der vorgibt es zu sein) schließlich als der Antichrist - bei dem beantragt man keine Erlaubnisse. Frage 4 und 5: Der zweite Thorner Frieden hatte dem Orden die Städte Thorn, Elbing und Danzig sowie Pommerellen, das Kulmer Land und das Marienburger Gebiet gekostet, weswegen ab nun der Hochmeister in Königsberg residierte. Zudem sollte er dem König von Polen den Treueid schwören, was auch der Hochmeister, der den Vertrag abschloss, nämlich Ludwig von Erlichshausen (1450-1467) in Thorn tat. Obwohl der Vertrag nicht von Kaiser und Papst, wie vorgesehen, bestätigt wurde, sind die meisten, wenn auch nicht alle Bestimmungen wirksam geworden, d.h. auch der nächste Hochmeister, Heinrich Reuss von Plauen (1469-1470) leistete am 29.11.1469 vor dem König zu Petrikau den Eid, ebenso dessen Nachfolger Heinrich Reffle von Richtenberg (1470-1477) am 20.11.1470 in die Hand des Erzbischofs von Gnesen usw. Allerdings blieben sowohl Hochmeister Friedrich von Sachsen (1498-1510) wie auch - zuerst - sein Nachfolger Albrecht den Treueid schuldig. Insofern war die spätere Eidesleistung Albrechts keineswegs etwas neues, sondern lediglich seine Belehnung als erblicher Herzog. Frage 6, 7 und 8: Die Normalisierung der habsburgisch-jagellionischen Beziehungen 1515 steht im Zeichen der Türkenabwehr. Sie bedeutete für Albrecht allerdings, dass die Rückendeckung von Seiten Habsburg entfiel; als dann auch noch das 1517 mit Russland geschlossene Bündnis sowie die Zusage des Kurfürsten von Brandenburg, Hilfe zu leisten, mager ausfielen, wurde das Ordensland verheert und Königsberg belagert; die Söldneraufgebote Albrechts liefen auseinander, die Landstände forderten die Absetzung des Hochmeisters; so kam es durch kaiserliche Vermittlung zu dem oben erwähnten Waffenstillstand von 1521. Seine Hinwendung zum Protestantismus ist so wohl in erster Linie der (erfolgreiche) Versuch, für sich selbst ein Amt zu retten bzw. zu seinem persönlichen Nutzen umzugestalten. Frage 9: Da nicht der Orden, sondern sein preußischer Zweig aufgehört hatte, als solcher zu existieren, wurde auf dem allgemeinen Kapitel in Mergentheim, schon seit einiger Zeit Sitz des Deutschmeisters, zuerst in der Person von Walter von Cronberg am 16.12.1526 ein neuer Deutschmeister gewählt, da dessen Vorgänger, Dietrich von Cleen, sein Amt zur Verfügung stellte. Die Frage war nun, sollte der Deutschmeister, der gemäß den Ordenstatuten bei Vakanz des Hochmeisteramtes als provisorisches Oberhaupt wirkte, auch das Hochmeisteramt übernehmen oder dieses an den livländischen Meister, damals Wolter von Plettenberg, fallen. Mit dem Mandat von Burgos vom 6. Dezember 1527 bestimmte Karl V. den Deutschmeister zum neuen Ordensoberhaupt, dem am 26. Juli 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg auch die entsprechenden Regalien verliehen wurden (woraus die nächsten Hochmeister auch noch die Verpflichtung zur Wiedergewinnung des preußischen Ordenslandes ableiteten, was aber realpolitisch scheiterte!). Der bisherige Deutschmeistersitz Mergentheim wurde jetzt also damit de facto Hochmeistersitz. Frage 10 und 11: Maximilian von ßsterreich wurde am 21. Mai 1584 vom Generalkapitel in Mergentheim noch nicht zum Hochmeister, sondern nur zum Koadjutor gewählt (dem bisherigen Hochmeister Heinrich von Bobenhausen, seit 1572, verblieb der Titel) und dann dessen Nachfolger, als Bobenhausen endlich am 12.12.1590 resignierte. Ab jetzt nehmen des öfteren Angehörige des österreichischen Erzhauses die Hochmeisterwürde wahr, so 1619-24 Karl, 1642-62 Leopold Wilhelm, 1662-64 Karl Joseph, aber auch