weiß einer von Euch warum das Brabanter Kreuz diesen Namen erhalten hat? (Es handelt sich um ein griechisches Kreuz dessen Enden abgerundete Wiederkreuze aufweisen; der häufiger verwendete Name hierfür ist Kleeblatkreuz.)
beim Kreuzzug der Armen, der aus allen Gesellschaftsschichten vom Bettler bis zum verarmten Ritter reichte, heißt es, daß “zehntausende” das Kreuz nahmen und sich viele “spontan das Stoffkreuz” anhefteten - beide Zitate meinen eigentlich dasselbe. Die Kreuznahme ist eine für alle offensichtliche Kenzeichnung, die den träger als Jerusalempilger erkennen läßt; liest man alle Quellen durch, so wird deutlich, daß (zumindest) ein Stoffkreuz für alle Stände unisono war. Funde von Anhängerkreuzen, von schlicht bis aufwendig, lassen darauf schließen, daß man sich gerne mit einem Zeichen seines Glaubens “behängte”. Ein Soll und Muß war nicht gegeben, alles lag im persönlichen Geschmack. Auf einem Kreuzzug ist es aber geradezu lebenswichtig, sich durch das Kreuz als Christ erkenntlich zu machen; peinlich, wenn man durch seine eigenen Glaubensbrüder niedergemacht wird, weil man ihn nicht als ihresgleichen erkannt hätte (Achtung! Spekulation ;O) )
Zur Vertiefung kann ich das Buch von C. Erdmann, Die Entsehung des Kreuzzuggedankens, Darmstsadt 1965 empfehlen, hat jede Unibücherei und manche große Stadtbücherei.
Bedenke den tief verwurzelten Glauben der damaligen Menschen, kaum mit heute zu vergleichen.
Es gehört(e) einfach dazu, seinen Glauben -welchen auch immer- materiell kundzutun.
Wie sieht die Sache mit dem Kreuztragen bei den einfachen Leuten aus: BAuern, Mägde, Händler, Hofdamen…
Gehört es - ebenso wie die Kopfbedekcung - zu der Darstellung einer mittelalterlichen Person ein Kreuz zu tragen? Musste man als Christ ein Zeichen (Kreuz) tragen? Wie sieht es mit der Jakobsmuschel aus? Man hat gepilgert, trägt die Muschel,… sollte man sich zusätzlich ein Kreuz aus Holz, Horn, etc. umhängen?
Auch ich habe von der Funken-Theorie, nach der die Kreuze farblich nach “Nationalitäten” getrennt sein sollen, noch NIE in einem anderen Buch gelesen. Mal ganz davon abgesehen, was für Nationalitäten damals eigentlich? Quark! Vergiß es. Pappe Dir ein kontrastreiches Kreuz mit einfacher Form auf Deine Tunika oder Mantel und fertig.
Das mit der Kreuznahme war zumindest beim 1. Kreuzzug sehr improvisiert. Man hatte mit weniger Teilnehmern gerechnet (Cluny). Es ist bei Runciman und bei “Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten” nach zu lesen. Es gab vorgefertigte simple Stoffkreuze aber es wurden auch Kreuze (vor Ort)aus Kleidungsstücken gefertigt.
die Sache mit den verschiedenfarbenen Kreuzen bei Funken vergiß lieber schnell, denn dem war nicht so. Für diese Theorie gibt es keine Quellen. Ansonsten waren die aufgenähten Stoffkreuze der einfachen Kreuzfahrer (vom gemeinen Mann bis zum Fürst) in ihrer Form nicht reglementiert. Auch die Position der Anbringung war jedem selbst überlassen, wobei Brust, Herzseite und linke Schulter mit Vorliebe genommen wurden.
Hat jemand Informationen/event. Bilquellen zu Kreuzen auf Kleidungsstücken während den Kreuzzügen. Wichtig: KEINE Ritterorden (Johanniter, Templer, Deutschherren, etc.).
Beispiel: Ein Fürst/König (event. Richard) “nahm das Kreuz- - teilte sein Gewand und nähte sich, aus zwei streifen, ein Kreuz auf seine Brust. Hört sich sehr Improvisiert an - wars das auch?
Gab es irgendwelche Regeln? - Funken beschreibt das ”Ritter- aus verschiedenen Ländern auch verschiedenfarbige Kreuze trugen? Gibts da irgenwelche Quellen zu? (Funken will mir als Quelle/Beleg nun wirklich nicht genügen)
Das deckt sich soweit mit einer kleinen Recherche, die ich mal zum Thema der von den Johannitern verwendeten Kreuzformen ins Netz stellte. Auch Kreuzformen unterlagen einer gewissen modischen Entwicklung. Trotzdem wurden die verschiedensten Formen über sehr lange Zeiträume nebeneinander verwendet.
Sucht man im Rahmen seiner Darstellung eine passende Kreuzform, sucht man sich am besten eine zeitlich passende Bildquelle als Vorlage. Das ist kein Problem, da Kreuze sehr oft abgebildet wurden.
Zum Thema Kreuzform in einem meiner Bücher habe ich einmal folgendes geschrieben:
“Zur korrekten Darstellung eines Ordensritters gehört auch die Form des Kreuzes. Das Tatzenkreuz (TK), gleichschenklig wie mit Fußverlängerung, erfreute sich seit ca. 1170 bis Anfang des 14. Jh. großer Beliebtheit. Anscheinend gab es regionale Vorlieben, die aber nicht unbedingt zwingend waren. Die kontinental-europäische Form war das gleichschenklige TK, während jenes mit verlängertem Fuß anglonormannischen Ursprungs war. Anfang des 14. Jh. wurden die Enden des TK immer mehr halbmondförmig eingebuchtet, bis Anfang des 16. Jh. das 8-zackige, sogenannte Johanniter-Kreuz entstand.
Das Kreuz mit T-förmigen Enden (Krückenkreuz) scheint vorzugsweise bis Mitte des 13. Jh. im staufischen Bereich etabliert zu sein, um dann vom gleichschenkligen TK verdrängt zu werden. Das Normale Balkenkreuz ohne Verdickungen oder Veränderungen an den Enden, ob in griechischer oder lateinischer Form, war dagegen allgemein verbreitet”.
Vielleicht können die Materialien, auf denen sich Hakenkreuze befinden darüber etwas Aufschluß geben. Im germanischen Bereich finden sich Hakenkreuze als Einritzungen auf Keramik, die hakenform könnte also auf eine Vergröberung durch die Ritztechnik zurückzuführen sein.
Aus dem Mittelmeerraum oder dem Orient stammen Swastiken, die in Flechtmotive oder Mäander eingebettet sind. Vermutlich wurde das Motiv irgendwann aus einem komplizierteren Ornament isoliert.
Wirklich ein Missverständnis? Die ßberschrift hier heist: Kreuze, Symbolik und Bedeutung. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß Bedeutung und Symbolik eben nichts mit einer Umänderung des christl. Kreuzes in der Nazizeit zu tun hat.
@ Uli:
Eine interessante Frage, die sich wohl jeder schon gedacht hat. Denn auch wenn man den buddhistischen und den ur-christlichen Glauben vergleicht, findet man viele Parallelen.
Allein das germanische Hakenkreuz hat dermaßen viele Abänderungen der Formen, das es kaum zu glauben ist. Und jedes davon hat wiederum eine andere bedeutung. Man kann schon sagen, daß es bei den Germanen nur so von Hakenkreuzen wimmelte.
(Dies soll bitte nicht als Hetze gegen die Germanen angesehen werden! Wenn einige Germanen sich angegriffen fühlen sollten, dann sendet mir eine E-Mail. Ich erkläre das dann genauer)
Ich habe vor Jahren zufällig mal auf einer mittelalterlichen japanischen Schlachtdarstellung nicht nur das Hakenkreuz, sondern auch die zugehörige rote Fahne mit dem weißen Kreis entdeckt. Alles nur geklaut.