Angehörige anderer deutscher hochadeliger Geschlechter wie die Pfalz-Neuburg, Bayern und Lothringen. Ab 1780 (Maximilian Franz) ist dann bis 1923 die Hochmeisterwürde stets im Erzhaus. Frage 12 und 13, auch 15: 1839 war Hochmeister Maximilian-Joseph von ßsterreich-Este (1835-63); in diesem Jahr wurden die “Statuten des Deutschen Ritterordens” vom Großkapitel angenommen und im kommenden Jahr vom Kaiser von ßsterreich bestätigt; die Reorganisation bedeutete eine Stärkung des geistlichen Elementes durch Aufnahme von Ordenspriestern und -schwestern und die intensivere Beschäftigung mit Seelsorgeaufgaben. Diese neuen Einrichtungen unterstanden dem Hoch- und Deutschmeister persönlich und unmittelbar und blieben von Einflussnahmen seitens der Ritter und des jeweiligen Landkomturs frei. ßbrigens gab es zu dieser Zeit noch 23 hochadelige Ordensritter vorwiegend aus dem erbländischen und südwestdeutschen Raum neben den nunmehr 54 neuen Ordenspriestern (1835 hatte es nur mehr fünf Ritter und acht Novizen sowie 15 Priester gegeben). Frage 14: Da Hochmeister Eugen, der das Amt seit 1894 innehatte, nach dem Ende der Monarchie wegen der “Habsburger-Gesetze” 1919 die Erblande verlassen und in die Schweiz emigrieren musste, von wo aus eine weitere Ausübung des Amtes unmöglich war, da unter Leitung eines Habsburger der Fortbestand des Ordens in den Nachfolgestaaten der Monarchie gefährdet gewesen wäre, leistete er mit Zustimmung Papst Pius XI. Verzicht auf sein Amt am 22. April 1923 in einem Schreiben aus Basel an das Groß- und Wahlkapitel und übergab am 21. Mai d.J. das Amt an den Deutschordenspriester und Bischof von Brünn, Dr. Norbert Klein, blieb aber bis zu seinem Tode am 30.12.1954 in Meran einfacher Ordensritter. Frage 16: Reine Ehrentitel waren die Ritterwürden auch in dieser Zeit nicht, denn es wurden etwa die monastischen Grundtugenden, vor allem das Gelübde der Keuschheit und des Gehorsam gegenüber dem Hochmeister nach entsprechender Vorbereitungs- (Novizen-) Zeit abgelegt. Insofern blieben auch die Ritter ebenso Mönche wie jene des MA. Ihre Aufgabe bestand zumeist in der Leitung der Ordenshäuser, die immer noch einen beträchtlichen Besitz darstellten. Seit der Reform von 1839 kam dann das seelsorgliche Element hinzu. Frage 17: 1922 wurde ein neues Ordensstatut beraten und - angepasst an das neue Gesetzbuch der Römisch-Katholischen Kirche von 1917 - 1924 vorläufig als “Resolutiones magistrales” veröffentlicht. In den folgenden Jahren erfolgten etliche ßnderungen, so dass heute der Orden ein rein monastischer ist: Der Hochmeister, seit 1988 Dr. Arnold Wieland, hat die Würde und Weihe eines Abtes, zum Orden gehören die Priester, die Schwestern und die sog. Familiaren. Hochmeister Arnold, der 1994 wiedergewählt wurde, war übrigens 1993 der erste Hochmeister seit 1497, der die Marienburg besuchen konnte. Frage 18: Im Verlag N.G. Elwert in Marburg ist die inzwischen über 40 Bände umfassende Reihe “Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens” erschienen; da bleiben nur wenige Fragen unbeantwortet! So, das war die lange und hoffentlich die Problemkreise einigermaßen umfassende Antwort auf den Fragenkatalog.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd

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Eintrag #3 vom 27. Sep. 2000 14:45 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Noch ein Nachtrag, nämlich die URL der offiziellen Webseite des Deutschen Ordens: www.dtorden.or.at Dort finden sich auch alle notwendigen Angaben zur heutigen Organisationsstruktur, Mitgliederzahl etc.