Richtig, das hatte ich gemeint. Ich weiß, daß das Hakenkreuz ein uraltes Sonnensymbol ist, das sowohl in indien, Afrika als auch bei den Germanen zu finden ist. Wäre interessant zu wissen, ob es unabhängig voneinander an verschiedenen Orten “erfunden” wurde oder eine Verbreitung von einem Ursprungsort nam.
ich glaube, Du hast Uli falsch verstanden. Er behauptet nicht, dass das Hakenkreuz vom Kreuz abstammt, sondern dass das Hakenkreuz das Kreuz substituieren sollte. Sprich: Kreuz weg, Hakenkreuz her. Von Abstammung ist da keine Rede.
da auf den meisten Mittelalter _ Events die historisch überlieferte starke Religiosität ziemlich zu kurz kommt möchte ich hier wissenswertes über das Hauptsymbol des christlichen Glaubens sammeln.
Daher einiges Interessantes:
Symbol
von gr. sum-ballô, zusammenbringen, näherbringen, vereinigen, das symbolon besteht ursprünglich aus den Hälften einer auseinandergebrochenen Münze, die sich als Zeichen der Freundschaft und Verwandtschaft derer, die sie besitzen, ineinanderfügen. Interessanterweise kommt das Wort dabolo (Teufel) vom gr. dia-ballô, d.h. dagegenstellen, trennen verunreinigen.
2.Konzil von Nicäa, 787
“Wir entscheiden, daß wie die Darstellungen des…Kreuzes auch die ehrwürdigen und heiligen Bilder, seien sie gemalt, in Mosaiken oder anderen geeigneten Materialien dargestellt, in den heiligen Kirchen Gottes ihren Platz finden sollen, auf den heiligen Utensilien und der Kleidung, auf den Mauern und auf den Tafeln, in den Häusern und auf den Wegen.” (7.Sitzung, 13. Oktober 787), zitiert nach: “Symbole der katholischen Kirche, Dom Robert le Gall, Bechtermünz Verlag 1997 (1999 in Lizenz bei Weltbild), ISBN 3-8289-4823-5
Das Kreuz mit dem gekreuzigten Jesus war ”den Juden ein ßrgernis, den Heiden eine Torheit.“ (1Kor 1,23)
Im 3.Reich wurde versucht das Kreuz durch das Hakenkreuz zu ersetzen (beeindruckend gemacht in einer Fotomontage von John Heartfield, dt. Emigrant und Nazigegner)
Hinrichtungen am Kreuz sind seit dem 6.Jh. v.Chr. aus dem Perserreich bekannt und wurden von Alexander dem großen (336-323 v.Chr.) und später von der rämischen Besatzungsmacht als Strafe für Sklaven, Schwerverbrecher und Revolutionäre eingeführt. Sie durfte nicht über freie römische Bürger verhängt werden. In schrecklicher Erinnerung war im Zeitalter Jesu die Massenkreuzigung von 2000 jüdischen Widerstandskämfern die Quintilius Varus an den Ausfallstrassen Jerusalems im Jahre 4v.Chr. durchführen ließ (Flavius Josephus, Bellum Iudaicum). Das lat. ”crux“ iat im Althochdeutschen ”chruci, chriuci“ und im Mittelhochdeutschen ”kriuce, kriuze" nachgebildet worden.
Es existieren unterschiedliche Kreuzformen, u.a. das lateinische Kreuz (mit Querbalken und einem längeren Längsbalken), das grichische Kreuz (mit zwei gleichlangen Armen), das Erzbischöfliche Kreuz (mit zwei Querbalken) das päbstliche Kreuz (mit drei Querbalken.
Soviel Input, nun die Fragen:
Ab wann wurde das Kreuz mit dem Gekreuzigten allgemein gebraucht?
Wann entstanden die anderen Kreuzformen? (Gabelkreuz, von Anna Katharina Emmerick (1774-1824 in ihren Leidensvisionen gesehen)
Wie wurden Kreuzmotive im Volksglauben und der allgemeinen Kunst und Kultur verwendet?
(Bekannt ist das Kreuz als Schutzzeichen über den ßffnungen eines Hauses, auch im Fachwerk alter Häuser lassen sich oft statisch nicht ötige Kreuzformen entdecken, auch wurden Kreuze über Schlüssellöchern angebracht).