Beste Grüße Nikolaj (Argl. Rhisiart ap Maredudd)

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Eintrag #4 vom 16. Dez. 2000 03:45 Uhr Thomas Butters   Nachricht

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Hallo Nokolaj! Zunächst erst einmal vielen Dank für Deine so umfangreiche Antwort. Ja, Asche auf mein Haupt. Es ist mir ja auch peinlich, daß ich mit einer Antwort so lange habe auf mich warten lassen. Zuerst wollte ich noch etwas zu diesem Thema nachlesen, konsultierte sogar noch die “Gegenseite” des “DO”, dann engagierte ich mich noch in anderen Themen und schob es also auf die lange Bank. Nun habe ich aber ein wenig Hausaufgaben gemacht. Beim Durcharbeiten Deiner umfangreichen Antwort hat sich aber gleich wieder ein neuer Sack voller Fragen aufgetan. (Das 40-bändige Werk steht mir leider nicht zur Verfügung und bis ich alle Bände durch hätte, wäre ich sicher schon in Rente.) 1°) Wieso ist in verschiedenen Büchern, die unabhängig voneinander geschrieben wurden, immer wieder von der Auflösung des Ordens die Rede, wenn es keine gegeben haben soll? Einen Ordensstaat eben schnell mal in ein weltliches Herzogtum umzuwandeln war seinerzeit sicher nicht so ohne weiteres möglich. Erstens dürfte da wohl der Papst ein Wörtchen mitzureden gehabt haben und andererseits dürfte wohl auch innerhalb der obersten Ordensführung Widerstand geherrscht haben. In einem weltlichen Hzgtm. herrscht allein der Herzog während in einem Orden ein gewisses Gremium die Macht gemeinschaftlich inne hatte. 2°) Wie lief also diese Umwandlung ab? Das ist schon wahr, daß es noch weiteren reichlichen Ordensbesitz neben Preußen gab, doch waren diese Besitzungen kein einheitliches Staatsgebilde, sondern nur Streubesitz ohne besondere politische Bedeutung (im Vergleich zum Ordensstaat). Die Gesamtheit der Ordensbrüder des Ordensstaates würde ich nun nicht gerade als einen Ordenszweig bezeichnen. 3°) Waren selbige nicht der Orden schlechthin und nur die außerhalb Preußens bestehenden Balleine sowas wie Ordenszweige? Vom Treffen mit Luther habe ich in der Zwischenzeit auch schon erfahren, der soll ihm den Floh mit der Umwandlung in ein weltl. Hzgtm. ins Ohr gesetzt haben. Allerhand finde ich die Zusammenkunft eines romtreuen Ordensführes mit dem “abtrünnigen” Mönch. 4°) Wenn nun Albrecht selbst im Orden isoliert gewesen sein soll, wie konnte er dann noch im Namen des Ordens Verträge unterzeichnen? 5°) In früheren Zeiten hatten die Ordensoberen schon zweimal zu “aufmüpfige” Hochmeister ins Jenseits befördert, was sollte sie auch diesmal davon abhalten? 6°) Mußte Albrecht diesen Umstand bei seinen Handlungen nicht berücksichtigen? 7°) Wenn der Orden seinen Hochmeister zunächst “hängen ließ”, wieso stimmten dann das Konvent der Säkularisierung zu? 8°) Hatte Albrecht seine “lieben Brüder” mit irgend etwas “gekauft” Deine Anmerkung zu meiner 3. Frage ist völlig richtig, doch war der Hochmeister bis vor kurzem doch noch “überzeugter” Katholik. 9°) Wie kam ihm denn so plötzlich seine Treue zur röm.-kath. Kirche abhanden? Meine 5. Frage sehe ich im Nachhinein als etwas unglücklich formuliert. Ich hätte wohl so fragen müssen: 10°) Wie kamen die letzten beiden Hochmeister auf die “Schnapsidee”, dem Kö. v. Polen den bereits üblichen Treueid zu verweigern? 11°) War der Orden schon wieder militärisch so stark, daß er sich mit dem Kgr. anlegen konnte? 12°) Wieso leistete Albrecht dann den Lehenseid, der sich doch von einem bloßen Treueid in den Konsequenzen unterscheidet? Da mit den Türken ist ein wesentlicher Aspekt, die “Brüder” habe ich doch bei der ganzen Sache glatt übersehen, Danke. Das der “liebe” Albrecht mit seinem Konfessionswechsel nur seine davonschwimmenden Fälle zu retten versuchte, ist mir schon klar. 13°) Wie kam er aber auf so eine “geniale” Idee? 14°) Ist daran wirklich allein der Luther “schuld” oder gab es vielleicht “Vorbilder” in der Geschichte? Bezüglich der Antwort auf meine 9. Frage stellt sich mir eben wiederholt die Frage. 15°) Sah die Vorgehensweise Albrechts tatsächlich vor, nicht den gesamten Orden zu den Akten zu legen? 16°) Beabsichtigte er ausdrücklich den Orden in den restlichen Gebieten bestehen zu lassen? 17°) War es nicht eher so, daß er den kompletten Orden als Organisation formell auflöste und lediglich die Ordenszweige außerhalb des Ordensstaates diese Auflösung nicht akzeptierten? 18°) Soll man wirklich glauben, er habe “schlampig” gehandelt, so nach dem Motto, macht ihr mit dem Orden doch was ihr wollt, ich für mich schaffe ihn in Preußen eben mal schnell ab? 19°) Ist er vielleicht für sich selbst aus dem Orden ausgetreten und hat als “Abschiedsgeschenk” eben schnell mal den Ordensstaat “mitgehen” lassen? (Die anderen 50 Brüder hätten dann ja z.B. aus Sympathie mit austreten können.) 20°) Gab es einen formellen Austritt? 21°) Wie verträgt sich das aber z.B. damit, daß andernorts Ritterbrüder trotz ihres Wechsel zum Protestantismus nicht aus dem Orden ausgetreten sind? In der Zwischenzeit konnte ich nachlesen, daß der Kaiser dem Deutschmeister (schon seit 1524 vom Hochmeister unabhängig) das Hochmeisteramt nur kommissarisch übertrug (1530-1834 Titel nur “Administrator des Hochmeistertums…” und nicht “Magister Hospitalis…” oder “Supremus Magister”). Eigenartig ist für mich dabei nur, daß es eben durch den weltl. Kaiser geschah. 22°) Warum wählte sich das Kapitel eines doch angeblich souveränen Ordens seinen neuen Hochmeister nicht einfach selbst? 23°) Warum war in diesen Prozeß der Kaiser und nicht der Papst eingeschaltet? Der Sitz des Deutschmeisters war übrigens zunächst Horneck, bis dieser ein Opfer des Bauernkrieges wurde. Soweit ich nachlesen konnte, wurde 1590 vom Kaiser dem Orden vorgeschrieben, daß die höchsten Positionen des Ordens stets mit Repräsentanten aus dem Hause Habsburg zu besetzen sind. Das soll bis 1923 zutreffen. 24°) Entspricht das nicht doch einer völligen rechtliche Abhängigkeit? (= kein souveräner Orden) Entspricht es doch zugleich auch der Umwandlung in einen habsburgischen Hausorden. Also bei gerade mal 5 Ordensrittern noch von einem Orden als souveräne Organisation mit politischer und militärischer Bedeutung in der Welt zu reden, ist wohl doch etwas übertrieben. Daher verstehe ich jetzt die Texte in den Büchern, die von einem klerikalen Restverband sprechen. Zur Umwandlung von 1839 fand ich folgendes: Der Kaiser und der Staatskanzler gaben dem Orden eine neue Rechtsgrundlage und somit neue Statute, was wohl als eine Neugründung angesehen werden darf. Die sich nicht zuletzt in der Namensänderung in “Dt. Ritterorden” widerspiegelt. Diese ßnderung sicherten den Habsburgern den entscheidenden Einfluß auf die Wahl des Hochmeisters, d.h. nun war es endgültig nur noch ein Hausorden der Habsburger, also nur noch ein Ehrenorden. Leuchtet bei 23 Ordensrittern auch ein. Das Ziel dürfte wohl in erster Linie nicht so sehr die Stärkung des geistl. Elementes, sondern die Rettung des Ordens überhaupt durch das Aufnehmen zusätzlicher Personenkreise gewesen sein. Es kam zur vollen Rekatholisierung der Ordensorganisation, die zum karitativen Dienst aus den Anfängen des Ordens reformiert wurde. Es gab wieder Ordensschwestern und die Ritter leisteten Sanitätsdienst im österr. Militär in den mobilen Feldspitälern. Da hast Du mich wieder bei einer Unachtsamkeit ertappt. Wie konnte ich denn nur die Novemberrevolution von 1918 (inkl. 1. WK) und deren Folgen außer Acht lassen? Was mich nun aber wieder zu einer Frage provoziert ist, 25°) Wieso wird diesmal bei einer “läppischen” Amtsweitergabe der Papst bemüht? (Bisher ist man doch auch ohne ihn ausgekommen.) Ordensbrüder waren im MA Rittermönche (= Doppelrolle). Wenn wir den Ritter in erster Linie als Krieger verstehen, so sieht die Sache doch wohl etwas anders aus. Die zweite Rolle, der Mönch, ist ganz klar, damit habe ich kein Problem. 26°) Bis wann übten also die Ordensbrüder wirklich den militärischen (kriegerischen) Auftrag aus? (Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich bereit von OrdensRITTERN zu sprechen.) 27°) Soll die einzige Ursache für die Abschaffung des Ritterstandes im Orden wirklich nur eine ßnderung des röm.-kath. Rechtes sein? 28°) Streckt da nicht mehr dahinter? 29°) Wie sieht es denn mit dem Umstand aus, daß sich der militärische Aspekt vielleicht zeitlich überlebt hatte? ßber den Besuch der Marienburg durch den Hochmeister würde ich mich gern an anderer Stelle noch austauschen (via e-mail). Nur eine Bemerkung am Rande, ich war vor ihm dort und habe es mir (trotz eigentlichem Verbot, da Museumsstück) auf dem Thron des Hochmeisters bequem gemacht. 30°) Kannst Du mir noch verraten, aus welcher “Quelle” dieses 40-bändige Werk stammt? Ich meine damit, ob es ein Mitglied des Ordens geschrieben hat oder ein unvoreingenommener weltlicher Geschichtswissenschaftler (Historiker). Es gibt nämlich zu diesem Thema eine ganze Reihe von als unseriös zu bezeichnende Literatur.
mfG - Thomas

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Eintrag #5 vom 18. Dez. 2000 22:56 Uhr Sascha Sturm   Nachricht

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Die Schlagzeilen Kreuzritter auf Betteltour Deutscher Orden ist zahlungsunfähig Träger von 120 Sozialeinrichtungen kann seinen 5500 Beschäftigten die Dezember-Gehälter nicht mehr überweisen von Anfang Dezember vielleicht noch als Nachtrag zum gegenwärtigen DO. Es wird allerdings erwartet, daß die Regierung des Freistaates Bayern aus ideologischer ßberzeugung den DO retten wird. Herzlichen Gruß Sascha

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Eintrag #6 vom 19. Dez. 2000 00:04 Uhr Thomas Butters   Nachricht

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Hallo Sascha! Bei Deinen Schlagzeilen vermisse ich noch die, warum denn der “DO” eigentlich zahlungsunfähig ist. Es war jedenfalls keine höhere Fügung. Die Verursacher werden ganz sicher nicht die Leidtragenden sein. Interessant ist, daß ein deutsches Bundesland das Finanzloch eines österreichischen Ordens stopfen will, für z.B. das eigene Bildungssystem oder Wohnungsbauprogramm u.v.a.m. aber immer vorgibt, kein Geld zu haben.
mfG - Thomas

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